Das „Preis-Leistungs-Verhältnis“…

Das, was man auf Englisch häufig mit „value for money“ übersetzt, also der Bereich der Kaufentscheidung, in dem man vielleicht auch ein paar Kompromisse eingeht, um etwas (oder deutlich) an Geld zu sparen, steht bei vielen Fotografen ganz weit oben auf der Prioritätsliste – so auch bei mir.

Wenn man sich eine Weile mit Kameras und Objektiven beschäftigt hat, dann erkennt man, dass die letzten Prozent an Leistung den Preis eines Ausrüstungsteils exponentiell steigen lassen. Nicht ohne Grund kosten „Profi“-Objektive nicht nur ein wenig mehr, sondern meist um ein Vielfaches mehr als die „Consumer“-Versionen. Nicht ohne Grund gehören Leica-Objektive zu den teuersten, die man kaufen kann. Ein Profi, der sein Geld mit diesen Sachen verdient und der stets auch das letzte Quäntchen an Leistung herauspressen (weil liefern) muss, der wird meistens solche Kosten in Kauf nehmen (und diese dann steuerlich geltend machen). Ein Amateur, der zum Spaß fotografiert und auf den letzten Schritt von 90 auf 98% (ein 100% perfektes Objektiv wird es wohl nie geben) verzichten kann, ist in der glücklichen Lage, so einiges an Geld sparen zu können. Gelegentlich ist dies uns Foto-Amateuren allerdings nicht wirklich bewusst.

Ob sowas nun am „Foren-Druck“ ( = der durch Internetforen genährte Drang, sich stets das neueste und beste Modell kaufen zu müssen, um in der Forengemeinschaft nicht abgehängt zu werden; übrigens eng verwandt mit dem in der pädagogischen Psychologie bekannten „Peer-Group-Druck„) liegt oder daran, dass man beinahe automatisch glaubt, ein teureres Objektiv wird einem auch bessere Bilder bringen, oder ob es einen völlig anderen Grund hat, kann wohl nur für jeden Einzelfall geklärt werden, wenn überhaupt. Es ist allerdings häufig zu beobachten, dass viele Amateure völlig „übermotorisiert“ durch die Gegend fotografieren.

Ich habe in den letzten Jahren auch so manchen € in mein Hobby gesteckt und ja, da war auch manch ein Fehlkauf dabei. Doch im Großen und Ganzen habe ich mich eigentlich immer nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis gerichtet.
Einige Beispiele:

Ich habe ein… … statt eines:
Sigma EX 12-24 Nikon AF 14-24
Samyang 2.0/12 Fuji 10-24
Nikkor AI 1.8/85 Nikkor AF 1.4/85
Voigtländer Ultron 2/28 Leica Summicron 2/28

etc. etc.

Sicher, mir ist absolut bewusst, dass es „bessere“ Objektive gibt als die, die ich nutze – schärfere, weniger verzeichnende, weniger vignettierende… Doch ich bin mit dem, was ich habe, absolut zufrieden. Mehr braucht ein Fotograf meiner Güteklasse wirklich nicht.
OK, ich gebe zu, dass diese Erkenntnis eine ganze Weile gebraucht hat. Aber schließlich ist sie doch in mir gereift und darüber bin ich sehr froh – wobei ich mich über mein Fotoequipment absolut nicht beschweren darf!

An dieser Stelle möchte ich nun eine kleine Liste an echten Preis-Leistungs-Wundern für Nikon vorstellen:

1. Kameras (analog)

Die absoluten P-L-Sieger sind für mich die Nikon F-801s und die F-90x – zwei Kameras, die als ehemalige Semi-Pro-Modelle so gut wie alles können, was ein Analogfotograf jemals benötigt und die beide in sehr gutem Zustand für unter €50,- zu finden sind.

2. Kameras (digital)

Hier kann ich die Nikon D90 und die Nikon D7000 empfehlen. Auch heute noch leisten diese beiden mehr als genug für die meisten fotografischen Situationen. Wer digitales „Vollformat“ sucht, der kann auch im Jahr 2015 mit einer Nikon D700 glücklich werden.

