Fotoforen – Boom oder Nachhaltigkeit?

Am Anfang war das Internet mehr oder weniger eine neue Möglichkeit, seinen Computer zu benutzen. Es grenzte schon an ein Abenteuer, sich auf die Suche durch die diversen Web-Kataloge (Wer kennt dieses Wort noch?) zu machen. Später bekam man dann die Gelegenheit, eine eigene Website („Homepage“ greift nicht weit genug) zu basteln. Boah, war das spannend, die ersten Zeilen in HTML zu „programmieren“, das ganze dann per FTP auf den eigenen Bereich des Servers zu laden und die eigenen Seiten im Browser betrachten zu können. Mir gab damals als Student die Uni meinen ersten Serverplatz. Man fühlte sich schon ein wenig exklusiv. 😉 Denn sooo viele hatten damals keine eigene Website.

Aus Web 1.0 wurde Web 2.0 und damit ersetzte die Mitgestaltung an Websites die mehrheitliche Rezeption. Die Foren wurden groß und jedes Mitglied sorgte durch die Posts automatisch für einen wachsenden Content. Es gab die „Admins“, die beinahe absolutistischen Herrscher eines Forums, die „Mods.“, sowas wie Anstandsdamen und schließlich die „User“, die sich in „Alte Hasen“ und „Newbies“ (und mehrere Zwischenstufen) einteilten. Manchmal nahmen die „Moderatoren“ ihren Job nicht so genau und so wurde in einigen Foren beschimpft und beleidigt auf dass sich die Balken bogen. Aus solchen Foren bin ich dann ganz schnell wieder raus.

Dennoch habe ich die Diskussionen und den Austausch mit Gleichgesinnten, den die Fotoforen sehr leicht möglich machten, immer gemocht und war daher auch in mehreren guten Foren aktiv. Um einmal einige zu nennen, hier eine (gar nicht so) kurze Liste:

  • www.digicamclub.de (Ein Forum, welches ich beinahe vom Start weg schon über 10 Jahre lang begleitet habe, das sich durch einen Besitzerwechsel sehr zum Thema „manuelle Objektive“ verschoben hat und für diesen Bereich zumindest im deutschsprachigen Raum mit Abstand führend ist. Nirgendwo sonst findet man so viel Informationen zum Thema „Adaptieren von manuellen Objektiven“. Es sind viele überaus nette Fotografen dort, die sich auch zu gelegentlichen Usertreffen zusammenfinden.)
  • forum.mflenses.com (Früher einmal DAS englischsprachige Forum zum Thema „manuelle Objektive“. Inzwischen ist es dort deutlich ruhiger geworden, weil sich die beiden Chef-Admins – von denen einer ein guter Freund von mir geworden ist – ein wenig zurückgezogen und neu orientiert haben.)
  • www.l-camera-forum.com/leica-forum (Ein Forum für Leica-Fans. Das braucht man als „Leicaner“ auch, weil man sonst nirgendwo so viele Leute finden kann, die den eigenen Leica-Wahnsinn nachvollziehen können. 😉 Ich habe über dieses Forum viele sehr nette Menschen kennengelernt, von denen ich manche sogar zu meinen Freunden zähle.)
  • www.rangefinderforum.com (Ein englischsprachiges Forum für Freunde von Messsucherkameras, die sich dort auch treffen, um sich mit Gleichgesinnten – die ja gar nicht so häufig sind – auszutauschen. Was dort auffällt sind zwei Dinge: zum einen kommt man eher schwer in den „inneren Kreis“ hinein, zum anderen aber ist das Diskussionsniveau überdurchschnittlich hoch.)
  • www.dslr-forum.de (Eines der größten Fotoforen, mit dem Schwerpunkt der digitalen Spiegelreflexfotografie. Die Diskussionen dort ufern nicht selten aus, so dass ich mich nur sporadisch beteilige. Hier findet man häufig genau das, was auf signalrauschen.de so treffend beschrieben wird. 😉  Allerdings ist der Verkaufsbereich einer der größten in der Fotoforenwelt und man findet viele gute und faire Angebote.)
  • www.systemkamera-forum.de (Ein Forum speziell für die Benutzer von spiegellosen Systemkameras. Zu meinen NEX-Zeiten war ich öfters dort, inzwischen nur noch selten.)
  • www.fuji-x100-forum.de (Gestartet als Forum für die Fuji X100, ist es inzwischen zum Forum für das gesamte Fuji-X-System geworden. Dort bin ich schon länger angemeldet, aber erst aktiv, seitdem ich Bekannte aus anderen Foren dort wiedergetroffen habe.)
  • www.nikon-fotografie.de (Das wohl wichtigste Forum für Nikon-Fotografen. Dort bin ich selbst erst ein „Newbie“, weil ich ja erst den Systemwechsel zu Nikon vollzogen habe.)

Mittlerweile bin ich bei weitem nicht mehr so forenaktiv wie noch vor einigen Jahren. Mir scheint, der Foren-Boom hat sich wieder etwas gelegt und nimmt weiterhin stetig ab. Mehr und mehr verschiebt sich die Aktivität von Fotografen in die sozialen Netzwerke und zu eigenen Weblogs.

Warum ich die fotocommunity nicht erwähne, obwohl sie doch das größte und erfolgreichste Forum überhaupt ist? Weil ich mich dort, obwohl ich angemeldet war (bin), nie so richtig wohl gefühlt habe. Das Grundprinzip bestand darin, seine Fotos zu zeigen und sich dann sowas wie Netzwerke aufzubauen, innerhalb derer man sich gegenseitig beweihräucherte und seine Fotos pushte. Es tut mir leid, wenn ich jetzt jemanden auf die Füße trete und womöglich habe ich das falsch wahrgenommen, doch so kam es für mich rüber. Außerdem habe ich damals nicht verstanden, warum ich für eine ausgedehnte Nutzung bezahlen soll, wo doch die meisten anderen – zumindest für einen völlig ausreichenden Basisbereich – kostenfrei sind.

Wie zeichnet sich ein gutes Forum aus? Man findet dort nette und anständige Menschen, die bereit sind schnell und zielgerichtet zu helfen. Und wenn es dann noch zu angenehmen Usertreffen kommt, hat man das richtige Forum gefunden.

Ich bin aber wirklich gespannt, wie lange sich die Forenszene insgesamt noch halten wird. Es wird sich kaum vermeiden lassen, dass sie an Durchsatz und Bedeutung verliert. Aber ganz verschwinden werden die Foren hoffentlich nicht, es wäre sehr schade drum.

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