„The PEN is mightier than the sword“

Dieser von Edward Bulwer-Lytton geprägte und heute weit verbreitete Spruch soll Aufmacher sein für einen Erfahrungsbericht zu einer weiteren Retro-Kamera von Olympus: der Olympus PEN  E-P5.

Olympus E-P5 mit dem 14-42 Kit-Objektiv
Olympus E-P5 mit dem 14-42 Kit-Objektiv

Die Frage hier ist natürlich welche Kamera denn das Schwert darstellt, das von der PEN geschlagen wird. 😉 Eigentlich müsste das Schwert für eine typische DSLR stehen, eine Nikon D7000 etwa. Es gilt also zu beantworten, ob sich die spiegellose Systemkamera PEN E-P5 gegen eine „Foto-Waffe“, wie sie die Nikon zweifelsohne darstellt, behaupten kann.

Vergleich: Nikon D7000 und Olympus E-P5
Vergleich: Nikon D7000 und Olympus E-P5

Nun aber genug der martialischen Begrifflichkeiten, es geht ja hier um ein harmloses Hobby, die Fotografie – auch wenn man immer wieder Wörter wie „Fotos schießen“, „mein heutiges Shooting“ usw. hören und lesen kann. Irgendwie verleitet das notwendige „Zielen“ zu dieser Analogie. Wie auch immer, ich schweife ab. Also zurück zur Olympus.

Bereits auf den ersten Blick erhält man zwei Eindrücke:

1. Die Olympus Designer haben die digitale PEN-Reihe ganz deutlich an die klassischen analogen PEN-F-Modelle angelehnt und

2. Sie haben einen richtig guten Job gemacht. Die E-P5 ist eine wunderschöne Kamera!

Unterstrichen wird ihr attraktives Äußeres durch ein passend-hübsches Objektiv. Doch dazu später mehr.

Nachdem man die E-P5 schwärmend betrachtet hat, nimmt man sie in die Hand und ist sofort verwundert ob des ansprechend hohen Gewichtes, das man einer solch kompakten Kamera nicht zugetraut hätte – zumindest dann nicht, wenn man noch nicht häufig eine Olympus in der Hand hatte. Denn solch eine Anmutung ist typisch für diejenigen unter den aktuellen Digitalkameras von Olympus, die in etwas „höheren“ Kameraklassen anzusiedeln sind. Dies vermittelt stets einen Eindruck von Solidität, der mir bei einer Kamera sehr wichtig ist. (Ich fotografiere hin und wieder auch mit Plastik-Kameras, vor allem, wenn ich in „lomographischer Stimmung“ bin, doch grundsätzlich nehme ich ein etwas höheres Gewicht gerne in Kauf – sofern es nicht zu viel wird. Solche „Monster“ wie eine Nikon D4 wollte ich nicht den ganzen Tag durch die Gegend tragen müssen, ganz gleich wie tolle diese Kameras auch sind.)

Zuverlässigkeit und elegantes Understatement, das strömt aus jeder Pore der PEN E-P5. Vielseitigkeit kommt hinzu, wenn man sich ein wenig mit der Kamera befasst. Nicht nur das Design, sondern auch die Bedienung erinnert in einigen Bereichen an eine klassische Kamera. Hier wird die Retro-Idee in gewissen Grenzen fortgeführt. Ein Moduswahlrad hilft ebenso bei schnellen Einstellungen wie zwei Rändelrädchen (im Bereich des Zeigefingers und des Daumens). Das im Vergleich zu den Fuji-X-Kameras relativ kleine Gehäuse verhindert wohl den Einsatz weiterer Bedienrädchen, so dass man für Einstellungen, die über den Modus hinausgehen das Display verwenden muss. Als Retro-Fan würde ich mir natürlich noch ein Einstellrad für die Zeiten, die ISO-Zahl und eines für die Belichtungskorrektur wünschen – die Blende lässt sich an den für die PEN typischen kompakten Zuiko-Objektiven auch nicht per Blendenring verstellen – doch vielen Fotografen wird das nicht als störend auffallen. Diesbezüglich orientiert sich die Olympus dann doch an einer für moderne Kameras üblichen Bedienung.

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Die Olympus bietet einen integrierten Blitz und ein Klappdisplay, was beides in vielen Situationen überaus hilfreich sein kann.

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Bitte nicht an der hochwellenden Schutzfolie stören. Ich habe sie bei diesem Leihgerät auf dem Display gelassen.

Leider – und damit nehme ich den für mich größten Nachteil vorweg – hat die E-P5 keinen integrierten Sucher. Ja, man kann einen recht guten EVF (= elektronischen Sucher) oder auch einen optischen Sucher, der zum jeweiligen Objektiv passt, anstecken, doch dies lasse ich nur ansatzweise als Alternative gelten. Solch ein Aufstecksucher, vor allem der elektronische, zerstört in meinen Augen die wunderbare Ästhetik dieser Kamera. Ich möchte in meinen Kameras einen integrierten Sucher haben – das ist einer der ganz wenigen Aspekte, die bei mir auf sehr wenig Toleranz und Kompromissbereitschaft treffen.

