„Besten Dank“ für’s Nicht-Beachten!

Manchmal fragt man sich, ob die Fähigkeit Lesen zu können überhaupt noch eine Rolle spielt für die Auswahl von Bewerbern für einen Job.

Seit kurzem habe ich ja die Lomography Spinner 360. Und bevor ich sie für „richtige“ Fotos einsetzen wollte, habe ich sie erst einmal mit einem Test-Film ausprobiert, um zu sehen, ob die Kamera ordentlich belichtet und der 360°-Dreh auch vernünftig funktioniert – aber auch, um zu testen, ob ich diese Panorama-Filme bei dm – meinem üblichen Kontakt zum Fotolabor für Farbfilme – abgeben kann. Soweit ich weiß, senden die dm-Filialen die Aufträge zu CeWe und bisher war ich immer sehr zufrieden. Man braucht zwar etwas Geduld, doch die Ergebnisse waren brauchbar und die Entwicklung günstig.

Die Kamera hat diesen Test bestanden, das Fotolabor leider nicht!

Denn obwohl ich deutlich auf dem Umschlag UND auf einer an der Filmrolle selbst befestigten Notiz darauf hingewiesen habe, dass es sich um Panorama-Aufnahmen handelt und dass sie den Film „bitte nicht schneiden“ sollen, kam der Film nach einer Woche geschnitten zurück. So ein Käse! Jetzt sind die Panoramaaufnahmen alle, ausnahmslos zerschnitten!

Die Fotos, die ich mit der Spinner 360 auf dem folgenden Tennis-Wochenende gemacht habe und auf die ich mich richtig freue, werde ich nach dieser Erfahrung NICHT bei dm abgeben. Mit bleibt wohl nicht anderes übrig, als bis nach Frankfurt zu fahren, denn dort gibt es das letzte Mini-Lab hier in der „Nähe“ (wobei „Nähe“ wirklich relativ ist, bei einer Autostunde).

Ich habe noch ein wenig versucht zu retten, was zu retten war, damit man wenigstens einen Eindruck von der (über) 360°-Panoramas bekommt:

Unsere Nachbarschaft
Unsere Nachbarschaft
Im Carport
Unterm Carport
Im Garten
Im Garten (mitsamt meiner Stirn) 😉

Lieben „Dank“ CeWe/dm, dass ihr freundliche Bitten und deutliche Anmerkungen einfach mal nicht beachtet!

Hermes – bitte nie wieder!

Ich werde künftig jeden, der ein Paket an mich schicken möchte, flehend darum bitten, das nicht per Hermes zu tun!
Warum? Höret und staunet!

Schon öfters mal habe ich mich ja über diverse Paket-Dienste beschwert, weil sie unzuverlässig arbeiten und durch falsche Angaben den Kunden verwirren bis verärgern.
Richtig gut funktionieren hier nur DHL und UPS. Die sind super. DPD geht auch, ein wenig langsamer aber verlässlich. GLS wird zum Glück nicht oft genutzt, wurde in letzter Zeit aber auch etwas besser. Hermes hingegen ist wie eine Achterbahn, manchmal richtig gut, oft aber das reine Chaos. Doch was diese Woche passiert ist, spottet wirklich jeder Beschreibung.

Am Montag erhalte ich eine Nachricht eines Verkäufers, dass ein Paket an mich per Hermes an mich abgeschickt sei. „Oh fein“, dachte ich, doch Moment, mit Hermes? „Ach du je, das kann ja heiter werden“.

Eintrag am Dienstag:

15.09.2015 07:42:26 Die Sendung wurde im Hermes Logistikzentrum sortiert.

„Na ja, immerhin.“

Eintrag am Mittwoch:

16.09.2015 01:23:25 Die Sendung ist in der Hermes Niederlassung Kassel eingetroffen.

„Hey, das klappt ja.“

Weiter am Mittwoch:

16.09.2015 09:23:56 Die Sendung befindet sich in der Zustellung.
Voraussichtliche Zustellung:16.09.2015 von 10:30 bis 14:30 Uhr

„Cool!“

Aber nichts kam. Keine Auto, kein Fahrer, kein Paket. Und das, obwohl wir natürlich den Tag so eingerichtet hatten, dass immer jemand zuhause war.

