Tape-Trick

Erinnern Sie sich? Zum völlig spontanen Treffen mit meinem Kumpel Jörg bei Leica am Karfreitag, hatte ich nicht nur ein paar echt hochwertige Kameras dabei, sondern auch – natürlich – eine „Toycamera“, meine Agfa Isoly (in die ich mich so richtig ein bisschen verkuckt habe, doch dazu später mehr).

Das Besondere an der Kamera an diesem Tag war, dass ich das Bildfenster innen in der Kamera am Rande mit teiltransparentem Scotch-Tape abgeklebt habe, um eine Art „Rahmeneffekt“ direkt auf die Negative des abgelaufenen Kodak Portra 160 zu zaubern.

isolymaske

Inzwischen sind die Bilder zurück und ich habe heute eingescannt. Also ich finde, es ist richtig gut geworden!

Danach hatte ich ein paar Bilder von meinen Kindern gemacht, unter anderem eine Doppelbelichtung (was mit der Isoly sehr leicht ist) von Blumen in einem kleinen Teich und meiner Tochter. Und von diesem Bild bin ich regelrecht begeistert:

44frame9w

Es sieht ein bisschen so aus, als würde mein Töchterchen eine Tanzball-Maske tragen, nicht wahr?

Es ist schon toll, was man alles mit dieser einfachen, alten Kamera so anstellen kann. Sie ist mir echt ans Herz gewachsen.

Übrigens, heute ist bei mir die nächste „Toycamera“ angekommen, eine Certo Certina (mehr Infos hier…) und der erste Film ist bereits geladen. Da bin ich auch gespannt.

certina

Es scheint, mich hat das Toycamera-Fieber gepackt. Danke, Dennis! Danke, Kai!  😉

 

Portraits mit dem Petzval

Heute hatte ich endlich mal die Gelegenheit, im Garten meines Elternhauses ein paar Portrait-Fotos meiner Tochter mit dem Petzval-Objektiv (diesmal an der Nikon Df) zu machen.
Was soll ich sagen? Sie sind genau so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe: „luftige“ Überstrahlungen, Unschärfe mit Kernschärfe (siehe Haare!) und ein  außergewöhnliches aber nicht zu aufdringliches Bokeh = Projekt gelungen!

Ich möchte diese Fotos nicht in höherer Auflösung im Internet zeigen und diese kleinen Bilder nehmen etwas vom „Petzval-Effekt“. Ich denke aber, man kann erahnen, was ich meine.

Das Petzval-Selbstbauobjektiv ist mit Sicherheit kein Objektiv, das man regelmäßig nutzt, doch für die ganz „speziellen“ Bilder bietet es eben etwas, das man mit modernen, aukorrigierten Objektiven nicht oder nur sehr schwer erreichen kann. Bin gespannt, wie sich ein Vergleich mit einem Weichzeichner-Objektiv macht, das unterwegs zu mir ist. 😉

Fotografieren durch ein Loch…

Manchmal kommt man durch Gespräche mit Freunden auf gute Ideen, oder man erinnert sich wieder an Dinge, die man lange nicht benutzt hat. So auch vor kurzem. Während eines Foto-Geplauders mit guten Freunden kamen wir plötzlich auf das Thema „Lochkamera“. „Natürlich!“, dachte ich: „Ich habe ja auch noch eine Lochkameravorrichtung mit EOS-Bajonett zuhause.“ Inzwischen habe ich mich zwar von fast all meinen EOS-Sachen getrennt, doch eine gute alte 10D liegt noch hier – für die Lochkamerafotografie mehr als ausreichend.

lochblende

Und siehe da: Es funktioniert!

