2015 – ein Jahr geht zu Ende

In etwa eineinhalb Stunden geht das Jahr 2015 zu Ende. Es ist meine Art, positiv und optimistisch in die Zukunft zu schauen und so freue ich mich auf das, was 2016 bringen wird, verbunden mit der Hoffnung, dass es gute und schöne Tage sein werden.

Das zu Ende gehenden Jahr hatte, wie wohl bei jedem, gute und weniger gute Seiten, doch ich werde an dieser Stelle nicht ins Detail gehen. Dafür sind Gespräche mit guten Freunden viel besser geeignet.

Allerdings muss ich zugeben, dass in 2015 die guten Tage und Erfahrungen deutlich überwogen. 2015 war für mich ein weitaus besseres Jahr als 2014. Darüber bin ich sehr dankbar.

Ich wünsche allen Lesern von Retrocamera.de ein fröhliches, erfüllendes und gesundes neues Jahr.

Meine Fotobücher des Jahres 2015

Ja, in der Tat. Ich habe mir in bisher noch keinem Jahr so viele Fotobücher gekauft wie in 2015. Warum? Weil ich bemerkt habe, dass gute Fotobücher (und ich meine die, dich ich ganz persönlich gut finde) mich wirklich fesseln. Kleine Jungs schauen sich die Dribbel-Tricks im Fußball von den Könnern ab, warum sollen sich große Jungs nicht auch von Könnern inspirieren lassen?  😉

Hier nun also die Liste meiner Fotobücher 2015, allerdings kein Ranking, sondern „nur“ eine Nennung, denn diese Bücher sind derart unterschiedlich, dass ein Vergleich und eine Abstufung kaum möglich wäre.

Bereich 1: Bücher zur „Technik“ und Philosophie der Fotografie

Absolut Analog (von Monika Andrae und Chris Marquart). Dieses Buch passte im Jahr 2015 sehr gut zu mir; nicht, weil ich „absolut“ analog fotografiert habe, sondern weil ich mich in den 15 Jahren zuvor nie so intensiv mit analoger Fotografie auseinandergesetzt habe wie im zu Ende gehenden Jahr. Das Buch eignet sich sowohl als Einstieg als auch als Nachschlagewerk zum Thema.

Schwarzweiß-Fotografie – Die große Fotoschule (von André Giogoli). Wenn ein Buch den Untertitel „die große Fotoschule“ oder so ähnlich trägt, bin ich immer etwas vorsichtig, weil meist die Erwartungen nicht erfüllt werden. Giogoli aber konzentriert sich, wie der eigentliche Titel auch besagt, auf die S/W-Fotografie (von daher ist der Titelzusatz etwas irreführend) und dies macht er sehr gut. S/W ist eines meiner „Steckenpferde“, sowohl analog als auch digital. Sein Buch behandelt beide Formen mitsamt dem „hybriden“ Ansatz, den ich so mag.

Die Essenz der Fotografie: Sehen lernen und bewusster gestalten (von Bruce Barnbaum). Hier wird es nun philosophisch, beinahe sogar schon etwas esoterisch, ganz ehrlich. Manchmal geht Barnbaum mir im Text ein bisschen zu weit, doch oft regen seine Worte zum Nachdenken an und das finde ich sehr wichtig und sehr gut. Wer sich seinem Hobby einmal von einer anderen Seite aus nähern will, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

Die Bildlooks der Profis (von Domquichotte). Dieses Buch nutzt einen völlig anderen Ansatz, zu 100% pragmatisch. Es ist eine Art „Kochbuch für Lightroom“ mit all den Rezepten, die der Autor (der auch Postproducer ist) selbst nutzt, um seine Bildlooks zu erreichen. Das Buch ist mit Sicherheit nicht „Mainstream“ und für viele vermutlich totlangweilig, wer aber einmal hinter die Kulissen eines Bildbearbeiters schauen und sich vielleicht den einen oder anderen Kniff abkucken möchte, der ist hier richtig. Man darf nur keine didaktische Aufarbeitung erwarten. 😉