Dann plötzlich:

16.09.2015 20:16:33 Der Empfänger wurde nicht angetroffen.

„Wie bitte? Wir waren den ganzen Tag zuhause!!“
Gut, vielleicht war zu viel zu tun und es war einfach nicht mehr zu schaffen. Kann ich akzeptieren, doch dann bitte keine Lügen verbreiten und uns die Schuld in die Schuhe schieben! –> verbleibende Zustellversuche: 2 (wir zählen mit)

Donnerstag:

17.09.2015 07:38:01 Der Empfänger wurde zum 1. Mal nicht angetroffen. Wir werden einen weiteren Zustellversuch durchführen.

„Unverschämtheit!“ Anruf bei Hermes. Erste Beschwerde.

17.09.2015 08:35:33 Die Sendung befindet sich in der Zustellung.

„Na gut. Dann eben heute.“

Den ganzen Tag wieder NICHTS.

17.09.2015 20:47:18 Kunden nicht angetroffen

„Wie bitte? Geht’s noch?“ Es ist kein Hermes bei uns gewesen!!

Dann heute morgen:

18.09.2015 07:47:47 Der Empfänger wurde zum 2. Mal nicht angetroffen. Wir werden einen weiteren Zustellversuch durchführen.

Es ist nicht zu fassen! Die Lügen wie gedruckt! –> verbleibende Zustellversuche: 1 (wir zählen mit)
Erneuter Anruf bei Hermes. Deutliche Beschwerde. „Paket ist in Zulieferung“.

Ich kläre ab, was passiert, wenn der Fahrer erneut beschließt, keine Lust zu haben zu uns zu fahren. Dann könne ich das Paket im Paket-Shop abholen, am Montag, nach 16 Uhr. „In welchem? Was? Dort? Warum soll ich den 20 Minuten zu einem Shop fahren, wenn nur 7 Minuten einer von uns weg liegt?“ Also geklärt, dass wenn, dann dort.

18.09.2015 08:34:48 Die Sendung befindet sich in der Zustellung.

„OK, na hoffentlich.“

Ich also geschaut, dass ich möglichst früh zuhause bin, was ich sogar um 12:30 Uhr geschafft habe. Unser Zettel („Bitte bei den Nachbarn abgeben.“) noch an der Tür, war noch keiner da. Gut.
Die Fenster zu Straße auf kipp, damit ich die Autos höre, die vorbei fahren. Gegen kurz nach 2 wieder ein Auto, schnell geschaut, kein Nachbar. Ich laufe raus auf die Straße und sehe tatsächlich ein Hermes-Auto, allerdings nicht bei uns, sondern drei Häuser weiter oben. „Was? Wieso hat der denn nicht bei uns geklingelt?“
Ich, ziemlich geladen aber ruhig bleibend: „Sie haben doch sicher ein Paket für uns, nicht wahr?“
Sie: „Nein, nur dieses hier für Ihre Nachbarn.“

Dann startete mein Vortrag. Mit Nachdruck. [Ich überlasse nun dem geneigten Leser, sich diesen Sermon vorzustellen.]

Kleinlaut stammelte sie was von „Systemfehler“ und sagte: „Ich habe da noch ein Paket, das zu einem Paket-Shop weitergeleitet wurde. Vielleicht ist es ja das.“

Das kann doch nicht wahr sein! Nicht nur, dass die Fahrer einfach mal entscheiden, nicht zu einem Kunden zu fahren und dann einfach angeben, sie hätten niemanden angetroffen, nein, die Dispatcher kennen offensichtlich nicht den Unterschied zwischen Freitag und Montag!

Nachdem ich sehr deutlich das Paket eingefordert habe und es in den Händen hielt, damit die Hermes-Dame in ihrem mobilen Gerät die Entgegennahme vorbereiten konnte, sagte sie: „Oh, das kann ich jetzt gar nicht ändern. Ich muss das zu dem Paket-Shop bringen.“
Ab da musste ich nur noch lachen.

„Vergessen Sie es. Das Paket gebe ich Ihnen nicht mehr zurück. Keine Chance!“ (Meine Augen wie Messer.)