Mir ist bewusst, warum die PEN keinen integrierten Sucher hat und ebenso, dass es für viele Fotografen kein Problem darstellt, doch für mich ist es das. Sorry.
Bei „klassischen“ Suchern sieht das allerdings ganz anders aus. Eine solche Kombination kann sogar richtig attraktiv sein, allerdings ist sie nur sehr eingeschränkt nützlich, weil natürlich nur der Bildrahmen angezeigt wird.

Leica VIOOH
Voigtländer Kontur-Sucher

Praktischerweise bietet die die kleine Olympus einen ausklappbaren Blitz. Das gefällt mir sehr gut, vor allem, weil er einen sehr soliden Eindruck macht – sogar wenn er ausgeklappt ist.

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Kommen wir nun zu einem eigentlich weitaus wichtigeren Bereich als es das Aussehen ist: die Leistung der Kamera. Meist wird darunter die Bildqualität, der Autofokus und die Art und vor allem Geschwindigkeit zusammengefasst, mir der eine Kamera auf Benutzereingaben reagiert. Bildqualität und Autofokus hängen aber bei Systemkameras immer auch mit dem verwendeten Objektiv zusammen. Es wäre äußerst unfair, ein schlechtes Objektiv zu nutzen und die schwache Leistung dann der Kamera vorzuwerfen. Deshalb gehen wir hier davon aus, dass wir ein sehr gutes Objektiv an der Kamera haben.

Die Bildqualität der E-P5 ist tadellos. Kurz und knapp. Selbst bei höheren ISO-Einstellungen lassen sich die Bilder verwenden, bis ISO 800 absolut problemlos und bis ISO 3200 mit leichten Abstrichen. Das mag vielleicht so manchen immer noch ob des „relativ kleinen“ Sensors überraschen.

ISO 1600
ISO 1600

 

ISO 1600 (100% Crop)
ISO 1600 (100% Crop)

Die PEN hat einen 16-Megapixel-Sensor (für meinen Geschmack völlig ausreichend) im µ4/3-Format, dessen Fläche in etwa halb so groß ist wie ein APS-Sensor. Die Brennweitenangabe muss also im Kopf verdoppelt werden, wenn man die Bildwirkung mit der eines Kleinbild-Objektivs vergleichen will. Sie kennen das. Das bedeutet aber nicht, dass man mit einem µ4/3-Sensor nicht schön fotografieren kann.

Fotos, die während eines kleinen Winterspaziergangs entstanden sind.

Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass eine Freistellung des Sujets etwas weniger leicht ist. Ein Schätzwert ist auch hier die Verdopplung des Blendenwertes. Demnach entspricht die Freistellung mit einem f/2.8-Objektiv an µ4/3 in etwa der eines f5.6-Objektivs am Kleinbild (und einem f/4-Objektiv an APS mag man ergänzend festhalten). Die Winter-Fotos oben zeigen allerdings deutlich, dass auch mit einem µ4/3-Sensor eine Freistellung möglich ist. (Die Lichtstärke bleibt aber bei f/2.8. Das wird nur allzu oft vergessen.) Für eine vergleichbare Freistellung benötigt man also ein laut Blendenzahl weiter öffnendes Objektiv. Gut nur, dass aufgrund des relativ kleinen Sensors lichtstarke Objektive immer noch baulich kompakt bleiben können, wie dieses Foto, das ein Zuiko 1.8/17 an der E-P5 zeigt, deutlich macht.

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Mein „Liebling“, das M.Zuiko 1.8/17.

 

Dieses Objektiv hat sich zu meinem Favoriten aus der Reihe der PEN-Zuikos gemacht, so gut gefällt es mir. Es entspricht vom Bildwinkel her etwa einem 35mm-Kleinbildobjektiv. Was die Freistellung betrifft, so ist es mit einem 3.5/35 am Kleinbild vergleichbar und es bietet – wie oben beschrieben – eine effektive Lichtstärke eines f/1.8-Objektivs. Es ist damit nicht nur vielseitig, nein es bildet vor allem exzellent ab. Das Olympus M.Zuiko Digital 1.8/17 MSC ist eine definitive Empfehlung für PEN-Fotografen, eigentlich für alle µ4/3-Fans.

Größenvergleich 14-42 Kit-Objektiv und Zuiko 1.8/17
Größenvergleich 14-42 Kit-Objektiv und Zuiko 1.8/17

Der Autofokus der Kamera reagiert sehr schnell und in der Regel treffsicher. Lediglich mit dem M.Zuiko ED 2.8/60 Macro habe ich es des öfteren erlebt, dass der AF nicht traf, besonders bei Makro-Aufnahmen und trotz der vielseitigen Einstellungsmöglichkeit.