 

Bereich 2: Bildbände

One Night in Rio (von Paul Ripke). Als Herausgeber dieses Buches tritt „Die Nationalmannschaft“ auf. OK, das ist ja schonmal ungewöhnlich. Dieses Buch polarisiert – ebenso wie Paul Ripke, der Fotograf der Bilder. Die einen finden zahlreiche technische Fehler in den Fotos, für mich waren es die atmosphärisch dichtesten Bilder, die ich im letzten Jahr gesehen habe. Ja, ich muss zugeben, ich bin vermutlich nicht ganz neutral, denn der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2014 war für mich als Fußball-Fan (und ehemaliger Fußballspieler) ein derart massives Ereignis, dass es deutlich bis ins Jahr 2015 hineinwirkte. Daher sind die Ripke-Fotos für mich eine Möglichkeit, diese unvergleichliche Situation nach dem Endspiel in Rio nachzuerleben. Dass die Fotos mit einer Leica gemacht wurden unterstützen – für mich – das Besondere daran. Lieber Paul Ripke, Danke auch für die Widmung im Buch. 🙂

Caffé all‘ italiana (von Walter Vogel). Ich bin ein Fan der Kaffeehauskultur, vor allem von der Wienerischen und dem italienischen caffé (auch wenn laut Cicero diese Kultur bereits „tot“ sein soll). Eigentlich jedes Mal, wenn ich in einer Stadt bin, gönne ich mir 5 Minuten und einen Espresso. Wenn möglich, dann sitze ich dort allerdings viel länger. Und genau diese Szenarios hat Vogel auf analogem Film in wunderbarem S/W aufgezeichnet, diese besonderen Szenen des Alltags sind in seinem Buch gesammelt. Wenn man durch die Seiten dieses Buches blättert, hat man den angenehmen Duft in der Nase, der in solch ein Haus so appetitlich einlädt und man hört die typischen Geräusche. Wenn Fotos so etwas schaffen, dann sind es Fotos, die mich fesseln können.
Der signierte (!) Bildband von Vogel hat es übrigens gerade noch in diese Liste geschafft, denn ich habe ihn erst seit gestern. 😉

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Eine besondere Erwähnung soll ein weiteres Buch finden, dass ich mir als ePaper gekauft und dann ausgedruckt habe: „Das Photo Objektiv“ von Hans-Martin Brandt. Ein rein technisches Buch aus dem Jahre 1956, das aber auf faszinierende Weise in die Grundkonzepte des Objektivdesigns einführt.

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Machen Sie das mal wieder, nehmen Sie einen Bildband oder ein anderes Buch über die Fotografie in die Hand und lassen Sie sich in eine fremde Welt entführen. Es ist einfach etwas anderes, Fotos in einem Buch anzusehen als auf dem Computerbildschirm!

Erster „Q-ntakt“ ;)

Oh weh! Welch ein flaches Wortspiel! Doch die Verweise auf „Q“ von Star Trek wäre noch weitgreifender gewesen.

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Gestern hatte ich während eines – mal wieder – extrem netten Fototreffens mit einem guten Freund und tollen Menschen, dem Multi-Blogger Jörg, die Gelegenheit, ein wenig mit seiner neuen Leica Q zu spielen. Einer der Vorteile von solchen Fotokram-Begrabbel-Treffen – neben den echt spannenden Gesprächen – ist, dass man mit den Sachen der anderen herumspielen darf. 😉 Jörg hat zur „Q“ sogar einen eigenen kleinen Blog gestartet. Seine Blogs sind äußerst lesenswert und sollten von jedem fotografisch Interessierten regelmäßig besucht werden!

