Zwillingsschwestern

Es ist ja weithin bekannt, dass Leica mit mehreren japanischen Firmen Kooperationen durchgeführt hat. In der digitalen Kompakt-Kamerasparte arbeiten die Wetzlarer eng mit Panasonic zusammen – sicherlich keine schlechte Wahl. Zuvor bestand eine Kooperation mit Fujifilm im gleichen Bereich.
Aber bereits in vor-digitalen Zeiten gab es soetwas: eine recht enge Zusammenarbeit mit Minolta (einer Marke, die es im Fotosektor so heute gar nicht mehr gibt).
Es wurden Spiegelreflex-Kameras gemeinsam entwickelt und als „Schwestermodelle“ vertrieben, aber auch Kompaktkameras kamen unter beiden Markennamen auf den Markt, die sich nur äußerlich unterschieden. Zwei solcher Kameras möchte ich hier kurz vorstellen.

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Von vorne betrachtet erkennt man im Aufbau schon gewisse Ähnlichkeiten, man beachte nur die Lage der Fenster, des Blitzes und des Objektivs sowie die Dimensionen der Kameras.

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Von hinten wird das noch deutlicher: der An/Aus-Schalter, die Blitzknöpfe, der Auslöser und die Zoomwippe liegen an verräterisch ähnlichen Stellen. Auch die leicht geschwungene Form auf der rechten Seite wirkt sehr ähnlich.

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Auch das „Kameraportrait“ offenbart eine Verwandtschaft.

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Dass nun das Objektiv (bei gleichem Blendenbereich) von Minolta als 38-90 und von Leica als 40-90 angegeben wird, mag an einer größeren Ehrlichkeit von Leica liegen, es ist auf jeden Fall innerhalb des Toleranzbereiches. Es gibt Meinungen, die sagen, dass Leica mit dem 40-90 eine Reminiszenz an die Leica CL vornahm, die es ja mit einem 40mm- und einem 90mm-Objektiv im Set gab.

Wie auch immer, im Grunde sind das die gleichen Kameras. Es handelt sich hier einmal um die Leica C2 Zoom und einmal um die Minolta Riva Zoom 90c.

 

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Leica

 

Das „Innenleben“ ist nochmals verräterrischer!

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Minolta

Auch die Funktionen sind absolut identisch.

Das automatische Filmeinspulen verläuft absolut gleich und die Zoomfunktion ist bei beiden Modellen unüberhörbar! 😉

Wie „gewohnt“ erzielt die Leica C2 Zoom auf dem Gebrauchtmarkt im Schnitt die deutlich höheren Preise, was sicherlich am Namen und am roten Punkt liegt. Wobei die „C2 Zoom“ eine der preigünstigsten Wege ist, mit einer Leica zu fotografieren.

Wer hingegen nur die Lust verspürt, mit solch einer kompakten AF-Kamera aus Anfang der 90er zu fotografieren, kann sicherlich auch zur Minolta greifen, die für wenige € zu haben ist.

Ich habe in beide Kameras nun den gleichen Film geladen und freue mich schon darauf, zu sehen, ob es maßgebliche Unterschiede bei den Bildern gibt. Ich rechne nicht damit.

 

Fundstücke…

Sie kennen das, nicht wahr? Sie suchen gar nichts für Ihre Kamerasammlung und plötzlich fallen Ihnen nicht ein oder zwei sondern gleich eine ganze Menge an Angeboten vor die Füße, zu denen Sie einfach nicht „nein“ sagen können, weil es eine Schande wäre, sie für diese niedrigen Preise ziehen zu lassen.
So ging es mir die letzten beiden Wochen.

Ich hätte gar nicht die Zeit gehabt, auf eine intensive Suche nach interessanten Dingen zu gehen. 60-Stunden-Wochen lassen wenig Spielraum für’s Hobby. Und dennoch sind in den letzten Tagen ein paar spannenden Sachen bei mir eingezogen.

