Fundstücke…

Sie kennen das, nicht wahr? Sie suchen gar nichts für Ihre Kamerasammlung und plötzlich fallen Ihnen nicht ein oder zwei sondern gleich eine ganze Menge an Angeboten vor die Füße, zu denen Sie einfach nicht „nein“ sagen können, weil es eine Schande wäre, sie für diese niedrigen Preise ziehen zu lassen.
So ging es mir die letzten beiden Wochen.

Ich hätte gar nicht die Zeit gehabt, auf eine intensive Suche nach interessanten Dingen zu gehen. 60-Stunden-Wochen lassen wenig Spielraum für’s Hobby. Und dennoch sind in den letzten Tagen ein paar spannenden Sachen bei mir eingezogen.

Fangen wie einmal an…

9certina

Als ein weiteres Mitglied meiner Toycamera-Sammlung kam eine Certo Certina dazu, die ein paar Besonderheiten aufbietet: Man hat die Wahl zwischen „Bulb“ und „Manuell“ und zwischen Blende f/8 und f/11 und fokussieren kann sie auch, sowohl per Meterskala als auch per Scale-Focus-Bildchen . Das ist schonmal mehr als die meisten Toycameras bieten. Außerdem hat die Certina einen Filmtransporthebel, der den Rollfilm (!) weiterspult. Man muss dennoch im Bildzählfenster kontrollieren, wann bis zum nächsten Bild weitergespult ist. Witzig ist, dass der Transportmechanismus nicht ganz synchron mit der Beschriftung auf der Filmrolle ist. 😉

9konstruktor

Kurz danach flatterte eine Lomo Konstruktor ins Haus, eine DIY-SLR mit Lichtschachtsucher für Kleinbildfilme. Mehr muss man eigentlich nicht dazu sagen. 🙂

9lomoinstant

Wo wir gerade bei Lomo sind, auf die Lomo Instant, die auf Instax Mini fotografiert konnte ich bei dem Preis auch nicht verzichten. Die „Instax“ von Lomo soll angeblich die „kreativste“ der kleinen Instax-Kameras sein, da man diverse Blitzeinstellungen nutzen kann, sie ein Fokussiereinrichtung hat, einen Bulb-Modus und die Möglichkeit zur Doppelbelichtung. Das klingt alles hochspannend. Jetzt warte ich nur noch darauf, die Lomo mit etwas mehr Zeit richtig ausprobieren zu können. Die Filme sind jedenfalls auch schon hier. 😉

9canomatic

Aber nicht genug mit „Toycameras“, ein echter „Klassiker“ der Fake-SLRs zog auch noch ein: eine Canomatic. Diese Kamera sieht aus wie eine SLR und nutzt auf beinahe bösartige Weise den Schrifttyp der alten Canon-Kameras. Sie hat aber weder mit dem einen noch mit dem anderen etwas zu tun. Sie ist nichts weiter als eine übergroße Sucherkamera mit Fixfokus-Objektiv, allerdings mit zwei Besonderheiten: zum einen sind Bleigewichte (!) in den Kameraboden eingelegt, um die Kamera schwerer zu machen (!!) und zum anderen lässt sich die Blende sozusagen per „Zoom“ verstellen. Die beiden roten Knöpfchen fahren das Objektiv vor und zurück, was aber nicht zum Fokussieren taugt, sondern eben die Blende in den 6,3 – 8 – 11 – 16 einstellt. Weird!

Aber was soll man machen? Wenn man Kameras für einstellige €-Beträge findet, fällt es schwer, nicht zuzugreifen.

Filme sind in alle Kameras geladen. Jetzt heißt es, öfters mal einpacken…

Aber nicht nur Lomo- und Toycameras kamen an, nein auch zwei überaus interessante Objektive, die ich ebenfalls für einen kleinen Teil des eigentlich gehandelten Wertes erstehen konnte. Irgendwie hatte ich in den letzten beiden Wochen diesbezüglich echt Glück.

9canon50makro

Als Ergänzung zu meinen FD-Objektiven (für die Sony A7II und die Fuji X-E2) 2.8/24 und 1.4/50 SSC stieß ein Canon FD 3.5/50 SSC Makro dazu. Auf einen Vergleich zwischen dem Canon 3.5/50 Makro und dem Nikkor 3.5/55 Mikro freue ich mich auch schon.

Und schließlich – und das was sozusagen das i-Tüpfelchen – fand ich ein professionell auf µ4/3 adaptiertes Nikonos Nikkor 2.5/35. Das ist eigentlich ein Objektiv für die Unterwasserkamera Nikonos, doch das 35er lässt sich auch „an Land“ nutzen. Als 35er ist es an de Olympus PEN E-P3 gewissermaßen ein 70er.

9nikonos

Besonders interessant finde ich, dass man an den großen Rädchen links (silber) fokussiert und rechts (schwarz) die Blende verstellt. Das ist schon echt cool, solch ein Objektiv an einer Systemkamera zu nutzen und die Abbildungsleistung scheint mir mehr als ordentlich zu sein. Mehr dazu, wenn ich ein paar mehr Bilder damit gemacht habe.

Für all diese Teile zusammen bin ich im zweistelligen €-Bereich geblieben. Wow, nicht wahr?

Winter-Shooting mit Jessica

“Winter is coming“

(George R.R. Martin, A Game of Thrones)

Ich weiß, ich weiß, da bin ich ziemlich genau eine Jahreszeit zu spät. Doch leider sind diese Fotos noch nicht auf der Website von Meyer-Optik erschienen – und noch länger warten möchte ich nicht.

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Bereits vor einiger Zeit durfte ich – nicht das erste Mal – mit zwei Meyer-Objektiven spielen, diesmal mit einem Trimagon 2.6/95 (für Nikon F)…

und einem Nocturnus 0.95/35 (für µ4/3):

Besonders gespannt war ich natürlich auf das extrem lichtstarke 35er, denn eine Offenblende von f/0.95 ermöglicht auch am relativ „kleinen“ µ4/3-Sensor eine schöne Freistellung.

