Meine „Dicke“…

Ein liebevoll gemeinter Kosename für die Pentax 645, die seit kurzem bei mir wohnt.

P645_1

Die Pentax 645 ist – wie die Bezeichnung schon vermuten lässt – eine Mittelformat-Kamera, die Rollfilm im Format 6×4,5cm belichtet. Rollfilm? ist das nicht der Anachronismus per se? Ja, schon möglich. Aber wer sagt denn, dass ein Anachronismus keinen Spaß bringt oder gar verboten ist?

Nachdem DHL fast eine Woche (!) gebraucht hat, um mir das Paket (aus Bayreuth) zu liefern – auch eine Art Anachronismus, wenn ein Paket im 21. Jahrhundert sechs oder sieben Tage braucht –  kam es natürlich an, als wir ein paar Tage unterwegs waren. Dank unserer tollen Nachbarschaft, konnte es aber angenommen werden und so konnte ich es nach unserer Rückkehr freudig in Empfang nehmen.

Man mag sich nun fragen, warum ich mich denn ausgerechnet für eine Pentax 645 (ohne Autofokus) mit einem 4.5/80-160 Zoom entschieden habe. Nun, speziell danach gesucht habe ich nicht. Einzig eine (ziemlich) professionelle Mittelformatkamera wollte ich gerne noch haben, nach den Erfahrungen mit alten Balgenkameras, alten TLRs und einer Lubitel 166. Da ich keinerlei MF-System hier hatte, konnte ich markenoffen suchen. Ich wollte keine russische Mittelformatkamera im Stile einer Kiev 88, denn zuverlässig sollte sie schon sein. Und mit einer chinesischen Seagull hätte ich mich nur einen unwesentlichen Schritt von der Lubitel entfernt.

Spaß gemacht hätten mir sicher auch die tollen Messucherkameras von Fuji, doch die sind noch immer ziemlich teuer. Denn, der erfahrene Blogbesucher ahnt es schon, knausrig wie ich bin, sollte die MF-Kamera auch noch preiswert sein – nicht billig, aber bezahlbar. „Professionell“ und „preisgünstig“, das sind eigentlich zwei Adjektive, die sich gegenseitig ausschließen. Wenn man aber Geduld mitbringt, dann lässt sich auch solch ein Oxymoron finden. Wobei man nicht erwarten darf, eine solche Kamera für wenig Geld zu bekommen. Ein fairer Preis ist bei einem guten Verkäufer aber drin. Und solch einen guten Verkäufer habe ich nach längerer Suche gefunden. 🙂

An sich hätte mir eine Pentax 645 mit einem 75er-Objektiv absolut gereicht, doch wenn man Angebote durchforstet, muss man hier und da auch bereit sein, Kompromisse einzugehen – wobei ich jetzt im Nachhinein, bei dem Pentax-A 4.5/80-160 (äquivalent zum Kleinbild entspricht es in etwa einem 50 bis 100mm Objektiv) auf keinen Fall von „Kompromiss“ reden möchte. Ja, es ist groß und ja, es ist schwer. Doch wenn ich „klein und leicht“ haben will, dann greife ich ohnehin kaum zu einer Mittelformatkamera.
Und ich hatte auch nicht vor, Landschafts- oder Architekturaufnahmen damit zu machen, sondern in erster Linie Portraits und portraitähnliche Fotos, die eben diesen besonderen „Mittelformatlook“ zeigen, denn ich so faszinierend finde.

Der erste Film ist jedenfalls geladen und die ersten 6 Fotos sind „im Kasten“. Man fotografiert automatisch behutsamer und durchdachter als mit einer Digitalkamera, soviel kann ich schonmal bestätigen. 😉

Sobald der Film belichtet und entwickelt ist, werde ich wieder berichten und Fotos zeigen.

Hier nun noch ein paar Daten zur Pentax 645:

Veröffentlicht im Jahr 1984 (und mit dem zeittypischen Design) bietet die 645 (ohne Buchstaben) eine Bildfrequenz von 1,5 Fotos pro Sekunde, was für eine MF-Kamera schon beachtenswert ist. Es muss manuell fokussiert werden, denn ein AF fehlt. Die Belichtungsmessung erfolgt über eine mittenbetonte TTL-Integralmessung und es stehen Belichtungszeiten von 15s bis 1/1000s, sowie eine Belichtungsanpassung zur Verfügung. Die Pentax 645 kann sowohl mit 120er als auch mit 220er Rollfilm geladen werden, wofür zwei unterschiedliche Rückteile genutzt werden. Ein Filmwechsel ist nur mit voll belichtetem Film (und nicht zwischendurch) möglich. Schön ist, dass sämtliche Elektrik mit 6 normalen AA-Batterien betrieben wird.
Die Kamera wiegt beachtliche 1,3 kg (das Zoom nochmal knapp ein Kilo). Man muss sich also gut überlegen, ob man dieses Set einen ganzen Tag umherwuchten möchte. 😉

Wer schon einmal mit einer manuell zu fokussierenden Spiegelreflexkamera fotografiert hat, der wird sich sehr schnell mit der Bedienung der Pentax zurecht finden. Darüber hinaus wird er erfreut sein über das wunderbar große Sucherbild, das ein manuelles Scharfstellen überaus leicht möglich macht. Die Kamera lässt sich schnell auf die unterschiedlichen Modi einstellen und so zügig bedienen. Schwer ist sie, aber keinesfalls „schwerfällig“.

Mir schwebt da so einiges vor, dass ich mal als Vergleich anstellen könnte. Das Pentax-A 4.5/80-160 an der Pentax 645 und das Tokina AT-X 2.8/60-120 an der Nikon Df zum Beispiel. Die Parameter klingen jedenfalls recht ähnlich.

Ob ich mir auch einen Pentax645-NikonF-Adapter hole? 😉

Nun ja, leider beginnt jetzt, Mitte April, wieder eine sehr arbeitsreiche Phase für mich, in der ich nur wenig Zeit für mein Hobby finden werde. Aber das Jahr ist ja noch jung und der Jahresurlaub kommt noch. 🙂

P.S.: Die Fotos wurden übrigens mit einem Pentax-M 2.8/100 an der Fuji X-T1 gemacht.

2 Gedanken zu “Meine „Dicke“…

  1. Pingback: Der Mittelformat-Weg … also, meiner. ;) | RetroCamera.de

  2. Pingback: Eine “Königin”… – RetroCamera.de

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