Meyer-Optik Görlitz

Nanu? Ein Beitrag zu Meyer-Optik? Wo ich doch mehrfach mein Unverständnis darüber ausgedrückt habe, dass das alte Trioplan 2.8/100 als Gebrauchtobjektiv inzwischen zu Preisen verkauft wird, für die man exzellente moderne Portaitobjektive bekommt.

In zahlreichen Foren wurde und wird heftig darüber diskutiert, ob die Neuauflage des Namens und des Trioplan-Klassikers nicht wieder eine dieser „Wir-sichern-uns-den-Namen-und-verkaufen-Schund-zu-Edelpreisen„-Aktionen ist; so wie man das von den in Fernost produzierten und wahrhaft grauslichen „Rollei“-Digitalkameras kennt.
Die Preise, die von Meyer für ihre Objektive aufgerufen werden, scheinen vielen genau das nahe zu legen, denn im Portfolio sind auch Objektive, die von Foren-Diskutanten als „umgelabelte“ Russen- und China-Objektive erkannt wurde – allerdings mit einem deutlichen Preisaufschlag versehen. Da ist es beinahe verständlich, dass einem genau solch ein Gedanke durch den Kopf geht. … Aber!!

Als ich aber erfahren habe, dass hinter dem Namen „Meyer-Optik Görlitz“ die gleichen Menschen stecken wie hinter den absolut hochklassigen Taschen von „Oberwerth“, wollte ich mehr wissen. Wer derart viel Wert auf Hochwertigkeit legt, der kann keine „Namens-Abzocke“ betreiben. Das wollte ich einfach nicht glauben.

Wie es so meine Art ist, nahm ich Kontakt auf und es kam zu überaus netten Telefonaten, einer E-Mail-Korrespondenz und einem persönlichen Gespräch. Was ich dabei erfahren habe, hat mich ziemlich beeindruckt. Das muss ich gestehen. Nicht aber, weil hier Objektive gebaut werden, die in einer Leistungsliga mit Leica spielen sollen, sondern weil hier Menschen am Werk sind, die mit Herzblut und absoluter Leidenschaft hinter ihrer Sache stehen. Sowas finde ich toll! Sowas begeistert mich.

Bei Meyer-Optik sind in der Tat „umgelabelte“ Objektive im Angebot, doch beim „Umbenennen“ bleibt es absolut nicht! Ein Großteil der aus dem Osten gelieferten Exemplare geht aufgrund von Mängeln kehrtwendend wieder zurück. Die verbleibenden Objektive werden im Grunde völlig auseinander gebaut und einer Rundumkur unterzogen: Neu-Vergütung interne Linsen, Auswechseln der Schmierstoffe, Austausch von minderwertigen Bauteilen durch extra in Deutschland angefertigte, Zusammenbau mit extrem engen Toleranzen und eine Feinjustage sind nur einige der Dinge, die Meyer „nacharbeitet“. Dass es da bei dem osteuropäischen oder fernöstlichen Exportpreis nicht bleiben kann, lässt sich schon alleine durch einen Blick auf deutsche Lohnkosten erkennen.

Die neuen Meyer-Optiken, z.B. das neue Trioplan oder das neue Trimagon, sind sogar komplett hier in Deutschland gebaute Replikas der alten Klassiker, allerdings ebenfalls in Verarbeitungsqualität und Haptik verbessert. Die typischen Charaktere der alten Rechnungen bleiben aber erhalten. Und so spricht Meyer von der…

Meyer_Optik_goerlitz

Blog-Follower wissen, dass ich kein großer Freund des Seifenblasen-Bokehs bin, doch das ist meine ganz persönliche Einstellung. Es gibt zahlreiche Fotografen, die von den „Bubbles“ völlig fasziniert sind. Während für mich ein Trioplan auch in neuer Auflage nur wenig reizvoll erscheint, ist es für diese Fotografen eine ganz fantastische Vorstellung, solch ein Objektiv, in Details verbessert und mit mehrjähriger Garantie versehen, kaufen zu können. Das kann ich absolut nachvollziehen!
Es gibt allerdings andere Modelle im Portfolio, die ich überaus spannend finde. Doch dazu später mehr. 🙂

Die neuen Meyer-Objektive sind weder Hochleistungs-Produkte (wie die von Leica oder Zeiss) noch „Allerwelts“-Objektive, sondern Optiken für Liebhaber, für Fotografen, die genau DIESEN typischen Charakter suchen, um – geschickt eingesetzt – ihre Fotos aus der Masse abzuheben. Und um das zu erreichen, ist die Entscheidung auf die alten Rechnungen von Meyer-Optik zu setzen, geradezu exzellent!

