Wegweiser durch den Altglas-Dschungel (Teil 1 – DSLR)

Na gut, der Titel mag vielleicht ein wenig auftragen, denn ein kompletter Ratgeber kann dieser Artikel nicht sein. Außerdem würde ein Text, der wirklich alles Wichtige vorweg nimmt, einen großen Teil der Freude an der Beschäftigung mit manuellen Objektiven an modernen Kameras nehmen, denn gerade das Ausprobieren von geradezu abstrus klingenden Kombinationen macht besonders viel Spaß.

Wichtig für jeden, der anfangen möchte, mit alten Objektiven an Digitalkameras zu fotografieren ist es, die Vor- und Nachteile des eigenen Systems zu kennen – und darum soll es hier gehen.

Ich unterteile dabei die Kameras in zwei Kategorien: DSLRs und spiegellose Systemkameras.

DSLRs

Als ich vor gut 10 Jahren anfing, manuelle Objektive an meine DSLR zu adaptieren – ich gehörte zu den ersten „Verrückten“ (so hat man uns jedenfalls damals angeschaut) – gab es für diesen Zweck nur digitale Spiegelreflexkameras. „EVIL“, „CSC“ oder wie auch immer die Gruppe der Spiegellosen genannt wird waren noch nicht einmal am Horizont zu erkennen. Olympus und Pansonic waren Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrhunderts die ersten, die damit auf den Markt kamen. Ja, man glaubt es heute kaum, das war erst vor etwa fünf Jahren! Sony folgte mit den ersten NEX-Modellen ein knappes Jahr später. Leica veröffentlichte seine M8 bereits im Jahr 2006, doch für das Adaptieren taugt die M8 nicht allzu gut, da man – wenn man überhaupt Adapter findet – nur per Schätzung fokussieren kann.

Also blieben nur die DSLRs, die glücklicherweise auch zu dieser Zeit endlich in Preisregionen vorstießen, die es auch einem Amateur möglich machte, daran teilzuhaben. Nach einiger Überlegung, ob es eine Pentax (ist* D), Nikon (D70) oder Canon (EOS 350D) werden sollte, entschied ich mich aufgrund des m.E. besten Preis-Leistungs-Verhältnisses für die EOS. Im Laufe der Zeit wurde meine 350D dann durch eine andere Mattscheibe und ein anderes Sucherokular auf die Benutzung von manuellen Objektiven optimiert. Damals hatte ich nur drei AF-Objektive überhaupt, dafür aber nach einiger Zeit an die 100 manuelle. (Inzwischen sind über 200 Objektive durch meine Hände gegangen, aber das ist eine andere Geschichte.)

Auch heute noch werden DSLRs häufig genutzt, um adaptierte Objektive älterer Bauart wiederzubeleben – trotz der zunehmenden Ausrichtung der „Altglasfans“ auf spiegellose Systeme. Warum auch nicht? Ein guter optischer Sucher ist immer noch ein Genuss.

Kommen wir nun zu den einzelnen Systemen. (In Klammern liste ich diejenigen DSLR-Modelle auf, die ich – zumindest kurzzeitig – selbst hatte/habe.)

Canon EOS (300D, 10D, 350D, 40D, 5D) 

Der Hauptgrund warum sich viele Altglasfans für eine EOS entscheiden, liegt in dem relativ kurzen Auflagemaß der Kameras. Als Auflagemaß bezeichnet man die Entfernung der Sensorebene von der Bajonettvorderkante. Ist das Auflagemaß einer Kamera kürzer als das, für welches ein Objektiv gerechnet wurde, bleibt Platz für einen Adapter, der das originale Bajonett durch das für die Kamera geeignete ersetzt. Da zum Beispiel ein Nikkor-Objektiv für ein Auflagemaß von 46,50 mm gerechnet wurde (nämlich das der Nikon-Kameras) und eine EOS ein Auflagemaß von 44,00 mm verwendet, bleibt Platz für einen 2,5 mm dicken Adapter. Das klingt wenig, ist aber mehr als genug. Je größer diese Differenz ist, desto leichter ist es, einen Adapter zu entwickeln.
Ist das Auflagemaß einer Kamera aber länger als das eines Objektives, kann man mit solch einem adaptierten Objektiv nur noch im Nahbereich fokussieren. Der Adapter wirkt dann in etwa wie ein Makro-Tubus. (So zum Beispiel bei adaptierten Canon FD-Objektiven, mit 42,00 mm Auflagemaß, an einer Canon EOS.) Es gibt Adapter mit einer entsprechenden Korrekturlinse, doch die „verlängern“ einerseits die Brennweite des Objektiv und sorgen andererseits oft für eine Verschlechterung der Abbildungsqualität und meist für eine erhöhte Anfälligkeit für Streulichteffekte.