Doch dieses Mal hatte ich keine Lust auf irgendwelche „Testfotos“ und auf einen „Testbericht“ über die beiden Objektive, die schon einen „besonderen“ Charakter zeigen. Vielmehr hatte ich die Idee, die Fotos mit dem schönen (aber kalten) Winterwetter und einem direkten Bezug zum Modell zu verknüpfen. Die bezaubernde und superliebe Jessica – die schon einmal hier im Blog erschienen ist – studiert u.a. Englisch. Daher suchte ich passende Zitate aus englischen Büchern und versuchte eine Symbiose aus Fotografie und Literartur.

Bitte sehr…

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Meyer Nocturnus 0,95/35; Olmypus PEN E-P3

In winter with warm tears I’ll melt the snow
And keep eternal spring-time on thy face.”
Shakespeare, Titus Andronicus; Act 3, Scene 1

 

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Meyer Nocturnus 0,95/35; Olmypus PEN E-P3

“I wonder if the snow loves the trees and fields, that it kisses them so gently? And then it covers them up snug, you know, with a white quilt; and perhaps it says, „Go to sleep, darlings, till the summer comes again.”
Lewis Carroll, Alice’s Adventures in Wonderland & Through the Looking-Glass

 

 

 

 

 

 

 

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Meyer Trimagon 2.6/95, Nikon Df

“What good is the warmth of summer, without the cold of winter to give it sweetness.”
John Steinbeck, Travels with Charley: In Search of America

 

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Meyer Trimagon 2.6/95, Nikon Df

“Snow flurries began to fall and they swirled around people’s legs like house cats. It was magical, this snow globe world.”
Sarah Addison Allen, The Sugar Queen

 

 

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Meyer Trimagon 2.6/95, Nikon Df

 

“My old grandmother always used to say, Summer friends will melt away like summer snows, but winter friends are friends forever.”

George R.R. Martin, A Feast for Crows

 

 

 

 

 

 

Lieben Dank, Jessica. Das hat mal wieder sehr viel Spaß gemacht. Ein weiteres „Dankeschön“ geht an Benedikt Hartmann von Meyer-Optik, der mir die beiden Objektive zur Verfügung gestellt hat.

Abschließend eine kleine Galerie mit obigen und weiteren Fotos dieses Tages:

 

 

Objektivübersicht Olympus µ4/3

Olympus war damals richtungsweisend bei der Einführung des 4/3-Systems und ist in der Entwicklung zu spiegellosen Systemkameras zum µ4/3-Standard umgeschwenkt. Die dafür neu berechneten Objektive sind für die digitale Fotografie optimiert und genau auf den „Micro-Four-Thirds“-Sensor eingepasst. Der große Vorteil dabei (und des im Vergleich zum Kleinbild kleineren Sensors) ist, dass es möglich ist, sogar lichtstarke Objektive sehr kompakt zu bauen. Wer – von Kleinbildobjektiven kommend – zum ersten Mal ein µ4/3-Objektiv in die Hand nimmt, der ist ob der kleinen Baugröße überrascht. Wenn er dann noch sieht, welch ausgezeichnete Leistung diese Objektive bringen können, der traut zunächst seinen Augen nicht.

Durch eine beispielhafte Großzügigkeit seitens Olympus, mir Testkameras und -objektive zur Verfügung zu stellen, hatte ich inzwischen die Gelegenheit, eine ganze Reihe von µ4/3-Objektiven auszuprobieren. Hier nun möchte ich eine kleine, nach Art und Brennweite geordnete Liste vorstellen und kurz beschreiben, was mir an den Objektiven gut und weniger gut gefallen hat:

 

Olympus M.ZUIKO DIGITAL ED 12 mm 1:2.0

KB-äquivalente Brennweite: ~ 24 mm

Verarbeitungsqualität: sehr hoch, fühlt sich äußerst solide an, sämtliche Mechanik läuft geschmeidig

Abbildungsleistung: sehr gut, auch als Weitwinkel bereits bei Offenblende nutzbar

Pro: hervorragende Abbildungsleistung für ein „24mm“, sehr solide gebaut, hohe Lichtstärke

Contra: Preis

 

Olympus M.ZUIKO DIGITAL 17 mm 1:1.8

KB-äquivalente Brennweite: ~ 35 mm

Verarbeitungsqualität: sehr hoch, fühlt sich äußerst solide an, sämtliche Mechanik läuft geschmeidig

Abbildungsleistung: sehr gut, ein wunderbares „Reportage-Objektiv“

Pro: sehr gute Abbildungsleistung, sehr solide gebaut, hohe Lichtstärke

Contra: Preis, relativ breiter Durchmesser im Vergleich zum 45er

 

Olympus M.ZUIKO DIGITAL 45 mm 1:1.8

KB-äquivalente Brennweite: ~ 90 mm

Verarbeitungsqualität: hoch, fühlt sich solide aber leichter an als beispielsweise das 12er

Abbildungsleistung: sehr gut, wäre „mein“ Portraitobjektiv wenn ich auf µ4/3 fotografieren würde

Pro: sehr gute Abbildungsleistung, trotz Portraittele-Brennweite sehr kompakt und leicht

Contra: wirkt nicht ganz so solide wie das 17er

 

Olympus M.ZUIKO DIGITAL ED 60 mm 1:2.8 Macro

KB-äquivalente Brennweite: ~ 120 mm

Verarbeitungsqualität: gut, fühlt sich aber viel mehr nach Plastik an als andere M.Zuikos

Abbildungsleistung: sehr gut, Macro bis 1:1

Pro: recht lichtstarkes mittleres Tele und sehr gute Makroleistungen

Contra: überraschend langes Gehäuse, gelegentlich „pumpender“ und nicht treffsicherer AF, Preis

 

Zoomobjektive

 

Olympus M.ZUIKO DIGITAL ED 12-50 mm 1:3.5-6.3 EZ

KB-äquivalente Brennweite: ~ 24 – 100 mm

Verarbeitungsqualität: gut bis sehr gut

Abbildungsleistung: gut bis sehr gut

Pro: ordentliche Leistung für ein Standardzoom, nützlicher Brennweitenbereich

Contra: nicht allzu lichtstark, ungewöhnliche Proportionen (schmal und lang)

 

