„Sammler“ oder „Nutzer“?

Mensch, du hast so viele Objektive und Kamera. Warum nur?

>> „Weil es Teil meines Hobbys ist. Aber so viele habe ich ja gar nicht.“

Woher kennst du denn all diese Objektive? Hast du die etwa alle zuhause stehen?

>> „Nein. Jedenfalls nicht mehr.“

Ja, es ist wahr. Durch meine Hände sind im Laufe der letzten 15 Jahren deutlich über 250 Objektive gegangen. (In den 15 Foto-Jahren davor besaß ich nur drei Objektive.*) Doch nie hatte ich eine derart große Anzahl an Objektiven gleichzeitig zuhause.
Die Zahl 250 setzt sich zusammen aus:

  • Objektiven, die ich noch immer besitze (ca. 50),
  • Objektiven, die ich mal hatte aber inzwischen wieder verkauft oder verschenkt habe (ca. 150),
  • Objektiven, die mir (Foto-)Freunde für eine Weile ausgeliehen hatten (ca. 30) und
  • Objektiven, die ich von Herstellern (Zeiss, Nikon, Sony und Olympus) für Testzwecke erhalten habe (ca. 20).

Ich besaß also nie diese 250 Objektive – da hätte sogar meine überaus verständnisvolle Frau wohl die Scheidung eingereicht – ich habe aber mit über 250 Objektiven an über 50 unterschiedlichen Kameras fotografiert.
Daher kenne ich so viele „Linsen“ und Kameras.

Irgendwie bist du ja doch ein Sammler.

>> „Aber nur irgendwie.“

Denn ein Sammler sammelt i.d.R. nach einem Gebiet: z.B. Kameras von Agfa, Objektive von Leitz/Leica, Kameras der 60er Jahre, Objektive aus deutscher Produktion usw.
Meine Sachen stammen aus aller Herren Länder, aus vielen Epochen und gehören zu zahlreichen Systemen. Ich sammle nicht, ich kaufe – und verkaufe. Immer dann, wenn ich – meist im Internet, in Kamera-Büchern oder alten Foto-Magazinen lesend – auf etwas Interessantes stoße, wird der Jagdinstinkt danach geweckt und ich fange an zu stöbern: auf Online-Auktionsplattformen, in Foren, in Zeitschriften o.ä.
Oft finde ich dann auch das Objekt der Begierde, leider nicht so oft zu einem Preis, den ich auch bereit bin zu zahlen. Dann braucht es Geduld. Irgendwann kommt dann doch ein gutes Angebot und ich schlage zu.

Dann, nach einer endlos langen Versandzeit ;), halte ich das ersehnte Objekt in den Händen und kann kaum erwarten, es auszuprobieren. Ob ich es behalte oder wieder verkaufe – meist mit Verlust, aber das ist OK, denn ich bin ja kein Händler, der Gewinn machen möchte, sondern dann doch ein Nutzer, der Spaß an den Sachen hat – hängt maßgeblich von vier Faktoren ab. Ich behalte etwas nur dann, wenn zumindest eine dieser Voraussetzungen erfüllt ist:

1. Ich mag das ein Teil sehr. Es ist ein tolles Objektiv, eine sehr gute Kamera etc.
2. Es war ein Geschenk für mich. Dinge, die man mir geschenkt hat, verkaufe ich nicht.
3. Ein Objektiv passt als eines von wenigen (oder als einziges) an eine bestimmte Kamera. Oder anders herum.
4. Es hat etwas ganz Besonderes, vielleicht auch nur aus historisch-nostalgischer Sicht.

Trifft nichts davon zu, verkaufe oder verschenke ich das gute Stück wieder. Manchmal ändert sich auch die Einschätzung und so geht dann ein Teil weg, von dem ich noch im Jahr zuvor geschworen hätte, es nie wegzugeben.

Ein paar Beispiele:

Nikkor-H 1.8/85  Meyer Trioplan 2.8/100 MIR-24N 2.0/35
1. Ja 1. Nein 1. Ja, aber mein Nikkor
2.0/35 kann ich besser nutzen
2. Nein 2. Nein 2. Nein
3. Nein 3. Nein 3. Nein
4. Ja 4. Für mich: nein 4. Nein
>>> Bleibt! >>> Habe ich verkauft. Wird verkauft, aufgrund
der Einschränkung unter 1.

So halte ich das. Und so komme ich sehr gut damit klar. So würde ein „Sammler“ aber nie denken.
Und da ich außerdem eigentlich alle meine Sachen mehr oder weniger regelmäßig nutze, wird deutlich, dass ich KEIN Sammler bin, sondern vielmehr ein „Nutzer“, der aber nicht nur ein System verwendet, sondern Spaß daran hat, viele verschiedene Sachen auszuprobieren.

Im Übrigen habe ich in den letzten Jahren gar nicht wenige Menschen kennengelernt, die ganz ähnlich vorgehen. Ich bin also bei weitem kein Exot. 😉

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* Ein Rikenon 3.4-4.5/35-70, ein Pentax-M 2.8/28 und ein Pentax-M 1.7/50.

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