Welchen ersten Eindruck hat die Leica Q denn nun auf mich hinterlassen?Na ja, eigentlich war es der zweite Eindruck, denn ich hatte schonmal kurz eine in der Hand. Damals war ich positiv überrascht. Und gestern konnte die Q diesen Eindruck definitiv bestärken! Als M-Fan und Besitzer/Nutzer einer M6 und einer M8 kann ich unterstreichen: die Q ist eine echte Leica!

Sie passt ganz genau in die Philosophie und lässt sich bedienen wie eine Leica. Sie wirkt wie eine Leica, wenn man mir ihr fotografiert. Haptik und Leistung passen. Ein faszinierende Kamera!

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Na, na, nicht schüchtern werden! Du brauchst dich nicht hinter anderen Leica-Sachen verstecken, liebe Q.

Eine Weile habe ich überlegt, ob es eine gute Idee der Wetzlarer Edelschmiede war, diese Kamera mit einem 28mm-Objektiv auszustatten, auch weil das so gar nicht „meine“ Brennweite ist (ich bevorzuge 24 oder 35mm). Aber nach einigen Gedanken, nach dem Tag gestern und vor allem nachdem ich ein Buch in den Händen hielt, das S/W-Fotos auf beinahe DIN A3-Format zeigt, die Jörg ausschließlich mit der Q auf Fehmarn gemacht hat, denke ich, dass das 1.7/28 eine sehr gute Entscheidung war. Ein 1.4/50 wäre zwar lichtstärker und vermutlich kompakter gewesen, doch man hätte nie im „echten“ WW fotografieren können. Die gleiche Einschränkung gilt auch für ein 35er. Die Q bietet einen echten Weitwinkel mit 28mm und wer weniger Winkel möchte, der kann „croppen“, sogar schon in der Kamera, was im Sucher angezeigt wird – ganz ähnlich zu einer „M“, in deren Sucher ja auch Leuchtrahmen den Bildwinkel des angesetzten Objektivs deutlich machen. Der Vorteil, den Crop bereits in der Kamera zu wählen ist der, dass die Q auch die Belichtungsmessung an den gewählten Ausschnitt anpasst.

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Sicher, diese Kamera kostet Geld, richtig viel Geld. Doch andererseits, die vergleichbaren Alternativen sind auch nicht sooo viel billiger: eine Leica M240 mit Summicron 2/35 kostet das Doppelte und eine Sony RX1 II kostet auch beinahe so viel wie eine Q. Eine Sony A7R II mit einem 28er ist auch nicht günstiger zu haben. Man muss eben alles in Relation betrachten und darf die Q nicht mit einer EOS 700D vergleichen. Beide Kameras machen tolle Fotos, doch wer sich für eine Kamera wie die Q entscheidet, der macht das ganz bewusst. Und dazu kann ich nur gratulieren!

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Einen ausführlichen Erfahrungsbericht findet ihr auf Jörgs Blog >> klick <<.

Meine Kamerataschen des Jahres 2015

Huch! Zwei Artikel heute? Ja, denn sonst werde ich mit der Liste in diesem Jahr nicht mehr fertig. Ich denke ohnehin, dass ich das Jahr 2015 auf den 01. Januar 2016 verlängern muss. 😉

Kommen wir nun also zu meinen Lieblingstaschen. In diesem Bereich hat sich im zu Ende gehenden Jahr echt einiges getan!

Noch vor gar nicht langer Zeit hätte diese Liste wie folgt ausgesehen: Kata D-3N1-30, Kalahri Molopo K-41i und Kalahari Mata Mata K-12. Auch heute noch mag ich diese drei Taschen sehr – die K-12 habe ich heute gerade für ein Fototreffen in Frankfurt (dazu später mehr!) gepackt.
Dennoch haben sich im Jahr 2015 drei andere Taschen vor diesen auf die ersten drei Plätze geschoben:

Den 3. Platz erreicht die „Lieschenradieschen Zeitungstasche„. Ähm? Wer? Nun ja, diese Tasche hat gar keinen Namen, denn sie ist in Kleinstserie (bisher gibt es nur EINE davon) handgearbeitet!
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Ich habe zu dieser Tasche einen ausführlichen Artikel veröffentlicht, dem man alles weitere entnehmen kann.