Olympus M.ZUIKO DIGITAL ED 12-40 mm 1:2.8

KB-äquivalente Brennweite: ~ 24 – 80 mm

Verarbeitungsqualität: extrem hoch, auf professionellem Niveau

Abbildungsleistung: hervorragend, vor allem für ein Zoom-Objektiv

Pro: ausgezeichnete Verarbeitung und Leistung, hohe Lichtstärke, nützlicher Brennweitenbereich

Contra: recht groß und schwer für die kleinen Olympus-Kameras, Preis

 

Olympus M. ZUIKO DIGITAL 14-42mm 1:3.5-5.6 EZ

KB-äquivalente Brennweite: ~ 28 – 85 mm

Verarbeitungsqualität: noch gut, wirkt weniger wertig als es doch ist

Abbildungsleistung: gut, absolut ausreichend für ein Normalzoom

Pro: sehr kompakt („Pancake-Zoom“) und ordentliche Abbildungsleistung

Contra: durchschnittliche Lichtstärke, unschöner Motozoom

 

Olympus M.ZUIKO DIGITAL 14-42 mm 1:3.5-5.6 II (R)

KB-äquivalente Brennweite: ~ 28 – 85 mm

Verarbeitungsqualität: durchschnittlich gut, sehr viel Plastik, Zoom läuft aber rund und weich

Abbildungsleistung: gut, absolut ausreichend für ein Normalzoom

Pro: kompakt, leicht und preisgünstig

Contra: Verarbeitung auf unterem Olympus-Niveau

 

Welche dieser Objektive würde ich empfehlen? Nun, das kommt ganz auf die persönlichen Vorlieben und vor allem auf die Kamera an, die man nutzt. An die „große“ OM-D E-M1 passt m.E. am besten das 2.8/12-40, evlt. ergänzt um das 60er Macro. Für eine OM-D E-M10 könnte sich ein Zoom-Freund auf das „Pancake“-Zoom 14-42 EZ beschränken oder, wenn er durch Festbrennweiten mehr Qualität erreichen möchte, dann macht er mit dem Set aus 2.0/12, 1.8/17 und 1.8/45 sicher nichts falsch. Diese Festbrennweiten würde ich auch für die PEN EP-5 empfehlen. Die Kombination aus „24er“, „35er“ und „90er“ bildet ein sehr gutes Reise-Set.

Wegweiser durch den Altglas-Dschungel (Teil 1 – DSLR)

Na gut, der Titel mag vielleicht ein wenig auftragen, denn ein kompletter Ratgeber kann dieser Artikel nicht sein. Außerdem würde ein Text, der wirklich alles Wichtige vorweg nimmt, einen großen Teil der Freude an der Beschäftigung mit manuellen Objektiven an modernen Kameras nehmen, denn gerade das Ausprobieren von geradezu abstrus klingenden Kombinationen macht besonders viel Spaß.

Wichtig für jeden, der anfangen möchte, mit alten Objektiven an Digitalkameras zu fotografieren ist es, die Vor- und Nachteile des eigenen Systems zu kennen – und darum soll es hier gehen.

Ich unterteile dabei die Kameras in zwei Kategorien: DSLRs und spiegellose Systemkameras.

DSLRs

Als ich vor gut 10 Jahren anfing, manuelle Objektive an meine DSLR zu adaptieren – ich gehörte zu den ersten „Verrückten“ (so hat man uns jedenfalls damals angeschaut) – gab es für diesen Zweck nur digitale Spiegelreflexkameras. „EVIL“, „CSC“ oder wie auch immer die Gruppe der Spiegellosen genannt wird waren noch nicht einmal am Horizont zu erkennen. Olympus und Pansonic waren Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrhunderts die ersten, die damit auf den Markt kamen. Ja, man glaubt es heute kaum, das war erst vor etwa fünf Jahren! Sony folgte mit den ersten NEX-Modellen ein knappes Jahr später. Leica veröffentlichte seine M8 bereits im Jahr 2006, doch für das Adaptieren taugt die M8 nicht allzu gut, da man – wenn man überhaupt Adapter findet – nur per Schätzung fokussieren kann.

Also blieben nur die DSLRs, die glücklicherweise auch zu dieser Zeit endlich in Preisregionen vorstießen, die es auch einem Amateur möglich machte, daran teilzuhaben. Nach einiger Überlegung, ob es eine Pentax (ist* D), Nikon (D70) oder Canon (EOS 350D) werden sollte, entschied ich mich aufgrund des m.E. besten Preis-Leistungs-Verhältnisses für die EOS. Im Laufe der Zeit wurde meine 350D dann durch eine andere Mattscheibe und ein anderes Sucherokular auf die Benutzung von manuellen Objektiven optimiert. Damals hatte ich nur drei AF-Objektive überhaupt, dafür aber nach einiger Zeit an die 100 manuelle. (Inzwischen sind über 200 Objektive durch meine Hände gegangen, aber das ist eine andere Geschichte.)

Auch heute noch werden DSLRs häufig genutzt, um adaptierte Objektive älterer Bauart wiederzubeleben – trotz der zunehmenden Ausrichtung der „Altglasfans“ auf spiegellose Systeme. Warum auch nicht? Ein guter optischer Sucher ist immer noch ein Genuss.

Kommen wir nun zu den einzelnen Systemen. (In Klammern liste ich diejenigen DSLR-Modelle auf, die ich – zumindest kurzzeitig – selbst hatte/habe.)

Canon EOS (300D, 10D, 350D, 40D, 5D) 

Der Hauptgrund warum sich viele Altglasfans für eine EOS entscheiden, liegt in dem relativ kurzen Auflagemaß der Kameras. Als Auflagemaß bezeichnet man die Entfernung der Sensorebene von der Bajonettvorderkante. Ist das Auflagemaß einer Kamera kürzer als das, für welches ein Objektiv gerechnet wurde, bleibt Platz für einen Adapter, der das originale Bajonett durch das für die Kamera geeignete ersetzt. Da zum Beispiel ein Nikkor-Objektiv für ein Auflagemaß von 46,50 mm gerechnet wurde (nämlich das der Nikon-Kameras) und eine EOS ein Auflagemaß von 44,00 mm verwendet, bleibt Platz für einen 2,5 mm dicken Adapter. Das klingt wenig, ist aber mehr als genug. Je größer diese Differenz ist, desto leichter ist es, einen Adapter zu entwickeln.
Ist das Auflagemaß einer Kamera aber länger als das eines Objektives, kann man mit solch einem adaptierten Objektiv nur noch im Nahbereich fokussieren. Der Adapter wirkt dann in etwa wie ein Makro-Tubus. (So zum Beispiel bei adaptierten Canon FD-Objektiven, mit 42,00 mm Auflagemaß, an einer Canon EOS.) Es gibt Adapter mit einer entsprechenden Korrekturlinse, doch die „verlängern“ einerseits die Brennweite des Objektiv und sorgen andererseits oft für eine Verschlechterung der Abbildungsqualität und meist für eine erhöhte Anfälligkeit für Streulichteffekte.

