Ich mag die JCH-Boxes…

Die Box vom Japancamerahunter für 35mm-Filmdosen habe ich schon seit gut eineinhalb Jahren. Seit heute habe ich nun auch eine Box für fünf 120er Rollfilme:

jch120

Und das Tolle war, dass ich ein Angebot von Macodirect genutzt habe. In der Box kamen nämlich 5 Rollen des Rollei Retro 400S – ein Film, den ich sehr gerne mag.

Eigentlich wollte ich den Rollei Superpan 200 ausprobieren. Der war als „lieferbar“ bei Macodirect gekennzeichnet. Seltsamerweise bekam ich keinerlei Reaktion nach dem Kauf – für Macodirect sehr ungewöhnlich. Also rief ich nach 4 Tagen dort an.
In einem sehr netten Telefonat fanden wir heraus, dass da ein Fehler im System vorlag und der Superpan erst Mitte November lieferbar ist. Daraufhin (und nach vielen Entschuldigungen) wurde mir das Angebot gemacht, mir einen Alternativfilm auszusuchen. Die Preisdifferenz (die zu meinen Gunsten lag) wurde mir erlassen.
Das Telefonat führte ich am Donnerstagabend. HEUTE (Samstag!) kam das Paket! Das nenne ich mal guten und schnellen Service.
Doch nicht nur die Filme und die Box waren darin, nein, auch zwei kleine Haribo-Tütchen, eine Karte (auf der man mir namentlich für den Einkauf dankte), ein Rollei Keyband und zwei „Enjoyfilm„-Aufkleber.

maco120jch

Liebes Team von Macodirect, das hat was! So wünscht man sich das von jedem Verkäufer.

 

 

 

Ein Wochenende, das in Erinnerung bleiben wird…

Das Wochenende, das gerade noch nicht zu Ende ist, wird sicher auch nicht schnell in Vergessenheit geraten, vor allem, weil es höchst arbeitsintensiv war.

Doch ich schreibe hier vom ersten September-Wochenende, an dem ich mich mit ein paar ebenso fotoverrückten Freunden zu einem „Leica Meet&Greet“ in Trier getroffen habe. (Marco Spalluto hat >>hier<< darüber gebloggt.)

trier2016_cschouler_m6-44

In erster Linie wurde dort mit Leica-Kameras fotografiert, weil dies der gemeinsame Nenner in unserer Gruppe war. Doch auch als Leica-Fans sind wir keineswegs dogmatisch und erfreuen uns an zahlreichen unterschiedlichen Kameras und Systemen. Von der Fisheye-Lomo über eine Schraub-Leica, viele „M-Leicas“, eine Sony A7, eine „alte“ Leica SL, eine „neue“ SL, bis hin zu zwei Mittelformatkameras war fast alles angetreten, was Fotofreunden das Herz höher schlagen lässt. Für den Samstag war vorgegeben, mit einer analogen Leica zu fotografieren, der Rest war „frei“.

Als eigenes Equipment hatte ich dabei:

  • Leica M6
  • Leica M8
  • Fujji GW690
  • Fuji X-E2
  • Sony HX20V
  • Lomo Fisheye

sowie einige Objektive mit Leica-M-Bajonett:

  • Voigtländer Heliar 4.5/15
  • Leica Elmarit-M 2.8/21
  • Voigtländer Ultron 2.0/28
  • Leica Summicron-M 2.0/50
  • Voigtländer Heliar 2.5/75
  • Leica Summicron-M 2.0/90

Das klingt nach sehr viel, es trägt aber viel weniger auf, als man vermuten möchte.

Die kleine Sony HX20V und die Lomo hatte ich in der Westen- bzw. Hosentasche, die Mittelformat-Fuji war nur ab und an dabei und der Rest passte alles in meine wunderbare Billingham, ohne zu schwer zu werden. 🙂

Nun aber genug zum Equipment, denn obwohl es sich um ein Foto-Treffen handelte, ist es eigentlich immer wichtiger, die Foto-Freunde wiederzusehen, die man zum Teil seit ein, zwei Jahren nicht getroffen hat. So kam auch Anfang September ein illustrer und überaus sympathischer „Haufen“ zusammen. Aus Schweden, England, Belgien, der Schweiz und aus allerlei Ecken Deutschlands reisten die Teilnehmer an und so entwickelte sich das polyglotte Treffen zu einem zweisprachigen: Englisch wurde in diese und Deutsch in die andere Richtung gesprochen, hier und mischte sich etwas Französich darunter.