Auf dem 2. Platz landete die Dothebag Mono 04 (ich weiß noch immer nicht, ob es „Dothebag“ in einem Wort wie auf Deutsch oder „do the bag“ als drei Wörter wie auf Englisch ausgesprochen  wird 😉 ). Diese Tasche war bereits unter den Taschen des Jahres 2014 und sie hat für mich nichts von ihrer Faszination verloren. Allerdings auch nichts von ihrer Enschränkung, sie ist einfach einen Ticken zu schmal (und daher nur auf dem „Zweiten“.) Auch über die Mono 04 habe ich bereits berichtet.

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Der Sieger dieser Kategorie 2015 und damit auf dem 1. Platz ist die Dothebag Mono 16. Diese Tasche vereint das extrem angenehme, beinahe erotische 😉 Anfassgefühl (da ist es wieder, dieses Wort!) der Mono 04 – welch ein geniales Leder! – mit dem Stauraum, den ich brauche, wenn ich meine Nikon mit einigen Objektiven (und eine weitere Kamera) mitnehmen möchte. Weitere Gründe für den Sieg finden Sie >>hier<<.

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Nanu! Das war aber ein kurzer Artikel. Ja, denn ich habe zu diesen Taschen bereits alles geschrieben. Wiederholungen gelten schnell als Stilfehler. 😉

Meine manuellen Objektive des Jahres 2015

Kommen wir nun also zu meinen im Jahr 2015 bevorzugten manuell zu fokussierenden Objektiven.
Zunächst dachte ich, die Wahl würde mir deutlich schwerer fallen (habe ich doch so viele sehr, sehr gute manuelle Objektive), doch nachdem ich kurz nachgedacht hatte, kristallisierten sich recht schnell ein paar Objektive heraus, die sich von den vielen anderen absetzen konnten. Allerdings war es dann unter den „besten 7“ ein enges Rennen, das in einer Führungsgruppe aus 4 Objektiven und eine Verfolgergruppe aus 3 weiteren endete.

Die Verfolger (und damit die Plätze 5, 6 und 7) setzen sich zusammen aus dem Voigtländer Ultron 2.0/28 (M-Bajonett), dem Voigtländer Color-Heliar 2.5/75 (M39) und dem SMC Pentax-A 1.4/50 (vor allem in Kombination mit dem Zhongyi „LensTurbo“ an der X-T1). Dies sind alles ausgezeichnete Objektive, deren Verarbeitung, Haptik und Leistung kaum Wünsche offen lassen. Und dennoch wurden sie von vier weiteren Objektiven auf die Plätze verwiesen:

Platz 4 (ausnahmsweise schließe ich die „Blech“-Medaille mit ein) erreicht ein Objektiv, das ich erst gegen Ende des Jahres so richtig kennenlernen durfte, das Nikkor 2.5/105. Dieses kurze Tele fasziniert mich jedes Mal, wenn ich es an einer Kamera habe. Egal, ob ich es an der Nikon Df, an der Nikon D7000 oder adaptiert an der Fuji X-T1 nutze, es zeigt immer wieder seinen ganz speziellen Charakter, eine Mischung aus klassischer Anmutung und moderner Leistung.

Auf dem 3. Platz landete ein Objektiv, das ich mir schon seit langer Zeit gewünscht habe, das ich aber erst im Spätsommer 2o15 (sozusagen als verfrühtes Weihnachtsgeschenk) bekam, das Leica Summicron-M 2.0/50 (IV). Die 4. Version des 50er Crons ist genau die, die ich gesucht hatte, weil sie in meinen Augen die optimale Kombination aus Charme, Abbildungsleistung und Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Und wahrlich, das Objektiv hat meine hohen Erwartungen nicht enttäuscht. Ganz gleich, ob ich es an der X-T1 adaptiert nutze oder an der Leica M8 bzw. an der M6 direkt, es begeistert.

