„Long time no see“

Sagen die Engländer, wenn man sich eine ganz Weile nicht gesehen hat. Und hier passt es sehr gut in meinen Blog. Ich war jetzt wirklich lange inaktiv. Lust hätte ich ja gehabt, Themen auch – massig sogar – aber die Zeit, genauer gesagt: die „freie“ Zeit fehlt mir.

Der November ist ja immer ein intensiver Monat für Lehrer, doch dieses Jahr ist es besonders schlimm.

Daher auch heute leider nur ein sehr kurzer Artikel…

Kürzlich bin ich des Abends auf etwas gestoßen, dass bisher völlig an mir vorbei gegangen ist: das „Monobath“. Ein Filmentwickler, der gleichzeitig während des Entwickelns auch fixiert. Ich dachte nicht, dass dies überhaupt möglich ist. Aber andererseits, Polaroid hat das schon lange so gemacht.

Für alle, die das auch so spannend finden wie ich, hier ein paar Links:

R3 Monobath Developer Lets You Process Your Film with One Chemical Bath (PetaPixel)
Eine Diskussion im APUG-Forum
Infos bei New55 FILM

So viele Ideen, so wenig Zeit! 😦

Schöne Überraschung!

Ich hätte nicht gedacht, dass mich – nachdem ich wohl mit über 250 Objektiven fotografiert habe – ein Objektiv noch so überraschen kann.

Im Laufe der letzten gut 10 Jahre, in denen ich die Gelegenheit hatte, mit unzähligen unterschiedlichen Objektiven zu fotografieren, kristallisierten sich ein paar grundsätzliche Schlussfolgerungen heraus:

  • Objektive von Zeiss und Leica sind nie schlecht.
  • Auch auf die Leistungen der Nikkore und Pentax-Objektive (auch die älteren Takumare) kann man sich meist verlassen.
  • Ebenso sind die meisten Olympus-, Minolta-, Konica- und Yashica-Objektive wirklich gut.
  • Unter den alten russischen und EX-DDR-Objektiven gibt es ein paar wunderbare Highlights. (Dort muss man aber mit einer größeren Streuung rechnen.)
  • Von Tamron gibt es mehr als ordentliche Adaptall-2-Objektive.
  • Auch von Sigma gibt es einzelne Juwelen. Je neuer die Objektive sind, um so mehr „Edelsteine“ gibt es.
  • Einige der manuellen Canon-Objektive erreichen ein Niveau, dass heute durch ein „L“ gekennzeichnet wäre – allerdings bleiben viele eher im „guten Durchschnitt“. Sie sind absolut brauchbar, stechen aber nicht so aus der Masse heraus wie beispielsweise das eine oder andere Nikkor oder Zuiko.

Nun habe ich, ohne es zu erwarten, ein Objektiv gefunden, dass mich überaus positiv überrascht hat:

fd24Das Canon FD 2.8/24.

Auf den ersten Blick ist es nichts Besonderes. OK, ein 24mm-Weitwinkel-Objektiv, aber mit f/2.8 nicht sonderlich lichtstark. Gut verarbeitet aber kein haptischer Hochgenuss wie ein Zeiss. Es rankt sich auch keine Legende um dieses Modell, so wie um das 24er Minolta Rokkor, das baugleich mit dem Leica Elmarit-R 2.8/24 sein soll. Aus all diesen Gründen gehört das FD 24 zu den eher preisgünstigen manuellen Objektiven. Dieses 24er habe ich schon oft für deutlich unter €50,- den Besitzer wechseln sehen. Ich denke aber das liegt daran, dass dieses 2.8/24 bisher weitgehend „übersehen“ wurde.

An eine Canon EOS lässt es sich nicht ohne Linsenadapter oder Umbau adaptieren, an eine Nikon kriegt man es schon gar nicht. Erst die spiegellosen Systemkameras habe die Aufmerksamkeit wieder stärker auf die FD-Objektive von Canon gerichtet. Die 50er oder die Teles sind inzwischen wieder begehrt. Über dieses 24er habe ich aber bisher kaum lesen können. Phillip Reeve bildet da eine löbliche Ausnahme und bei mir.com findet man etwas über die Geschichte des Objektivs.

Als ich nun per Zufall an ein FD 2.8/24 kam, erschien es mir lohnenswert, mir einen FD-FujiX-Adapter zu besorgen, denn an einer Fuji X wirkt dieses 24er ja in etwa wie ein 35er. Diese Brennweite mag ich sehr.
Und siehe da, das 24er Canon konnte mich wirklich beeindrucken, weit mehr als ich erwartet hätte. Es bietet meines Erachtens eine erstklassiges Preis-Leistungs-Verhältnis für Systemkamera-Fotografen (Fuji, Sony, womöglich auch Panasonic und Olympus).

