Die „Taschengeld-Kamera“

Kann man eine Digitalkamera für um die €30,- kaufen? Und wenn ja, welche?

Die Antwort auf die erste Frage ist sehr einfach: ja, man kann. Man findet etliche alte Digitalkameras für einen niedrigen zweistelligen Preis.
Die Antwort auf die zweite Frage ist schon deutlich schwieriger. Viele dieser Kameras sind heute einfach nicht mehr empfehlenswert. Zehn und mehr Jahre alte Kameras mit Sensorauflösungen von 2 oder 3 Megapixel sollte man sich heute im Höchstfall nur noch aus Spaß- oder nostalgischen Gründen antun. Das Fotografieren damit geht doch mit einigen Einschränkungen einher, vor allem was Ausschnitte, größere Ausdrucke oder hohe ISO-Werte betrifft. Die Untergrenze würde ich daher bei 5 bis 7 Megapixel ansetzen.

Ob eine Kamera 5, 6, 7 oder 8 MPix hat macht dabei im Alltag gar kein so großen Unterschied. Sollte man sich für solch eine Kamera interessieren, ist es viel wichtiger auf ein gutes Objektiv zu achten. Kompaktkameras haben keine Wechselobjektive, so dass man ein „Start“-Objektiv nicht irgendwann einmal durch ein besseres ersetzen kann. Also lieber auf ein oder zwei MPix verzichten und dafür ein ordentliches Objektiv bekommen.

Kameras von den namhaften Herstellern (Nikon, Canon, Olympus, Panasonic, Sony … um nur ein paar zu nennen) sind in der Regel auch recht gut. Bei älteren Modellen sollte man zu den ehemaligen Top-Modellen greifen, die heute auch extrem günstig sind.
Von Kameras, die unbekannte Herstellernamen tragen („JoyTech“ oder ähnliches) und von gelabelten asiatischen Billigprodukten (die dann durchaus renommierte Namen wie Minox, Rollei oder Voigtländer tragen können) sollte man tunlichst die Finger lassen. Gleiches gilt meiner Erfahrung nach auch für so einige Kameras von Medion. Die Datenblätter dieser Modelle lesen sich in der Regel beeindruckend, doch in Wirklichkeit machen sie nicht viel her.

Ein empfehlenswertes Modell, über das ich heute kurz berichten möchte, ist die Sony DCS-V1.
sonyv1aDie V1 war bis vor etwa 10 Jahren ein Oberklassenmodell von Sony. Der 1/1,8-Zoll-5-Megapixel-CCD-Sensor ist einer der besten dieser Klasse und kann mit denen in einer Canon G5 oder einer Leica Digilux 2 durchaus mithalten.
Das Seitenverhältnis ist umstellbar:

2.592 x 1.944 Pixel (4:3)
2.592 x 1.728 Pixel (3:2)

Das besondere an der V1 ist aber meiner Meinung nach das sehr gute Objektiv, das immerhin den Namen „Carl Zeis Vario-Sonnar“ tragen darf und bei einer sehr nützlichen Brennweitenspanne von 34 bis 136 mm (35mm-Äquivalent), also als Vierfachzoom, eine Lichtstärke von f/2.8 (Weitwinkel) bis f/4 (Tele) bietet.

sonyv1b1sonyv1b2

Sicher, das 1,5″-Display ist absolut nicht mehr zeitgemäß und Akkus und Speicherkarten (Memory Stick Pro) sind auch nur noch nach einigem Suchen zu finden – aber es gibt sie noch.

sonyv1d

Als ehemaliges Oberklassenmodell ist die V1 dafür sehr gut verarbeitet und liegt angenehm in der Hand. Die Bedienung ist durch die klar bezeichneten Buttons sehr eingängig und gibt kaum Rätsel auf. Darüber hinaus bietet die kleine Sony zwei Sonderfunktionen, die man heute kaum mehr in Kameras findet: „Nightframing“ und „Nightshot“.

Der „Nightshot“-Modus ist mit einem Nachtsichtgerät (oder Restlichtverstärker) vergleichbar. Man erhält auch im Dunkeln ein Foto, allerdings ein typisch grünes.

Beim „Nightframing“ wird der AF des „Nightshot“-Modus genutzt, man kann also absolut dezent scharfstellen, beim Auslösen jedoch feuert die Sony einen Blitz ab und man erhält so ein „normales“ Bild.

sonyv1c

Die Kamera ist etwas „dicklicher“ als man das von heutigen Digitalkameras gewohnt ist. Daran – und nicht nur am kleinen Display – lässt sich das Alter dann doch erkennen.

Die V1 bietet einen zwar relativ kleinen aber dennoch absolut nutzbaren optischen (!) mit dem Zoom gekoppelten Sucher, was bei starken Sonnenlicht sehr nützlich ist.

Die Qualität der Fotos ist in etwa vergleichbar mit der, die man mit modernen Handys erreichen kann, die Auflösung ist aber geringer.

Es stellt sich daher natürlich die Frage, ob man solch eine Kamera noch kaufen sollte. Nun, Spaß macht sie allemal – und der Preis ist sehr gut: Man findet sie bei EBAY gelegentlich für nur etwa €30,-!

Vielleicht steckt man sich solch eine Kamera in die Urlaubstasche. Wenn die dann gestohlen wird, ist außer den Fotos des Tages nicht allzu viel verloren… 😉

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