Ganz knapp vor dem 50er schiebt sich das Leica Summicron-M 2.0/90 auf den 2. Platz, das ich kurz vor dem 50er, im Frühsommer 2015, fand. Es ist nicht die „APO“-Version und gilt daher als „nicht so scharf„. Diese Aussage klingt aber völlig verfälscht, denn über die Schärfe, die dieses „alte“ 90er erreicht, wäre so ziemlich jedes andere Objektiv dankbar! Es ist definitiv scharf genug – auch bei Offenblende – und zeigt gleichzeitig einen Charme, der mich immer wieder mit offenem Mund vor den Fotos sitzen lässt. Das Bokeh und vor allem der Übergang von der Schärfezone in die Unschärfe ist so angenehm und voller Schmelz. Die Art der Freistellung lädt einfach dazu ein, das Objektiv immer wieder nutzen zu wollen. Seitdem ich das 90er Cron habe, fristet mein (auch schon sehr gutes) 90er Elmarit ein Vitrinendasein. Schade eigentlich, aber wie heißt es so schön? „Des Bessere ist des Guten Feind.“

Diese Bilder meiner Mutter sind mit dem Summicron 90 an der Leica M8 (links) und an der Fuji X-T1 (rechts) entstanden.

(Vor einigen Wochen habe ich im Auftrag einer netten Bekannten zwei sehr ähnliche Versionen des 50ers und 90ers verkauft. Das konnte ich sehr guten Gewissens machen, da ich wusste, welch ausgezeichnete Linsen das sind.)

Wenn diese beiden Leica-Objektive auf dem 2. und 3. Platz landen, welches Objektiv kann den noch besser sein??
Nun, ich muss gestehen, es war nicht das „gut oder besser“ ausschlaggebend für die Verteilung unter den ersten drei Plätzen, sondern die im Endeffekt die Vielseitigkeit. Ein 90er, so toll es auch ist, bleibt als kurzes Tele für Portraits prädestiniert, einige Fotos kann man damit nicht machen. Die schon sehr vielseitige Brennweite 50mm wird ein wenig durch die Sensorgröße relativiert, die ich damit nutzen kann. An der Fuji wirkt es wie ein 75er und an der M8 wie ein „66er“ und somit auch wie ein kurzes Tele.

Mein „Manuelles Objektiv des Jahres 2015“ wurde daher ein 35er. Den ersten Platz konnte sich das Nikkor AI 1.4/35 sichern.

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Nikkor AI-S 1.4/35 an der Nikon Df (Foto: Sony Xperia Z3)

Auch dies ist ein Objektiv, das ich schon seit langem gerne gehabt hätte, all den Verrissen im Netz zum Trotz und auch dieses Objektiv konnte ich erst im Sommer 2015 meiner Ausrüstung hinzufügen. Seitdem ist es eigentlich immer, wenn ich die Nikon Df einpacke, mit in der Tasche. Ich kann mich wirklich nicht daran erinnern, dass ich die Nikon einmal ohne dieses 35er mit hatte. Das zeigt wohl schon, wie sehr ich davon begeistert bin, übrigens ganz besonders an der Df! Denn an der D7000 ist es zwar auch sehr gut, doch das Spezielle der Linse kommt an einem APS-Sensor nicht so zum Tragen.
Ja, das 1.4/35 ist nicht perfekt. Ja, es zeigt bei Offenblende ein paar Einschränkungen („Coma“). Ja, die Bokeh-Highlights könnten weicher sein (das Bokeh ist sehr cremig für ein Weitwinkel). Aber all das sind „Makel“, die ich nicht als solche sehe. Da setzt der berühmt-berüchtigte Ken Rockwell andere Prioritäten als ich, und wissen Sie was? Damit kann ich sehr gut leben! 😉
Es ist zwar eine mutige Aussage – gerade vor dem Hintergrund meiner Faszination für Leica – aber wenn ich nur eine Kamera und nur ein Objektiv behalten dürfte, dann wäre es die Nikon Df und das Nikkor AI 1.4/35. Rumms! Das hat gesessen. (Ich möchte mich hier in aller Öffentlichkeit bei all meinen anderen ausgezeichneten Kameras und Objektiven entschuldigen. Aber mit Wahrheiten muss man umgehen können.)