An eine EOS mit APS-Sensor (und daher kleinerem Spiegel) lassen sich die meisten Objektive für folgende Systeme adaptieren: Leica R, Nikon F, Pentax PK, Olympus OM, Contax/Yashica, M42. Bei EXA-Objektiven wird es knapp und Minolta MD und Konica AR Objektiv funktionieren nicht ohne tiefgreifenden Umbau.
Eine Kleinbild-EOS sorgt durch den größeren Schwingspiegel für deutlich mehr Probleme. Das Auflagemaß passt zwar auch hier, doch häufig ist die Fassung der Hinterlinse eines Objektivs dem Schwungweg des Spiegels im Weg. Es finden sich recht gute Kompatibilitäs-Listen für „Vollformat“-EOS im Internet, z.B. hier für M42-Objektive.

Seit einiger Zeit gibt es auch sogenannte Chip-Adapter, die die Fokusbestätigung der Kamera aktivieren. Das funktioniert meiner Erfahrung nach unterschiedlich gut.

Nikon (D60, D90, D100, D3100, D7000, Df, Fuji S1 Pro, Fuji S2 Pro)

Obwohl das Nikon-System sich durch eine erstaunliche „Rückwärts-Kompatibilität“ auszeichnet und damit auch geworben wird, ist eine Nikon-DSLR nicht die optimale Lösung dafür, viele verschiedene Objektive zu adaptieren. Natürlich kann man sich auf die exzellenten Nikkore begrenzen und sich bei etwas preisgünstigeren Non-OEM-Marken mit Nikon-Bajonett wie etwa Vivitar, Soligor oder Tokina bedienen, doch sobald man Nikon-fremde Anschlüsse verwenden möchte, wird es schwer, da eine Nikon-DSLR ein relativ großes Auflagemaß nutzt. Selbst die eigentlich so vielseitig einsetzbaren M42er lassen sich an einer Nikon nur im Nahbereich oder mit Korrekturlinse nutzen.
Wer also mit vielen Bajonetten „spielen“ möchte, der sollte sich ein anderes System aussuchen. Wer sich aber nur die wichtigsten Brennweiten kaufen möchte, um damit zu fotografieren, der sucht nach den hervorragenden manuellen Nikkoren und erfreut sich an deren ausgezeichneter Qualität. Zudem zeigt ein sehr gut funktionierender Fokus-Indikator an, wenn man korrekt scharf gestellt hat.

Dabei gibt es aber auch ein paar grundlegende Aspekte, die man beachten muss:

  • An die „kleinsten“ Nikon-DSLRs (D40x, D3200 etc.) kann man so gut wie alle Nikkore ansetzten. Die Kameras können damit aber nicht die Belichtung messen. Man muss also im M-Modus fotografieren.
  • Nikon-DSLRs, die mit manuellen Objektiven die Belichtung messen können, vertragen meist keine Vor-AI-Objektive, also die ganz alten F-Nikkore. Deren durchgehender hinterer Fassungsring kann den Blendenmitnehmer der Kamera verbiegen. AI-Nikkore funktioneren hingegen i.d.R. sehr gut.
  • Die am besten für manuelle Objektive geeignete Nikon-DSLR ist die Nikon Df, an die man fast alle Nikkore ansetzen kann. Dafür sorgt auch der hochklappbare Blendenmitnehmer. So lassen sich auch Prä-AI-Nikkore wunderbar nutzen. Die Nikon Df ist nicht nur in dieser Hinsicht eine echte Nachfolgerin der Nikon F3.

Hier finden eine hervorragende Auflistung der Kamera-Objektiv-Kompatibilitäten für Nikons.