Trier bietet eine Menge für Fotografen und da an diesem Wochenende zudem noch sowohl eine Open-Air-Modenschau als auch ein Straßenfest im multikulturellen Karl-Marx-Viertel anstand, gab es mehr als genug Motive.

Als Filme wählte ich für meine M6 drei unterschiedliche. Tagsüber – es war intensiver Sonnenschein gemeldet – bekam die Leica einen Lomography EarlGrey 100 Schwarz-Weiß-Film sowie – etwas experimenteller – einen seit 15 Jahren abgelaufenen Velvia-50-Diafilm gefüttert, für den frühen Abend dann einen AGFA Vista 200, da ich damit nur ein bisschen ausprobieren wollte. Solch ein Vista war auch in der Lomo Fisheye, denn ein ISO200-Film ist für einen derart sonnigen Tag genau richtig für die kleine Blende.
In der Fuji 690 steckte ein 220er Ilford FP4+ Mittelformatfilm, der mir im Format 6×9 16 Aufnahmen ermöglichte.

Der EarlGrey hat sich als ausgezeichneter SW-Film erwiesen, der mir sehr gut gefällt und sich hervorragend mit dem HC-110 Entwickler vertragen hat:

 

Der Ilford FP4+ hat mich, obwohl auch er eigentlich schon überlagert war, ebenfalls nicht im Stich gelassen. Ihn habe ich in Rodinal entwickelt. Der FP4+ ist einfach ein echter Allrounder, wenn man mit ISO125 auskommt. (Gescannt habe ich die 6×9-Negative übrigens mit meinem Epson 3200 Photo betrieben unter Ubuntu Linux, denn dafür gibt es noch Treiber für den Scanner!):

Der AGFA Vista ist zwar kein besonderer, aber ein zuverlässiger Film, der gerade für eine Lomo aufgrund seiner Gutmütigkeit ausgezeichnet geeignet ist. In der M6 liefert er Ergebnisse, die den klassischen Filmlook wunderbar darstellen:

 

Richtig spannend wurde es aber mit dem im Jahr 2001 (!) abgelaufenen Velvia. Dass ein Dia-Film dann keine richtigen Farben mehr liefert, war mir klar. Die Feinheit dieses ISO-50-Films wollte ich aber nutzen, indem ich die Fotos nach dem Scannen in Schwarz-Weiß konvertiere.
Wie erwartet kamen die Dias mit einer enormen Farbverfälschung aber mit allen feinsten Details zurück, denn die (leicht angepasste) Belichtung in der M6 hat gestimmt.

Ein Dia dieser Rolle sieht eigentlich so aus:

diatr

Als Dia völlig unbrauchbar!

Photoshop macht per automatischer Korrektur dies:

diatrfk

Only slightly better“ würd man wohl sagen. Aber dann kommt Silver Efex und macht mit einem Klick solch ein S/W-Foto daraus:

diatrsef

Und DAS kann sich doch sehen lassen.

Nach Entwicklung in Lightroom und ein wenig manueller Nachbearbeit war ich von den Velvia-S/W-Ergebnissen wirklich begeistert:

Wenn ich sehr „saubere“, „feine“ S/W-Fotos haben will, dann nutze ich meine alten Velvias und konvertiere im PC. 😉

Ach ja, digital habe ich natürlich auch ein wenig fotografiert, in erster Linie mit der Fuji X-E2 und adaptierten Leica-Objektiven, die m.E. hervorragend miteinander harmonieren:

Ich kann mich zusammenfassend mich nur wiederholen, dass das Wochenende in Trier mit den netten Menschen, die ich dort treffen durfte, enorm viel Spaß gemacht hat. Sowas lädt die eigenen Akkus wieder auf. In der Tat ein Wochenende, das in Erinnerung bleiben wird!