Verdutzt schaute sie mich an und beriet sich telefonisch mit einer Kollegin, was sie jetzt machen solle. Die wollte doch tatsächlich das Paket wieder einsäckeln und am Montag in den Shop bringen. Ist das zu fassen?
Sie fand dann heraus, dass sie noch eine gedruckte Liste hat und ich darauf den Empfang quittieren konnte.

18.09.2015 14:06:51 Die Sendung wurde zugestellt.

Nach genau 5 Tagen, zwei Lügen und einer Menge an Ignoranz. Reife Leistung!

„Test“, „Review“ und wie sie alle heißen…

Neulich ist mir mal wieder aufgefallen, wie viele Kamera- und Objektiv-Experten es im Internet gibt. Und die veröffentlichen unzählige Tests, von jeder neuen Kamera, von jedem neuen Objektiv, von jedem neuen Blitz, jeder Fernsteuerung und was weiß ich noch alles…
Obgleich ich seit etwa 30 Jahren mit unzähligen Kameras und Objektiven fotografiert habe, würde ich mich wirklich nicht als Experten bezeichnen. Dafür fehlen mir die technologischen Grundlagen. Meine Kenntnisse über Kamera-Feinmechanik finden ebenso ihre Grenzen wie die über optische Physik – ein bisschen was weiß ich, genug Halbwissen, um ein wenig „mitzureden“. Doch wenn es tief ins Detail geht, dann muss ich einfach passen. Macht aber nichts. Ist ja nicht mein Job.

testchartblog
Kennen Sie diese Poster? Sie haben sogar eines davon zuhause? Oh weh, dann nehmen Sie mir diesen Text hoffentlich nicht übel. 😉

Ja, ich spiele auch gerne mit Kameras und Objektiven herum und ja, ich muss zugeben, dass ich vor ein paar Jahren – etwa so in der Zeit zwischen 2006 und 2010 – so manche „Testreihe“ fotografiert habe. Das gleiche Motiv mit mehreren Objektive bei unterschiedlichen Blenden bei Zooms mit unterschiedlichen Brennweiten fotografieren und dann deren „Leistung“ miteinander vergleichen. Meine unsäglichen Ergebnisse habe ich dann entweder in Foren oder auf eigenem Webspace publiziert und es folgten teils lange Diskussionen darüber, welches Objektiv denn nun das „beste“ sei.

Welch eine Verschwendung von Arbeitskraft und Lebenszeit!
Und abgehalten vom eigentlichen Fotografieren hat es mich auch noch.
(Allerdings muss ich eine kleine Einschränkung machen, denn wenn man solch eine „Testreihe“ mit einem oder zwei Freunden zusammen durchführt, ist das äußerst spaßig, weil dann das Zusammensein im Vordergrund steht.)

OK, ich möchte mich an dieser Stelle entschuldigen, falls ich hiermit jemandem auf die Füße trete. Es ist nicht meine Absicht, irgendjemanden zu ärgern und zu diskreditieren. Wirklich nicht.
Doch mal im Ernst: Wie aussagekräftig sind denn solche „Testreihen“, wenn sie von Fotoamateuren im eigenen Garten (oder im eigenen Wohnzimmer) unter nicht reproduzierbaren Verhältnissen in einer nicht standardisierten Testumgebung erstellt werden? Was meine eigenen Reihen angeht, so sehe ich heute deutlich, dass es – hätte ich ein kleines Detail geändert – auch zu ganz anderen Ergebnissen hätte kommen können.

