„Auflösung statt Tele“

… oder 51,2 Megapixel im digitalen Mittelformat.

Kürzlich hatte ich auf einem Treffen mit befreundeten Profi-, Semi-Profi- und Amateurfotografen die einmalige Gelegenheit, mit einigem High-End-Equipment zu fotografieren.

Zunächst aber trafen wir uns in kleiner Gruppe auf dem Feldberg (Taunus). Dort wurden ein paar „neue“ analoge Schätzchen herumgereicht:

Abends dann traf sich eine große Gruppe aus annähernd 20 Fotofans zum Schnacken, Essen und Fotozeugsbegrabbeln. Einer dieser „Foto-Kumpels“ hat beruflich Zugriff auf die stets neuesten Modelle. Diesmal hatte er eine Sony A9, eine Hasselblad X1D und eine Fujifilm GFX 50S mitsamt zahlreichen Top-Objektiven dabei.

Um alles wirklich auszuprobieren hätte man gut und gerne drei Treffen gebraucht, daher habe ich zunächst ein wenig „befingert“, ein bisschen herumgespielt und mich dann für zwei Schwerpunkte entschieden: den AF der Sony A9 spüren und mit der Mittelformat Fuji fotografieren. Mit der Hasselblad habe ich mich nur kurz beschäftigt.

 

Die X1D liegt gut in der Hand und ist für eine digitale Mittelformat-Kamera unglaublich kompakt. OK, manch einer sagt, es sei ja eigentlich gar kein „richtiges“ Mittelformat, da dies erst bei einer Größe von 6×4,5 cm beginne, doch der Sensor der Hasselblad ist mit 44×33 mm auf jeden Fall größer als das standard-liefernde „Kleinbild“ (36x24cm).
Die Bedienung der X1D ist … anders. Manchmal erinnert sie mich mehr an die Bedienung eines Smartphones, doch ich denke, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, geht alles zügig von der Hand. Das gilt allerdings nicht für die Kamera an sich. Stets scheint sie sich für das, was sie tut ein wenig Zeit zu lassen. Der AF ist „ok“ aber wahrlich nicht flott. Sicher, die Hasselblad wird vermutlich auch nicht für Sportfotografie eingesetzt, sondern eher da, wo überlegt fotografiert wird, dennoch – und gerade im Vergleich zu anderen modernen Kameras – fällt die leichte Behäbigkeit auf.

Als ganz das Gegenteil davon hat sich die brandneue Sony Alpha erwiesen.

a9

Selbst mit dem eigentlich nicht wirklich berauschend schnellen (aber umwerfend guten) Sony FE 1.4/85 GM „flutschte“ der AF nur so von Ziel zu Ziel, wohl gemerkt in einem Innenraum bei mäßigem Licht! Als ich aber dann da neue FE 4.5-5.6/100-400 GM an der A9 hatte, war ich wirklich „baff“. Der AF war mit dieser Kombi so schnell, dass man beinahe keine Verzögerung mehr bemerkt hatt. Es war als fotografiere man mit hyperfokaler Einstellung. Wow!

Die dritte richtig teure Kamera im Bunde war dann die Fujifilm GFX 50S und als (schon ein bisschen) Fuji-Fan habe ich mich entschieden, damit dann draußen ein wenig zu fotografieren.

Es standen zahlreichen Objektive für die Fuji zur Verfügung. Da ich das bestmögliche Schärfe-Ergebnis herausholen wollte, um zu sehen, was in dem Sensor steckt, habe ich mich für das Fujinon GF 4/120 Macro OIS WR entschieden, dass – laut Fuji – ja Sensoren bis zu 100 MPix bedienen soll.

Die Ergebnisse haben mich wahrhaft „umgehauen“. Hier entstand dann auch der Titel für diesen Artikel: „Auflösung statt Tele“. Die Bildqualität schlägt alles, was ich bisher gesehen habe – und ich habe mit eigenen Kameras wie der Nikon Df oder der Sony A7II sowie mit fremden Kameras wie einer Sony A7RII oder einer Leica SL fotografiert!