Lieben Dank an die Organisatoren John Görtgen und David de Ruyver. Habt ihr klasse gemacht!

 

„Sieht“ man Mittelformat?

Die Fuji GW690, eine 6×9 Messsucherkamera, habe ich seit etwas über einem Jahr. Man fotografiert ja nicht so oft mit einer Messsucherkamera, die so große Negative zaubert. Wenn man es tut, dann fragt man sich aber stets, warum denn eigentlich nicht?

690_w1

Die Ergebnisse aus Bad Homburg, ich berichtete, hatten mich schon begeistert:

Gestern habe ich den 220er Ilford FP4+ entwickelt (klassisch in Rodinal 1:50), der in der Kamera war, als ich sie mit in Trier hatte.

Erneut vermitteln mir die Fotos das „gewisse Etwas“. Man kennt die Diskussion, dass man es Mittelformatfotos eben ansehe, dass es Mittelformatfotos sind. Zum einen spielt da die – nachweisbar geringere – Schärfentiefe bei gleicher Blendenöffnung eine Rolle, welche in Kombination (auch und vor allem) mit einem Weitwinkel Bildeindrücke liefert, die nur schwierig mit einer Kleinbildkamera (oder gar einem kompakteren Format) erreichbar sind. Doch mein Nikkor 1.4/35 an meiner Df bietet im Grunde vergleichbare Parameter.
Oft redet man auch dem Film an sich in diesem großem Format besondere Eigenschaften an. Das gleitet aber hin und wieder ins Esoterische ab. 😉

Und dennoch, auch ich meine zu erkennen, das Mittelformat-Fotografie einen besonderen Reiz hat und Bilder produziert, die eben wie „Mittelformat“ aussehen. Es kommt allerdings auf die Situation und die Aufnahmeeinstellungen an.
Lassen Sie uns einmal vier Bilder aus Trier anschauen, die ich mit der Fuji GW690 gemacht und mit einem Epson 3200 Photo eingescannt habe. Die Fotos sind unbearbeitet (die Helligkeitsverteilung und der Kontrast müssten angepasst werden), lediglich in der Größe angepasst.

Beispiel 1:

trier_fuji690_fp4_cschouler_01

Dieses Foto hätte man auch mit einer ordentlichen Kleinbildkamera machen können. Es zeigt einen leicht weitweinkligen Bildwinkel und ist durch die Abblendung und die hyperfokale Fokussierung bis in die Tiefe scharf.

Beispiel 2:

trier_fuji690_fp4_cschouler_03

Auch dieses Foto wäre mit einer guten Kleinbildausrüstung leicht möglich gewesen. Der zweifelsohne sichtbare 3D-Effekt lässt sich auch mit Kleinbildobjektiven erzielen, die einen entsprechenden Mikrokontrast liefern.

Beispiel 3:

trier_fuji690_fp4_cschouler_02

Bei diesem Foto hingegen kommt meiner Ansicht nach schon durch, was so besonders in der Mittelformatfotografie ist: der weiche Schärfeverlauf bei dennoch sichtbarer Trennung. Die kleine Bischofs-Statue vorne ist scharf, der Herr am rechten Bildrand „fast“ scharf, auf jeden Fall schärfer abgebildet als die Personen etwas „dahinter“ und die Portra Nigra ist unscharf, ohne jedoch in einer Freistellung völlig zu verschwinden.
Die Möglichkeit mit Unschärfe über einen tiefen Bereich zu spielen, freizustellen und doch den Hintergrund erkennbar zu lassen, das ist für mich typisch für das Mittelformat.
Sicher, wer es geschickt anstellt, kann das auch mit Kleinbild erreichen. Ich habe nur den Eindruck, dass es auf einem 6×9-Negativ leichter möglich ist.