Nein, die Fotos sind wirklich nichts Besonderes, nur ein paar Schnappschüsse aus unserem Garten. Aber zum Ausprobieren reicht es. Mal sehen, wann ich mal dazu kommen, ein paar „richtige“ Aufnahmen mit der Lochkamera-10D zu machen. 😉

Ein Petzval-Objektiv…

… hat schon etwas. Da steckt eine ganze Menge Geschichte dahinter und sowas fasziniert mich. Aber auch wenn ich die Leute von Lomography toll finde und ihren Enthusiasmus bewundere, so kann ich mich selbst dennoch nicht davon überzeugen, über €500,- für eine neugebaute Replika eines Petzval-Objektivs zu bezahlen. Ja, das 85er Petzval ist spannend, sehr spannend; ebenso wie das 58er Petzval oder auch das neuste Projekt, das Daguerreotype Achromat 2.9/64. Doch obwohl ich die Bildergebnisse faszinierend (click und click) finde, ist es mir einfach zu viel Geld. So weit reicht mein Wahnsinn dann doch nicht. 😉

Allerdings, so muss ich gestehen, hätte sowas schon gerne zum Spielen. Da ich ja nun auch manchmal eine Art „Linsenbastler“ bin, dacht ich mir, dass man auch auf günstigerem Weg an sowas kommen müsste. Aber ganz so einfach war das dann doch nicht, denn originale Petzval-Objektive erzielen auf EBAY meist enorm hohe Preise.
Kürzlich jedoch fand ich eines, das mit etwas Glück bezahlbar bleiben würde, da der eigentliche Fokusmechanismus durch das Rädchen unterhalb des Objektivs außer Betrieb war. Ein Feinmechaniker würde das sicherlich wieder hinbekommen, doch fokussieren kann man noch immer durch Vor- und Zurückschieben des Tubus. Und tatsächlich, der Preis blieb in absolut erträglichem Rahmen. Jetzt musste ich nur noch einen Weg finden, das wirklich alte Objektiv an die Kameras zu bekommen. Da es dabei eigentlich nur um den Ausgleich des Auflagemaßes ging, war dies sehr leicht mit einfachen Zwischenringen möglich, die ebenfalls sehr günstig zu finden sind.

Und so sieht das zusammengebaute Petzval-Objektiv aus – mit echter Patina:

Petzval1

Nach etwas Feinarbeit macht es sich meines Erachtens recht gut an einer modernen Nikon:

PetzvalNikonW

Es bleibt die wichtigste Frage zu beantworten: „Welche Art Bilder macht es denn?“

Dieses Objektiv ist geschätzt ein 120er mit Blende f/4 mit einer unglaublich hohen Streulichtanfälligkeit. Keine der internen Linsen wird auch nur annähernd eine Vergütung haben. Man muss sich also zum einen auf eine starke Kontrastminderung gefasst machen.
Da dieses Objektiv keine Blende hat, fotografiert man zum anderen stets bei Offenblende. Somit wird die Leistung in der Bildmitte vermutlich noch halbwegs akzeptabel sein, zu den Ecken hin aber stark nachlassen.
Die ersten Bilder haben dann auch gezeigt, dass der Kontrast sehr schwach ist und die durchaus vorhandene Kernschärfe durch starke Überstrahlungen überlagert wird. Dieses Objektiv verlangt definitiv eine intensive Nachbearbeitung!

Und dennoch lässt sich damit fotografieren. Die Bilder haben eine ganz eigene Anmutung, die mir irgendwie gefällt:

PetzvalMR
Petzval-Eigenbau an Nikon Df

Jetzt ist ein Petzval-Objektiv ja nicht unbedingt ein Landschafts-Objektiv. Ich bin echt gespannt, wie es sich bei Portraits macht, für die es ja eigentlich gerechnet wurde…