An eine EOS mit APS-Sensor (und daher kleinerem Spiegel) lassen sich die meisten Objektive für folgende Systeme adaptieren: Leica R, Nikon F, Pentax PK, Olympus OM, Contax/Yashica, M42. Bei EXA-Objektiven wird es knapp und Minolta MD und Konica AR Objektiv funktionieren nicht ohne tiefgreifenden Umbau.
Eine Kleinbild-EOS sorgt durch den größeren Schwingspiegel für deutlich mehr Probleme. Das Auflagemaß passt zwar auch hier, doch häufig ist die Fassung der Hinterlinse eines Objektivs dem Schwungweg des Spiegels im Weg. Es finden sich recht gute Kompatibilitäs-Listen für „Vollformat“-EOS im Internet, z.B. hier für M42-Objektive.

Seit einiger Zeit gibt es auch sogenannte Chip-Adapter, die die Fokusbestätigung der Kamera aktivieren. Das funktioniert meiner Erfahrung nach unterschiedlich gut.

Nikon (D60, D90, D100, D3100, D7000, Df, Fuji S1 Pro, Fuji S2 Pro)

Obwohl das Nikon-System sich durch eine erstaunliche „Rückwärts-Kompatibilität“ auszeichnet und damit auch geworben wird, ist eine Nikon-DSLR nicht die optimale Lösung dafür, viele verschiedene Objektive zu adaptieren. Natürlich kann man sich auf die exzellenten Nikkore begrenzen und sich bei etwas preisgünstigeren Non-OEM-Marken mit Nikon-Bajonett wie etwa Vivitar, Soligor oder Tokina bedienen, doch sobald man Nikon-fremde Anschlüsse verwenden möchte, wird es schwer, da eine Nikon-DSLR ein relativ großes Auflagemaß nutzt. Selbst die eigentlich so vielseitig einsetzbaren M42er lassen sich an einer Nikon nur im Nahbereich oder mit Korrekturlinse nutzen.
Wer also mit vielen Bajonetten „spielen“ möchte, der sollte sich ein anderes System aussuchen. Wer sich aber nur die wichtigsten Brennweiten kaufen möchte, um damit zu fotografieren, der sucht nach den hervorragenden manuellen Nikkoren und erfreut sich an deren ausgezeichneter Qualität. Zudem zeigt ein sehr gut funktionierender Fokus-Indikator an, wenn man korrekt scharf gestellt hat.

Dabei gibt es aber auch ein paar grundlegende Aspekte, die man beachten muss:

  • An die „kleinsten“ Nikon-DSLRs (D40x, D3200 etc.) kann man so gut wie alle Nikkore ansetzten. Die Kameras können damit aber nicht die Belichtung messen. Man muss also im M-Modus fotografieren.
  • Nikon-DSLRs, die mit manuellen Objektiven die Belichtung messen können, vertragen meist keine Vor-AI-Objektive, also die ganz alten F-Nikkore. Deren durchgehender hinterer Fassungsring kann den Blendenmitnehmer der Kamera verbiegen. AI-Nikkore funktioneren hingegen i.d.R. sehr gut.
  • Die am besten für manuelle Objektive geeignete Nikon-DSLR ist die Nikon Df, an die man fast alle Nikkore ansetzen kann. Dafür sorgt auch der hochklappbare Blendenmitnehmer. So lassen sich auch Prä-AI-Nikkore wunderbar nutzen. Die Nikon Df ist nicht nur in dieser Hinsicht eine echte Nachfolgerin der Nikon F3.

Hier finden eine hervorragende Auflistung der Kamera-Objektiv-Kompatibilitäten für Nikons.

Pentax (K100D, K200D)

Ähnlich wie das Nikon-System bietet auch das Pentax-Bajonett eine umfassende Bajonett-Kompatibilität. Es lassen sich ältere, manuelle Pentax-Objektive sehr gut an einer Pentax-DSLR nutzen, wobei es durchaus Unterschiede in der Funktionalität der verschiedenen Modelle gibt. Pentax-A-Objektive passen auch besser zu einer DSLR als Pentax-M-Objektive, da bei den „A“-Versionen auch die automatische Blendensteuerung funktioniert. Für Pentax gibt es ebenfalls Fremdhersteller, für die die gleichen Voraussetzungen gelten.

Fremdbajonette sind, ohne Umbau, nur schwierig an Pentax zu nutzen. Es gibt althergebrachte Adapter für M42-Objektive, doch die waren mir nie so ganz sympathisch, da sie bisweilen schlecht von der Kamera zu entfernen sind.

Ein großer Vorteil bei Pentax ist die bildstabilisierende Lagerung des Sensors. Dadurch ist ein „image stabilizer“ – im Gegensatz zu Canon und Nikon, wo nur manche Objektive stabilisiert sind – auch für die alten Linsen verfügbar.

Pentax hat kürzlich auch eine DSLR mit Kleinbildsensor angekündigt. Das wird das System für viele nochmals interessanter machen.

Sigma (SD9, SD10)

Das Sigma-Bajonett hat eine erstaunliche Ähnlichkeit zum EOS-Bajnoett, nicht nur was das Auflagemaß, sondern auch was die elektronische Übertragung betrifft. Das geht so weit, dass einige findige Tüftler es sogar schaffen, aus einem EOS-Objektiv eines für Sigma-DSLRs zu machen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. 😉
Es gibt auch zahlreiche unterschiedliche Adapter für Sigma-Kameras. Nachteilig wirkt allerdings das Staubschutzglas, das viele Sigma-Kamera direkt hinter dem Bajonett eingebaut haben. So wunderbar das auch den Staub vom Sensor abhalten kann, so lästig kann es für die Adaptierer sein, denn weiter nach hinten reichende Rückfassungen lassen ein Objektiv schnell an eben dieses Glas stoßen. Dadurch sind diese Objektive nicht nutzbar, solange man das Schutzglas nicht entfernt.