Kommen wir nun zu den Bildern…

Motiv 1: City

Dieses Bild…

fujiffm

… ist ein Crop aus diesem Foto:

fujiffmfull

OK, das lässt sich so mit mehreren Kameras machen.

Motiv 2: Taube

Dieses Bild…

fujidove

… ist ein Crop aus diesem Foto:

fujidovefull

So langsam sehen Sie, was ich meine. Nicht wahr?

Motiv 3: Mond

Dieses Bild…

fujimond

… ist ein Crop aus diesem Foto:

fujimondvoll

Unglaublich, oder? Nochmals zur Klarstellung: die Fotos wurden mit einem 120mm-Objektiv aufgenommen, also mit einem Kleinbildäquivalent von ca. 90mm! Gewissermaßen ein kurzes Portraittele.

Motiv 4: Büros

Dieses Bild…

fujioffice

… stammt aus diesem Foto:

fujiofficefull

So langsam scheint mir, ist man nirgendwo mehr sicher vor Fotografen. 😉

Motiv 5: Brunnen

Aus diesem Foto:

fujimacrofull

… lässt sich diese „Nahaufnahme“ croppen:

fujimacro

Auch die Dynamik des Sensors ist mehr als beeindruckend.

Motiv 6: Stein

In diesem Foto scheint die linke obere Ecke völlig „ausgebrannt“:

fujiplate

Nach ein paar Klicks, sind dort wieder Wolken zu sehen:

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Ich habe zwei weitere Fotos auf eine Dropbox hochgeladen und freigegeben.
> Hier < und > hier < können sie in voller Auflösung heruntergeladen werden.

Viel Spaß!

„Nu‘ isse wech…“

xt1gone1

Ja, ich habe es in der Tat getan. Ein Teil von mir weiß auch noch immer nicht warum. Ich habe meine Fuji X-T1 verkauft!

(An dieser Stelle bitte gedanklich das „Waaaas? Wieso das denn??“-Emoticon einfügen…)

Wer diesen Blog zum ersten Mal besucht, wird sich nun vermutlich ebenso wie ein treuer Leser die berechtigte Frage nach dem Grund stellen. Wiederholt habe ich die X-T1 als eine meiner „Kameras des Jahres“ bezeichnet und dennoch verkaufe ich sie?

Um ehrlich zu sein, hatte das zwei Gründe.

109aZum einen habe ich mir durch den Verkauf meinen lange geträumten Traum einer Leica D-Lux (109) erfüllen können, ohne meine angetraute, bessere Hälfte völlig in den Wahnsinn zu treiben.

Und zum anderen wurde mir immer klarer, dass ich die X-T1 – so toll ich die Kamera auch finde – kaum mehr benutzt habe.

Da stellt sich natürlich bei beiden Feststellungen die Frage nach dem „Warum“, sozusagen dem „Warum zweiter Ordnung“.

Die Leica D-Lux ist nicht die „bessere“ Kamera im Vergleich zur X-T1, ganz sicher nicht. Ich würde sogar sagen, dass rein objektiv, die Fuji in so ziemlich allen Belangen „besser“ ist. Die D-Lux ist aber nochmals kompakter und kann etwas, das die Fuji X-T1 nie so ganz erreicht hat: sie hat mich ins Herz getroffen.
Ich habe ja schon des öfteren geschrieben, dass es bei mir mit Kameras ist wie mit Jeans: entweder man merkt sofort, dass sie passt, oder man wird nie ganz damit warm.
Das ist wohl der Grund, warum ich die X-T1 habe gehen und die D-Lux einziehen lassen.

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Eine letzte Aufnahme der X-T1.

Noch immer bin ich von der X-T1 begeistert. Was sie alles kann, was sie alles sehr gut kann, ist so ziemlich alles, das man als Fotograf braucht.