Beispiel 4:

trier_fuji690_fp4_cschouler_06

Auch hier ist – in meinen Augen – ein Mittelformat-Effekt sichtbar. Scharf abgebildet ist – ganz bewusst – nur die Pfütze vorne – erkennbar an der Struktur des Bodens. Die Personen wirken beinahe noch scharf, sind es aber nicht. Rechts ist an den Türen des „Straßen-Zuges“ der in die Tiefe des Bildes abnehmende Schärfeverlauf sichtbar, und im Hintergrund ist die Portra Nigra erneut unscharf aber wiedererkennbar. Bei der Komposition des Fotos war es mir wichtig, die Portra Nigra in der Reflektion auf dem Boden erscheinen zu lassen (was, da nur wenig Wasser ungleichmäßig verteilt war, nicht komplett möglich war).

Ineteressant ist auch, dass – je größer man einen Print dieser Fotos betrachtet, umso deutlicher dieser Effekt wird. Das ausgezeichnete Fujinon 3.5/90 der Fuji GW690 unterstützt dies durch die „Roundness“ der Abbildung, dem ausgeprägten 3D-Rendering und dem hohen Mikrokontrast maßgeblich. Unter Umständen spielt auch die im Vergleich zum digitalen Sensor etwas andere Darstellung eines S/W-Films eine Rolle, aber das ist schwer greifbar.

Ich denke auf jeden Fall wirklich, dass eine Kombination aus großen Aufnahmeformat und leistungsfähigem Objektiv Aufnahmen ermöglicht, die sonst nur sehr schwierig zu erreichen sind.

 

Eine „Königin“…

Warum „Königin“? Nun, aus gleich mehreren Gründen:

  • Sie fotografiert im „Königsformat“ 6×7 (exakt 56 x 69 mm).
  • Sie ist überaus elegant und edel.
  • Sie steht über den kleinen Dingen des Alltags.
  • Sie liefert in ihrem Bereich grandiose Leistungen, ist aber nicht bereit, sich für alles anzubieten.
  • Es macht sich ein Gefühl der „Klasse“ (und der „Klassik“) breit, wenn man sie nutzt.

Vor etwa drei Wochen („Kinder, wie die Zeit vergeht!“) habe ich bereits auf sie hingewiesen. Und nun ist der erste Film entwickelt zurück – und der zweite, diesmal ein Fuji Superia X-Tra 400 ist geladen.

Es geht um die Mamiya 7:

Mam7a

Ein überaus großzügiger Fotofreund hat mir diese Kamera mit einem Mamiya N 4/80 für eine Zeit lang zur Verfügung gestellt. Ich weiß zwar nicht, ob er das aus reiner Großherzigkeit gemacht hat oder hofft, mich derart davon zu begeistern („anzufixen“), dass ich mein Konto plündere und ihm diese Kamera abkaufe ;). Mittelfristig möchte er sich von der „7“ trennen. Wer also Interesse an diesem Traum hat, der kann sich bei mir melden. Ich vermittle dann.

Und im Ernst, wenn man mit der Mamiya fotografiert, dann kriecht in einem dieses altbekannte „Habbe-wolle“-Gefühl hoch, die Vorstellung vor dem inneren Auge, wie es wäre, für immer mit dieser Kamera fotografieren zu können. Aber nein, unsere diesjährigen Projekte rund ums Haus fordern jeden Euro. Daher gilt für mich das 2016er Motto: „Keine großen Sachen.“ (Film, Entwickler, Objektivdeckel usw. sind erlaubt.)

Wie auch immer. Kommen wir wieder zurück zur Kamera.

Die Mamiya 7 ist eine Mittelformat-Messsucherkamera. Das alleine bringt ihr schon den Stempel „selten“, denn die meisten Mittelformat-Modelle sind SLR– oder TLR-Kameras.
Hier und da findet man eine Rollfilm-Kamera, die zum Fokussieren einen Messsucher (ähnlich wie der, der in einer Leica M zu finden ist) nutzt: meine Moskva-5 hat z.B. einen (wenn auch sehr rudimentären) und die fantastische (aber sehr teure) moderne Voigtländer Bessa III hat auch einen (extrem guten). Die Mamiya 7 bietet einen Messsucher, der sich nicht vor dem in meiner Leica M6 verstecken muss!