Ja, auch ich habe mich, das gebe ich offen zu, an solchen „Tests“ orientiert. Und wenn ein Objektiv von einem User (vor allem von einem der „alten Hasen“ in einem  Forum) besonders gelobt wurde, kletterte es schnell hoch auf meiner „Haben-Wollen-Liste“.
Doch wozu führt das? Entweder zu Frust, weil man sich ein ganz besonders tolles Objektiv nicht leisten kann oder zu einem Kaufrausch, neudeutsch „G.A.S“ ( = Gear Acquisition Syndrome), in dem man weitaus mehr kauft als man jemals brauchen wird. (Nebenbei, so manches sehr teure Objektiv schneidet in einem „Home-Test“ auch deshalb so exzellent ab, weil der neue Besitzer die Geldausgabe irgendwie rechtfertigen will/muss. 😉 )
Ich bin nicht frei von G.A.S., definitiv nicht. Mir macht es zu viel Spaß, mit Kameras zu spielen und noch ein weiteres Objektiv auszuprobieren. Geb ich zu. Ich hätte mir so manchen Kauf sparen und das Geld sinnvoller ausgeben können. Völlig richtig. Allerdings ist es auch eine Art Hobby von mir. Nicht nur das Fotografieren an sich, sondern auch das Herumspielen mit fotografischen „Werkzeugen“. Allerdings wird dieser Teilbereich meines Hobbys mir irgendwie immer unwichtiger. Natürlich fasziniert mich eine alte Kamera noch immer, doch ich bin zur Zeit dabei, meine „Sets“ möglichst sinnvoll umzustrukturieren und eine ganze Menge an Zeugs zu verkaufen. Alles, was wenig Verwendung findet und wozu ich keinen besonderen Bezug habe, wird mich verlassen müssen. Auch, weil ich auf die eingangs beschriebenen „Tests“ – und somit komme ich wieder darauf zurück – keine Lust mehr habe.

Es mag jeder machen, wie er will. Und wer mit dem Abfotografieren von Testcharts oder Bücherregalen glücklich wird, dem sei es gegönnt. Er sollte sich aber bewusst sein, dass die erzielten Ergebnisse keine wirklich hohe Aussagekraft und somit wenig Relevanz haben. Klingt hart, meine ich aber so.

Was ich hingegen richtig toll finde und worüber ich wirklich dankbar bin, sind „Erfahrungsberichte„, also ganz persönliche Beschreibungen der eigenen Eindrücke über ein Objektiv, eine Kamera, ein Stativ usw. Denn solche Texte werden nie mit dem Anspruch der Objektivität geschrieben, die man ohnehin nicht erreichen kann. Finde ich super!

Solche Erfahrungsberichte vermitteln einen echten Eindruck in den Umgang mit einem Gerät. Und das kann für Interessenten sehr hilfreich sein. So versuche ich auch immer, meine „Tests“ zu konzipieren – und hoffe, dass mir das gelingt. 😉

Also ein dickes „Danke schön“ an alle, die ihre Erfahrungen mit fotografischem Equipment zusammenschreiben und anderen zur Verfügung stellen. Weiter so!

So und nun überlege ich mir, wo und was ich als nächstes fotografieren kann. Auf echten Fotos und ganz ohne Testchart. 😉

Kamera oder Objektiv – was ich wichtiger?

Jeder, der schon etwas länger fotografiert, kennt den Spruch „Kameras kommen und gehen, Objektive bleiben“. Und vermutlich hat auch schon jeder früher einmal (oder auch heute noch) die Aussagen gehört, dass es ja in erster Linie auf die Objektive ankäme.

Zu analogen Zeiten galt in der Tat, dass die Kamera lediglich die Grundfunktionen bieten und hauptsächlich zuverlässig sein musste. Objektiv und Filmwahl hatten mehr Einfluss auf das Bildergebnis als die Kamera an sich. So lange sie funktionierte, war alles in Ordnung. Jede Sonderfunktion war eigentlich nur die eine oder andere Stufe an Luxus, die das Fotoleben erleichterte, aber nicht wirklich notwendig war.

Sicher, was immer noch stimmt ist, dass das Objektiv maßgeblich an der Erstellung des Bildes beteiligt ist. Aber für Digitalkameras gilt absolut nicht mehr, dass das Objektiv die „Hauptarbeit“ macht. Der Sensor, der Bildprozessor und die Algorithmen haben einen derart großen Einfluss auf die Ergebnisse, dass ich immer ein wenig lächeln muss, wenn jemand mal wieder allen Ernstes behauptet, dass es ausschließlich auf die Objektive ankäme.

Wahr ist allerdings, dass auch der beste Sensor und die cleverste interne Verarbeitung keine guten Bilder aus einem grottigen Objektiv herausholen kann. Allerdings sind moderne Objektiv in der Regel so gut, dass man auch mit „Einsteigermodellen“ sehr gute Fotos machen kann.

Ein tolles Objektiv macht natürlich noch immer Spaß und man wird sich lange – mindestens bis zum nächsten Systemwechsel 😉 – an einem richtig guten Objektiv erfreuen. Doch die Kamera darf heutzutage definitiv nicht mehr vernachlässigt werden. Da haben sich die Zeiten gewaltig geändert!