Voigtländer, Voigtländer, Pentax als Verfolger und Nikkor, Leica, Leica und Nikkor als Siegergruppe. Schält sich da etwa ein Muster heraus? Es scheint so. 😉

Eine lobende Erwähnung findet an dieser Stelle auch ein Objektiv, das hier nur ausser Konkurrenz mitspielen darf, da es kein Wechselobjektiv ist. Dennoch möchte ich es herausstellen, denn es hat das absolut verdient: das Fujinon 3.5/90, das fest an der Fuji GW690 verbaut ist, darf definitiv in einem Atemzug mit den oben gelisteten Objektiven genannt werden.

Meine AF-Objektive des Jahres 2015

Tja, wie soll ich bestimmen, was meine Autofokus-Objektive des Jahres sind? Nach Häufigkeit der Nutzung? Nach persönlicher „Zuneigung“? Nach Leistung? Oft passt das alles ja zusammen: das Objektiv, das die beste Leistung bringt und das man am liebsten hat wird auch am häufigsten Verwendung finden. Manchmal stimmen diese Aspekte aber auch nicht überein. Wenn man z.B. ein exzellentes 2.8/300 Tele hat, das man auch sehr mag, kann es dennoch sein, dass man eher selten damit fotografiert. Bei mir wäre das jedenfalls so, denn im längeren Telebereich fotografiere ich recht selten.
Gut, dann versuche ich irgendwie vom Bauchgefühl heraus zu urteilen. Die Top-3 werden sicherlich sehr gute, sehr angenehm zu handhabende und auch relativ häufig genutzte Objektive sein.

Spannend ist, dass nur eines der drei letztjährigen Sieger-AF-Objektive es auch diesmal unter die besten 3 geschafft hat. Das soll nicht heißen, dass sie heuer schlechter waren, die anderen beiden waren mir in diesem Jahr nur nicht ganz so wichtig.

Hier sind meine drei Top-Favoriten für 2015:

Den 3. Platz erreicht – durchaus ein wenig überraschend für mich – das Sigma EX 2.8-4/17-35. Nein, es ist nicht so extrem weitwinklig wie der Sieger von 2014 und es ist nicht so lichtstark wie die Reihe Sigma EX 1.8/20, 1.8/24 und 1.8/28, die auch alle hier stehen und es zeigt auch sicher nicht die extreme Schärfe eines Nikkor 14-24 (das ich auch gar nicht besitze), es ist aber wohl das universellste Weitwinkel-Objektiv, das ich für meine Nikon Df habe. Der Bereich von schon „ultraweiten“ 17mm bis hin zur Reportage-Brennweite 35mm bietet so ziemlich alles, was man sich im weiten Winkel so wünschen kann. Die Lichtstärke von f/2.8 bis f/4.0 ist auch mehr als ordentlich und wildert im Bereich der „normal-lichtstarken“ Festbrennweiten. Eigentlich kann man den ganzen Tag mit dem 17-35 und einem 85er herumlaufen und wird kaum etwas vermissen. Das mag ich so sehr, dass sich dieses 17-35 viel häufiger in meiner Fototasche wiederfindet als ich das zunächst erwartet hätte. Da die Abbildungsleistung an der Df zudem mehr als zufriedenstellend ist, angelt sich das Sigma WW-Zoom den dritten Platz.