Mam7e

Der Sucher ist mittelformattypisch sehr groß, zudem sehr hell und der Messsucher arbeitet sehr präzise, was bei dem hohen Freistellungspotenzial des Mittelformates auch wichtig ist. Das „Normal“-Objektiv (80mm entsprechen bei 6×7 einer leicht weitwinkligen Standardbrennweite ~ ca. 38mm) hat zwar „nur“ eine max. Lichtstärke von f/4, doch was die Möglichkeiten, mit knapper Schärfentiefe zu spielen angeht, ist das vergleichbar mit Blende f/2.0 auf Kleinbild. Das Mamiya 4/80 entspricht dahingehend demnach in etwa einem „2.0/38“ an einer 24x36mm-Kamera. Das sind sehr vielseitige Parameter, wie jeder weiß, der schon einmal mit einem 2.0/35 an seiner Spiegelreflex fotografiert hat.

Mam7c

Rechnung (Annäherung): Die diagonale Bildgröße bei Kleinbild beträgt ca. 43mm, die des 6x7-Formates etwa 89mm. Der "Crop-Faktor" errechnet sich demnach auf ca. 0,48, was bei 80mm ein Brennweitenäquivalent von etwa 38mm und bei f/4 einen Blendenäquivalent von etwa f/1.9 ergibt.

Die schlechtere Lichtstärke kann man durch die Wahl eines Films mit höherer Empfindlichkeit ausgleichen, denn die Körnung wird im Format 120 nicht so deutlich wie bei einem Format 135 Film, da man für Abzüge weniger stark vergrößern muss.

Soviel zunächst zum „Technobabble“. Die „7“ ist einfach eine wunderschöne Kamera:

Mam7b

Lassen Sie uns kurz einen Blick in die Geschichte werfen, ohne allerdings zu ausführlich und zu tief einzutauchen. Mamiya bot bereits in den 1940ern und 1950ern eine Mittelformat-Messsucherkamera im Format 6×6 an, die „Mamiya SIX„. In den 1960ern konzentrierte man sich mit der „Press“-Reihe mehr auf das Format 6×9. Ende der 1980er kam dann die Mamiya 6, die direkte Vorgängerin der „7“ auf den Markt, ebenfalls noch mit quadratischem Film-Format 6×6. (Einen schönen und fundierten Vergleich zwischen den Formaten 6×6 und 6×4,5 findet man hier.) Mitte der 1990er ergänzte dann eine 6×7-Kamera, die Mamiya 7, das Angebot. Die letzte Inkarnation war die Mamiya 7 II.

Was macht nun die Bedienung der „7“ so faszinierend? Mamiya hat der Kamera sehr viele kleine, wunderbar durchdachte Details mitgegeben.

Mam7f

Das Rad auf der rechten Schulter der Kamera dient gleichermaßen zum Einstellen der Belichtungszeit (bzw. zur Wahl der Zeitautomatik) wie zur Einstellung des ISO-Wertes des Films und zur Wahl der Belichtungskompensation. Der Filmtransporthebel läuft leichtgängig und vermittelt jederzeit das Gefühl der zuverlässigen Funktion. Per Ring unter dem Auslöser schaltet man die Kamera an (weißer Punkt zu weißem Punkt). Der Auslöser selbst hat einen angenehmen Druckpunkt. Ach ja, einen Selbstauslöser hat die Mamiya auch.

Mam7d

Auf der Unterseite der Kamera findet sich das Batteriefach, ein Filmrückspulknopf (falls man auf 135er Film Panoramaaufnahmen macht), die manuelle Steuerung des Verschlussvorhangs, die als Sicherung für das Objektivbajonett dient, damit vermieden wird, dass bei Objektivwechsel ein Bild verloren geht, und das Stativgewinde. Kleine Springsicherungen innen ermöglichen den Filmwechsel und verhindern ein versehendliches Herausrutschen der Filmrolle. Das wirkt alles überaus durchdacht und fühlt sich sehr wertig an.

