Fotografieren durch ein Loch…

Manchmal kommt man durch Gespräche mit Freunden auf gute Ideen, oder man erinnert sich wieder an Dinge, die man lange nicht benutzt hat. So auch vor kurzem. Während eines Foto-Geplauders mit guten Freunden kamen wir plötzlich auf das Thema „Lochkamera“. „Natürlich!“, dachte ich: „Ich habe ja auch noch eine Lochkameravorrichtung mit EOS-Bajonett zuhause.“ Inzwischen habe ich mich zwar von fast all meinen EOS-Sachen getrennt, doch eine gute alte 10D liegt noch hier – für die Lochkamerafotografie mehr als ausreichend.

lochblende

Und siehe da: Es funktioniert!

Nein, die Fotos sind wirklich nichts Besonderes, nur ein paar Schnappschüsse aus unserem Garten. Aber zum Ausprobieren reicht es. Mal sehen, wann ich mal dazu kommen, ein paar „richtige“ Aufnahmen mit der Lochkamera-10D zu machen. 😉

Eine „Legende“?

nik80200a

Seit kurzen es bei mir im Nikon-Regel: das Nikkor AI 4.5/80-200. Der erfolgreiche Verkauf einiger Objektive, die ich aus mehreren Gründen nicht mehr benötigt habe, hatte ein wenig Geld in das Hobbybudget gespült und dies ist eines der Teile, die davon angeschafft wurden.

Warum? Weil ich schon sehr viel darüber gelesen habe und nun selbst ausprobieren wollte, ob dieses Tele-Zoom aus den 70ern wirklich so „legendär“ ist. Es gab in der Tat schon in den 1970ern und 1980ern das eine oder anderes sehr gute Tele-Zoom. Meist stehen dort Namen wie „Zeiss“ oder „Leica“ drauf und sie sind auch heute noch recht kostspielig. Hin und wieder findet man sehr gute Zooms aus dieser Ära, die mittelpreisig (Tamron Adaptall-2) oder gar preisgünstig (Kiron) sind. Das Nikkor liegt irgendwo dazwischen. Deutlich günstiger als Zeiss-Modell aber etwas teurer als die oft nur Insidern bekannten Exemplare von Kiron.

Nico van Dijk schreibt auf seiner Website:

Introduced in late 1969 this lens became a legend. In its 12 years of production many thousands were sold. The last version has an AI-mount, nearly all older models can be converted. This push-pull zoom lens is razor sharp, takes the well-known 52 mm filters and is easily hand-held. It can be used wide open at all focal lengths without problems.

Auch Bjørn Rørslett, einer DER Nikon-Kenner im Web, schreibt nur (fast) Gutes über dieses Zoom:

This is the zoom that changed many people’s attitude towards zoom lens quality. A beautifully crafted one-ring zoom, it was the dream lens of all Nikon users in the early 70’s. […] The final version presented in 1977 used only 12 elements to give still better optical quality. Flare and ghosting performance was improved as well, but high-contrast scenes still are tough to handle for multi-element zooms. The 80-200/4.5 performs great with close-up lenses, such as the 4T, and I have used it extensively this way for flower and insect photography.“

Und, man mag es kaum glauben, sogar der berühmt-berüchtigte Ken Rockwell, mag dieses Telezoom: 80-200 mm f/4.5. It was similar to the previous lens, but with only 12 elements in 9 groups gave even better performance.
(Auch, wenn er den Nachfolger, das 4/80-200 – im Gegensatz zu den anderen – noch besser findet.)

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Das Tolle an dem 4.5/80-200 ist, dass es trotz seines „legendären“ Status, noch immer recht preisgünstig zu finden ist.
Ich habe mein Exemplar Ende der Woche erhalten und bin gespannt, wie es sich gegen das gebraucht in etwa gleich teure, dafür aber deutlich kleinere und leichtere sowie neuere Plastik-AF-Telezoom Nikkor AF 4.5-5.6/80-200 D („Optically, quite decent results are obtained if you are not nitpicking too much. There are traces of chromatic aberration across the entire frame which the targeted users likely won’t notice at all, and sharpness should cater adequately for their needs as well.BR) schlägt:

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Man muss zugeben, das 4.5/80-200 ist schon ein Brocken – auch, weil sich bei solch einem Schiebezoom die Baulänge beim Zoomen nicht ändert, es also schon von Anfang an lang ist. Beim Fokussieren dreht sich die Frontlinse aber mit. Na ja, an einem Tele-Zoom nutze ich nicht wirklich oft einen Polfilter – und nur da ist das eigentlich von Bedeutung.

