Umstrukturierung … oder „weniger ist mehr“

Tja, ich muss zugeben, dass ich gar nicht so recht weiß, wie ich diesen Text anfangen soll. „Weniger ist mehr“ passte bisher ja nicht so wirklich zu mir. Auch wenn ich die Philosophie dahinter voll verstehe und es jedes Mal wieder vor Augen geführt bekomme, wenn ich mit „kleinem Besteck“ unterwegs bin und dabei viel mehr zum Fotografieren komme.

Nun, ich beginne mal so:

645set1

Können Sie sich noch daran erinnern?

 Perfektes Timing!

Oder daran?

Endlich das ganze Set nutzbar…

Dort habe ich davon geschwärmt, wie toll ich mein Set für die Pentax 645 finde.
Ich finde die Kamera und die Objektive immer noch klasse! Bitte nicht falsch verstehen. Und mich inspiriert das Mittelformat auch noch immer.

Doch eines hat mich nachdenklich gemacht. Als ich meine Fotosachen für unseren Urlaub im geliebten Dänemark packte, musste ich mich ein wenig mehr einschränken als im letzten Jahr, weil wir nicht mit einem VW Bus, sondern mit dem Hyundai meiner Frau unterwegs waren, mit 5 Personen und Gepäck. Ich konnte noch immer reichlich Zeugs mitnehmen, doch musste ich etwas rigider auswählen. Nachdem ich damit fertig war und mich entschlossen hatte, das Pentax 645-Set NICHT mitzunehmen (obgleich ich mich ja eigentlich so auf die Fotos im Hafen mit dem 45mm gefreut hatte), dachte ich darüber nach, warum ich die 645er zuhause lies. Sie – oder besser das ganze Set – war mir einfach zu groß.
Das machte mich stutzig. Wie oft würde ich denn dann diese Kamera nutzen, die ich ohnehin ganz oft nicht mitnehmen würde? Vermutlich kaum. Also was wäre naheliegender als sie wieder zu verkaufen? Die Vernunft spielte mit einem „Habbe-Wolle“ „Engelchen und Teufelchen“. Kurzum, das Engelchen hat gesiegt. Aber nicht nur, weil ich das Set sehr groß, zu groß fand, nein, auch weil ich in Dänemark in einem netten Fotoladen in Ribe ein fantastisches, neuwertiges Nikkor AF 1.8/85D zu einem extrem günstigen Preis fand (dazu später mehr) sowie an anderer Stelle ein Nikkor AI 1.4/35, das ich mir schon lange wünschte – und eine meiner Regeln ja besagt, dass Neues nur kommen darf, wenn Altes geht.

Meine Pentax 645 ist also verkauft und mit ihr das 80-160, das 45er und das 90er. Mögen Sie ein neues gutes Zuhause finden. (Das 50er Zeiss habe ich noch, doch lange vermutlich nicht mehr. Die Angebote kommen rein…)

Aber so ganz ohne (vernünftiges) Mittelformat? Nee, das geht auch nicht. Es musste also eine bezahlbare, relativ kompakte und dennoch leistungsfähige Mittelformat-Kamera her. Eine, die man gerne nutzt und mitnimmt, weil sie tolle Fotos macht und man keinen extra Koffer für sie braucht. Nur welche?

Die wundervollen neuen Voigtländer Balgenkameras sind zwar erstklassig und klapp-kompakt, doch richtig teuer. Gleiches gilt für eine alte Traumkamera, die Plaubel Makina 67. Billige Kameras hingegen bieten mir nicht mehr als die alten Teile, die ich ja immer noch habe.
Während dieser Grübelphase erinnert ich mich an meine „geheime“ Liebe für Messsucherkameras. Hmmm… gab es da mal nicht was? Eine Messsucher-Mittelformatkamera? Ja, klar! Die „Texas“-Leica. Und für mich als Fuji-Fan wäre das überdies enorm passend.
Leider verliefen die ersten Recherchen etwas enttäuschend: sie gelten zwar als durch und durch gute und zuverlässige Kameras und sie sind auch *räusper* relativ kompakt (Nicht lachen! Im Vergleich zum Pentax-Set sind sie das!), doch für unter €600,- war da nichts Vernünftiges zu finden. Ui, dieser Berg war mir dann doch etwas zu steil. Als letzter Ausweg blieb mir ein Import aus Japan, denn dort findet man die Fuji 690 für deutlich weniger Geld, selbst wenn man die Einfuhr- und Mehrwertsteuer hinzuzählt. Es bleibt allerdings das Risiko des sehr fern sitzenden Verkäufers. Nun ja, nach einem ausgedehnten Check der Bewertungen bei EBAY und der zumindest etwas besseren Absicherung des Käuferschutzes durch PayPal, ging ich dieses Risiko ein. Ich bestellte eine Fuji GW690 Professional.