Der Sensor ist großartig, die Kamera liegt sehr gut in der Hand (vor allem mit dem Extra-Griff) und sie ist eine echte „Retro“-Kamera! Durch die Räder auf ihrer Schulter kann man mit ihr fotografieren und muss nur sehr selten ins Menü, um Einstellungen zu verändern.

Doch warum habe ich die Fuji X-T1 denn so selten benutzt? Die Antwort ist so lapidar wie logisch: eine Kamera ist immer nur so gut wie die Objektive, mit denen man sie nutzt.
Mein Fuji-System habe ich nie so richtig ausgebaut. Mein Nikon-Set ist über-komplett, für die Leica M8 habe ich alles, was ich brauche. Doch um mein Fuji-Set „rund“ zu machen, hätte ich mir das 1.4/16, das 1.4/23 und das 2.0/90 kaufen müssen. Das hätte mich dann so um die 3000€ zurückgesetzt – und das wollte ich einfach nicht. Wenn einem aber die richtigen Objektive „fehlen“, nutzt man eine Kamera einfach nicht. Eine sehr einfache Rechnung.
Wer nur das Fuji-System nutzt, geht eben diesen Weg und wird sicherlich sehr glücklich damit werden. Die Objektive sind mindestens so toll wie die Kameras. Wer aber, wie ich, außer mit Fuji noch mit Nikon und Leica M fotografiert (ohne Geld mit dem Hobby zu verdienen), für den werden die Fuji-Objektive einfach zu teuer.
Was mir von Fuji bleibt, ist eine Art „Kern“: meine X-E2, das 18-55 und das 1.4/35 – sowie zahlreiche Adapter für M- und F-Objektive. Das reicht für ein „Drittsystem“ völlig. Zumal ich mir vor kurzem auch eine Olympus PEN E-P3 angelacht habe und diese kleine Kamera mir – ein wenig überraschenderweise – einen Heidenspaß macht. (OMG, welch ein Luxus-Problem!)

So habe ich also die X-T1 heute in sehr gute Hände bei einer leckeren Tasse Kaffee persönlich übergeben. Die Stelle, die die Fuji inne hatte, nimmt nun die PEN ein und als „Ich-nehme-nur-eine-kleine-Kamera-mit“-Kamera spielt die Leica D-Lux (109) eine große Rolle in meinem „Fotohobby-Leben“.

Bevor mir aber jetzt noch die Anführungszeichen ausgehen, schließe ich mit diesen Bildern der Leica D-Lux und ihrer Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Großmutter den Artikel – nicht ohne eine kleine Träne in den Augenwinkeln. 😉

Ein Wochenende, das in Erinnerung bleiben wird…

Das Wochenende, das gerade noch nicht zu Ende ist, wird sicher auch nicht schnell in Vergessenheit geraten, vor allem, weil es höchst arbeitsintensiv war.

Doch ich schreibe hier vom ersten September-Wochenende, an dem ich mich mit ein paar ebenso fotoverrückten Freunden zu einem „Leica Meet&Greet“ in Trier getroffen habe. (Marco Spalluto hat >>hier<< darüber gebloggt.)

trier2016_cschouler_m6-44

In erster Linie wurde dort mit Leica-Kameras fotografiert, weil dies der gemeinsame Nenner in unserer Gruppe war. Doch auch als Leica-Fans sind wir keineswegs dogmatisch und erfreuen uns an zahlreichen unterschiedlichen Kameras und Systemen. Von der Fisheye-Lomo über eine Schraub-Leica, viele „M-Leicas“, eine Sony A7, eine „alte“ Leica SL, eine „neue“ SL, bis hin zu zwei Mittelformatkameras war fast alles angetreten, was Fotofreunden das Herz höher schlagen lässt. Für den Samstag war vorgegeben, mit einer analogen Leica zu fotografieren, der Rest war „frei“.