Der vor der SD1 relativ kleine APS-Sensor (Crop 1.7x) der Sigmas hat viele Fans manueller Linsen zudem ebenso von diesem System abgehalten wie der zum Teil umständliche Umgang mit den Daten des Foveon-Sensors. Sigmas-DSLR haben eine echte Fangemeinde, die in ihrer Leidenfähigkeit schon beinahe mit den Leica-Fans zu vergleichen ist. 😉

Sony / Konica Minolta (Konica Minolta D7D)

Von Sony (und von Olympus) besaß ich selbst noch keine DSLR – und die D7D hatte ich nur einen Tag zum Testen – daher halten sich meine Erfahrungen hier in überschaubaren Grenzen. Das Auflagemaß des Sony-DSLR-Bajonetts liegt zwischen dem einer EOS und dem einer Nikon. Dementsprechend lassen sich weniger Systeme adaptieren als an eine Canon aber mehr als an eine Nikon. Soweit ich weiß, gehen Sony-DSLRs recht gut mit adaptierten Objektiven um. Für mehr Informationen verweise ich auf die Sony-spezifischen Internetforen.

Olympus (—)

Wie ich auch von Sony-DSLRs recht wenig berichten kann, so gilt das ebenfalls für DSLRs von Olympus, deren Baureihe ja vor einiger Zeit eingestellt wurde. Olympus konzentriert sich seit einigen Jahren auf die Systemkameras mit µ4/3-Sensor.
Die DSLR-Kameras von Olympus hatten einen 4/3-Sensor, der in etwa halb so groß ist wie ein APS-Sensor. Die originären Objektive sind auf das ganze digitale System optimiert und gelten als nahezu telezentrisch. Durch den relativ kleinen Sensor konnten die Objektive auch verhältnismäßig kompakt und dennoch lichtstark gebaut werden. Was für die Systemobjektive von Vorteil ist, störte viele Altglas-Fans wie auch mich in meiner „wilden“ Zeit der Adaptiererei: der 4/3-Sensor sorgt für einen Zweifach-Crop, die Brennweite eines Objektiv scheint sich also zu verdoppelt; ein 50mm-Objektiv am 4/3 wirkt wie ein 100mm-Tele am Kleinbild. Da dadurch sogar ein 17mm-Superweitwinkel sozusagen zu einem „harmlosen“ 35er wird, entfällt für Adapterfans der gesamte Weitwinkelbereich. Das wurde von vielen als sehr bedauerlich gesehen, denn durch das sehr kurze Auflagemaß von nur 38,85 mm konnte man für so ziemlich jedes SLR-System Adapter konstruieren, inklusive Konica und Minolta.

Soweit zu den DSLR-Kameras. Im nächsten Teil geht es um das Adaptieren an spiegellose Systemkameras.

 

 

„The PEN is mightier than the sword“

Dieser von Edward Bulwer-Lytton geprägte und heute weit verbreitete Spruch soll Aufmacher sein für einen Erfahrungsbericht zu einer weiteren Retro-Kamera von Olympus: der Olympus PEN  E-P5.

Olympus E-P5 mit dem 14-42 Kit-Objektiv
Olympus E-P5 mit dem 14-42 Kit-Objektiv

Die Frage hier ist natürlich welche Kamera denn das Schwert darstellt, das von der PEN geschlagen wird. 😉 Eigentlich müsste das Schwert für eine typische DSLR stehen, eine Nikon D7000 etwa. Es gilt also zu beantworten, ob sich die spiegellose Systemkamera PEN E-P5 gegen eine „Foto-Waffe“, wie sie die Nikon zweifelsohne darstellt, behaupten kann.

Vergleich: Nikon D7000 und Olympus E-P5
Vergleich: Nikon D7000 und Olympus E-P5

Nun aber genug der martialischen Begrifflichkeiten, es geht ja hier um ein harmloses Hobby, die Fotografie – auch wenn man immer wieder Wörter wie „Fotos schießen“, „mein heutiges Shooting“ usw. hören und lesen kann. Irgendwie verleitet das notwendige „Zielen“ zu dieser Analogie. Wie auch immer, ich schweife ab. Also zurück zur Olympus.

Bereits auf den ersten Blick erhält man zwei Eindrücke:

1. Die Olympus Designer haben die digitale PEN-Reihe ganz deutlich an die klassischen analogen PEN-F-Modelle angelehnt und

2. Sie haben einen richtig guten Job gemacht. Die E-P5 ist eine wunderschöne Kamera!

Unterstrichen wird ihr attraktives Äußeres durch ein passend-hübsches Objektiv. Doch dazu später mehr.

Nachdem man die E-P5 schwärmend betrachtet hat, nimmt man sie in die Hand und ist sofort verwundert ob des ansprechend hohen Gewichtes, das man einer solch kompakten Kamera nicht zugetraut hätte – zumindest dann nicht, wenn man noch nicht häufig eine Olympus in der Hand hatte. Denn solch eine Anmutung ist typisch für diejenigen unter den aktuellen Digitalkameras von Olympus, die in etwas „höheren“ Kameraklassen anzusiedeln sind. Dies vermittelt stets einen Eindruck von Solidität, der mir bei einer Kamera sehr wichtig ist. (Ich fotografiere hin und wieder auch mit Plastik-Kameras, vor allem, wenn ich in „lomographischer Stimmung“ bin, doch grundsätzlich nehme ich ein etwas höheres Gewicht gerne in Kauf – sofern es nicht zu viel wird. Solche „Monster“ wie eine Nikon D4 wollte ich nicht den ganzen Tag durch die Gegend tragen müssen, ganz gleich wie tolle diese Kameras auch sind.)