Die Kamera wurde sehr schnell versendet, brauchte aber in der Abwicklung hier im Zoll länger als im Transport von Japan nach Frankfurt. Na ja, jetzt ist sie ja da – und sie ist in einem guten Zustand (man könnte hier und da von „Patina“ reden 😉 ), vor allem aber funktioniert sie sehr gut, sogar der Messsucher ist korrekt justiert.

Voilá… die „Texas“-Leica:

690_w1

690_w2
(Hier noch mit einem Rodenstock-UV-Filter davor, weil ich noch keine wirklich gut passende Objektivkappe hatte. Die Orginiale finde ich nicht so toll.)


Die Fuji 690 liegt für meinen Geschmack sehr gut in der Hand und lässt sich super angenehm bedienen. Das fest installierte 3.5/90 Objektiv meines Exemplars ist extrem sauber und sämtliche Mechanik (Blende, Zoom, Verschluss) läuft geschmeidig. Das Objektiv ist definitiv scharf, auch bei Offenblende und der Sucher ist sehr, sehr klar (eine häufige Problemquelle der 690er).

Und die Größe? Ähm… na ja, sie ist nicht wirklich „klein“:

690_w4
„Texas“-Leica im Vergleich zur Leica M8.

Aber man kann sie deutlich besser einpacken als die Pentax 645 und darauf kommt es an. Außerdem liefert sie einem Negative im 6×9-Format! Hey, DAS nenne ich mal ein Negativ!!

Da ich noch einen S/W-Rollfilm (einen Rollei R³ 400) im Kühlschrank hatte – neue Filme sind bereits bestellt – probierte ich sie natürlich sofort aus. Man bekommt höchstens 8 Fotos auf einen 120er Rollfilm. Das erste Foto habe ich auch noch aus Versehen durch einen „dabbischen“ (wie wir in Hessen sagen) Druck auf den Auslöser verschossen. Die beiden folgenden Bilder meiner Kinder sind sehr schön geworden und die Fotos eines kleinen Spaziergangs durch Wetzlar zeigen, dass die Kamera sehr gut funktioniert:

Fuji690_R3_004w
„Wetzlarer Dom“ bei Blende f/8
Fuji690_R3_005w
Blende f/5.6 oder f/8 (?)
Fokustest bei Offenblende, Foto noch leicht auf 2/3 geschnitten
Fokustest bei f/5.6, Foto noch leicht auf 2/3 geschnitten
Daraus ein Crop von einem 1200 dpi Scan
Daraus ein Crop von einem 1200 dpi Scan, ungeschärft

Entwickelt habe ich den Rollei-Film in Adonal 1:25, 12 1/2 Minuten bei 20°C.
Der Adonal/Rodinal ist ja nicht gerade als Feinkornentwickler bekannt und der Rollei R³ auch nicht als der Film mit der besten Tonwertabstufung, doch mit den Ergebnissen bin ich echt zufrieden. Das bei Vergrößerung deutlich sichtbare Korn ist auf Fotos der üblichen Größe kaum mehr sichtbar, da ein Negativ dieses Ausmaßes nur wenig vergrößert werden muss. Ein 13×18-Foto hat nur in etwa die vierfache Größe des Negativs. Mit einem Kleinbildfilm käme man damit auf ein Foto im Format 4,8×7,2 cm. 😉
Einen weiteren Vorteil hat das 6×9-Format für mich als Kleinbildfotograf auch noch: es ist das gleiche Seitenverhältnis und so muss ich mich bei der Bildkomposition nicht umgewöhnen.

Und wissen Sie was? Die „Einschränkung“, nur ein Objektiv zu haben (etwa ein KB-Äquivalent von 39 mm) finde ich äußerst befreiend, so seltsam wie das klingt.

Ich habe daher angefangen, eine ganze Menge an Kamerasachen herauszusuchen, die ich nach und nach verkaufen werde. Ob ich mich nun auch vom „weniger ist mehr“ anstecken lasse?