Als eigenes Equipment hatte ich dabei:

  • Leica M6
  • Leica M8
  • Fujji GW690
  • Fuji X-E2
  • Sony HX20V
  • Lomo Fisheye

sowie einige Objektive mit Leica-M-Bajonett:

  • Voigtländer Heliar 4.5/15
  • Leica Elmarit-M 2.8/21
  • Voigtländer Ultron 2.0/28
  • Leica Summicron-M 2.0/50
  • Voigtländer Heliar 2.5/75
  • Leica Summicron-M 2.0/90

Das klingt nach sehr viel, es trägt aber viel weniger auf, als man vermuten möchte.

Die kleine Sony HX20V und die Lomo hatte ich in der Westen- bzw. Hosentasche, die Mittelformat-Fuji war nur ab und an dabei und der Rest passte alles in meine wunderbare Billingham, ohne zu schwer zu werden. 🙂

Nun aber genug zum Equipment, denn obwohl es sich um ein Foto-Treffen handelte, ist es eigentlich immer wichtiger, die Foto-Freunde wiederzusehen, die man zum Teil seit ein, zwei Jahren nicht getroffen hat. So kam auch Anfang September ein illustrer und überaus sympathischer „Haufen“ zusammen. Aus Schweden, England, Belgien, der Schweiz und aus allerlei Ecken Deutschlands reisten die Teilnehmer an und so entwickelte sich das polyglotte Treffen zu einem zweisprachigen: Englisch wurde in diese und Deutsch in die andere Richtung gesprochen, hier und mischte sich etwas Französich darunter.

Trier bietet eine Menge für Fotografen und da an diesem Wochenende zudem noch sowohl eine Open-Air-Modenschau als auch ein Straßenfest im multikulturellen Karl-Marx-Viertel anstand, gab es mehr als genug Motive.

Als Filme wählte ich für meine M6 drei unterschiedliche. Tagsüber – es war intensiver Sonnenschein gemeldet – bekam die Leica einen Lomography EarlGrey 100 Schwarz-Weiß-Film sowie – etwas experimenteller – einen seit 15 Jahren abgelaufenen Velvia-50-Diafilm gefüttert, für den frühen Abend dann einen AGFA Vista 200, da ich damit nur ein bisschen ausprobieren wollte. Solch ein Vista war auch in der Lomo Fisheye, denn ein ISO200-Film ist für einen derart sonnigen Tag genau richtig für die kleine Blende.
In der Fuji 690 steckte ein 220er Ilford FP4+ Mittelformatfilm, der mir im Format 6×9 16 Aufnahmen ermöglichte.

Der EarlGrey hat sich als ausgezeichneter SW-Film erwiesen, der mir sehr gut gefällt und sich hervorragend mit dem HC-110 Entwickler vertragen hat:

 

Der Ilford FP4+ hat mich, obwohl auch er eigentlich schon überlagert war, ebenfalls nicht im Stich gelassen. Ihn habe ich in Rodinal entwickelt. Der FP4+ ist einfach ein echter Allrounder, wenn man mit ISO125 auskommt. (Gescannt habe ich die 6×9-Negative übrigens mit meinem Epson 3200 Photo betrieben unter Ubuntu Linux, denn dafür gibt es noch Treiber für den Scanner!):

Der AGFA Vista ist zwar kein besonderer, aber ein zuverlässiger Film, der gerade für eine Lomo aufgrund seiner Gutmütigkeit ausgezeichnet geeignet ist. In der M6 liefert er Ergebnisse, die den klassischen Filmlook wunderbar darstellen:

 

Richtig spannend wurde es aber mit dem im Jahr 2001 (!) abgelaufenen Velvia. Dass ein Dia-Film dann keine richtigen Farben mehr liefert, war mir klar. Die Feinheit dieses ISO-50-Films wollte ich aber nutzen, indem ich die Fotos nach dem Scannen in Schwarz-Weiß konvertiere.
Wie erwartet kamen die Dias mit einer enormen Farbverfälschung aber mit allen feinsten Details zurück, denn die (leicht angepasste) Belichtung in der M6 hat gestimmt.

Ein Dia dieser Rolle sieht eigentlich so aus:

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Als Dia völlig unbrauchbar!

