„Semi-Pros“ der 70er

Heute möchte ich zwei Kameras vergleichen, die noch nicht allzu lange in meiner Sammlung sind, an denen ich mich aber jedesmal erfreue, wenn ich einen Film in sie einlege oder sie einfach nur in die Hand nehme.

NikkormatFT2_FujicaST801web

Es handelt sich um die Fujica ST801 und die Nikkormat FT2. Beides sind Kameras der 70er-Jahre und beide sind sie anzusiedeln in der gehobenen Amateur-Klasse. Die Fujica kostete neu mit dem (hier abgebildeten) 1.8/55 in den USA etwa US$ 380,-. Die Nikkormat war vermutlich sogar etwas teurer.

Für mich kommen sie einer optimalen, manuellen Spiegelreflex sehr nahe, da sie rein mechanisch funktionieren – die Batterien also nur für die Belichtungsmessung benötigen. Sie sind aber so „modern“, dass sie dafür schon die „neueren“ 1,5V-Batterien verwenden – und nicht etwa die alten, schwer erhältlichen und umweltschädlichen Quecksilberzellen!

Zudem sind sie äußerst robust konstruiert und gebaut. Die Bedienung ist eingängig und sehr leicht verständlich. Es ist ein wahrer Genuss, mit ihnen zu fotografieren. Die Fujica bietet ein typisches Zeitenrad auf der Oberseite des Gehäuses, bei der Nikkormat stellt man die Belichtungszeit an einem Ring hinter dem Objektivbajonet ein. Das ist vielleicht anfangs etwas ungewohnt, doch ebenso schnell und sicher wie bei der „klassischen“ Bedienung.

Lassen Sie uns einmal ein wenig vergleichen:

Camera Nikkormat FT2 Fujica ST801
Anschluss Nikon F (ohne AI) M42 (Gewinde)
Verschluss B, 1 – 1/1000s B, 2 -1/2000s
Gewicht 880 gr 635 gr
Größe 148mm x 96mm x 54mm 133mm x 91mm x 51mm
Belichtungsmessung TTL CdS, Offenblende
Selektiv (center-weighted)
TTL, Offenblende (mit Fuji-Obj.)
Integral (average)

In einem Text zur FT2 habe ich gelesen, sie sei „sowas wie die D700 der damaligen Zeit“ (also eine durchaus professionell zu nutzende Kamera unterhalb der Profi-Modelle). Das gefällt mir. Und das trifft auf beide zu.

Welche Probleme sind zu erwarten? Nicht viele.
Die Fuji hat eine besondere Eigenart: sie nutzt bei den Fujinon-M42-Objektiven eine Offenblendmessung, die dazu führen kann, das Fremdmarken-Objektive nicht mit Blendenautomatik genutzt werden können. Ich habe aber gerade heute erst mit einem Soligor 2.5-3.5/35-70 fotografiert. Das funktionierte hervorragend.
Die Nikon hat noch keine AI-Funktionalität, d.h. man muss darauf achten, die F-Objektive korrekt anzusetzen. Eine Belichtungsmessung ist nur möglich, wenn das Nikkor-Objektiv die kleinen „Hasenöhrchen“ für den Blendenhebel hat. Fotografieren (zur Not eben ohne Belichtungsmessung) kann man aber mit fast allen Objektiven mit Nikon-Bajonett. Die Zeiten und die Blende (ebenso wie den Fokus) muss man bei beiden Kameras ohne hin manuell einstellen.

Das ist Fotografieren in Reinform. Und das macht einen Riesenspaß!

Diese Kameras sind nun etwa 40 Jahre alt und es erstaunt mich, wie gut und zuverlässig sie noch immer „schnuggeln“.* Wenn die Filme voll sind und von der Entwicklung zurück – ich habe diesmal Farbnegativfilme geladen – dann zeige ich auch ein paar Fotos.

Bis dahin bleibt mir nur die Empfehlung: Wer eine dieser Kameras in gutem, funktionsfähigem Zustand erstehen kann (das ist meist für unter €70,- möglich!), der sollte zugreifen. Viel falsch machen kann man nicht.

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* mittelhessisch für „funktionieren“

6 Gedanken zu “„Semi-Pros“ der 70er

  1. Rainer

    Die FUJICA ST 801 und 901 waren die ersten Kamera mit einer LED Sucheranzeige, die ST901 sogar numerisch. Ich hatte beide vergleichsweise sehr kompakten Kameras!

    1. Der – für mich – wichtigste Unterschied zwischen der ST801 und der 901 ist der, dass die 801 auch völlig ohne Batterien funktioniert. Man muss dann nur auf den Belichtungsmesser verzichten.

      Danke für deinen Kommentar, Rainer. 🙂

  2. Imkerhonig

    Dem kann ich nur zustimmen. Die Nikkormat ist der Nikon FM recht ähnlich. Wer die FT2 nicht bekommt, dem kann ich auch die FTn ans Herz legen.

  3. Xipho

    die Fuji 801 habe ich kürzlich in schwarz in Mint vom Erstbesitzer erstanden, ist wirklich eine qualitativ sehr hochwertige Kamera, eine der besten M42er die ich kenne! Ein seltener Underdog, aber sehr hochwertig gemacht und mit den LEd-Anzeigen damals auch technologisch weit vorne. ist damals wohl untergegangen, weil Fuji kurz danach auf bajonett gewechselt hat.
    Die Nikkormat sind gut, aber eine F2 ist dann noch ein ganz anderes Kaliber. Da kann man sich je nach Sucher auch aussuchen, ob man eine mit oder ohne AI haben will. Die F2 ist wirklich Feinmechanik vom allerfeinsten, wo findet man sonst noch einen praktisch stufenlos! einstellbaren mechanischen Verschluss, als Titanvorhang auch für die Ewigkeit gebaut.

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