„Franken-Akku“

Vielleicht weiß es der eine oder andere schon, ich recherchiere gerade im Auftrag von Leica Historica über die Geschichte der Leica Digitalkameras. Da es inzwischen seit 20 Jahren digitale Kameras von Leica gibt, und ein Digitaljahr gut und gerne 5 Analogjahren entspricht – ist so ähnlich wie mit Hunden 😉 – wird es Zeit, die digitalen Fotoapparate in das Blickfeld aufzunehmen. (Der erste Teil wird sich im Vereinsmagazin VIDOM mit der Leica S1 beschäftigen. Aber das nur am Rande. Dazu im Sommer dann mehr…)

Wenn man also Nachforschungen zu Digitalkameras von Leica betreibt, möchte man natürlich nicht nur darüber lesen, sondern auch selbst mit welchen fotografieren. (Auch dazu später mehr.) Spannend wird die ganze Sache zudem, da es von den digitalen Leica-Kompaktkameras fast immer „Schwestermodelle“ von den Kooperationspartnern – zunächst Fujifilm, dann Panasonic – gab (und gibt).

Inzwischen hat sich bei mir ein recht umfangreiches Set an „alten“ Digitalmodellen angesammelt: Digilux Zoom, Digilux 4.3, D-Lux, D-Lux 2, C-Lux 2, Digilux 3, D-Lux (109) (fast meine derzeitige Lieblingskamera!). Die Digilux 2 hatte ich mal und die M8 habe ich ja schon länger. Außerdem stehen mehrere Schwesterkameras von Fuji und Panasonic (Lumix) hier.
Natürlich möchte ich kein Vermögen für diese Kameras ausgeben und dummerweise werden selbst ältere Modell von Leica noch hochpreisig gehandelt. Mit ein weig Geduld aber findet man diese Kameras für bezahlbares Geld. 🙂

Hin und wieder ist so eine Digitalkamera auch regelrecht günstig – vor allem dann, wenn man bereit ist, den einen oder anderen kleinen Fehler in Kauf zu nehmen. Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, eine Leica Digilux 1 (deren Schwestermodell, die Panasonic Lumix LC5 ich schon lange habe) sehr günstig zu erwerben. Der Verkäufer hatte deutlich gemacht, dass die Kamera nur noch am Netzteil funktioniert, nicht aber mehr mit Akku. „OK„, dachte ich, „dann ist die Kamera an sich ja noch in Ordnung. Es wird also entweder am Akku selbst liegen oder es ist eine Leitung kaputt, die die Energie vom Akku in die Kamera überträgt.“ Um die Kamera zu fotografieren und ein paar Testfotos zu machen, ist das kein Problem. Also griff ich zu.

digilux1a

Die Kamera ist in einem ansonsten sehr guten Zustand und funktioniert tatsächlich so, wie der Verkäufer es beschrieben hatte: wunderbar am Netzteil, gar mit Akku – egal, mit welchem.

Ein zwei Tage später kam mir dann die Idee, dass es da doch auch einen Workaround geben müsse und zwar, ohne die Kamera aufzuschrauben. Wenn man die Digilux 1 mit dem Netzteil betreiben kann, müsste man nur eine Art mobiles Netzteil bauen.
Nach ein wenig Recherche, wusste ich, wie ich es angehen wollte.

Da die Kamera am Netzteilanschluss 9V benötigt, bestellte ich mir kurzerhand einen Clip für einen 9V-Block und einen passenden Netzteiladapter, mit dem ich den zu dicken Stecker auf den Anschluss in der Kamera verjüngen konnte. Diese beiden Teile haben mich keine €6,- gekostet.

digilux1b
Als ich aber die erste 9V-Batterie (eine billige „Aerocell“) ausprobierte, ging die Kamera zwar an, flackerte allerdings nur kurz und war umgehend wieder aus. Die 9V waren da, doch an der Leistung der Batterie mangelte es. So ein üblicher 9V-Block liefert zwar die 9V-Nennspannung, aber gerade einmal 300 mAh (als Zink-Kohle-Version) bzw. 500-600 mAh (als Alkali-Mangan-Zelle). Die 9V-Blockbatterie ist ja gemacht für die Geräte, die eine recht hohe Spannug benötigen aber nicht so energiehungrig sind. Defintiv also zu schwach für eine Digitalkamera!

Immerhin fiel mir ein, das es seit einiger Zeit, speziell für Rauchmelder, leistungsfähigere 9V-Block mit Lithium-Technologie gibt. Da diese bis zu 1200 mAh liefern können und die Digilux 1 eigentlich Akkus nutzt mit 7,2 V und 1400 mAh (allerdings im Akkuschacht), könnte das also reichen.

Daher besorgte ich mir ein paar Varta Industrial 9V-Lithium-Blocks und siehe da: es funktionierte!

digilux1c

Per Klettband unten befestigt und angeschlossen an der 9V-Netzteilverbindung der Kamera, kann man nun die „defekte“ Leica Digilux 1 mobil nutzen.

digilux1d

Man sollte aber unbedingt, nach der Nutzung die Batterie von der Kamera trennen. Dann vergisst die Digilux zwar das Datum, doch ansonsten wird der 9V-Block über Nacht leer gesaugt.

Ist das nun nicht echt teuer? Und zudem nicht gerade umweltveträglich?
Teuer ist es nicht unbedingt. Solche Varta-Blöcke gibt es im Angebot für etwa 1€ pro Stück. Gut für die Umwelt ist es hingegen sicherlich nicht. Aber das ist ja auch keine Dauerlösung, sondern soll mir nur ermöglichen, ein paar Fotos mir der Digilux 1 zu machen. So richtig möchte man solch eine Kamera ja ohnehin kaum mehr nutzen, oder?

Ein Gedanke zu “„Franken-Akku“

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