Photoshop macht per automatischer Korrektur dies:

diatrfk

Only slightly better“ würd man wohl sagen. Aber dann kommt Silver Efex und macht mit einem Klick solch ein S/W-Foto daraus:

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Und DAS kann sich doch sehen lassen.

Nach Entwicklung in Lightroom und ein wenig manueller Nachbearbeit war ich von den Velvia-S/W-Ergebnissen wirklich begeistert:

Wenn ich sehr „saubere“, „feine“ S/W-Fotos haben will, dann nutze ich meine alten Velvias und konvertiere im PC. 😉

Ach ja, digital habe ich natürlich auch ein wenig fotografiert, in erster Linie mit der Fuji X-E2 und adaptierten Leica-Objektiven, die m.E. hervorragend miteinander harmonieren:

Ich kann mich zusammenfassend mich nur wiederholen, dass das Wochenende in Trier mit den netten Menschen, die ich dort treffen durfte, enorm viel Spaß gemacht hat. Sowas lädt die eigenen Akkus wieder auf. In der Tat ein Wochenende, das in Erinnerung bleiben wird!

Lieben Dank an die Organisatoren John Görtgen und David de Ruyver. Habt ihr klasse gemacht!

 

„Sieht“ man Mittelformat?

Die Fuji GW690, eine 6×9 Messsucherkamera, habe ich seit etwas über einem Jahr. Man fotografiert ja nicht so oft mit einer Messsucherkamera, die so große Negative zaubert. Wenn man es tut, dann fragt man sich aber stets, warum denn eigentlich nicht?

690_w1

Die Ergebnisse aus Bad Homburg, ich berichtete, hatten mich schon begeistert:

Gestern habe ich den 220er Ilford FP4+ entwickelt (klassisch in Rodinal 1:50), der in der Kamera war, als ich sie mit in Trier hatte.

Erneut vermitteln mir die Fotos das „gewisse Etwas“. Man kennt die Diskussion, dass man es Mittelformatfotos eben ansehe, dass es Mittelformatfotos sind. Zum einen spielt da die – nachweisbar geringere – Schärfentiefe bei gleicher Blendenöffnung eine Rolle, welche in Kombination (auch und vor allem) mit einem Weitwinkel Bildeindrücke liefert, die nur schwierig mit einer Kleinbildkamera (oder gar einem kompakteren Format) erreichbar sind. Doch mein Nikkor 1.4/35 an meiner Df bietet im Grunde vergleichbare Parameter.
Oft redet man auch dem Film an sich in diesem großem Format besondere Eigenschaften an. Das gleitet aber hin und wieder ins Esoterische ab. 😉

Und dennoch, auch ich meine zu erkennen, das Mittelformat-Fotografie einen besonderen Reiz hat und Bilder produziert, die eben wie „Mittelformat“ aussehen. Es kommt allerdings auf die Situation und die Aufnahmeeinstellungen an.
Lassen Sie uns einmal vier Bilder aus Trier anschauen, die ich mit der Fuji GW690 gemacht und mit einem Epson 3200 Photo eingescannt habe. Die Fotos sind unbearbeitet (die Helligkeitsverteilung und der Kontrast müssten angepasst werden), lediglich in der Größe angepasst.

Beispiel 1:

trier_fuji690_fp4_cschouler_01

Dieses Foto hätte man auch mit einer ordentlichen Kleinbildkamera machen können. Es zeigt einen leicht weitweinkligen Bildwinkel und ist durch die Abblendung und die hyperfokale Fokussierung bis in die Tiefe scharf.

Beispiel 2:

trier_fuji690_fp4_cschouler_03

Auch dieses Foto wäre mit einer guten Kleinbildausrüstung leicht möglich gewesen. Der zweifelsohne sichtbare 3D-Effekt lässt sich auch mit Kleinbildobjektiven erzielen, die einen entsprechenden Mikrokontrast liefern.