Zuverlässigkeit und elegantes Understatement, das strömt aus jeder Pore der PEN E-P5. Vielseitigkeit kommt hinzu, wenn man sich ein wenig mit der Kamera befasst. Nicht nur das Design, sondern auch die Bedienung erinnert in einigen Bereichen an eine klassische Kamera. Hier wird die Retro-Idee in gewissen Grenzen fortgeführt. Ein Moduswahlrad hilft ebenso bei schnellen Einstellungen wie zwei Rändelrädchen (im Bereich des Zeigefingers und des Daumens). Das im Vergleich zu den Fuji-X-Kameras relativ kleine Gehäuse verhindert wohl den Einsatz weiterer Bedienrädchen, so dass man für Einstellungen, die über den Modus hinausgehen das Display verwenden muss. Als Retro-Fan würde ich mir natürlich noch ein Einstellrad für die Zeiten, die ISO-Zahl und eines für die Belichtungskorrektur wünschen – die Blende lässt sich an den für die PEN typischen kompakten Zuiko-Objektiven auch nicht per Blendenring verstellen – doch vielen Fotografen wird das nicht als störend auffallen. Diesbezüglich orientiert sich die Olympus dann doch an einer für moderne Kameras üblichen Bedienung.

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Die Olympus bietet einen integrierten Blitz und ein Klappdisplay, was beides in vielen Situationen überaus hilfreich sein kann.

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Bitte nicht an der hochwellenden Schutzfolie stören. Ich habe sie bei diesem Leihgerät auf dem Display gelassen.

Leider – und damit nehme ich den für mich größten Nachteil vorweg – hat die E-P5 keinen integrierten Sucher. Ja, man kann einen recht guten EVF (= elektronischen Sucher) oder auch einen optischen Sucher, der zum jeweiligen Objektiv passt, anstecken, doch dies lasse ich nur ansatzweise als Alternative gelten. Solch ein Aufstecksucher, vor allem der elektronische, zerstört in meinen Augen die wunderbare Ästhetik dieser Kamera. Ich möchte in meinen Kameras einen integrierten Sucher haben – das ist einer der ganz wenigen Aspekte, die bei mir auf sehr wenig Toleranz und Kompromissbereitschaft treffen.

Mir ist bewusst, warum die PEN keinen integrierten Sucher hat und ebenso, dass es für viele Fotografen kein Problem darstellt, doch für mich ist es das. Sorry.
Bei „klassischen“ Suchern sieht das allerdings ganz anders aus. Eine solche Kombination kann sogar richtig attraktiv sein, allerdings ist sie nur sehr eingeschränkt nützlich, weil natürlich nur der Bildrahmen angezeigt wird.

Leica VIOOH
Voigtländer Kontur-Sucher

Praktischerweise bietet die die kleine Olympus einen ausklappbaren Blitz. Das gefällt mir sehr gut, vor allem, weil er einen sehr soliden Eindruck macht – sogar wenn er ausgeklappt ist.

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Kommen wir nun zu einem eigentlich weitaus wichtigeren Bereich als es das Aussehen ist: die Leistung der Kamera. Meist wird darunter die Bildqualität, der Autofokus und die Art und vor allem Geschwindigkeit zusammengefasst, mir der eine Kamera auf Benutzereingaben reagiert. Bildqualität und Autofokus hängen aber bei Systemkameras immer auch mit dem verwendeten Objektiv zusammen. Es wäre äußerst unfair, ein schlechtes Objektiv zu nutzen und die schwache Leistung dann der Kamera vorzuwerfen. Deshalb gehen wir hier davon aus, dass wir ein sehr gutes Objektiv an der Kamera haben.

Die Bildqualität der E-P5 ist tadellos. Kurz und knapp. Selbst bei höheren ISO-Einstellungen lassen sich die Bilder verwenden, bis ISO 800 absolut problemlos und bis ISO 3200 mit leichten Abstrichen. Das mag vielleicht so manchen immer noch ob des „relativ kleinen“ Sensors überraschen.

ISO 1600
ISO 1600

 

ISO 1600 (100% Crop)
ISO 1600 (100% Crop)

Die PEN hat einen 16-Megapixel-Sensor (für meinen Geschmack völlig ausreichend) im µ4/3-Format, dessen Fläche in etwa halb so groß ist wie ein APS-Sensor. Die Brennweitenangabe muss also im Kopf verdoppelt werden, wenn man die Bildwirkung mit der eines Kleinbild-Objektivs vergleichen will. Sie kennen das. Das bedeutet aber nicht, dass man mit einem µ4/3-Sensor nicht schön fotografieren kann.

Fotos, die während eines kleinen Winterspaziergangs entstanden sind.

Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass eine Freistellung des Sujets etwas weniger leicht ist. Ein Schätzwert ist auch hier die Verdopplung des Blendenwertes. Demnach entspricht die Freistellung mit einem f/2.8-Objektiv an µ4/3 in etwa der eines f5.6-Objektivs am Kleinbild (und einem f/4-Objektiv an APS mag man ergänzend festhalten). Die Winter-Fotos oben zeigen allerdings deutlich, dass auch mit einem µ4/3-Sensor eine Freistellung möglich ist. (Die Lichtstärke bleibt aber bei f/2.8. Das wird nur allzu oft vergessen.) Für eine vergleichbare Freistellung benötigt man also ein laut Blendenzahl weiter öffnendes Objektiv. Gut nur, dass aufgrund des relativ kleinen Sensors lichtstarke Objektive immer noch baulich kompakt bleiben können, wie dieses Foto, das ein Zuiko 1.8/17 an der E-P5 zeigt, deutlich macht.

ep5_17er
Mein „Liebling“, das M.Zuiko 1.8/17.

 

Dieses Objektiv hat sich zu meinem Favoriten aus der Reihe der PEN-Zuikos gemacht, so gut gefällt es mir. Es entspricht vom Bildwinkel her etwa einem 35mm-Kleinbildobjektiv. Was die Freistellung betrifft, so ist es mit einem 3.5/35 am Kleinbild vergleichbar und es bietet – wie oben beschrieben – eine effektive Lichtstärke eines f/1.8-Objektivs. Es ist damit nicht nur vielseitig, nein es bildet vor allem exzellent ab. Das Olympus M.Zuiko Digital 1.8/17 MSC ist eine definitive Empfehlung für PEN-Fotografen, eigentlich für alle µ4/3-Fans.