Ich selbst habe zu meinen Canon EOS-Zeiten mit mehreren „Meyers“ fotografiert: Trioplan, Domiplan, Primoplan und Orestor. Während die ersten beiden mich nicht fesseln konnten, war ich vom 58er Primoplan und vom 100er Orestor extrem angetan! Überaus bedauerlich fand ich, dass man diese M42er nicht an meinen Nikon nutzen kann. (Das 100er Oreston habe ich noch immer hier, mit EXA-Anschluss und in Pentacon-Inkarnation zur Nutzung an der verbliebenen EOS 10D und vor allem an meinen Fujis.)

Charakter hatten die meisten der alten Meyer-Objektive wirklich! Und daher werden die neuen Replikas diesen Charakter in die moderne Fotografie zurück holen. Wer, wenn nicht ich als Altglas-Adaptierer, kann von sowas nur träumen? Jeder Schritt weg von „steriler Fotografie“ und hin zu einer mit „Persönlichkeit“ geht meines Erachtens genau in die richtige Richtung.

Ich hoffe nur, dass das Team von Meyer-Optik sich diese Leidenschaft, mit der es für ihre Idee brennt, aufrechterhalten kann und auch kaufmännisch erfolgreich ist. Die heutige Foto-Welt braucht genau das!

(Nein, ich werde nicht von Meyer-Optik gesponsored. Nur, um das mal klar zu stellen! Es hat sich aber eine Zusammenarbeit – völlig ohne finanziellen Einfluss – ergeben. Ich werde daher die Chance haben, hier nach und nach einige der Objektive vorzustellen. Darauf freue ich mich sehr. Den Banner rechts habe ich gesetzt, weil ich das sympathische Team unterstützen möchte. Genau wie bei PhotoNinja.)

 

6 Gedanken zu “Meyer-Optik Görlitz

  1. Ich habe ein Meyer Görlitz Telemegor 400 in Alu mit m42 und wollte mich wegen eines Anschlusses mit Nikon-bajonet informieren der dem Pentacon-anschluss fur 300 & 500 baugleich sein soltel (ein Adapter mit Korekturlinse beeinträchtigen die Qualität und ohne Korekturlinse kann man nicht auf unendlich scharf stellen…desshalb die Suche nach dem Anschluss, oder nach einer alten technischen Zeichnung mit der man es drehen lassen könnte !)
    In youtube habe ich einen video eines italienischen Liferanten darüber gesehen,
    aber das teil scheint vergriffen zu sein, denn auch von der italienischen Adresse keine Antwort…
    …wie gesagt wollte ich mich bei ihnen, also bei Meyer Görlitz informieren,
    da es sich um ein Prachtstück handelt…aber leider ohne Erfolg
    …konnte zwar mit einer Sekretärin sprechen,
    habe zwei e-mails gesendet,
    ….nochmal telefoniert, freundliche Sekretärin, …. Äm ende auch nix !….Schade !!!!

    Ein Echter Meyer Görlitz Fan !!!!!!!
    Ralph Peter Giesa

  2. Besonders unter Altglasliebhabern steht Meyer Görlitz hoch im Kurs. Die alten Linsen haben auch einen ganz besonderen Charme und heben sich deutlich aus der Masse hervor. Das besondere Unterscheidungsmerkmal waren die hohe Anzahl an Blendenlamellen.
    Wenn eine solche Firma wieder reaktiviert wird, ist dies sicher keine schlechte Idee. Doch wird diese neue Firma auch an die alten Erfolge anknüpfen können? Ich bezweifele es stark!
    Sie werden mit Sicherheit ihr Bestes tun, um gute Objektive zu bauen. Geringe Toleranzen, gute Linsen mit optimalem Schliff, perfekte Vergütungen usw. Genau dort liegt aber das Problem. Die alten Objektive haben gerade wegen ihrer „Fehler“ diese enorme Beliebtheit. Die Liebhaber wollen gerade diese und keine neu berechneten perfekten Objektive.
    „Rückkehr einer Legende“ sehe ich daher als einen extrem riskanten und vor allem irreführenden Slogan. Das kann aus meiner Sicht nur eine Bruchlandung geben. Und ob sie sich im Segment der neuen modernen Objektive etablieren können wird sich zeigen.
    Daher bin ich mal gespannt auf Deine Erfahrungen und Beurteilungen der neuen Objektive.
    Gruss Jürgen

    1. Danke für die ausführliche Rückmeldung, Jürgen.
      Ich stimme dir zu, dass gerade die „Fehler“ für viele Fans das Besondere ausmachen, doch das sind die verbliebenen optischen Fehler, und die behält Meyer ja ganz bewusst bei.
      Abgestellt werden Mängel, die auch Altglas-Fans nerven: mechanische Probleme wie ein steifer Fokus oder eine plötzlich hängende Blende. Apropos „Blendenlamellen“, Meyer achtet darauf exakt die zu verwenden, die auch bei den alten Objektiven diese geniale, kreisrunde Form ermöglicht haben!

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