„Warum denn sowas?“

Mag jetzt sicher manch einer denken, wenn er liest, dass ich auch eine „La Sardina“ habe. „Was ist denn an dieser Kamera überhaupt gut? Die kann doch nix.“

sard1

Nun, zumindest kann sie Fotos machen. Das ist ja nun einmal die Hauptsache bei einer Kamera, nicht wahr? Sicher, besonders gut „ausgestattet“ ist sie nicht. Die kleine Sardinenbüchse (sie sieht wirklich so aus!) bietet nur Blende f/8 und als Belichtungszeiten 1/100s und „Bulb“, außerdem eine einfach handzuhabende Mehrfachbelichtung. Man könnte meinen, sie ist perfekt auf Lomographen zugeschnitten – und so ist es auch kein Wunder, dass sie vom Lomography.com vertrieben wird.

Als ich vor einigen Monaten, die Kleine in München zum ersten Mal „in echt“ sah und mit einem sehr freundlichen Verkäufer über sie redete (nein, ich habe sie nicht dort gekauft), reagierte etwas in mir. Von besonderen Ideen lasse ich mich gerne inspirieren, und die Sardina ist eine außergewöhnliche Idee: eine kompakte Sucherkamera, deren Form durch und durch an eine Sardinendose angelehnt ist, die es aber in mannigfaltigen Versionen gibt und die man sogar nach eigenem Ermessen gestalten kann.

sard4

„Hipster-Kamera!“ höre ich jetzt einige rufen. „Ja, mag sein“, entgegne ich gerne: „Na und?“ Auch wenn Lomo-Hipster diese Kamera gerne nutzen und die Modellreihe am Leben halten, muss man ja nicht selbst ein Hipster sein, nur weil man auch damit fotografieren möchte. Nicht jeder Leica-Fotograf ist tatsächlich auch Zahnarzt. 😉
Weil ich aber die ganz wilden Modelle vermutlich nicht herum getragen hätte – da bin ich dann in der Tat zu wenig Hipster – habe ich die „Eight Ball“, deren Design sich an die 8er-Kugel aus dem Pool-Billard anlehnt. Sie ist komplett schwarz mit einer kleinen silbernen „8“ auf dem linken Knopf, der anzeigt, ob der Film richtig transportiert wird (oh, siehe da, das kann sie auch!). 😉
sard2Obwohl sie beinahe komplett aus Plastik besteht, ist ihre Verarbeitung überraschend gut und sie fühlt sich sehr angenehm an, was vielleicht auch an der strukturierten Oberfläche liegt. Ich mag sowas ja.

Der Sucher ist zwar winzig aber sehr klar und vor allem zeigt er (im Gegensatz zur Vivitar, siehe unten) auch einen starken Weitwinkel an.

Die Entfernungseinstellung wird übrigens irgendwo zwischen „Fliege“ und „Menschengruppe“ geschätzt. Eigentlich auch kein Problem bei Blende f/8 und einer Brennweite von 22mm. 😉

Nun, wie auch immer. Der erste Film ist noch in der Kamera und sobald ich den vollgeknipst habe, werde ich gerne ein paar Bilder hier zeigen.

sard3

Sehr spannend finde ich übrigens einen Vergleich zwischen der „La Sardina“ und der anderen Extrem-Weitwinkel-Plastik-Kult-Kamera, der „Vivitar Ultra Wide & Slim„, die noch weniger Möglichkeiten als die „Sardi“ bietet, die ebenfalls ein 22mm-Objektiv mitbringt, die nochmal kleiner und deutlich klappriger verarbeitet ist, die mich aber vor einigen Jahren sogar nach St. Petersburg begleitet hat und immer noch funktioniert. 🙂

sard_vs_viv1

Die „Sardina“ gefällt mir mit ihrem beinahe klassisch anmutenden Design (Hah, „Retro“!!) um einiges besser als die 80er-Jahre-Vivitar.

sard_vs_viv2

Bis ich hier die Fotos aus der „Sardina“ zeigen kann, mal schnell drei Bilder aus St. Petersburg, aufgenommen 2009 mit der Vivitar:

„Test“, „Review“ und wie sie alle heißen…

Neulich ist mir mal wieder aufgefallen, wie viele Kamera- und Objektiv-Experten es im Internet gibt. Und die veröffentlichen unzählige Tests, von jeder neuen Kamera, von jedem neuen Objektiv, von jedem neuen Blitz, jeder Fernsteuerung und was weiß ich noch alles…
Obgleich ich seit etwa 30 Jahren mit unzähligen Kameras und Objektiven fotografiert habe, würde ich mich wirklich nicht als Experten bezeichnen. Dafür fehlen mir die technologischen Grundlagen. Meine Kenntnisse über Kamera-Feinmechanik finden ebenso ihre Grenzen wie die über optische Physik – ein bisschen was weiß ich, genug Halbwissen, um ein wenig „mitzureden“. Doch wenn es tief ins Detail geht, dann muss ich einfach passen. Macht aber nichts. Ist ja nicht mein Job.