Fangen wie einmal an…

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Als ein weiteres Mitglied meiner Toycamera-Sammlung kam eine Certo Certina dazu, die ein paar Besonderheiten aufbietet: Man hat die Wahl zwischen „Bulb“ und „Manuell“ und zwischen Blende f/8 und f/11 und fokussieren kann sie auch, sowohl per Meterskala als auch per Scale-Focus-Bildchen . Das ist schonmal mehr als die meisten Toycameras bieten. Außerdem hat die Certina einen Filmtransporthebel, der den Rollfilm (!) weiterspult. Man muss dennoch im Bildzählfenster kontrollieren, wann bis zum nächsten Bild weitergespult ist. Witzig ist, dass der Transportmechanismus nicht ganz synchron mit der Beschriftung auf der Filmrolle ist. 😉

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Kurz danach flatterte eine Lomo Konstruktor ins Haus, eine DIY-SLR mit Lichtschachtsucher für Kleinbildfilme. Mehr muss man eigentlich nicht dazu sagen. 🙂

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Wo wir gerade bei Lomo sind, auf die Lomo Instant, die auf Instax Mini fotografiert konnte ich bei dem Preis auch nicht verzichten. Die „Instax“ von Lomo soll angeblich die „kreativste“ der kleinen Instax-Kameras sein, da man diverse Blitzeinstellungen nutzen kann, sie ein Fokussiereinrichtung hat, einen Bulb-Modus und die Möglichkeit zur Doppelbelichtung. Das klingt alles hochspannend. Jetzt warte ich nur noch darauf, die Lomo mit etwas mehr Zeit richtig ausprobieren zu können. Die Filme sind jedenfalls auch schon hier. 😉

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Aber nicht genug mit „Toycameras“, ein echter „Klassiker“ der Fake-SLRs zog auch noch ein: eine Canomatic. Diese Kamera sieht aus wie eine SLR und nutzt auf beinahe bösartige Weise den Schrifttyp der alten Canon-Kameras. Sie hat aber weder mit dem einen noch mit dem anderen etwas zu tun. Sie ist nichts weiter als eine übergroße Sucherkamera mit Fixfokus-Objektiv, allerdings mit zwei Besonderheiten: zum einen sind Bleigewichte (!) in den Kameraboden eingelegt, um die Kamera schwerer zu machen (!!) und zum anderen lässt sich die Blende sozusagen per „Zoom“ verstellen. Die beiden roten Knöpfchen fahren das Objektiv vor und zurück, was aber nicht zum Fokussieren taugt, sondern eben die Blende in den 6,3 – 8 – 11 – 16 einstellt. Weird!

Aber was soll man machen? Wenn man Kameras für einstellige €-Beträge findet, fällt es schwer, nicht zuzugreifen.

Filme sind in alle Kameras geladen. Jetzt heißt es, öfters mal einpacken…

Aber nicht nur Lomo- und Toycameras kamen an, nein auch zwei überaus interessante Objektive, die ich ebenfalls für einen kleinen Teil des eigentlich gehandelten Wertes erstehen konnte. Irgendwie hatte ich in den letzten beiden Wochen diesbezüglich echt Glück.

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Als Ergänzung zu meinen FD-Objektiven (für die Sony A7II und die Fuji X-E2) 2.8/24 und 1.4/50 SSC stieß ein Canon FD 3.5/50 SSC Makro dazu. Auf einen Vergleich zwischen dem Canon 3.5/50 Makro und dem Nikkor 3.5/55 Mikro freue ich mich auch schon.

Und schließlich – und das was sozusagen das i-Tüpfelchen – fand ich ein professionell auf µ4/3 adaptiertes Nikonos Nikkor 2.5/35. Das ist eigentlich ein Objektiv für die Unterwasserkamera Nikonos, doch das 35er lässt sich auch „an Land“ nutzen. Als 35er ist es an de Olympus PEN E-P3 gewissermaßen ein 70er.

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Besonders interessant finde ich, dass man an den großen Rädchen links (silber) fokussiert und rechts (schwarz) die Blende verstellt. Das ist schon echt cool, solch ein Objektiv an einer Systemkamera zu nutzen und die Abbildungsleistung scheint mir mehr als ordentlich zu sein. Mehr dazu, wenn ich ein paar mehr Bilder damit gemacht habe.

Für all diese Teile zusammen bin ich im zweistelligen €-Bereich geblieben. Wow, nicht wahr?

Tape-Trick

Erinnern Sie sich? Zum völlig spontanen Treffen mit meinem Kumpel Jörg bei Leica am Karfreitag, hatte ich nicht nur ein paar echt hochwertige Kameras dabei, sondern auch – natürlich – eine „Toycamera“, meine Agfa Isoly (in die ich mich so richtig ein bisschen verkuckt habe, doch dazu später mehr).