Natürlich ist die Mamiya 7 groß, vor allem, wenn man Kleinbildkameras gewöhnt ist, aber das Negativ ist ja auch fast 4,5x so groß (!) wie ein Kleinbildnegativ. Irgendwoher muss das ja kommen. Verglichen mit anderen 6×7-Kameras, wie der Pentax 67 Spiegelreflex, ist die Mamiya direkt „kompakt“. 😉

OK, technisch ist sie sauber konstruiert und verarbeitet. Das Design ist sinnvoll und ansprechend. Aber eine Kamera ist immer nur so gut wie die Bildergebnisse, die sie liefert. Ich kann es vorweg nehmen, auch hier leistet sich die Mamiya 7 keine Schwächen. Das 80er Objektiv ist scharf, kontrastreich und bietet darüber hinaus eine angenehmes Bokeh. Die anderen Objektive stehen in einem gleichermaßen guten Ruf. Da der Film offenbar sehr plan liegt und exakt transportiert wird, sind die Fotos erwartungsgemäß beeindruckend.

Ein Format wie das 6x7er spielt seine Stärken natürlich in erster Linie bei großen Abzügen aus, was sich hier im Blog nicht darstellen lässt. Ein paar Fotos, aufgenommen auf Kodak Portra 160 (einem meiner Lieblingsfilme für’s Mittelformat) möchte ich dennoch zeigen, fotografiert während der drei „Schneetage“, die wir hier in Oberhessen in diesem Winter hatten und „quick & simple“ gescannt mit dem Epson 3200 Photo per SilverFast:

Mamiya7_003w
Landschaft, Blick in den „Ebdsorfergrund“, Blende f/11
Mamiya7_002w
Meine Kinder in unserem Garten, Blende f/4.
Mamiya7_001w
Brunnen in Marburg, Blende f/4.

Weitere Bilder folgen, sobald der Fuji-Film belichtet und entwickelt wurde.

Ich muss zugeben: Ich bin begeistert von der Kamera. Jedem, der auf Mittelformat und mit einem Messsucher fotografieren möchte, kann ich die Mamiya 7 absolut empfehlen. Ob sich nun die „7“ von der „7 II“ großartig unterscheidet kann ich nicht sagen. Da muss man wohl ein wenig Internet-Recherche betreiben.

Wer eine Bedienungsanleitung für die Mamiya 7 sucht, wird übrigens – wie so oft – bei Butkus fündig: >> Manual <<
An dieser Stelle mein erneuter Aufruf, Mike Butkus für seine tolle Arbeit etwas zu spenden. Ich habe das heute morgen wieder gemacht. Er hat es verdient!

>> Ein interessanter Link zu einem Bericht über die Mamiya 7 II. <<

 

Polaroid-Film in einer Hasselblad?

Na, durchaus. Denn Rollfilme waren schon immer relativ teuer, sie mussten entwickelt werden usw. Daher haben Profis oft anhand von Polaroid-Filmen gemessen, ob die Belichtung gestimmt hat. Denn wenn man das erst nach der Entwicklung bemerkt hat, war nicht nur die Rolle Film verschwendet, sondern meist auch das Motiv weg.

Aus diesem Grund gab es, gibt es sog. „PolaBacks“ für die unterschiedlichsten Mittelformatkameras, so auch für die Hasselblad 500: das „PolaPlus“.

PolaHassi5

In diesem Magazin lassen sich heutige Fuji FP-100C Sofortbildfilmpacks nutzen. Ein Pack mit 10 Fotos kostet (inkl. Versand) um die €15,- was einen Preis pro Foto auf €1,50 bedeutet. Hui, das ist nicht wenig. Möchte man gar in S/W fotografieren (es sind noch immer ISO 3000 Filme von Fuji erhältlich), dann steigt der Preis pro Foto auf etwa €3,30!

Aber, was tut man nicht alles, um sein Hobby besser kennen zu lernen und dafür, seinen Spieltrieb zu besänftigen?