Auf den 2. Platz schiebt sich das drittplatzierte Objektiv aus 2014: das Fujinon XR 1.4/35 R. Es gehört zu den preisgünstigsten Objektiven für die Fuji X-Serie und ist dennoch unglaublich gut. Es entspricht an Fuji-APS einem 50er „Normalobjektiv“ am Kleinbild bei einer Lichtstärke, die man sich nur extrem selten noch „schneller“ wünscht. Der AF an der Fuji X-T1 lässt keine Wünsche offen und die Abbildungsleistung ist – vor allem in diesem Preissegment – über alle Kritik erhaben. Da hat Fuji wirklich ein tolles Objektiv gezaubert, das sehr, sehr oft an meinen Fujis zu finden ist.

Auf dem Siegertreppchen ganz oben und damit auf dem 1. Platz landet das Nikkor AF 1.8/85 D. Die 85er Nikkore waren schon immer ganz besondere Objektive. Mein „vor-AI“ Nikkor-H 1.8/85 habe ich ins Herz geschlossen, seitdem ich es habe. Seit Sommer 2015 besitze ich auch den AF-Enkel. Es ist eine relativ frühe Version des AF 1.8/85 D, das tut aber meiner Begeisterung keinen Abbruch. Diese Portrait-Tele, das ich in Ribe in Dänemark während unseres Sommerurlauben in einem kleinen Fotogeschäft gefunden und ohne lange zu überlegen gekauft habe, harmoniert derart gut mit der Df, dass ich immer wieder erstaunt bin, wie perfekt dieses Set zusammenpasst. Eigentlich ein völlig unnötiger Kauf, hatte ich zu dieser Zeit doch bereits das H 1.8/85 und ein 90er Makro von Tamron (welches übrigens ebenfalls ein extrem gutes Objektiv ist und hier auf der Liste den 4. Platz erreicht hätte). Etwas später im Jahr kam dann auch noch der Klassiker, das 2.5/105, hinzu. Doch genau dies zeigt mir wieder, wie sehr ich die kurzen Teles mag (was sich auch im Teil zu den manuellen Objektiven äußern wird). Meine Lieblingsbrennweiten sind definitiv 35, 50 und 85/90/105 und mit etwas Abstand 24mm. Und das AF 1.8/85 D ist bei mir „ganz weit vorne“, obwohl es kein Objektiv ist, das ich „immer“ dabei habe. Aber jedesmal, wenn ich es mitnehmen und nutze, zaubert es mir ein Lächeln ins Gesicht.

 

Meine analogen Kameras des Jahres 2015

So sehr es mich beinahe überrascht hat, dass ich im Jahr 2015 keine Digitalkamera erstanden habe, so wenig hat mich erstaunt, dass ich einige analoge Kameras meiner kleinen Sammlung hinzufügen konnte. Denn das nun zu Ende gehende Jahr hat für mich eine ernsthaftere (Wieder)Beschäftigung mit der analogen Fotografie gebracht. Ich habe wieder begonnen, vermehrt selbst zu entwickeln. Seit einigen Wochen wartet sogar ein Set für die C41-Farbnegativentwicklung bei mir zu Hause – ein Projekt, das ich mir für 2016 vorgenommen habe.
Manch eine dieser Kamera habe ich inzwischen bereits wieder verkauft. Treuere LeserInnen wissen ja von meiner Vorliebe, einige Dinge nur mal ausprobieren zu wollen. Andere Film-Kameras aber sind geblieben und ein paar davon haben es auch auf die Liste meiner analogen Kameras des Jahres 2015 geschafft:

Den dritten Platz nimmt die Nikon F3 HP ein. „Kein Wunder!“, höre ich nun so manchen rufen und zu recht, denn die F3 ist eine fabelhafte Kamera, die hervorragend verarbeitet und exzellent zu bedienen ist sowie – bis auf einen Autofokus – so ziemlich alles hat, was man für fotografische Zwecke gebrauchen kann. Und bei solch einem Sucher und lichtstarken Nikkoren benötigt man für viele Bereiche keinen AF.