Dieses Foto zeigt deutlich, dass die E-P5 mit dem 2.8/60 fehlfokussiert hat, und das obwohl die Bedingungen nicht allzu schlecht waren.
Dieses Foto zeigt deutlich, dass die E-P5 mit dem 2.8/60 fehlfokussiert hat, und das obwohl die Bedingungen nicht allzu schlecht waren.

Aber das 60er hat sich – trotz der guten Abbildungsleistung – ohnehin keinen Platz unter meinen Lieblingslinsen erarbeiten können. Es ist m.E. nur für Macro-Fans empfehlenswert und auch die sollten es vor einem Kauf unbedingt ausprobieren. Für den leichten Telebereich würde ich das 75er Zuiko eher empfehlen.

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M.Zuiko 2.8/60 Macro – nicht gerade mein Lieblingsobjektiv unter den Zuikos

Mit den anderen Objektiven, die ich an der E-P5 hatte, kann ich über den Autofokus absolut nicht klagen. Gut gemacht, Olympus.

Die „Responsiveness“ der Kamera, also ob sie den Eingaben des Benutzers schnell folgt, ist meinem Gefühl nach auch sehr gut. Sie kommt vielleicht nicht an die flottesten Kameras heran, die ich so kenne, doch sie lässt den Fotografen nie mit Gefühl zurück, nicht ganz sicher zu sein, ob er denn nun etwas gedrückt hat oder nicht. (Das ist beispielsweise an meine Panasonic Lumix GF3 manchmal so.)

Die E-P5 bietet ebenso wie die anderen Olympus-Kameras eine wahre Spielwiese an Bildeffekten. An dieser Stelle sei nur die automatische „In-Camera“-Collagen-Funktion gezeigt und für weitere Effekte auf meinen Bericht zur E-M10 verwiesen.

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Collage aus Eindrücken im Sushi-Restaurant (leider nach dem Essen)

 

Mein Fazit? Die Olympus E-P5 ist eine wunderschöne und sehr gute Kamera, in die man sich schnell verlieben kann, wenn man sie zum ersten Mal sieht und in der Hand hat. Ob diese Liebe auf Dauer Bestand hat, muss jeder für sich entscheiden. „Meine“ Kamera wäre es trotz der tollen Leistung und aller Vielseitigkeit, die sie bietet, nicht. Mir fehlt der integrierte Sucher zu sehr. Aber dieser – zugegebenermaßen sehr persönliche – Kritikpunkt ist auch der einzige, der mir als wirklich störend auffällt. Wer keinen Sucher benötigt oder mit einem Aufstecksucher leben kann, für den kann die E-P5 eine ideale Kamera sein, vor allem für die Reise, denn mit einem Set aus E-P5 und den Zuiko-Objektiven 2.0/12, 1.8/17 und 1.8/45 hat man so ziemlich alles, was man für 90% aller Situationen benötigt und zwar derart kompakt, dass man alles in einer kleinen Bauchtasche verstauen kann.

 

Erneut geht mein Dank an Olympus Deutschland für die Testleihgabe dieses Sets!

P.S.: Ist denn nun die PEN „mächtiger“ als das DSLR-Schwert? Nein, das ist sie nicht! Aber sie kommt schon recht nahe ran. 😉

P.P.S. / „Disclaimer“: Meine Eindrücke sind absolut lückenhaft, fern von jeder Wissenschaftlichkeit und höchst subjektiv. Hier finden Sie zwei Berichte, die auf neutraleren Tests basieren: Chip.de und Digitalkamera.de .

 

5 Gedanken zu “„The PEN is mightier than the sword“

  1. Rudolf

    Hallo Carsten,
    vielen Dank für den schönen Bericht!
    Bei mir ist eine E-PL6 „angekommen“ – Dein Urteil kann ich in allen Punkten bestätigen. Meine Liebste (sie nutzt eine E-M10) und ich haben uns für die – etwas größeren und schwereren – Sigmas entschieden und sind absolut begeistert 😉
    LG
    Rudolf

  2. Zacherl

    »Als Retro-Fan würde ich mir natürlich noch ein Einstellrad für die Zeiten, die ISO-Zahl und eines für die Belichtungskorrektur wünschen […]«
    Gibt es doch indirekt mit dem Schalter (1–2).

    1. Ja, ich weiß. Indirekt. Das ist zwar besser als nichts und diese Idee mit dem Schalter finde ich auch sehr gut. Das hat aber nichts mit Retro-Design zu tun. Vorbild: Fuji X-T1 und Nikon Df.

  3. Pingback: Vorhaben, Pläne, Vorsätze… | RetroCamera.de

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