testchartblog
Kennen Sie diese Poster? Sie haben sogar eines davon zuhause? Oh weh, dann nehmen Sie mir diesen Text hoffentlich nicht übel. 😉

Ja, ich spiele auch gerne mit Kameras und Objektiven herum und ja, ich muss zugeben, dass ich vor ein paar Jahren – etwa so in der Zeit zwischen 2006 und 2010 – so manche „Testreihe“ fotografiert habe. Das gleiche Motiv mit mehreren Objektive bei unterschiedlichen Blenden bei Zooms mit unterschiedlichen Brennweiten fotografieren und dann deren „Leistung“ miteinander vergleichen. Meine unsäglichen Ergebnisse habe ich dann entweder in Foren oder auf eigenem Webspace publiziert und es folgten teils lange Diskussionen darüber, welches Objektiv denn nun das „beste“ sei.

Welch eine Verschwendung von Arbeitskraft und Lebenszeit!
Und abgehalten vom eigentlichen Fotografieren hat es mich auch noch.
(Allerdings muss ich eine kleine Einschränkung machen, denn wenn man solch eine „Testreihe“ mit einem oder zwei Freunden zusammen durchführt, ist das äußerst spaßig, weil dann das Zusammensein im Vordergrund steht.)

OK, ich möchte mich an dieser Stelle entschuldigen, falls ich hiermit jemandem auf die Füße trete. Es ist nicht meine Absicht, irgendjemanden zu ärgern und zu diskreditieren. Wirklich nicht.
Doch mal im Ernst: Wie aussagekräftig sind denn solche „Testreihen“, wenn sie von Fotoamateuren im eigenen Garten (oder im eigenen Wohnzimmer) unter nicht reproduzierbaren Verhältnissen in einer nicht standardisierten Testumgebung erstellt werden? Was meine eigenen Reihen angeht, so sehe ich heute deutlich, dass es – hätte ich ein kleines Detail geändert – auch zu ganz anderen Ergebnissen hätte kommen können.

Ja, auch ich habe mich, das gebe ich offen zu, an solchen „Tests“ orientiert. Und wenn ein Objektiv von einem User (vor allem von einem der „alten Hasen“ in einem  Forum) besonders gelobt wurde, kletterte es schnell hoch auf meiner „Haben-Wollen-Liste“.
Doch wozu führt das? Entweder zu Frust, weil man sich ein ganz besonders tolles Objektiv nicht leisten kann oder zu einem Kaufrausch, neudeutsch „G.A.S“ ( = Gear Acquisition Syndrome), in dem man weitaus mehr kauft als man jemals brauchen wird. (Nebenbei, so manches sehr teure Objektiv schneidet in einem „Home-Test“ auch deshalb so exzellent ab, weil der neue Besitzer die Geldausgabe irgendwie rechtfertigen will/muss. 😉 )
Ich bin nicht frei von G.A.S., definitiv nicht. Mir macht es zu viel Spaß, mit Kameras zu spielen und noch ein weiteres Objektiv auszuprobieren. Geb ich zu. Ich hätte mir so manchen Kauf sparen und das Geld sinnvoller ausgeben können. Völlig richtig. Allerdings ist es auch eine Art Hobby von mir. Nicht nur das Fotografieren an sich, sondern auch das Herumspielen mit fotografischen „Werkzeugen“. Allerdings wird dieser Teilbereich meines Hobbys mir irgendwie immer unwichtiger. Natürlich fasziniert mich eine alte Kamera noch immer, doch ich bin zur Zeit dabei, meine „Sets“ möglichst sinnvoll umzustrukturieren und eine ganze Menge an Zeugs zu verkaufen. Alles, was wenig Verwendung findet und wozu ich keinen besonderen Bezug habe, wird mich verlassen müssen. Auch, weil ich auf die eingangs beschriebenen „Tests“ – und somit komme ich wieder darauf zurück – keine Lust mehr habe.

Es mag jeder machen, wie er will. Und wer mit dem Abfotografieren von Testcharts oder Bücherregalen glücklich wird, dem sei es gegönnt. Er sollte sich aber bewusst sein, dass die erzielten Ergebnisse keine wirklich hohe Aussagekraft und somit wenig Relevanz haben. Klingt hart, meine ich aber so.