Beispiel 3:

trier_fuji690_fp4_cschouler_02

Bei diesem Foto hingegen kommt meiner Ansicht nach schon durch, was so besonders in der Mittelformatfotografie ist: der weiche Schärfeverlauf bei dennoch sichtbarer Trennung. Die kleine Bischofs-Statue vorne ist scharf, der Herr am rechten Bildrand „fast“ scharf, auf jeden Fall schärfer abgebildet als die Personen etwas „dahinter“ und die Portra Nigra ist unscharf, ohne jedoch in einer Freistellung völlig zu verschwinden.
Die Möglichkeit mit Unschärfe über einen tiefen Bereich zu spielen, freizustellen und doch den Hintergrund erkennbar zu lassen, das ist für mich typisch für das Mittelformat.
Sicher, wer es geschickt anstellt, kann das auch mit Kleinbild erreichen. Ich habe nur den Eindruck, dass es auf einem 6×9-Negativ leichter möglich ist.

Beispiel 4:

trier_fuji690_fp4_cschouler_06

Auch hier ist – in meinen Augen – ein Mittelformat-Effekt sichtbar. Scharf abgebildet ist – ganz bewusst – nur die Pfütze vorne – erkennbar an der Struktur des Bodens. Die Personen wirken beinahe noch scharf, sind es aber nicht. Rechts ist an den Türen des „Straßen-Zuges“ der in die Tiefe des Bildes abnehmende Schärfeverlauf sichtbar, und im Hintergrund ist die Portra Nigra erneut unscharf aber wiedererkennbar. Bei der Komposition des Fotos war es mir wichtig, die Portra Nigra in der Reflektion auf dem Boden erscheinen zu lassen (was, da nur wenig Wasser ungleichmäßig verteilt war, nicht komplett möglich war).

Ineteressant ist auch, dass – je größer man einen Print dieser Fotos betrachtet, umso deutlicher dieser Effekt wird. Das ausgezeichnete Fujinon 3.5/90 der Fuji GW690 unterstützt dies durch die „Roundness“ der Abbildung, dem ausgeprägten 3D-Rendering und dem hohen Mikrokontrast maßgeblich. Unter Umständen spielt auch die im Vergleich zum digitalen Sensor etwas andere Darstellung eines S/W-Films eine Rolle, aber das ist schwer greifbar.

Ich denke auf jeden Fall wirklich, dass eine Kombination aus großen Aufnahmeformat und leistungsfähigem Objektiv Aufnahmen ermöglicht, die sonst nur sehr schwierig zu erreichen sind.

 

Chapeau!

Ich schimpfe ja gerne und oft auf Hersteller – vor allem, wenn sie mal wieder eine mir unverständliche und mich verärgernde Entscheidung getroffen haben. Kürzlich habe ich mich auch über Fujifilm geärgert, weil sie die Produktion des fantastischen Packfilms für die Sofortbildkameras eingestellt haben. Sehr ärgerlich, wirklich!

Doch, was die digitale Sparte betrifft, so muss ich vor Fuji meinen Hut ziehen. Denn mit ihrer „Kaizen“-Philosophie, der konstanten Verbesserung, machen sie es anderen Herstellern vor, wie gute Modellpflege aussieht und wie man Besitzer von „älteren“ Kameras nicht im Regen stehen lässt.

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So sind vor ein paar Tagen erneut verbesserte Firmware-Versionen für zahlreiche Kameras und Objektive veröffentlicht worden. Das Update meiner X-T1, meiner X-E2 und meines 18-55 liefen gewohnt problemlos. Weiter so, Fuji! (Aber das „film“ lasse ich weiterhin am besten aus eurem Namen weg. 😉 )

Das beste Teleobjektiv…

… mit dem ich jemals fotografiert habe. Definitiv!

Dieser Artikel wird so ziemlich das Gegenteil vom letzten Lochkamera-Post, denn hier geht es um Bildqualität, wie sie besser kaum sein kann.
Ich habe im Laufe meiner über 25jährigen Fotografiererei ja schon mit so manchem sehr guten Tele-Objektiv fotografiert, doch heute konnte ich eine Erfahrung machen, die mich echt vom Hocker gehauen hätte (so ich denn auf einem gesessen hätte).