Blue-Light-Bokeh-Show

Hin und wieder diskutiere ich gerne in einer Facebook-Gruppe mit, die sich mit der Verwendung „alter Linsen“ an modernen Kameras beschäftigt. Das ist ja ohnehin ein Steckenpferd von mir. Einige in der Gruppe sind diesbezüglich ähnlich „alte Hasen“ wie ich, andere fangen gerade erst an, diese fotografischen Möglichkeiten für sich zu entdecken. Es freut mich sehr, wenn wieder jemand bemerkt, wie toll es sein kann, ein altes Objektiv an eine neue Digitalkamera zu stecken. 🙂

hassibubbla

Was ich allerdings nicht wirklich nachvollziehen kann, ist die Vorliebe von einigen dort, in jedem Bild unbedingt solche „Bokeh-Seifenblasen“ zu haben, wie sie z.B. ein Meyer Trioplan 2.8/100 typischerweise so zeichnet. Vor allem kann ich nicht verstehen, dass man über €500,- für ein gebrauchtes Trioplan bezahlt! Es ist ein einfacher Dreilinser, der früher als ebensolch ein einfaches Objektiv betrachtet wurde. Heute schwimmt es auf einer unfassbaren Hype-Welle.

Ja, es gibt durchaus Fotos, auf denen diese „Bubbles“ sinnvoll und ästhetisch gewinnbringend eingesetzt werden. Im DCC findet man ein paar gute Beispiele. Doch ganz ehrlich? Das sind die wenigsten. Meistens scheint es darum zu gehen, irgendwie die Blubberbläschen auf’s Bild zu kriegen und schon gilt das Foto als Meisterwerk. 😉
Ja, ich weiß. Ich bin jetzt ganz böse. Doch meiner Meinung nach nutzt sich dieser Seifenblasen-Effekt ebenso schnell ab wie ein Fisheye- oder ein Makro-Effekt – vor allem dann, wenn immer nur wieder Blümchen-Bilder gezeigt werden.
Und dennoch scheint alle Welt nach „Bubbles“ oder – in einem anderen Bereich – nach „Swirls“ zu schreien. Vielleicht werden die Blasen-Fans auch nur deshalb eher gehört, weil sie lauter schreien. Wer weiß?…

Da ich mir viel lieber Portraits von Menschen als von Blumen anschaue, kann ich den „Swirl“-Effekt noch verstehen und finde ihn – richtig angewendet – auch toll, da er eine Art „Kranz“ um die portraitierte Person zeichnet und so den Blick auf das Hauptsujet lenkt. Seifenblasen-Bubbles lenken aber bei einem Portrait m.E. einfach zu sehr ab. Natürlich kann man das mal nutzen, es sollte aber die absolute Ausnahme bleiben.

Nun ja, das ist natürlich nur meine Meinung. Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters und auch bei der Fotografie ist die Freiheit der Gestaltung ein sehr wichtiges Element. Friede?

Neulich jedenfalls wollte ich in der Gruppe zeigen, dass man für solche Blubberblasen eben keine €500,- ausgeben muss, sondern sich auch einfach ein Meyer Diaplan-Projektionsobjektiv kaufen kann, welches den gleichen optischen Aufbau wie das Trioplan hat und sehr ähnliche Bokeh-Highlights (denn darum geht es schließlich, nichts anderes sind diese „Bubbles“) produziert. Vor wenigen Wochen habe ich ein Diaplan für €5,- erstanden. 😉 Man muss nur noch ein wenig basteln und hat einen Trioplan-Klon (ohne Blende).
Es folgte eine interessante Diskussion, in der sich erneut die teils festgefahrenen Überzeugungen zeigten. (Ich muss ja gestehen, dass ich in meiner Ablehnung des Trioplans auch eine ziemlich feste Meinung habe. 😉 )

Das Bild, das ich dort gezeigt habe, hat mich nun veranlasst, das gleiche Motiv einmal mit unterschiedlichen Objektiven des typischen Portrait-Brennweitenbereiches (80 bis 105mm) aufzunehmen. Diese Reihe zeigt deutlich, wie „echte“ Fotoobjektive (Pentax 100 sowie Nikkor 85 und 1o5, Pentacon 100, Jupiter-9 85, Vivitar 100, Leitz Tele-Elmarit 2.8/90 und die Leica Summicrone M 2.0/90 und R 2.0/90) sowie umgebaute Projektionsobjektive (Diaplan 80, Colorplan 90 und Kiptar 100) mit Bokeh-Highlights umgehen.