Was ich hingegen richtig toll finde und worüber ich wirklich dankbar bin, sind „Erfahrungsberichte„, also ganz persönliche Beschreibungen der eigenen Eindrücke über ein Objektiv, eine Kamera, ein Stativ usw. Denn solche Texte werden nie mit dem Anspruch der Objektivität geschrieben, die man ohnehin nicht erreichen kann. Finde ich super!

Solche Erfahrungsberichte vermitteln einen echten Eindruck in den Umgang mit einem Gerät. Und das kann für Interessenten sehr hilfreich sein. So versuche ich auch immer, meine „Tests“ zu konzipieren – und hoffe, dass mir das gelingt. 😉

Also ein dickes „Danke schön“ an alle, die ihre Erfahrungen mit fotografischem Equipment zusammenschreiben und anderen zur Verfügung stellen. Weiter so!

So und nun überlege ich mir, wo und was ich als nächstes fotografieren kann. Auf echten Fotos und ganz ohne Testchart. 😉

So, nun ist es soweit…

Jetzt habe ich an Kameras und an Objektiven so ziemlich alles, was ich mir die letzten Jahre so gewünscht habe. Das ist wunderbar, nicht wahr?

Aber kennen Sie auch das Gefühl, noch mal „ein Brikett draufzulegen“, „einen Gang hochzuschalten“? Manchmal hält man dann doch noch die Augen offen nach einer Linse, deren Parameter man bisher noch nicht im Set hat. Ganz gleich, ob das eine besonders hohe Lichtstärke (z.B. ein 1.4/24 oder ein 1.4/85), eine besondere Brennweite (ein 100/105er oder ein 14er) oder ein besonders leistungsfähiges Zoom (z.B. ein 2.8/24-70 VR oder das neue Sigma 2.0/24-35) ist, all diese Dinger sind ja irgendwie verlockend. Gleiches gilt für spannende Kameras (Leica M4-P etc.)

Mein „Problem“ – und ja, das ist ein echtes Luxus-Problem – ist, dass jedes Objektiv, das mein Set an jedwelcher Stelle verbessern oder sinnvoll ausbauen würde, ab €800,- aufwärts und meist um die €1000,- oder deutlich mehr kostet, ebenso wie die Kameras. 😦
Das wiederum bedeutet, dass ich davon nichts kaufen könnte, ohne eines meiner Prinzipien (für ein Objektiv nicht mehr als €500,- zu bezahlen) zu verletzen. Jeder Schritt „nach vorne“ würde ab jetzt richtig teuer – und führt daher auf einen Pfad, den ich nicht betreten möchte.

Jetzt, da ich alle Kameras und Objektive habe (beinahe, denn eine Kamera ist zur Zeit beim Zoll*), die ein Fotograf wie ich jemals brauchen wird, kann ich mein „Hobby-Budget“ in andere Bereiche investieren. Filmpreise wirken auf einmal gar nicht mehr so hoch, und ein neues Fahrrad könnte ich auch mal wieder haben. 😉
Keine Sorge, ich werde weiterhin die Wirtschaft ankurbeln. Mit einer Familie mit zwei Kindern bleibt mir ohnehin gar nichts anderes übrig.

Schönes Wochenende!

________________________
* Werde berichten…

Filme mit und über Fotografie

Nein, ich meine jetzt nicht Dokumentationen (von denen ich übrigens die neueste über Sebastião Salgado – „Das Salz der Erde“ u.a. von Wim Wenders – nur wärmstens ans Herz legen kann!); ich meine Spielfilme, die sich irgendwie auf Fotografen, Kameras, auf das „Fotos machen“ beziehen. Ein paar davon möchte ich hier auflisten und empfehlen, sozusagen nach Jahrzehnten geordnet:

1960/70er: Blow Up (von Michelangelo Antonioni)

1980er: Under Fire (von Roger Spottiswoode) und Salvador (von Oliver Stone)

1990er: Pecker (von John Waters)

200oer: Palermo Shooting (von Wim Wenders) und, für den, der er gruselig mag, Shutter (von Masayuki Ochiai)

2010er: The Bang Bang Club (von Steven Silver)

Diese Filme sollte sich jeder Fotobegeisterte einmal anschauen. Gute Unterhaltung!

Ein lang gehegter Traum erfüllt!