Was andererseits gerade in der Hochzeit des „Megapixel-Rennens“ beinahe vergessen wurde ist, dass nicht nur der Sensor das Bild macht. Denn genau wie ein noch so gutes Objektiv an einem schlechten Sensor versagen wird, so bringt ein toller Sensor mit einem schlechten Objektiv nur Enttäuschungen.

Heute kommt es auf beides an. Und vor allem immer noch auf den oder die, der/die hinter der Kamera steht. 😉

Ist die Ausrüstung wichtig?

Diese in zahllosen Foren und auf unzähligen Foto-Stammtischen geführte Diskussion nervt viele. Das kann man irgendwie ja auch verstehen. Die einen sind überzeugt, dass immer der Fotograf das Bild macht. Die anderen entgegen, dass sie gar nicht wissen, wo im Kopf des Fotografen das Fotopapier liegt 😉 und sehen sich gezwungen, ihre ausgedehnte Sammlung zu rechtfertigen.

Ich fühle mich im Moment so, dass ich nichts (mehr) rechtfertigen muss. Zum einen geht es niemand etwas an, was ich mir von meinem Geld kaufe und zum anderen bringt eine Rechtfertigung meist ohnehin nichts. Außerdem war ich lange nicht so zufrieden mit meiner Ausrüstung wie zur Zeit. „Stilpirat“ Steffen Böttcher hat es mal als „satt“ bezeichnet – das Gefühl, eigentlich mehr zu haben als man braucht und nicht mehr alles mitschleppen zu wollen, sich aber dennoch nicht davon trennen können. So fühle ich mich auch, mit dem Unterschied, dass mir dieses „satt sein“ besser gefällt als offensichtlich dem Stilpirat. 😉 Ich finde es toll, für beinahe jede erdenklich Situation das passende Equipment zu haben – und mit vielem einfach nur mal „spielen“ zu können. (Ich muss ja davon auch nicht leben.)

Was also die im Titel gestellte Frage betrifft, so möchte ich sie mit einem „ja“ beantworten. Das soll aber nicht heißen – und das wird  dann oft in Diskussion bewusst falsch verstanden – dass ausschließlich das Equipment wichtig ist. Forendiskussionen neigen ja gelegentlich immer mal wieder zum Dogmatismus (eines meiner Lieblingsthemen) und lassen darin schon gewisse Ähnlichkeiten zu sonntagmorgentlichen Stammtischgesprächen erkennen – auf wiedererkennbar erschreckendem Niveau.

Oft liest man von den Fotografen, welche die Ausrüstung als wenig wichtig betrachten, folgende Anekdote:

Eines Tages ging ein berühmter Fotograf in ein Sterne-Restaurant, genoss das Mahl und sprach anschließend mit dem Koch. Als dieser den Fotografen erkannte sagte er: „Sie machen so wunderbare Fotos, Sie müssen ja eine sehr gute Kamera haben.“ Der Fotograf entgegnete: „Sie kochen so ein wundervolles Essen, Sie müssen ja sehr gute Töpfe haben.“

Soweit so gut.
Diese Geschichte wird aber meist nicht zu Ende gedacht. Natürlich hat der Koch sehr gute Töpfe! Und sehr gute Pfannen. Und sehr gute Messer. Ohne exzellentes Werkzeug würde sich ein Top-Koch wohl kaum in die Küche stellen. Diese Utensilien helfen ihm dabei, sehr gute Gerichte zu zaubern, die er so nicht hinbekäme, wenn die Messer nicht richtig schneiden und die Pfannen nicht gleichmäßig heiß werden würden. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass jemand, der nicht kochen kann, auch mit den besten Töpfen kein gutes Essen machen könnte.

Genau so ist es beim Fotografieren. Selbstverständlich ist die Ausrüstung wichtig! Haben Sie schon einmal versucht, ein Bild mit der Bildwirkung eines starken Weitwinkels zu machen, wenn Ihr Objektiv bei 28mm anfängt? Haben Sie schon einmal versucht, ein formatfüllendes Abbild eines Tieres aufzunehmen ohne Teleobjektiv? Haben Sie schon einmal versucht, eine samtige Freistellung eines Portraits zu erreichen mit einem 3.5-5.6/28-80 Zoom?
Andererseits bringt es nichts, einem untalentierten Fotoanfänger gleich eine Profi-Kamera mit einem extrem lichtstarken 50er oder einem Superweitwinkel in die Hand zu drücken. Das wird nichts werden.