An der wunderschönen Nikkormat FT-2 sieht es richtig gut aus:

nik80200c

Man darf gespannt sein…

Endlich komplett, das Jahrgangs-Set!

Huch, das reimt sich ja sogar. War gar nicht gewollt.

Wie auch immer. Sie erinnern sich vielleicht? > Hier< hatte ich darüber geschrieben, dass ich ein Set an Kameras aus den Geburtsjahrgängen all meiner Lieben zusammentragen wollte. Leider hat es die Fuji ST701 – aus welchem Grund auch immer – am Verschlusszeitenrad in ihre Einzelteile zerlegt, so dass ich keine funktionierende Kamera aus dem Geburtsjahr meiner Frau mehr hatte. Das geht ja gar nicht!

Darüber hinaus konnte es nicht sein, dass das wunderbare Buch über die Leicaflex, geschrieben vom Ehrenpräsidenten von Leica Historica, Georg Mann, hier steht, aber keine Leicaflex hier zuhause ist. Also habe ich mich auf die geduldige Suche gemacht, eine Leicaflex SL aus dem Jahr 1973 zu finden. Gewissermaßen „zwei Fliegen mit einer Klappe“, auch wenn diese Redensart nicht wirklich zum Niveau passt. 😉

Letztes Wochenende wurde ich fündig und zwar bei Foto Köberl in Graz. Das ist ein Händler, den ich nur empfehlen kann. Wenn sie dort von „Gebrauchsspuren“ schreiben und einen Zustand als „B“ klassifizieren, dann würden andere Verkäufer vermutlich Worte wie „ausgezeichneter“ oder „exzellenter“ oder zumindest „sehr guter Zustand“ verwenden. Außerdem habe ich die Kamera am 24.04. (an einem Sonntag) bestellt und heute (am 27.04., einem Mittwoch) also nach nur drei Tagen wurde es geliefert – aus Österreich nach Deutschland! Sowas schaffen manche Händler nicht einmal innerhalb Hessens! Ganz herzlichen Dank für den tollen Service, liebes Foto-Köberl-Team!

Nun denn, hier ist die 1973er Leicaflex SL in mehr als ordentlichen Gebrauchtzustand, mit sehr sauberem Sucher und voll funktionsfähig, natürlich präsentiert auf dem Leicaflex-Buch von Georg Mann:

LeicaflexSLw
Willkommen in der Sammlung von RetroCamera.de!

Der erste Film, ein 400er S/W-Film, ist geladen. Jetzt freue ich mich drauf, die Kamera demnächst einmal auszuführen. 🙂

Ein Petzval-Objektiv…

… hat schon etwas. Da steckt eine ganze Menge Geschichte dahinter und sowas fasziniert mich. Aber auch wenn ich die Leute von Lomography toll finde und ihren Enthusiasmus bewundere, so kann ich mich selbst dennoch nicht davon überzeugen, über €500,- für eine neugebaute Replika eines Petzval-Objektivs zu bezahlen. Ja, das 85er Petzval ist spannend, sehr spannend; ebenso wie das 58er Petzval oder auch das neuste Projekt, das Daguerreotype Achromat 2.9/64. Doch obwohl ich die Bildergebnisse faszinierend (click und click) finde, ist es mir einfach zu viel Geld. So weit reicht mein Wahnsinn dann doch nicht. 😉

Allerdings, so muss ich gestehen, hätte sowas schon gerne zum Spielen. Da ich ja nun auch manchmal eine Art „Linsenbastler“ bin, dacht ich mir, dass man auch auf günstigerem Weg an sowas kommen müsste. Aber ganz so einfach war das dann doch nicht, denn originale Petzval-Objektive erzielen auf EBAY meist enorm hohe Preise.
Kürzlich jedoch fand ich eines, das mit etwas Glück bezahlbar bleiben würde, da der eigentliche Fokusmechanismus durch das Rädchen unterhalb des Objektivs außer Betrieb war. Ein Feinmechaniker würde das sicherlich wieder hinbekommen, doch fokussieren kann man noch immer durch Vor- und Zurückschieben des Tubus. Und tatsächlich, der Preis blieb in absolut erträglichem Rahmen. Jetzt musste ich nur noch einen Weg finden, das wirklich alte Objektiv an die Kameras zu bekommen. Da es dabei eigentlich nur um den Ausgleich des Auflagemaßes ging, war dies sehr leicht mit einfachen Zwischenringen möglich, die ebenfalls sehr günstig zu finden sind.