Größenvergleich 14-42 Kit-Objektiv und Zuiko 1.8/17
Größenvergleich 14-42 Kit-Objektiv und Zuiko 1.8/17

Der Autofokus der Kamera reagiert sehr schnell und in der Regel treffsicher. Lediglich mit dem M.Zuiko ED 2.8/60 Macro habe ich es des öfteren erlebt, dass der AF nicht traf, besonders bei Makro-Aufnahmen und trotz der vielseitigen Einstellungsmöglichkeit.

Dieses Foto zeigt deutlich, dass die E-P5 mit dem 2.8/60 fehlfokussiert hat, und das obwohl die Bedingungen nicht allzu schlecht waren.
Dieses Foto zeigt deutlich, dass die E-P5 mit dem 2.8/60 fehlfokussiert hat, und das obwohl die Bedingungen nicht allzu schlecht waren.

Aber das 60er hat sich – trotz der guten Abbildungsleistung – ohnehin keinen Platz unter meinen Lieblingslinsen erarbeiten können. Es ist m.E. nur für Macro-Fans empfehlenswert und auch die sollten es vor einem Kauf unbedingt ausprobieren. Für den leichten Telebereich würde ich das 75er Zuiko eher empfehlen.

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M.Zuiko 2.8/60 Macro – nicht gerade mein Lieblingsobjektiv unter den Zuikos

Mit den anderen Objektiven, die ich an der E-P5 hatte, kann ich über den Autofokus absolut nicht klagen. Gut gemacht, Olympus.

Die „Responsiveness“ der Kamera, also ob sie den Eingaben des Benutzers schnell folgt, ist meinem Gefühl nach auch sehr gut. Sie kommt vielleicht nicht an die flottesten Kameras heran, die ich so kenne, doch sie lässt den Fotografen nie mit Gefühl zurück, nicht ganz sicher zu sein, ob er denn nun etwas gedrückt hat oder nicht. (Das ist beispielsweise an meine Panasonic Lumix GF3 manchmal so.)

Die E-P5 bietet ebenso wie die anderen Olympus-Kameras eine wahre Spielwiese an Bildeffekten. An dieser Stelle sei nur die automatische „In-Camera“-Collagen-Funktion gezeigt und für weitere Effekte auf meinen Bericht zur E-M10 verwiesen.

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Collage aus Eindrücken im Sushi-Restaurant (leider nach dem Essen)

 

Mein Fazit? Die Olympus E-P5 ist eine wunderschöne und sehr gute Kamera, in die man sich schnell verlieben kann, wenn man sie zum ersten Mal sieht und in der Hand hat. Ob diese Liebe auf Dauer Bestand hat, muss jeder für sich entscheiden. „Meine“ Kamera wäre es trotz der tollen Leistung und aller Vielseitigkeit, die sie bietet, nicht. Mir fehlt der integrierte Sucher zu sehr. Aber dieser – zugegebenermaßen sehr persönliche – Kritikpunkt ist auch der einzige, der mir als wirklich störend auffällt. Wer keinen Sucher benötigt oder mit einem Aufstecksucher leben kann, für den kann die E-P5 eine ideale Kamera sein, vor allem für die Reise, denn mit einem Set aus E-P5 und den Zuiko-Objektiven 2.0/12, 1.8/17 und 1.8/45 hat man so ziemlich alles, was man für 90% aller Situationen benötigt und zwar derart kompakt, dass man alles in einer kleinen Bauchtasche verstauen kann.

 

Erneut geht mein Dank an Olympus Deutschland für die Testleihgabe dieses Sets!

P.S.: Ist denn nun die PEN „mächtiger“ als das DSLR-Schwert? Nein, das ist sie nicht! Aber sie kommt schon recht nahe ran. 😉

P.P.S. / „Disclaimer“: Meine Eindrücke sind absolut lückenhaft, fern von jeder Wissenschaftlichkeit und höchst subjektiv. Hier finden Sie zwei Berichte, die auf neutraleren Tests basieren: Chip.de und Digitalkamera.de .

 

Tolle Übersicht an manuellen Objektiven…

Eigentlich wollte ich ja hier keine Artikel veröffentlichen, die nur aus einem Link bestehen. Doch diesmal muss ich einfach eine Ausnahme machen. „Addicted2Light“ (ich mag diesen Namen 😉 ) hat eine Tabelle zusammengestellt, die eine umwerfend große Auswahl an klassischen Objektiven für den 35mm-Film auflistet. Die meisten dieser Objektive sind z.B. an eine Fuji X adaptierbar.

>> 35mm Legacy Lenses <<

Eine „perfekte“ Kamera?

Sowas gibt’s doch gar nicht! Oder? Na ja, es scheint aber Kameras zu geben, die kommen da sehr nah‘ dran.

Ich habe für mich selbst „meine perfekten“ Kameras ja schon gefunden – doch darum soll es in diesem Artikel nicht gehen. Es geht vielmehr um eine Kamera, die – so kommt es mir nach ein paar Tagen „Testzeit“ vor – so ziemlich alles kann – und zwar sehr, sehr gut.

Und dennoch ist es bisweilen seltsam. Da nutzt man eine Kamera, die exzellent verarbeitet ist, gut in der Hand liegt, absolut zuverlässig funktioniert, einen enorm schnellen AF hat, deren Sensor ausgezeichnete Ergebnisse produziert, die überaus vielseitig ist und sogar eine umwerfend gute Videofunktion hat – und doch will der Funke nicht so ganz überspringen. Ich weiß wirklich nicht, woran das liegt. Aber der Reihe nach…

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Vor etwa zwei Wochen bekam ich die Gelegenheit, eine Olympus OM-D E-M1 zu testen. Als ich sie auspackte, gefiel sie mir auf Anhieb. Sie sieht richtig gut aus und fasst sich hervorragend an. Die Verarbeitung ist sehr hochwertig. Sowas merkt man z.B. an solchen „Kleinigkeiten“ wie dem Deckel für das Speicherkartenfach. Viele Kamerahersteller sparen da (so leider zum Beispiel auch Fuji mit der X-T1, die ja durchaus auch zumindest im „Semi-Pro“-Bereich anzusiedeln ist). Doch bei der E-M1 verleihen einem auch solche „Kleinteile“ein beruhigendes Gefühl der Zuverlässigkeit.