Die Bilder sind jeweils mit Offenblende entstanden, was zusammen mit der Brennweite, für den unterschiedlichen Grad der Freistellung sorgte.

Und wie erwartet, schneidet für meinen Geschmack das „Diaplan“ am schlechtesten ab.
Mein persönliches Ranking sieht aus wie folgt:

  1. Leica Summicron-M 2.0/90 (mein absoluter Favorit, noch ein Quäntchen vor den Nikkoren, weil weniger Neigung zu Katzenaugen am Bildrand; ganz nah dran an der Perfektion!)
  2. (geteilt) Nikkor-H 1.8/85 und Nikkor 2.5/105 AI (beide zeigen sehr ähnlichen Charakter und sind gleichermaßen hervorragend)
  3. Leica Summicron-R 2.0/90 (ganz knapp dran an den Nikkoren, wunderbar weiche Freistellung)
  4. (geteilt) Leitz Tele-Elmarit-M 2.8/90 (etwas stärkere Tendenz zur Randbetonung dafür weniger Katzenaugen) sowie Leitz Colorplan 2.5/90 (stärkere Katzenaugen, dafür weniger Kontrast-Rand. Das Colorplan ist damit das für mich beste Projektionsobjektiv, ein echter Geheimtipp für Bastler – noch!)
  5. Pentacon Auto 2.8/100 (eigentlich ein Objektiv von Meyer Optik, das Orestor 100, allerdings in neuerer Version und daher mit „Pentacon“ gelabelt; mein Exemplar öffnet die Blende leider nicht komplett, so dass ganz leichte Sechsecke zu sehen sind, dennoch ein recht schöner Umgang mit den Highlights, deutlich besser als das „Trioplan“-Design und nahe dran am 4. Platz)
  6. (geteilt) Pentax-M 2.8/100 und Vivitar Auto 2.8/100 (gut, aber nicht so cremig wie die Nikkore; das Vivitar scharf, das Pentax sehr scharf)
  7. Jupiter-9 2.0/85 (deutliche Tendenz zum „Kringeln“)
  8. ISCO Kiptar 2.0/100 (schon mit etwas Abstand zum Pentax, nah dran am Jupiter, und mit toller Freistellung)
  9. Meyer Diaplan 2.8/80 (Blende f/2.8 und 80mm Brennweite machen das weiche Freistellen schon etwas schwerer und dann die „Bubbles“…)

Wie sehen Sie das? Ihr Ranking (und die Gründe dafür) würde mich sehr interessieren. Also, schießen Sie los. 🙂

Die nächsten DIY-Projekte…

… stehen fest.

Das erste Projekt habe ich heute begonnen. Es geht darum, Fotos auf Holz zu übertragen. Nachdem ich darüber einige Seiten im Internet gefunden hatte, habe ich mir das Gel und den Kleber bestellt und heute einen ersten Versuch gewagt. Morgen werde ich sehen, ob das was geworden ist.

Als nächstes – mal sehen, wann ich dazu die Zeit finde – möchte ich die Negative aus den Fotos gewinnen, die ich auf dem Fuji FP-100C gemacht habe:

 

 

Und schließlich sind die Negative von den Impossible Sofortbild-Filmen dran:

Bin sehr gespannt, ob das alles so klappt, wie ich mir das vorstelle…

DIY-Objektive

Der erfahrene Heimbastler weiß, dass „DIY“ eine Abkürzung für „do-it-yourself“ ist. Kürzlich erreichte mich eine Mail mit der Bitte, doch einmal über die Selbstbau-Objektive zu schreiben, mit denen ich ja auch fotografieren würde.

OK, mache ich gerne. Lieber als Klausuren zu korrigieren. 😉

Allerdings muss ich zwei Dinge vorweg gestehen:

  1. Ich fotografiere gar nicht so häufig damit, sogar ziemlich selten und
  2. eigentlich baue ich ja nicht die Objektive selbst, sondern suche nach Lösungen, Projektions- oder Vergrößerungsobjektive an einer Kamera nutzen zu können.