Ich helfe ja zur Zeit einer netten Bekannten eine Kamerasammlung aufzulösen, die aus extrem hochwertigen Teilen besteht. Zu hochwertig für meinen Geldbeutel – leider. Hier geht es um Produkte von Hasselblad und Leica. Einen Teil haben wir schon veräußern können, ein paar Sachen hat sie noch. Von diesen nehme ich immer mal wieder eines mit, um es auszuprobieren, denn ich möchte ja wissen, ob die Dinge, die wir anbieten, auch funktionieren. Und heute war dieses Juwel an der Reihe:

280a
Alter Schwede, oder besser „alter Hesse“. Das ist mal eine Ansage!

Es handelt sich um ein Leica APO-Telyt-R 2.8/280. In Tests wurden zur Beschreibung dieses Objektivs Begriffe wie „simply outstanding“ oder „achieved the highest score among all of the nineteen 280-300mm lenses that were tested“ benutzt. Ich wollte natürlich wissen, ob da was dran ist. 😉

Ich steckte also die Kamera (Fuji X-T1) an das Objektiv – hier muss man das tatsächlich so herum schreiben – und begab mich bei schönstem Wetter in unseren Garten, um von unserer Terrasse aus unsere alte Gartenbank abzulichten. Die schien mir, mit all den Details (abblätternde Farbe, Rost, Spinnennetz…) ein passendes Testmotiv zu sein.

Um einen Vergleich zu haben, fotografierte ich aus gleicher Distanz das Sujet auch mit einem Sigma 80-400 OS an der Nikon Df. Dies ist an sich schon eine ziemlich gute Kombo, die mir schon so manches ordentliche Telefoto ermöglicht hat. (Falls Sie sich fragen, warum ich das Telyt nicht an der Nikon genutzt habe, das ginge nur mit Bajonett-Umbau und das lasse ich bei diesem Wert definitiv sein!).

Hier also zunächst das Sigma-Nikon-Bild:

Sigma400

Die Entfernung von der Terrasse zur Bank beträgt ziemlich genau 10m. Wie im Bild angegeben, fotografiert man mit diesem Tele-Zoom bei 400mm mit Blende f/5.6 – nicht super lichtstark, aber gar nicht so übel.
Interessant wird nun der unbearbeitete 100% Crop:

sigma400crop.jpg

Das ist für ein derartiges Detail aus 10m Distanz gar nicht mal schlecht, nicht wahr? Da lässt sich auch noch was herausholen.

Kommen wir nun zum Leica-Tele:

leica280

Dieses Bild wurde mit 280mm an APS, also einem KB-Äquivalent von 420mm bei Offenblende f/2.8 (!) gemacht. Sowohl die Fuji als auch die Nikon haben einen 16 MPix-Sensor. Die Bilder sind also schon ziemlich gut vergleichbar.
Am Leica Telyt hatte ich sogar noch den speziell gerechneten Leica-NDx1-Filter vorne drauf, da man den sehr oft benutzen wird bei Blende f/2.8 und ich sehen wollte, ob er die Bildqualität negativ beeinflusst – tut er nicht.

Und nun der 100% Crop. Bitte halten Sie sich fest:

leica280crop
Heiliger Bimbam! Das ist ein aus 10m Entfernung aufgenommenes Makro-Foto!

 

Tja, was soll man dazu noch schreiben? Mich wundert nicht, dass dieses Objektiv mit Superlativen beschrieben wurde und damals, Mitte der 80er, für knapp DM 12.000 über den Ladentisch ging.

„Myth confirmed!“

… höre ich die Mythbusters im Fernsehen rufen. Das ist in der Tat das beste lange Tele, mit dem ich jemals fotografiert habe!

Dieses aus der Hand (!) fotografierte Beispiel bestätigt den Eindruck.