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Die F3 HP ist zudem sowas wie eine perfekte analoge Ergänzung zur Nikon Df, denn auch an der F3 kann man extrem viele Objektive mit Nikon-Bajonett verwenden, sogar (wie auch an der Df) die F-Modelle aus der „vor-AI“-Ära.

Auf dem zweiten Platz landete eine Kamera, die die Pentax 645 (welche es auch in die Liste hätte schaffen können, mit der ich aber nur ein kurze Liaison hatte) ablöste und ersetzte: die Mittelformatkamera Fuji GW690.

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Diese „Texas-Leica“, wie sie auch genannt wird, ist eine Messsucherkamera, die auf Negative im 6x9cm-Format aufzeichnet – in Worten „sechs mal neun Zentimeter“ (OK, präzise sind es 56 mm × 89 mm und damit die 5,8fache Fläche eine Kleinbilddias). Solche Negative sind riesig und stoßen in der Anmutung schon beinahe in die Welt des Großformates vor. Dabei bleibt die Fuji aber relativ „kompakt“. OK, wenn man Kleinbildkameras gewohnt ist, dann scheut man sich das Wort „kompakt“ auch nur in der Nähe des Fuji 690 zu verwenden, doch im Vergleich zu anderen Mittelformatkameras ist sie dies tatsächlich.
Ihr Objektiv, ein EBC Fujinon 3.5/90 (was in etwa einem etwas weitwinkligeren Normalobjektiv entspricht), ist scharf, kontraststark und sehr gut korrigiert. Dass Fuji exzellente Objektive bauen kann, erkenne  heute mehr und mehr Nutzer durch das X-System. Für das Format 6×9 ist das 90er zudem ziemlich lichtstark und taugt auch für „Freisteller“ (etwa so wie ein 1.4/35 am Kleinbild). Das ist die Mittelformatkamera, die ich bei weitem am meisten nutze.

Den ersten Platz sicherte sich eine Kamera, die erst seit Herbst 2015 bei mir ist und von der ich lange nur geträumt habe, ohne wirklich daran zu denken, mir diesen Traum auch zu erfüllen: die Leica M6.

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Nachdem ich nun schon ein paar Jahre mit der Leica M8 fotografiert habe und sich daher ein paar wunderbare Objektive für dieses System angesammelt haben, war es aber ein logischer Schritt, nach einer „Film-M“ zu schauen. Die M3 wollte ich nicht, da man sogar schon für 35mm einen Sucher benötigt. Die M2 braucht den ab 28mm. Daher wollte ich mich zunächst nach einer M4-P umschauen. Das Fehlen des Belichtungsmessers war mit nicht wirklich wichtig, habe ich doch ein paar sehr gute Handbelichtungsmesser. An eine M6 hatte ich aus Preisgründen erst gar nicht gedacht. Als mir aber ein netter Foto-Bekannter ein überaus faires Angebot machte, konnte ich nicht widerstehen und so kam ich ziemlich überraschend zu einer schwarzen M6, die es auch in kürzester Zeit auf den ersten Platz meiner Liste geschafft hat und damit sowohl die großartige Nikon F3 HP als auch die fabelhafte Fuji GW690 auf die Plätze verweisen konnte. Ich nutze die M6 mit einem Brennweiten-Set, das für mich keine Wünsche offen lässt: 4.5/15, 2.0/28, 2.0/50, 2.5/75 und 2.0/90. (Ob da wohl ein 21er noch Platz hätte? Just kidding… )

Knapp hinter den ersten drei Plätzen tummeln sich so wunderbare Kameras wie eine Nikkormat FT2, eine Weltaflex, eine Nikon F, eine Leica IIIa sync, eine Asahi Spotmatic SP, eine Yashica Electro 35GS etc. etc.