Und so sieht das zusammengebaute Petzval-Objektiv aus – mit echter Patina:

Petzval1

Nach etwas Feinarbeit macht es sich meines Erachtens recht gut an einer modernen Nikon:

PetzvalNikonW

Es bleibt die wichtigste Frage zu beantworten: „Welche Art Bilder macht es denn?“

Dieses Objektiv ist geschätzt ein 120er mit Blende f/4 mit einer unglaublich hohen Streulichtanfälligkeit. Keine der internen Linsen wird auch nur annähernd eine Vergütung haben. Man muss sich also zum einen auf eine starke Kontrastminderung gefasst machen.
Da dieses Objektiv keine Blende hat, fotografiert man zum anderen stets bei Offenblende. Somit wird die Leistung in der Bildmitte vermutlich noch halbwegs akzeptabel sein, zu den Ecken hin aber stark nachlassen.
Die ersten Bilder haben dann auch gezeigt, dass der Kontrast sehr schwach ist und die durchaus vorhandene Kernschärfe durch starke Überstrahlungen überlagert wird. Dieses Objektiv verlangt definitiv eine intensive Nachbearbeitung!

Und dennoch lässt sich damit fotografieren. Die Bilder haben eine ganz eigene Anmutung, die mir irgendwie gefällt:

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Petzval-Eigenbau an Nikon Df

Jetzt ist ein Petzval-Objektiv ja nicht unbedingt ein Landschafts-Objektiv. Ich bin echt gespannt, wie es sich bei Portraits macht, für die es ja eigentlich gerechnet wurde…

Frühjahrstreffen der Leica Historica

Leider wird dies kein ausführlicher Bericht über das Frühjahrstreffen der Leica Historica Deutschland, denn dieses Jahr hatte ich, während des jedes Jahr im April stattfindenden Wochenendes, an dem sich die Leica-Freunde zunächst zur Kamera-Börse in Solms und anschließend zu einem Vortragsabend sowie der Hauptversammlung am nächsten Tag in Wetzlar treffen, kaum Zeit für’s Fotografieren. Auf der Börse in Solms half ich einer netten Bekannten beim Verkaufen von einigen Artikeln aus einer umfangreichen Sammlung und während der Hauptversammlung … aber dazu später. 😉

Dennoch muss will ich natürlich zumindest einen kurzen Bericht schreiben, denn auf solche Wochenenden freue ich mich jedes Mal schon Monate vorher.

Wie läuft solch ein Wochenende ab?

Anreise am Freitag-Nachmittag. Einchecken im Hotel, Sachen auf’s Zimmer bringen, kurz durchatmen und dann in Richtung Dom. Es ist Zeit für einen leckeren Kaffee.

Wetzlar ist ein schönes Städtchen in Mittelhessen und schon seit eh und je Stammsitz von Leica/Leitz (die eine Zwischenphase im benachbarten Solms hatten).

Einer lieben Einladung folgend traf ich dann zum Abendessen bereits ein paar Freunde von Leica Historica sowie einige Händler, die international anreisen, um am nächsten Tag auf der Solmser Fotobörse ihre wunderbaren Kameras und Objektive anzubieten.

Genau diese Kamerabörse steht dann am Samstagmorgen auf dem Programm. Es ist immer wieder faszinierend, die herrlichen Stücke anzuschauen und mit Besuchern und Verkäufern ins Gespräch zu kommen.

Am Samstagabend beginnt dann das Frühjahrstreffen der LH, traditionellerweise mit einem Essen und einem anschließendem Vortrag. Dieses Jahr war es erneut Stefan Daniel von Leica, der auf unterhaltsame und sympathische Weise zu Rede und Antwort über die Entwicklungen bei Leica zur Verfügung stand. Dafür ein „herzliches Dankeschön“!

Was folgt ist ein (äußerst) gemütliches Beisammensein mit Gleichgesinnten. Alleine das macht das Kommen schon lohnenswert. 🙂

Denn nicht nur, dass man sehr nette Gespräche führen kann, nein, man darf auch einige Dinge ausprobieren, an die man sonst nur sehr schwer kommen würde:

noctilux
Ein Leica Noctilux-M 1:1/50 an meiner M8.

Der Sonntagmorgen beginnt dann mit einer Benefiz-Versteigerung zu Gunsten des Vereins, die unser Ehrenpräsident Georg Mann in einer überaus unterhaltsamen Art leitet.