Hatte ich erwähnt, dass es verkauft werden soll? Der Preis ist nicht einmal die Hälfte des damaligen Neupreises. Anfragen gerne per Mail an mich. 🙂

 

Ein „Turbo“ für’s Objektiv…

Sie erinnern sich? Vor gut eineinhalbLTIIe Jahren habe ich darüber berichtet, wie der “LensTurbo” von Zhongyi mir ermöglicht, Pentax-Objektive an meiner Fuji X zu nutzen und zwar bei „kleibbiläquivalentem“ Bildwinkel und einer Blende „Lichtgewinn“. Ein 50mm-KB-Objektiv wirkt auch in etwa wie ein 50mm-Objektiv (und nicht durch den APS-Crop wie ein 75er).

Ich hatte mir damals die erste Version des LensTurbos für Pentax gekauft, weil es für die Fuji keinen anderen Anschluss gab. Für Sony NEX waren LensTurbos auch für andere Objektivbajonette verfügbar.

Zum Glück hatte ich – durch meine Pentax ME Super – ein paar nette SMC Pentax-Objektive, doch eigentlich wäre ein Nikon-Fuji-LensTurbo besser gewesen, denn Nikkore habe ich mehr und bessere.

Im Laufe der Zeit kam eine zweite, verbesserte Version des LensTurbos heraus – die erste war gerade bei Weitwinkel-Objektiven nur stark abgeblendet wirklich nutzbar – und schließlich auch für Nikon-Objektive. Da mein Autoren-Honorar (Lehrbuch, nichts mit „Foto“) ansteht, habe ich mir nun solch einen LensTurbo II gegönnt:

LTIIa

Die Verarbeitung ist gut. Nicht auf Novoflex-Niveau, aber deutlich robuster und ordentlicher als bei den billigen HongKong-Adaptern. Man erhält in etwa die Qualität, die man bei den wertigeren Asien-Adaptern von Kiwi oder quenoX kennt. Objektivseitig als auch kameraseitig passt es sehr genau und der – zum Glück vorhandene – Blendensteuerring dreht sich satt. Da gibt es nichts zu bemängeln.

LTIIbDer LensTurbo kommt in einer Standard-Verpackung, ist aber innen sehr gut geschützt.
Bestellt habe ich diesmal übrigens über Amazon, weil dann der Versand aus Deutschland geschieht und man den Adapter sehr schnell erhält.

An der Fuji X-T1 sieht er mit einem Nikkor AI 1.4/50 ziemlich gut aus:

Die Kombination aus schwarzem Body und silbernem Ring nimmt das Design der manuellen Nikkore sehr schön auf. Ob das nun Absicht war oder Zufall, es passt. 😉

Gestern bin ich mit meinem Töchterchen durch den botanischen Garten in Marburg gegangen, um den LensTurbo mit einigen Nikkoren auszuprobieren.

LT50a

Zuerst war das (auch in den Bilder oben gezeigte) Nikkor AI 1.4/50 dran…

LT50b

LT50d

LT50c

Also der Freisteller bei Offenblende ist schon heftig und beim 50er sind auch die Ecken sehr ordentlich.

Spannend war danach für mich, ob sich auch das Nikkor-N.C 2.8/24 am LensTurbo II ohne große Abstriche nutzen lässt…

LT24a

LT24b

In der Tat, es funktioniert! Bei Offenblende (was effektiv etwa einem 2.0/24 am Kleinbild entspricht!) muss man zwar in den Ecken tatsächlich etwas Auflösungsverlust in Kauf nehmen – das ist nicht wegzudiskutieren und wird auch schon bei einer 50%-Ansicht sichtbar – doch bei Blende f/2.0 und 24mm ein Motiv zu fotografieren, welches von Ecke zu Ecke scharf und hochauflösend sein muss, wird ohnehin eher selten vorkommen!

Richtig Spaß hingegen macht die Freistellung z.B. einer Person bei einem Bildwinkel eines 24mm-Kleinbildobjektivs:

LT24c

Das hat was!

Ich muss demnächst wohl einmal das 2.8/24 am LensTurbo gegen das Samyang 2.0/16 antreten lassen. 😉