3. Objektive (AF)

Objektive von Nikon sind meist auch als Gebrauchtmodelle eher hochpreisig, doch auch unter den Nikkoren findet man echte Preis-Leistungs-Schätzchen, so z.B. das Nikkor AF 3.5-4.5/28-85 oder das Nikkor AF 3.5-5.6/24-120 D (in der ersten Version). Es ist erstaunlich zu welch niedrigen Preisen man diese Zooms erstehen kann. Und für ein Nikkor AF 1.8/50 D ist oft auch noch Platz im Budget.
Von Sigma kann ich das EX 2.8-4/17-35 sowie die erste Version des 1.8/28 als „good value for money“ empfehlen. Und ein 2.8/28-70 rückt inzwischen für um die €150,- auch als ehemaliges Profiobjektiv in einen bezahlbaren Bereich.
Von Tamron gefällt mir vor allem das 2.8/90 Macro, welches durch das neue, stabilisierte Modell vom Markt verdrängt aber keinesfalls schlechter wurde.

Ein ziemlich komplettes und absolut gutes Set aus 17-35, 24-120, 1.8/28, 1.8/50 und 2.8/90 Macro muss nicht teurer sein als etwa €650,-! Das nenne ich mal „Preis-Leistung-Verhältnis“! Vielleich noch ein ordentliches 70-210 oder 70-300 dazu und man hat alles, was man braucht.

4. Objektive (manueller Fokus)

Warum nenne ich denn auch manuelle Objektive? Nun, weil gerade die – sofern man auf einen AF verzichten kann – wahre Preis-Leistungs-Wunder sind. Die manuell zu fokussierenden Nikkore gehören allerdings ganz klar zu den teureren Modellen. Doch warum nicht mal nach anderen Herstellern schauen? Die Adaptall-2-Reihe von Tamron bietet ganz hervorragende Objektive, die man zusätzlich auch noch durch den Austausch des Bajonett-Endstückes an anderen Kameras nutzen kann.

Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass ich mich hier auf gebrauchte Kameras und Objektive beziehe. Das mache ich, weil meiner Erfahrung nach gerade auf dem Gebrauchtmarkt Preis-Leistungs-Sieger zu finden sind. Neue Objektive sind eben genau dies, „neu“ und haben eine Garantie, sie sind aber auch teuer, und wer ein Gebrauchtobjektiv oder eine gebrauchte Kamera bei einem Händler kauft, hat ebenfalls eine Garantie und geht – wenn er ein wenig Ahnung mitbringt – m.E. nur ein geringes Risiko ein. In der „€-Bucht“ allerdings trifft man – neben ehrlichen Verkäufern – immer wieder auf echte Gauner, die nur darauf aus sind, haftungsbefreit ihren Altmüll loszuwerden. Da gilt es, nur mit „erhöhter Obacht“ auf den Kauf-Button zu klicken.

Haben Sie weitere Preis-Leistungs-Sieger in Ihrem Set? Ich würde mich über informative Kommentare freuen…

 

 

2 Gedanken zu “Das „Preis-Leistungs-Verhältnis“…

  1. Sven Gebhard

    Super Beitrag!! Vielen Dank für die guten Tips. Sie haben vollkommen Recht.Gerade die alten Objektive, die z. Teil günstiger zu haben sind, liefern großartige Leistungen an den modernen Kameras. Bei dem 90er Macro von Tamron sollte man noch erwähnen, das die alte Version auch Blendenring zu haben ist. Zusammen mit einem Adapter ist dieses auch großartiges Objektiv für spiegellose Kameras wie Sony und Fuji. Ich benutze es Regelmäßig an der X-T 1 und bin begeistert von der Bildqualität. Dank des Blendenringes lässt es sich super bedienen. Leider sind die älteren Nikon Macros immer recht teuer und nur schwierig als Schnäppchen zu finden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Sven Gebhard

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