Ein „Do-it-yourself“-Redscale-Film

Hui, das sind aber viele Bindestriche im Titel. Hat ja schon dort was von „Heimarbeit“. 😉

Heute möchte ich kurz vorstellen, wie man sich einen „Redscale“-Film selbst herstellt. Ist nichts weltbewegend Neues, sondern wurde schon von vielen gemacht, bereits bevor es fertige Redscale-Varianten zu kaufen gab. Vielleicht ist es aber dennoch spannend für einige hier.
Ein Redscale-Film ist im Grunde ein Film, der „von hinten“ belichtet wird und daher verkehrtherum in der Dose eingespult ist. Ich habe >> hier << bereits darüber geschrieben.

Dadurch, dass die einzelnen Farbschichten in der falschen Reihenfolge belichtet werden, verschieben sich die Farben stark in Richtung gelb-orange und rot. Blau kommt gar nicht mehr und grün kaum noch vor. Fotos damit sehen in etwa so aus:

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Diese Innenraumaufnahme wirkt vor allem durch den Sonnenschein, der links auf den Vorhang scheint.

Klar, solche Fotos möchte man sicherlich nicht ständig machen, aber ab und zu… Warum eigentlich nicht? Ein Hinderungsgrund könnte sein, dass diese Filme nicht überall zu bekommen sind. Den Rollei Redbird gibt es mehrheitlich nur im Versandhandel und den Lomo Redscale nur direkt bei Lomography. Immerhin sind sie nicht so teuer wie die anderen Spezialfilme von Lomography.

Man kann sich solche Redscale-Filme aber auch selbst machen. Die Ergebnisse sind nicht ganz so vorhersehbar, da es auch vom Film abhängt, den man dafür verwendet, aber das ist ja vielleicht sogar im Sinne desjenigen, der im „Redscale-Modus“ fotografiert. Das hat ja in der Tat Ähnlichkeiten zur „Lomographie“.

Dieses „Do-it-yourself“ ist nicht einmal schwierig. Alles, was man braucht ist eine verschließbare (oder eine bereits für einen Redscale-Umbau verwendete) Filmdose, ein Wechselsack und einen normaler Farbnegativfilm (das kann ruhig ein abgelaufener sein) – sowie ein klein wenig handwerkliches Geschick.

Schritt 1: Die Vorbereitung

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Mir stand hier eine wiederverschraubbare Filmdose zur Verfügung, was das „Umladen“ vereinfacht. Ich klebte also den Anfang des Negativfilms an die Spule, die ich aus der verschließbaren Dose entnehmen konnte.

Schritt 2: Das Einfädeln

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Die Spule kam dann in die Dose zurück. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass dies gegensätzlich zur eigentlichen Wickelrichtung geschieht, denn man möchte später ja auf die Rückseite des Films belichten.

Schritt 3: Das Umspulen

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Wenn man die noch leere Filmdose verschlossen hat, muss man den Film von der abgebenden in die aufnehmende Dose umspulen. Das muss natürlich in einem Wechselsack oder in völliger Dunkelheit geschehen, da ansonsten der Film durch den schmalen, verbleibenden Spalt belichtet würde!

Schritt 4: Der Abschluss

diyredscale4

Ist der Film umgespult, nimmt man die beiden noch durch den Film verbundenen Dosen aus dem Wechselsack (oder macht das Licht an) und schneidet den Film etwa 2 cm von der abgebenden Dose entfernt ab. Diese, jetzt weitgehend leere Dose kann man für die nächste Umspulaktion verwenden, da man den neuen Film verkehrtherum an den noch vorhandenen Filmrest kleben kann.

In der aufnehmenden Dose steckt nun der Negativfilm so aufgespult, dass er in der Kamera auf der Rückseite belichtet wird. Nun nur noch dem Anfang des Films den typischen Anschnitt verpassen. Herzlichen Glückwunsch! Sie haben einen Redscale-Film.

Wichtig ist, vor allem wenn Sie eine solche wiederverwendbare Filmdose nutzen, dem Labor mitzuteilen, dass es sich um einen C-41-Film handelt, denn der umgespulte Film wird ganz herkömmlich und von jedem Labor im Farbnegativprozess entwickelt.

Perfektionisten spulen den Film nach der Belichtung wieder in die ursprünglich Dose zurück, da es gelegentlich zur Streifenbildung bei der Entwicklung kommen kann, weil der Film ja auch falsch herum durch die Entwicklungsmaschine läuft.

Und nicht vergessen: Redscale-Filme brauchen Licht!! Also tendenziell den Film bei Sonne verwenden oder mit Blitz. Einen ISO200-Film (wie hier im Beispiel) messe ich wie einen ISO400- oder sogar ISO800-Film an. Am besten wirken sie aber wenn man bei starkem Licht (also eigentlich zu hell für einen ISO400) fotografiert und dann wieder etwas unterbelichtet.

Viel Spaß!

 

 

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