Schließlich folgt der Höhepunkt des Frühjahrs-Treffens. Zumindest war es das in diesem Jahr für mich: die Hauptversammlung, die jeder Verein einmal im Jahr abhalten muss, in der Rechenschaftsberichte des Vorstands gegeben  werden, es Gelegenheit zur offiziellen Aussprache gibt und der Vorstand bestätigt oder neu gewählt wird.

hauptversammlung16

Auch in diesem Jahr führte unser langjähriger Präsident Axel Rosswog auf seine bekannt charmant-souveräne Weise durch die Sitzung.

annahmekl
Danke an meinen guten Foto-Freund Olaf Nattenberg für das Foto. Das nächste Mal bitte nicht von unten. 😉

Da sich, wie Vize-Präsident Lars Netopil erläuterte, der Aufgabenbereich des Vorstands in den letzten Jahren erweitert hat, wurde vom Vorstand vorgeschlagen, einen weiteren Beisitzer wählen zu lassen, dessen Schwerpunkte eine Kombination aus Kontakten zu Social Media sowie die englischsprachige Kommunikation sein soll. Da nun diese Tätigkeitsbeschreibung sehr gut auf mich passt, wurde ich vorgeschlagen und von den anwesenden Mitgliedern einstimmig gewählt. Ich muss zugeben, ich fühlte mich wirklich geehrt, denn so sehr lange bin ich ja noch gar nicht im Verein. Allerdings – und das spüren wohl viele auch – fühle ich mich überaus wohl dort. Mit großer Freude nahm ich natürlich die Wahl an. Ich bin nun tatsächlich, mag es noch gar nicht glauben, Vorstandsmitglied von Leica Historica und freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit den Herren.

(Die S/W-Aufnahmen wurden, bis auf die letzten beiden, mit einer Leica M8, die Farbaufnahmen mit einer Fuji X-E2 bzw. einem Sony Xperia Z3-Handy gemacht. 😉 )

Erfahrungen mit S/W-Film

Im Laufe der letzten Jahre habe ich ein paar Erfahrungen mit S/W-Film sammeln können. Da dachte ich mir, ich könnte doch mal in einer Tabelle zusammenfassen, was ich so über die unterschiedlichen Typen denke.

Ich beschreibe hier ISO 400 Filme, da dies für mich die „Universalisten“ sind:

filme400

Film
(ISO 400)
Schärfe/
Auflösung
Korn
(je nach Entw.)
Dynamik Tonalität empfohl.
Entw.?
Anm.
Kodak
Tri-X
hoch moderat bis deutlich hoch gut diverse, sehr flexibel Einer der „Klassiker der Reportage“. Sehr robust.
Kodak
T-Max
sehr hoch gering hoch sehr gut T-Max Auch gut für push & pull.
Ilford HP5 mittel moderat mittel gut sehr flexibel, empfohl. Microphen Verzeiht Fehler sehr gut.
Sehr robust.
Kentmere* mittel bis hoch moderat bis hoch hoch gut sehr flexibel Gelegentl. günstig.
AGFA APX (new)* mittel bis hoch moderat mittel – hoch gut sehr flexibel „New Emulsion“
Rollei RPX* hoch gering bis moderat hoch gut sehr flexibel Zu Unrecht
eher
unbekannt.
CHM 400* mittel bis hoch moderat bis hoch mittel – hoch gut sehr flexibel Sehr günstig.
Rollei
Retro
400S
hoch fein bis moderat mittel sehr gut sehr flexibel, empfohl. Rollei RHS oder RLS Gut für’s Scannen. Mag Belichtung wie ISO 200/320.
Retropan
(ISO 320)
eher niedrig moderat (in Retro Special),
eher hoch in üblichen Entwickl.
niedrig bis mittel sehr gut Foma Retropan Retro Special Retrofilm, den man besten im speziellen Entwickler badet.
GP (General Photo) Surv.DP mäßig ausgeprägt mittel reduziert D-76 Sonder-Konfektio.
aus Überwach-ungsfilm,
wiederver-schließ-bare Dose.

* Diese vier Filme sollen die gleiche Emulsion nutzen. Sie wirken auch sehr ähnlich auf mich. Die beobachteten Unterschiede können durchaus an den unterschiedlichen Entwicklungen liegen. Beim Rollei RPX 400 bin ich mir aber nicht sicher, ob es wirklich die gleiche Emulsion ist.

Diese Tabelle beruht auf rein persönlichen Erfahrungen und legt weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf 100%ige Korrektheit. 😉