Gut, sei’s drum. Hier nun eine kurze Einführung in die Bastelecke von RetroCamera.de…

diy1
Dieses Foto zeigt drei Projektionsobjektive, die auf unterschiedliche Art und Weise „kameratauglich“ gemacht wurden: ein Meopta Meostigmat 1.4/70, ein Meopta Meostigmat 1.0/50 und ein ISCO Kiptar 2.0/100.

Deutlich wird vor allem die ziemlich hohe Lichtstärke, die einige dieser Objektive mitbringen. Gerade das macht es so spannend, sie zu adaptieren. Denn wenn man sich einmal überlegt, was ein „richtiges“ 2.0/100, ein 1.4/70 oder gar ein 1.0/50 kostet…

Man darf allerdings weder die Abbildungsleistung  noch die Vielseitigkeit eines „normalen“ Fotoobjektivs von solchen Bastellösungen erwarten, denn zum einen sind sie für die Projektion optimiert und zum anderen haben sie keine Blende, man fotografiert also ständig bei Offenblende (es sei denn, man überlegt sich auch dafür eine Lösung. Fast nichts ist unmöglich). 😉

Beispiel 1: Der Helicoid-Adapter

diy3
ISCO Kiptar 2/100

Dieses Kino-Projektionsobjektiv hat (dummerweise) ein Anschlussgewinde mit einem Durchmesser von 61 mm. Diese unübliche Größe erschwert das Adaptieren ein wenig und so musste ich mir mit Klebstoff helfen. Ich habe also einen Umkehradapter 58mm-EOS (wie er an sich für Makroaufnahmen Verwendung finder) hinten an das Objektiv geklebt. Dabei muss man darauf achten, dass dies plan geschieht, sonst hat man seltsame Schärfeverläufe im späteren Bild. 😉
Dadurch erhielt das Objektiv sozusagen ein EOS-Bajonett. Damit konnte ich dann weiterarbeiten. Denn bisher konnte man mit dem Konstrukt noch nicht fokussieren. Da ich das Objektiv an meinen Fujis nutzen wollte, hatte ich durch das kurze Auflagemaß ausreichend Spielraum, um einen EOS-Fuji-Adapter mit eingebautem Schneckengang zu verwenden, über den ich nun das 100er fokussieren kann. Das wäre auch z.B. für Sony Systemkameras möglich gewesen.

Das 100er Kiptar bietet natürlich eine faszinierend knappe Schärfentiefe, die Bilder sind aber zunächst sehr kontrastarm:

isco100a

In digitalen Zeiten spielt das aber kaum mehr eine große Rolle. Nach zwei Klicks in Photoshop sieht das Foto dann so aus:

isco100b

Das lässt sich doch sehen, oder? Mehr zum ISCO finden Sie im Nachtrag dieses Blog-Artikels >> KLICK <<.

Beispiel 2: Die „Samt-Fokusschnecke“

Es hat Vorteile, wenn man einen Fotofreund hat, der ein beinahe schon genialer Bastler ist, denn dann kann man Objektive nutzen, die man alleine gar nicht oder nur mit großer Mühe hätte adaptieren können – und gerade um diese Linsen wäre es echt schade gewesen.

diy2
Die Meopta Meostigmate 1.0/50 und 1.4/70.

Diese tschechischen Projektionslinsen genießen in „Kennerkreisen“ einen überaus guten Ruf. Absolut zu recht, denn sie sind nicht nur extrem lichtstark, sondern bieten auch eine überraschend hohe (70er) bzw. eine ganz besonders charakteristische (50er) Abbildungsleistung. Dazu muss man sagen, dass das 1.0/50 nur an APS halbwegs sinnvoll nutzbar ist, da der Bildkreis das Kleinbild nicht ausfüllt. Selbst an APS-Sensoren wird es zum Rand hin schon enorm „weich:

Es ist mehr oder weniger eine „Effekt-Linse“, die man aber durchaus sinnvoll nutzen kann. >> Hier << hatte ich bereits darüber geschrieben.