Schon seit einige Jahren träume ich davon, einmal ein Nikkor 1.4/35 zu besitzen. Bereits als ich noch mit Canon (EOS 350D, 40D, 5D) fotografierte und Nikkore an die EOS-DSLRS adaptierte, war dieses Objektiv eine „Traumlinse“. Mich hat allerdings bisher immer der sehr hohe Preis davon abgehalten. Dieses 35er ist ein ähnlich legendäres Objektiv wie ein Leica Summilux-R 1.4/50 oder das extrem über-pushte Meyer Trioplan 2.8/100 (das mir noch nie gefallen hat).
Die Meinungen zum Nikkor 1.4/35 – und ich schreibe hier vom manuellen AI(S)-Modell – gehen im Netz weit auseinander. Einige sind total begeistert, andere (so zum Beispiel auch der berüchtigte Ken Rockwell) finden es nicht wirklich gut, da es bei Offenblende sehr viele Abbildungsfehler zeige.
Nun, wenn ich ein 35mm-Weitwinkel bei Blende f/1.4 nutze, dann erwarte ich nicht die gleiche Leistung wie bei Blende f/2.8. Es mag ja sein, dass die allerneuesten 35er das können, doch deren Preise verschaffen mir ohnehin nur Albträume.

Ich wollte also das „Risiko“ eingehen und hielt schon seit Jahren die Augen offen. Doch die Preise schienen utopisch. Wenn mal eines für unter €500,- angeboten wurde, dann was das meist ein recht abgegriffenes Exemplar. Kürzlich jedoch fand ich ein faires Angebot, deutlich günstiger als die Mondpreise bei €BAY und dennoch absolut neuwertig. Nun, was soll ich noch lange reden, ich „schlug zu“:

Nikkor AI-S 1.4/35 an der Nikon Df (Foto: Sony Xperia Z3)
Nikkor AI-S 1.4/35 an der Nikon Df (Foto: Sony Xperia Z3)

Noch steckt die HN-2 Streulichtblende am Objektiv, doch die „richtige“ HN-3 ist bereits bestellt. 😉

Und nun? Hat Rockwell recht oder haben es die „Fan-Boys“? Natürlich gibt es Aberrationen bei Offenblende, doch die sind zum einen relativ schnell beseitigt und zum anderen ohnehin auf „echten Fotos“ kaum mehr wahrnehmbar. Ich stehe also absolut auf der Seite der „Fan-Boys“, denn ich finde dieses 1.4/35 richtig klasse!

Es gehört nun definitiv zu meinem „Small Bag“-Set:

smallbag1
Nikon Df mit Nikkor AI-S 1.4/35, Sigma EX 1.8/20, Nikkor AI-S 1.4/50, Nikkor AF 1.8/85 D, LensBaby 2.0, Filter, Karten, Leica C2 mit SW-Film, Tischstativ (Foto- Xperia Z3)

Ein geniales Set, das in meine wirklich kompakte Kalahari Tasche passt und das die wichtigsten Brennweiten bei toller Leistung abdeckt.

Damit der geneigte Leser nun auch einen Eindruck vom Abbildungscharakter des Objektivs bekommt, hier ein paar Fotos:

Zwei Aufnahmen bei Offenblende (f/1.4) >

1435a 1435b

Dann das gleiche Motiv, einmal bei f/1.4 und einmal bei f/2.8 >

1435d 1435c

Und schließlich Landschaftsaufnahmen bei Blende f/5.6 >

1435f 1435e

 

„Herz, was willst du mehr?“

_________________________

P.S.: Ergänzend noch zwei Links zum Nikkor 1.4/35 … bei mir.com und momentcorp.com.

 

Infrarot-Fotografie ist Tageslichtfotografie

Die schönsten Fotos macht man früh am Morgen oder am späten Nachmittag, weil dann das Licht am schönsten ist. Die „Blaue Stunde“ weckt auch Begehren und will von vielen zeitlich gefunden werden. (Dafür gibt es übrigens gute Apps. 😉 )

Und wenn man im Sommer bei Sonnenschein mitten am Tag fotografieren möchte? Dann nimmt man am besten die Infrarot-Kamera. 😉

Heute, gegen 15 Uhr am Sønderstrand von Rømø:

himmdun

Und dann wollte ich das Auto meiner Frau (darauf legt sie Wert!) einmal in Szene setzen. Ich nutze im Urlaub aus, dass ich auch mal damit fahren darf. 😉

hyundairomoir

Solch ein Himmel bietet sich einfach an für Infrarot.