Pentax (K100D, K200D)

Ähnlich wie das Nikon-System bietet auch das Pentax-Bajonett eine umfassende Bajonett-Kompatibilität. Es lassen sich ältere, manuelle Pentax-Objektive sehr gut an einer Pentax-DSLR nutzen, wobei es durchaus Unterschiede in der Funktionalität der verschiedenen Modelle gibt. Pentax-A-Objektive passen auch besser zu einer DSLR als Pentax-M-Objektive, da bei den „A“-Versionen auch die automatische Blendensteuerung funktioniert. Für Pentax gibt es ebenfalls Fremdhersteller, für die die gleichen Voraussetzungen gelten.

Fremdbajonette sind, ohne Umbau, nur schwierig an Pentax zu nutzen. Es gibt althergebrachte Adapter für M42-Objektive, doch die waren mir nie so ganz sympathisch, da sie bisweilen schlecht von der Kamera zu entfernen sind.

Ein großer Vorteil bei Pentax ist die bildstabilisierende Lagerung des Sensors. Dadurch ist ein „image stabilizer“ – im Gegensatz zu Canon und Nikon, wo nur manche Objektive stabilisiert sind – auch für die alten Linsen verfügbar.

Pentax hat kürzlich auch eine DSLR mit Kleinbildsensor angekündigt. Das wird das System für viele nochmals interessanter machen.

Sigma (SD9, SD10)

Das Sigma-Bajonett hat eine erstaunliche Ähnlichkeit zum EOS-Bajnoett, nicht nur was das Auflagemaß, sondern auch was die elektronische Übertragung betrifft. Das geht so weit, dass einige findige Tüftler es sogar schaffen, aus einem EOS-Objektiv eines für Sigma-DSLRs zu machen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. 😉
Es gibt auch zahlreiche unterschiedliche Adapter für Sigma-Kameras. Nachteilig wirkt allerdings das Staubschutzglas, das viele Sigma-Kamera direkt hinter dem Bajonett eingebaut haben. So wunderbar das auch den Staub vom Sensor abhalten kann, so lästig kann es für die Adaptierer sein, denn weiter nach hinten reichende Rückfassungen lassen ein Objektiv schnell an eben dieses Glas stoßen. Dadurch sind diese Objektive nicht nutzbar, solange man das Schutzglas nicht entfernt.

Der vor der SD1 relativ kleine APS-Sensor (Crop 1.7x) der Sigmas hat viele Fans manueller Linsen zudem ebenso von diesem System abgehalten wie der zum Teil umständliche Umgang mit den Daten des Foveon-Sensors. Sigmas-DSLR haben eine echte Fangemeinde, die in ihrer Leidenfähigkeit schon beinahe mit den Leica-Fans zu vergleichen ist. 😉

Sony / Konica Minolta (Konica Minolta D7D)

Von Sony (und von Olympus) besaß ich selbst noch keine DSLR – und die D7D hatte ich nur einen Tag zum Testen – daher halten sich meine Erfahrungen hier in überschaubaren Grenzen. Das Auflagemaß des Sony-DSLR-Bajonetts liegt zwischen dem einer EOS und dem einer Nikon. Dementsprechend lassen sich weniger Systeme adaptieren als an eine Canon aber mehr als an eine Nikon. Soweit ich weiß, gehen Sony-DSLRs recht gut mit adaptierten Objektiven um. Für mehr Informationen verweise ich auf die Sony-spezifischen Internetforen.

Olympus (—)

Wie ich auch von Sony-DSLRs recht wenig berichten kann, so gilt das ebenfalls für DSLRs von Olympus, deren Baureihe ja vor einiger Zeit eingestellt wurde. Olympus konzentriert sich seit einigen Jahren auf die Systemkameras mit µ4/3-Sensor.
Die DSLR-Kameras von Olympus hatten einen 4/3-Sensor, der in etwa halb so groß ist wie ein APS-Sensor. Die originären Objektive sind auf das ganze digitale System optimiert und gelten als nahezu telezentrisch. Durch den relativ kleinen Sensor konnten die Objektive auch verhältnismäßig kompakt und dennoch lichtstark gebaut werden. Was für die Systemobjektive von Vorteil ist, störte viele Altglas-Fans wie auch mich in meiner „wilden“ Zeit der Adaptiererei: der 4/3-Sensor sorgt für einen Zweifach-Crop, die Brennweite eines Objektiv scheint sich also zu verdoppelt; ein 50mm-Objektiv am 4/3 wirkt wie ein 100mm-Tele am Kleinbild. Da dadurch sogar ein 17mm-Superweitwinkel sozusagen zu einem „harmlosen“ 35er wird, entfällt für Adapterfans der gesamte Weitwinkelbereich. Das wurde von vielen als sehr bedauerlich gesehen, denn durch das sehr kurze Auflagemaß von nur 38,85 mm konnte man für so ziemlich jedes SLR-System Adapter konstruieren, inklusive Konica und Minolta.