Die Kamera mit einem 80er-Standard-Objektiv (dem vorzüglichen Zeiss Planar 2.8/80) und dem PolaPlus sieht im Ganzen so aus:

Das PolaPlus hinten an der Kamera so:

PolaHassi4

Das Schöne ist, dass die faszinierende Bedienung der Hassi 500 gleich bleibt.

PolaHassi3

Das „nicht-so-Schöne“ ist, dass natürlich nur ein 6×6-Bild auf dem Sofortbild belichtet wird. Ein großer Teil der Bildfläche, die an sich 7,3 x 9,5 cm groß ist, geht verloren. Für die Belichtungsüberprüfung ist das nicht schlimm, für die bildgebende Fotografie ist das natürlich schon eine Einschränkung, da man ja nur ein 6 x 6 cm großen Abzug erhält.
(OK, es gibt Möglichkeiten, das Negativ von diesem Film zu gewinnen und das werde ich bei Gelegenheit auch einmal ausprobieren. >> Video auf YouTube…)

Lassen Sie mich das einmal anhand von zwei Bildern zeigen…

HassiPolaKids
So sieht es aus, wenn man ein 6×6 Bild auf ein FP-100C Sofortbild belichtet. Meine Kinder beim Spielen…

HassiPolaKidsw

Natürlich lässt sich das Foto nach dem Einscannen per EBV beschneiden.

Ein weiteres Beispiel, das sehr schön die Freistellmöglichkeiten einer 6×6-Kamera zeigt:

HassiPola1w
Bild direkt aus dem PolaPlus.
HassiPolaBike
Per Photoshop ausgeschnitten. Man beachte die knappe Schärfentiefe trotz Blende f/2.8. 

Um es einmal auszuprobieren, muss man keine perfekten Ergebnisse erreichen. Spaß macht es allemal. Doch „langfristig“ bleibe ich bei der Polaroid 330. Die Objektive der Hasselblad sind zwar um einiges besser, doch „wenn schon, denn schon“. 😉

Allerdings muss das Wetter erst wieder deutlich besser werden, bevor ich mit der Polaroid 330 losziehen kann. Das Teil braucht Sonne! Ich auch. 🙂

Erster „Einsatz“…

Erinnern Sie sich an meine „Liebesgrüße aus Moskau„?
Die Moskva-5 hat am Sonntagnachmittag ihren ersten Einsatz gehabt, in Marburg, nachdem ich mich mit einem sehr guten Freund zum Kaffee, Klönen und Knipsen getroffen hatte.

MarkusMoskvakl
Markus, beim Ausprobieren des Fotografier-Vorgangs (Phase „Fokussieren“) mit der Moskva-5. Man verzeihe mir die leichte Unschärfe. Markus hatte ein manuelles Objektiv an seiner Fuji X-T10 und ich hatte keine Zeit, exakt scharf zu stellen, weil es schnell gehen musste. 😉

Im Moment muss noch eine Aufnahme belichtet werden, dann ist der Rollfilm mit 6×9-Negativen voll. Wenn er dann von der Entwicklung zurück kommt, werde ich die Fotos einscannen und hier zeigen. 🙂

Eine echte Schönheit!

Und eine sehr nette Geste!
Ein Fotofreund, den ich sehr mag, den ich aber viel zu selten – in letzter Zeit leider gar nicht – sehe, hat mir nicht nur kürzlich zu einer Sammlung von überaus interessanten Fotobuch-Klassikern (Ansel Adams, Time Life …) verholfen, sondern mir auch noch diese Schönheit zum Testen zugeschickt:

Ma7

Jawohl, eine Mamiya 7 – in meinen Augen eine der faszinierendsten Mittelformat-Messsucherkameras, die jemals gebaut wurden.

Die passende Batterie wird besorgt und dann freue ich mich schon darauf, mit ihr spazieren zu gehen. Das wird wohl ein Frühjahr des „großen“ Mittelformates, mit einem Vergleich zwischen Mamiya 7, Fujica GW690 und Moskva-5. Klasse!