Ein sehr guter Koch braucht außer seinen Fähigkeiten die geeigneten sehr guten Werkzeuge.
Ersetzen Sie nun „Koch“ bitte durch „Fotograf“ und es passt ebenso.

Doch diese Analogie greift noch weiter!
Ohne gute Zutaten wird kaum ein leckeres Essen gelingen – ohne gute Sujets wird kaum ein gutes Foto gelingen.
Ohne Gewürze bleibt das Essen fade – ohne passendes Licht ein Foto ebenso.
Und die Präsentation auf dem Teller entspricht der Bildbearbeitung: es geht auch ohne, doch es sieht einfach besser aus.

Sie sehen, es gehört mehr zu einem begeisternden Foto als der Fotograf. Es gibt einfach mehrere essentielle Bestandteile des Rezeptes.
Diesen alten, abgehalfterten Spruch „Nur der Fotograf macht das Bild“ sollte man so langsam einmal abheften – oder zeigen Sie mir bitte einmal den Profi, der mit einer billigen Kompaktknipse zum Termin fährt. Nein, das sind keine Gearheads, die sich an Statussymbolen berauschen. Diese Menschen nutzen das, was ihnen in ihrem Job am besten hilft! Und sei es nur, dass diese bestimmte Kamera ihnen das beste „Gefühl“ beim Arbeiten gibt. (Gerade dies hört man oft von Leica-Fans, die damit ihre Leidenschaft gegenüber kopfschüttelnden Gesprächspartnern begründen.)

Meine womöglich ungewohnt deutliche Aussage bedeutet allerdings nicht, dass eine bestimmte Marke den Ausschlag gibt! Ich gehöre nämlich nicht zu denen, die überzeugt sind, dass Profi-Equipment nur von Nikon oder Canon, oder in bestimmten Bereichen von Leica kommen kann. Ich kenne so einige Könner, die mit Fuji, Sony, Pentax oder Olympus fotografieren und in professionellen Studio-Szenarien tauchen nochmal ganz andere Marken auf.

Jegliche Reduzierung des fotografischen Ergebnisses auf eine Zutat (sei es nun der Fotograf oder das Equipment) bedeutet eine beschränkte Sichtweise, derer wir uns eigentlich bereits entledigt haben sollten. Danke.

Zu diesem Thema empfehle ich auch diesen Artikel von „The Luminous Landscape„.

Ausdruck(svermögen)

Dies wird, man möge mir verzeihen, ein „Mini-Rant“ (wie es so unschön im Internetjargon heißt).

Ich fotografiere auch, weil ich die Fotografie als Ausdrucksmöglichkeit sehe. Das ist mir wichtig. Eben aus diesem Grund lege ich, zum Beispiel bei meinen Kindern (die können so manches Lied davon singen) Wert darauf, dass auch Sprache nicht verunglimpft und misshandelt wird. Solche Fälle kenne ich von meinem Beruf als Lehrer zur Genüge.

Wenn ich aber lesen muss, dass auch von Institutionen, die eigentlich zum Erhalt einer Sprachqualität beitragen sollten, Sprache mutwillig zerstört wird, dann kann mir schon einmal der weithin bekannte Kragen platzen.

Vorweg muss ich sagen, dass mir „Gender-Awareness“ nicht nur wichtig ist, sondern, dass ich auch zu diesem Thema Kurse in der Lehrerausbildung leite. Ich darf mir also zugestehen, mehrfach über die sprachlichen Bezüge und Auswirkungen von Geschlechterrollen reflektiert und diskutiert zu haben. Kürzlich aber las ich, dass es in der Tat Bücher gibt, in denen die Begriffe „Mama“ und „Papa“ durch gender-neutrale Begriffe wie „MaPa“ oder „PaMa“ ersetzt wurden. Nein, ich lasse mich jetzt nicht zu einem Kommentar hinreißen, sondern überlasse dies dem geneigten Leser – oder der Leserin – selbst.