Das FD 2.8/24 ist scharf bis in den Randbereich des APS-C Sensors hinein, zeigt neutrale und ausreichend gesättigte Farben und eignet sich sogar für einen 3D-Effekt, sofern man sich an den geringen Mindestabstand herantastet und bei offener Blende fotografiert – dann reicht die Freistellung und der hohe Mikrokontrast tut ein Übriges. Chromatische Aberrationen halten sich in angenehmen Grenzen und das Bokeh ist – wenn auch nicht begeisternd – für ein Weitwinkel mehr als ordentlich.

Beispielfotos:

Ich bin sicher, dass das Canon FD 2.8/24 öfters in meine Fuji-Tasche wandern wird.

Der Sonntags-RAW-Tausch …

… von digitaler-augenblick.de.

Mein Fotofreund Jörg hatte vor einigen Wochen die Idee, jeden Sonntag eine RAW-Datei mit einem seiner Fotokumpels zu tauschen und dieses dann gegenseitig bearbeiten zu lassen. Ganz im Sinne von: „Du zeigst mir, was du aus meinem Bild machst und ich dir, was ich aus deinem mache.“ Klasse! Bei sowas bin ich natürlich immer dabei.

Eines meiner Bilder aus London hat Jörg bearbeitet und darüber hier in seinem Blog berichtet. Er hat da echt gezaubert und eine Farbfülle im Dämmerungsbild gefunden, dass man kaum glauben mag, dass es sich um das gleiche Foto handelt.

Natürlich habe auch ich eine RAW-Datei von Jörg erhalten und mich dann heute, eben am Sonntagnachmittag, ans Werk gemacht. Ans nicht ganz so leichte Werk, denn in optimistischer Überschätzung meiner RAW-Development-Fähigkeiten 😉 hat mir Jörg ein Foto geschickt, dass nicht ganz so einfach zu optimieren war, jedenfalls nicht, ohne allzusehr in das Originalbild einzugreifen, denn das mag ich ja nicht so sehr.
Das Foto aus seiner „kleinen“ Sony zeigt eine Szene am Meer mit direktem Gegenlicht in die Sonne fotografiert. Ausgebrannte Bereiche bleiben da nicht aus und sind auch nicht mehr zu „retten“.

Das Original-RAW im RAW-Dialog von Photoshop CC.
Das Original-RAW im RAW-Dialog von Photoshop CC.

Das macht aber nichts, denn gerade so etwas kann ja sehr zur Stimmung im Foto beitragen. Gestört hat mich die etwas schief stehende kleine „Hütte“ links, die ich gerade rückte. Durch Schieben und Ziehen an den Reglern Belichtung, Lichter, Tiefen, Klarheit und Dynamik erfolgte die Grundbearbeitung. Außerdem verlegte ich das Bild durch eine leichte Anpassung der Lichter-Farbtemperatur etwas weiter in den Nachmittag. 😉

In Photoshop selbst erfolgten dann weitere partielle Anpassungen der Farbcharakteristik und der Belichtung (dodge and burn). Außerdem war es mir wichtig, die Blendeneffekte etwas hervorzuheben. Entweder man hat keine oder eben deutliche Abzeichnungen im Bild – so jedenfalls meine Meinung.

Ein fast schwarzer Rahmen lässt die Farben des Bildes nochmals stärker leuchten, ohne dass die Sättigung massiv angehoben werden muss.

Raw_Meer_Joerg_Res
„Herbstnachmittag am Meer“

So 100%ig war ich aber nicht zufrieden. (Der Übergang von Sonne zu Himmel ist mit zu abrupt. Da lässt sich noch was machen.) Also entweder in eine ganz andere Richtung gehen und nochmal von vorne anfangen oder mal Schwarz-Weiß probieren? Mir als SW-Fan lag diese Idee wirklich nahe.
Nun denn, ein bisschen Grauverlauf und Silver Efex machte dann ein SW-Bild aus dem Foto, auf dem die Gegenlichtsituation viel stärker betont wird:

Raw_Meer_Joerg_Res_SW

Jeder mag nun selbst entscheiden, ob der „Herbstnachmittag am Meer“ oder die Monochrom-Lösung favorisiert wird. Man sieht, dass man mit einem RAW-Bild in viele unterschiedliche Richtungen gehen kann. Jeder wird wohl einen anderen Weg einschlagen, je nachdem, was er ausdrücken möchte oder was seine Intention mit dem Bild ist. Vermutlich wird auch derjenige, der bei der Aufnahme dabei war, eine andere Bearbeitung wählen als jemand, der nur die Rohdaten erhält. Aber gerade das ist ja das Spannende dabei. Spaß gemacht hat diese Aktion auf jeden Fall!

Danke, Jörg, für diese tolle Idee!