Soweit zu den DSLR-Kameras. Im nächsten Teil geht es um das Adaptieren an spiegellose Systemkameras.

 

 

6 Gedanken zu “Wegweiser durch den Altglas-Dschungel (Teil 1 – DSLR)

  1. Pingback: Wegweiser durch den Altglas-Dschungel (Teil 2 – CSC) | RetroCamera.de

  2. Tolle website !!!! Wer weiss, vielleicht bekomme ich hier einen tip für mein problem.

    Bin seit meinem 9. lebensjahr (jahrgang59) mit kameras bewaffnet
    und habe mich seit 1987 auf das nikon sistem eingestellt.
    Seit einiger zeit vergnüge ich mich mit den 105ern von feinmess
    (habe bereits 4 und will jetzt lernen die objektive zu zerlegen , reinigen
    und natürlich wieder zusammen zu bauen wofür ich bereits info suche !!!!

    Mein „neues“ problem ist aber etwas grösser !!!!
    Es handelt sich um ein objektiv im ofenrohrformat
    und wurde von meinen freunden schon zu stasi-kanone umgetauft…..
    ein meyer görlitz telemegor 400 in alu natur mit m42
    …einfach umwerfend schön, ….aber wie es bei alteisen eben ist,
    ist es nicht einfach jemanden zu finden um ratschläge zu bekommen !!!!!

    Ich wollte mir schon einen exatrichter (pentacon adapter für 300-500) besorgen
    und zurechtfummeln bis das mit dem auflagemass stimmt ……
    Den orginal lasse ich so wie er ist !!!!
    Wenn ich dann mal die genauen auflagemasse habe geht es an die drehbank
    und werde sehen das aus messing drehen zu lassen….
    Klar wenn es einen adapter geben würde wäre das eine tolle sache….
    Aber nicht mal der ex-chef von meyer görlitz hat mir geantwortet,
    ob es die gleichen adapter wie die für pentacon six sind …..
    (Wird wahrscheinlich nur antworten wenn ich 1500 euro für ein neues objektiv schicke,
    aber bei so einem kundendienst verzichte ich auf ein neues trioplan…und vergnüge mich mit meinen bonotaren !!!!)
    Falls es helfen sollte schicke ich gerne fotos und jede nötige info,
    vielen dank für die aufmerksamkeit und liebe grüsse aus dem hunsrück,
    ralph

    1. Hallo, Ralph. Zunächst Danke für das Kompliment. 🙂
      Wenn ich das richtig verstehe, dann soll das 400er mit M42-Anschluss an die Nikon und zwar mit einem extra Trichteradapter von P6 auf M42.
      Das würde aber bedeuten, dass danach noch ein M42-Nikon-Adapter angebracht werden müsste.
      Das Auflagemaß von Nikon-Kameras ist größer als das von M42-Kameras, so dass insgesamt die Adapterkonstruktion gekürzt werden müsste, dadurch verliert man aber den M42-Gewindeanschluss (denn an irgendeiner Seite muss je weggenommen werden).
      Das hieße also am M42-Gewinde kürzen auf das richtige Auflagemaß und dann dort ein Nikon-Bajonett anbringen.

      Ich bin da (bei P6 und Exa) kein echter Kenner, kann dir aber auf jeden Fall empfehlen, doch mal im http://www.digicamclub.de anzumelden und dort nachzufragen. Dort tummeln sich Bastel-Experten – bestimmt auch welche, die dir weiterhelfen könne.

      Schöne Grüße, Carsten

  3. Armin

    Hallo liebe Fotofreunde! 🙂
    Ich habe ein tolles, altes Olympus OM-Objektiv 300mm, F=4.5, das ich auf einer Nikon 5200 weiterverwenden möchte. Da es sich mit dem Abstand zum Chip nicht ausgeht, einen Adapterring zu verwenden, muss ich das Bajonett von Olympus auf Nikon umbauen …
    Könnt Ihr mir bitte sagen, ob das möglich ist, und wenn ja, wie???
    Danke und herzliche Grüße!
    Armin

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