Schöne Überraschung!

Ich hätte nicht gedacht, dass mich – nachdem ich wohl mit über 250 Objektiven fotografiert habe – ein Objektiv noch so überraschen kann.

Im Laufe der letzten gut 10 Jahre, in denen ich die Gelegenheit hatte, mit unzähligen unterschiedlichen Objektiven zu fotografieren, kristallisierten sich ein paar grundsätzliche Schlussfolgerungen heraus:

  • Objektive von Zeiss und Leica sind nie schlecht.
  • Auch auf die Leistungen der Nikkore und Pentax-Objektive (auch die älteren Takumare) kann man sich meist verlassen.
  • Ebenso sind die meisten Olympus-, Minolta-, Konica- und Yashica-Objektive wirklich gut.
  • Unter den alten russischen und EX-DDR-Objektiven gibt es ein paar wunderbare Highlights. (Dort muss man aber mit einer größeren Streuung rechnen.)
  • Von Tamron gibt es mehr als ordentliche Adaptall-2-Objektive.
  • Auch von Sigma gibt es einzelne Juwelen. Je neuer die Objektive sind, um so mehr „Edelsteine“ gibt es.
  • Einige der manuellen Canon-Objektive erreichen ein Niveau, dass heute durch ein „L“ gekennzeichnet wäre – allerdings bleiben viele eher im „guten Durchschnitt“. Sie sind absolut brauchbar, stechen aber nicht so aus der Masse heraus wie beispielsweise das eine oder andere Nikkor oder Zuiko.

Nun habe ich, ohne es zu erwarten, ein Objektiv gefunden, dass mich überaus positiv überrascht hat:

fd24Das Canon FD 2.8/24.

Auf den ersten Blick ist es nichts Besonderes. OK, ein 24mm-Weitwinkel-Objektiv, aber mit f/2.8 nicht sonderlich lichtstark. Gut verarbeitet aber kein haptischer Hochgenuss wie ein Zeiss. Es rankt sich auch keine Legende um dieses Modell, so wie um das 24er Minolta Rokkor, das baugleich mit dem Leica Elmarit-R 2.8/24 sein soll. Aus all diesen Gründen gehört das FD 24 zu den eher preisgünstigen manuellen Objektiven. Dieses 24er habe ich schon oft für deutlich unter €50,- den Besitzer wechseln sehen. Ich denke aber das liegt daran, dass dieses 2.8/24 bisher weitgehend „übersehen“ wurde.

An eine Canon EOS lässt es sich nicht ohne Linsenadapter oder Umbau adaptieren, an eine Nikon kriegt man es schon gar nicht. Erst die spiegellosen Systemkameras habe die Aufmerksamkeit wieder stärker auf die FD-Objektive von Canon gerichtet. Die 50er oder die Teles sind inzwischen wieder begehrt. Über dieses 24er habe ich aber bisher kaum lesen können. Phillip Reeve bildet da eine löbliche Ausnahme und bei mir.com findet man etwas über die Geschichte des Objektivs.

Als ich nun per Zufall an ein FD 2.8/24 kam, erschien es mir lohnenswert, mir einen FD-FujiX-Adapter zu besorgen, denn an einer Fuji X wirkt dieses 24er ja in etwa wie ein 35er. Diese Brennweite mag ich sehr.
Und siehe da, das 24er Canon konnte mich wirklich beeindrucken, weit mehr als ich erwartet hätte. Es bietet meines Erachtens eine erstklassiges Preis-Leistungs-Verhältnis für Systemkamera-Fotografen (Fuji, Sony, womöglich auch Panasonic und Olympus).

Das FD 2.8/24 ist scharf bis in den Randbereich des APS-C Sensors hinein, zeigt neutrale und ausreichend gesättigte Farben und eignet sich sogar für einen 3D-Effekt, sofern man sich an den geringen Mindestabstand herantastet und bei offener Blende fotografiert – dann reicht die Freistellung und der hohe Mikrokontrast tut ein Übriges. Chromatische Aberrationen halten sich in angenehmen Grenzen und das Bokeh ist – wenn auch nicht begeisternd – für ein Weitwinkel mehr als ordentlich.

Beispielfotos:

Ich bin sicher, dass das Canon FD 2.8/24 öfters in meine Fuji-Tasche wandern wird.

5 Gedanken zu “Schöne Überraschung!

  1. Rudolf

    Hallo Carsten,

    ja, kann ich so vorbehaltlos bestätigen.
    Ich hatte den „Vorgänger“ (mit Chromring und auf EOS umgebaut) vor der 5D, sehr gut, es unterschied sich aber kaum vom öffnungsgleichen Zuiko. Deshalb habe ich es nicht behalten.
    Ein weiteres Highlight ist das 35/F2 SSC (mit der „negativen Frontlinse – s.hier: http://www.canon.com/c-museum/en/product/fd139.html), an APS-C aber „eher langweilig“.
    Andere Canon-Weitwinkel (17mm, 20mm) kann ich nicht empfehlen, hier gibt es bessere Alternativen von anderen Herstellern.
    Sehr gut sind auch das 50/F3.5 Macro, das 100/F2 und die beiden 55/F1.2 (hier mal schauen: http://olypedia.de/Canon#Au.C3.9Fergew.C3.B6hnliche_Produkte).
    Es lohnt sich also, auch mal bei den FDs zu schauen.

    Für meinen Teil hat sich das „erledigt“, ich bin konsequent auf mFT umgestiegen, einige wenige Canon-Kameras und -Objektive findet man bei mir nur noch in der Vitrine,

    Dir viel Spaß damit.
    LG
    Rudolf

  2. Pingback: Test und Erfahrungsbericht: Canon new FD 24mm 1:2.8 - phillipreeve.de

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