Das Besondere an der Kamera an diesem Tag war, dass ich das Bildfenster innen in der Kamera am Rande mit teiltransparentem Scotch-Tape abgeklebt habe, um eine Art „Rahmeneffekt“ direkt auf die Negative des abgelaufenen Kodak Portra 160 zu zaubern.

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Inzwischen sind die Bilder zurück und ich habe heute eingescannt. Also ich finde, es ist richtig gut geworden!

Danach hatte ich ein paar Bilder von meinen Kindern gemacht, unter anderem eine Doppelbelichtung (was mit der Isoly sehr leicht ist) von Blumen in einem kleinen Teich und meiner Tochter. Und von diesem Bild bin ich regelrecht begeistert:

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Es sieht ein bisschen so aus, als würde mein Töchterchen eine Tanzball-Maske tragen, nicht wahr?

Es ist schon toll, was man alles mit dieser einfachen, alten Kamera so anstellen kann. Sie ist mir echt ans Herz gewachsen.

Übrigens, heute ist bei mir die nächste „Toycamera“ angekommen, eine Certo Certina (mehr Infos hier…) und der erste Film ist bereits geladen. Da bin ich auch gespannt.

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Es scheint, mich hat das Toycamera-Fieber gepackt. Danke, Dennis! Danke, Kai!  😉

 

Toycameras im Norden, Teil 3

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Diesmal geht es um die Diana Deluxe (hinten links).

Die Fotos aus der Diana Deluxe sind zurück! Damit kann ich die Serie „Toycameras im Norden“ mit dem dritten und letzen Teil abschließen. Keine Angst, es kommen noch ein paar Atikel zu Toycameras, sobald die Experimental-Filme entwickelt sind. 😉

Der erste Teil zeigte die Fotos aus der Lomo, der zweite Teil die aus der Agfa Isoly und hier sind nun die Bilder aus der Diana:

Ich stehe ja auf ausgediente und abgelegte landwirtschaftliche Geräte. Ob das wohl daran liegt, dass ich „auf’m Urt“ (= in einem Dorf) groß geworden bin? ;=

Hmmm… Ich muss sagen, bis auf ein paar Lichteinfälle in den Ecken, kommen mir die Bilder aus der Diana Deluxe gar nicht so Toycamera-mäßig vor. Sie sind scharf, weitgehend sogar über das ganze Bild, zeigen so gut wie keine Vignettierungen und haben aus dem seit über 10 Jahren abgelaufenen Kodak Portra sogar ziemlich „echte“ Farben (wenn auch mir warmer Abstimmung) gekitzelt.

Mir schein, mit der Diana Deluxe lässt beinahe „normal“ fotografieren – ganz ähnlich wie mit der Isoly. Wer also heftige Toycamera-Effekte sucht, der muss zu einer anderen Kamera greifen. Die Holga 120 wäre da so eine Idee. Oder ein bisschen herumspielen, wie das auf den nächsten Filmen zu sehen sein wird. 😉

Ach ja, Doppelbelichtungen sind mit der Deluxe problemlos möglich:

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Ich muss sagen, dieses Foto gefällt mir ausgesprochen gut! Hätte ich öfters machen sollen.

Schon verrückt, was man mit den einfachsten Kameramitteln so zu Stande bringen kann, nicht wahr?

Nicht falsch verstehen – ich bin heilfroh, dass ich meine M8, M6, D-Lux, A7II, Df, F3, E-P3 (und wie sie alle heißen) habe und Top-Qualität erreichen kann, wenn ich denn möchte. Aber darauf kommt es mir meist gar nicht an, sondern eher darauf, Spaß zu haben. Und das geht mit Toycameras ganz hervorragend. „Nomen est omen“, sozusagen.

Belichtungsmesser

Ja, ja, ich weiß. Mit modernen Kameras muss man sich um sowas ja nicht mehr kümmern … obwohl … so ganz ist das auch nicht richtig. Es gibt durchaus Situationen, in denen ein externer Belichtungsmesser auch bei modernen Kameras nützlich ist.

Wer aber, wie ich, gerne auch mit älteren Kameras fotografiert, muss entweder eine Menge Erfahrung mitbringen, sich nach „klassischen“ Merksätzen („Sonne lacht, Blende 8“, „Sunny16“ usw.) richten oder eben einen Belichtungsmesser mitnehmen.