Das Meostigmat 1.4/70 hingegen lässt sich auch am Kleinbild nutzen, daher ist es so gekürzt, dass es auch an meiner Nikon-DSLR verwendet werden kann. Gerade am „Vollformat“ wird der Charakter der Linse deutlich, der sehr den heute sehr teuren alten (ost)deutschen Portrait-Objektiven Typ Primoplan 1.9/75 ähnelt. Ein APS-Sensor kappt einen Teil dieses Charakters.
Das 70er Meopta bietet bereits „out of cam“ eine mehr als ordentliche Leistung:

Wie funktioniert nun das Adaptieren? Henry Feddersen, Besitzer des Digicamclubs und überregional bekannter Objektiv-Bastler, hat eine geniale Idee dafür entwickelt. Ein Tubus mit Innengewinde, der am hinteren Ende ein 52mm-Gewinde hat, um dort mit unterschiedliche Umkehradaptern an so ziemlich jedes System angepasst zu werden, nimmt die Fassung des Objektivs auf, um die am unteren Ende ein Samtstreifen geklebt wurde. Dieses Samt passt sich nach mehrmaligem Eindrehen perfekt an das Innengewinde des Tubus an und funktioniert dann wie eine gut laufender Schneckengang. Fertig ist die Fokusvorrichtung. Genial einfach – einfach genial.
Wer daran Interesse hat, kann >> hier << näheres nachlesen und sich über den Digicamclub an Henry wenden.

Helge, ein talentierter Fotograf aus dem DCC, hat >> hier << mehr über das Meostigmat 1.4/70 geschieben. Im DCC findet man übrigens zu ziemlich allen Meoptas etwas. Darüber hinaus hat Henry ebenfalls das VNEX-System erfunden, mit dem Vergößerungsobjektive an Systemkameras adpatieren kann. Diese haben den Vorteil, mit einer Blende ausgestattet zu sein.

Beispiel 3: Der Spender-Tubus

Eine weitere Möglichkeit, einen Schneckengang (den man ja zum Fokussieren braucht) zu erhalten ist es, ein altes manuelles Objektiv „auszuschlachten“. Man entfernt dabei das Linsensystem (und eventuell auch die Blende, je nachdem, ob das nötig ist) und behält lediglich die Fassung mit dem Helicoid, in die man dann ein Projektionsobjektiv einpasst. Das funktioniert recht gut, sofern man passende Durchmesser findet.

Ein ISCO Projar 2.8/85 (ursprünglich für einen Dia-Projektor gedacht) in einem Gehäuse eines alten 50 mm Minolta-Objektivs. Dies ist wohl die kostengünstigste Lösung und meist der Startpunkt für die Spielerei.

Die preisgünstigen Dia-Linsen sind nicht ganz so lichtstark und benötigen auch ein wenig Nachbearbeitung. Zum ersten Ausprobieren und Basteleinstieg sind sie aber sehr gut geeignet.

Auf diese Weise lassen sich auch Objektive von alten Mittelformatkameras adaptieren. In meinem zur zeit stillgelegten Blog „A Lens a Week“ habe ich darüber schon einmal berichtet.

Beispiel 4: Der Balgen

Eine weitere Art, vor allem Objektive mit längerer Brennweite aber kurzer Baulänge zu adaptieren ist ein klassischer Balgen, wie er eigentlich für Nahaufnahmen genutzt wird. Damit lässt sich dann ebenfalls fokussieren. Wichtig ist auch hier, alles so einzubauen, dass nicht nur Nahaufnahmen möglich sein. Auch diese Art der Adaptierung habe ich in meinem alten Blog anhand eines Goerz Anastigmates gezeigt.

Das waren nun vier von vielen Möglichkeiten, sich an ein DIY-Objektiv zu machen. Versuchen Sie es einmal. Es macht Spaß und fotografieren kann man damit auch. 😉