Nur soviel: Wenn man Worten die Kanten nimmt, dann wird deren Bedeutung unscharf. (Das darf zitiert werden: Schouler 2014. ;))

Und sobald eine Sprache diffus wird, wird effektive Kommunikation schwierig – und zunehmend unästhetisch.

Danke.

 

„Pixel-Peeping“ … ernsthaft?

Ja, ich gebe es zu, als ich von der Panasonic Lumix FZ20 damals auf die Canon EOS 350D „aufgestiegen“ bin, habe ich mir alle Fotos bei 100% angeschaut, weil ich von der „Verbesserung“ so begeistert war. Ich habe mein gesamtes persönliches Umfeld – vor allem aber mein geliebte Frau – genervt: „Schau mal hier! Das ist ja der Wahnsinn!“ (Bitte entschuldige, Schatz.)

Als ich dann die EOS 5D bekam habe ich ich mir vor allem die ISO 1600-Fotos bei 100% angeschaut. „Wow, da ist ja fast kein Rauschen zu sehen„. In meiner wilden Adaptiererei-Phase, in der ich versuchte alles an alles zu bringen – also jedes denkbare Objektiv an jede mögliche Kamera, bisweilen sogar mit Umbauten (!) – habe ich auch wieder Fotos bei 100% angeschaut, diesmal vor allem in den Ecken. Manch ein manuelles Objektiv konnte überzeugen, andere waren eher „grottig“.

Jetzt bin ich aber über solch ein „Pixel-Peeping“ hinaus. (Sollte jetzt nicht überheblich klingen!) Dabei geholfen hat mir die inzwischen enorme Leistung der neuen Kameras. Wenn man nach einem 5-MPix-Minisensor zum ersten Mal mit einem APS-Sensor fotografiert, ergötzt man sich einfach an der um ein Vielfaches besseren Bildqualität. Doch die Diskussionen, die in den Foren heute zu verfolgen sind, lassen mich oft nur noch kopfschüttelnd vor dem PC sitzen. Da wird heftig gestritten, ob nun die Canon 5D Mk II oder die 5D Mk III bei ISO 6400 besser ist, ob seit dem Erscheinen der Nikon D810 die D800 völlig obsolet geworden ist oder ob die D800E immer noch besser ist.
Wenn man dann nachfragt, für was die Kameras denn genutzt werden, findet man häufig heraus, dass sie bei recht wohlhabenden Amateuren für Urlaubsfotos Verwendung finden. Abzüge über 20×30 werden so gut wie nie gemacht und das Stativ liegt in der Regel zu Hause. Leute, geht’s noch?

Bitte nicht falsch verstehen: es gibt sicherlich Profis und Semi-Profis, bei denen es auf jeden Pixel, bei möglichst hoher ISO-Zahl und Schärfe bis in die Ecken ankommt. Da verstehe ich ein Art „Pixel-Peeping“ durchaus. Diese Menschen leben von ihren Fotos.

Aber für den Großteil der in vielen Foren (es gibt positive Ausnahmen!) aktiven Fotografen wäre es, und da lehne ich mich mutig aus dem Fenster, völlig egal, ob sie mit einer Nikon D610, D800, D810 oder D700 fotografieren. Ganz im Ernst, bei gleichem Objektiv und einem Abzug in 40x60cm bin ich sicher, dass die Diskutanten keinen Unterschied feststellen würden.

Wer sich seitenweise darüber streitet, ob die D810 oder D800E bei ISO 6400 bessere Fotos macht, der würde sich auch darüber streiten, welcher Ferrari bei niedrigerer Motordrehzahl Tempo 280 erreicht. Ähnlich sinnvoll ist solch ein Streit.

Ich möchte niemanden untersagen, sich über sowas zu unterhalten – könnte ich auch gar nicht – aber vielleicht sollte man zwischendurch mal daran denken, die „Bälle etwas flacher“ zu halten. Besser wäre es ohnehin, öfters mal raus zu gehen und Fotos zu machen, von den eigenen Kindern, von Städten, Landschaften, Schiffen, Eisenbahnen …  was auch immer. Und dabei ist es ziemlich egal, welche der modernen Kameras oder klassischen Filmkameras man nutzt. Die sind eigentlich alle gut genug.

So, und nun ganz im Sinne von Peter Lustig aus Löwenzahn: „Abschalten!“ 😉