Kürzlich startete eine Umfrage im Rangefinderforum (in dem ich mich als Messsucher-Fan immer mal wieder gerne aufhalte) in der gefragt wurde, womit man als Fuji 690 Nutzer die Belichtung misst. Das habe ich zum Anlass genommen, mal abzulichten, was ich hier an externen Geräten so liegen habe.

Von diesen Modellen, nutze ich den LunaSix gelegentlich, den Sekonic regelmäßig und die Handy-App am meisten (weil ich dann doch mal wieder den Messer zu Hause vergessen habe…) Die anderen beiden anderen nutze ich kaum noch, obwohl sie noch super funktioieren!

Mich würde jetzt interessieren, wie die Mitleser hier die Belichtung messen. Ausschließlich mit/in der Kamera? Oder auch mit externen Belis?

 

Toycameras im Norden, Teil 2

 

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Die Agfa Isoly ist hier hinten rechts im Bild.

 

Der Film, den ich in der Agfa Isoly fotografiert habe, ist zurück. Es ist ein im Jahr 2006 abgelaufener Kodak Portra 160 („frisch“ einer meiner Lieblingsfilme!), von dem ich keine Ahnung habe, wie und wo er über die Jahre gelagert wurde. Kurz: ein Film, wunderbar für eine Toycamera. 😉

Ich bin, mal wieder, ziemlich angetan von der kleinen Isoly. Die Bilder vom Nord-Ostsee-Kanal und aus dem Freilichtmuseum Molfsee (bei Kiel), wenn auch weit weg von „perfekt“, haben alle einen gewissen Charme. Und dafür, dass diese Rolle seit über 11 Jahren „drüber“ ist, sieht das doch wirklich nicht schlecht aus.

Was allerdings hier passiert ist…

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… kann ich echt nicht sagen. 🙂

Die Fotos aus der Lomo sind hier zu sehen und auf die Fotos aus der Diana warte ich noch. Da kommt also noch was in „Teil 3″…

 

E-Book Tipps

In den letzten Monaten bin ich immer mal wieder über das eine oder andere echt spannende E-Book zum Thema Fotografie gestolpert. Ein paar davon möchte ich hier kurz vorstellen…

Das erste ist „Digital fotografieren mit alten Objektiven“ von Bernd Kieckhövel. Ein Thema, das mich schon seit etwa 2005 beschäftigt. Der Autor hat sich die Mühe gemacht, umfangreiche Erfahrungen, die in verschiedenen Foren zu diesem Thema ausgetauscht werden zu sammeln und durch eigene zu ergänzen. Damit erhält der Leser sehr gute Hilfe für den Einstieg in diesen spannenden Teilbereich des Hobbys.

Wer seine Digitalkamera (zumindest sein höherwertiges Modell) besser kennenlernen möchte, der findet in Sam Josts „Manuell belichten mit der Digitalkamera“ eine unterhaltsame und lehreiche Anleitung, wie man auf den „P-Modus“ verzichten kann. Echt empfehlenswert!

Als nächstes ein Buch, dass sich als (Wieder-)Einstieg in die analoge Fotografie versteht: „Film ist nicht tot!“ von Dennis Skley. Fotografen mit mehr Erfahrung werden hier kaum etwas Neues finden, für Einsteiger in die Materie könnte es aber genau richtig sein.

Ebenfalls zum Thema „analoges Fotografieren“ möchte ich unbedingt auf zwei Bücher von Blogger und Vlogger Dennis Eighteen hinweisen: „Film is Un-dead“ und „Ernsthafter Spieltrieb: vom Fotografieren mit Toycameras„. Zwei E-Books, die ebenso unterhaltsam sind wie seine Videos und seine Begeisterung für diese Themen deutlich machen. Wer mit Passion über sein Hobby schreibt, dessen Text merkt man das an. Daumen hoch!

Abschließend möchte ich meine neueste Entdeckung vorstellen, auf die mich Bellamy Hunt (der JapanCameraHunter) aufmerksam gemacht hat: „FLAVR: Film lovers analogue visual reference“ von Gustav Kollar. Ein Buch, dessen Sinn viele vermutlich völlig in Frage stellen. Doch für Filmfotografen und Analogfans ist es eine wahr Fundgrube. Es werden zur Zeit erhältliche Filme anhand von Beispielfotos vorgestellt. So sieht man, welche Art von Fotos man von welchem Film erhalten wird. Ich finde das großartig!