Alleine schon dies kennzeichnet das Topmodell der faszinierenden OM-D-Reihe von Olympus als Kamera auf „Prosumer“, „Semi-Pro“ oder sogar professionellem Level. Und die E-M1 ist in der Lage, dieses Niveau zu halten, in allem, was ich bisher damit ausprobieren konnte:

  • Sie startet sehr schnell und ist in kürzester Zeit „betriebsbereit“.
  • Der Autofokus ist extrem flott und überaus präzise, auch bei schlechtem Licht.
  • Die Bildqualität mit den „getesteten“ Objektiven ist beeindruckend.
  • Auch bei hohen ISO-Einstellungen hält sich das Rauschen zurück und wirkt eher wie wenig störendes Filmkorn.
  • Ein Akku hält angenehm lang.
  • Sie macht viel bessere Videos als die Fujis.
  • Es lässt sich alles nur erdenklich einstellen und …
  • die Bedienung ist zugängig und flexibel.

Ich wüsste nicht, was ich an dieser Kamera auszusetzen hätte. Dieses Komplettpaket kommt zudem noch in einem kompakten Gehäuse, das man gerne auch über den ganzen Tag herum trägt. Die in den Foren oft erwähnten „Einschränkungen“ durch den µ4/3-Sensor (Rauschen, mangelnde Freistellung…) lassen sich durch die sehr gute Algorithmen bei hohen ISOs und die lichtstarken Objektive übrigens zum großen Teil relativieren.

Diese Fotos zeigen, wie sehr sich der relativ „kleine“ Sensor (µ4/3) hingegen positiv auf die Baugröße auswirken kann:

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Der Vergleich mit der Fuji X-T1 (mit APS-C Sensor) deutet den Größenunterschied schon an – und das obwohl die Fuji auch als ziemlich kompakt gilt. (OK, man muss beachten, dass an der Fuji noch ein Handgriff angesetzt ist.)

Ein direktes Nebeneinander mit der Nikon Df (Kleinbild) aber verdeutlicht, um wie viel kleiner als eine Kleinbildkamera eine professionelle Kamera mit µ4/3-Sensor gebaut werden kann:

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Vor allem aber wird der Effekt bei den Objektiven deutlich:

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Das erste Bild zeigt zwei Objektive mit der Lichtstärke f/2.0 und kleinbildäquivalenten 24mm (2.0/12 für µ4/3 und 2.0/16 für APS-C). Das zweite Bild zeigt das µ4/3 Zuiko 1.8/45 und ein (manuell zu fokussierendes und damit ja ohnehin kompakteres) Nikkor 1.8/85, also zwei Portraitbrennweiten.
Die Objektive, die ich zur Verfügung hatte, gehören zur „Crème-de-la-Crème“ des µ4/3-Objektivangebots: Zuiko 2.8/12-40, Zuiko 2.0/12 und Zuiko 1.8/45. Man kann es zunächst kaum glauben, dass derart kompakte Objektive wie beiden Festbrennweiten eine so fantastische Leistung zeigen. Das erinnert sehr stark an die exzellenten „M“-Objektive von Leica.

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Doch nicht nur die Abbildungsleistung ist großartig, es stecken auch tolle Ideen darin. So bieten z.B. das 2.0/12 Weitwinkel und das das lichtstarke 2.8/12-40 Universalzoom einen Focus Clutch Mechanism, eine Vorrichtung, die durch das Zurückziehen des Fokusrings ein blitzschnelles Umschalten von AF auf MF ermöglicht. (Ich kannte das von einigen Tokina-Objektiven, die ich früher an meinen EOS-Kameras nutze und schon damals hat mir das sehr gut gefallen.)

Ja, ich weiß, dieser Text klingt wie die berühmt-berüchtigte „ultimative Lobhudelei“ aus dem Fernsehen, doch ich bin – objektiv betrachtet – wirklich begeistert von der Olympus OM-D E-M1!

Ganz subjektiv aber, konnte ich mich nicht so recht in sie verlieben. Und, wie oben bereits erwähnt, ich habe keine Ahnung, woran das liegt. Vielleicht ist sie einfach zu „perfekt“. Vielleicht braucht eine Kamera ein paar kleine Fehlerchen oder Einschränkungen, um sich in mein Herz zu schleichen. (Womöglich mag ich deshalb die Leica M8 und die Nikon Df so. ;)) Ich habe mir das Hirn zermartert, um herauszufinden, warum ich nicht mit leuchtenden Augen auf die vollends überzeugende E-M1 schaue wie Kinder auf den Weihnachtsbaum, denn eigentlich müsste das so sein – und seltsamerweise war das auch bei der kleinen Schwester, der E-M10 so. Dort kann man auch nachlesen, was die OM-D sonst noch alles noch so kann. (Meine Reaktion auf die E-M1 erinnert mich stark daran, wie ich zur Fuji X-T1 stehe: ich finde, die X-T1 ist eine „bessere“ Kamera als die X-E1 oder die X-E2 und dennoch liegen die „X-E“ mir näher. Dies unterstreicht erneut meine Grundphilosophie bzgl. Kameras.) Trotzdem tut es mir irgendwie leid, dass ich die E-M1 bald wieder zurückschicken muss. Ob sie wohl dabei ist, doch noch einen Weg in mein Herz zu finden?

Wie auch immer. Wer also eine nahezu perfekte Kamera sucht, die dennoch recht kompakt daherkommt, die man mit erstklassigen Objektiven bestücken kann und die einem so ziemlich alles bieten kann, was man jemals benötigen wird, der sollte die Olympus OM-D E-M1 ernsthaft in Betracht ziehen. Sie kommt einer fehlerfreien, universell nutzbaren Kamera sehr, sehr nahe!

Abschließend noch ein paar Fotos, die auf dem Marburger Weihnachtsmarkt mit der E-M1 bei miesem Wetter und mit hohen ISO-Einstellungen gemacht wurden (Objektive 2.0/12 und 1.8/45):