Wie? Jetzt doch? Mittelformat?

Nein, nicht wirklich. Ich habe ja schon vor kurzem in diesem Artikel erwähnt, dass ich mich von meiner Mittelformat-Ausrüstung getrennt habe, vor allem weil mir die Entwicklung zu teuer ist. Nun, das ist nur etwa 3/4 der Wahrheit (die „halbe Wahrheit“ wäre auch gelogen). Denn ich habe noch immer zwei alte Mittelformat-Kameras in der Vitrine stehen: eine Dehel 6×4,5 und eine Reflekta Junior (6×6). Sie stehen in der Analog-Vitrine vor allem, weil ihr Verkaufspreis kaum zum Erwerb neuer Schmuckstücke beitragen würde aber auch, weil sie in der Vitrine einfach schön aussehen. Heute möchte ich ein wenig über die Reflekta Junior reden…

ReflektaJuniorVint

Wenn man anfängt, über diese Kamera zu recherchieren, gerät man flugs in die Wirren der zahlreichen Kamerawerke, Kombinate und VEBs aus dem Osten der Republik. Die Reflekta Junior wurde hergestellt im VEB Kamerawerk Tharandt. KWT ging später in die Welta-Kamera-Werke, so dass man auch Reflekta Junior Modelle findet, die von Welta hergestellt wurden (vor allem die Version II).

Meine Junior wurde Ende der 40er Jahre gebaut und es ist schon ein wenig erstaunlich, dass sie noch wie am ersten Tag funktioniert. Sicher, man muss dabei berücksichtigen, dass so viel ja gar nicht kaputt gehen kann, doch der Fokusmechanismus bewegt sich noch gut, die Blende lässt sich leichtgängig verstellen und der Verschluss scheint auch noch mit korrekten Zeiten zu laufen. Viel mehr an Mechanik gibt es nicht.

Die Linsen sind recht klar und der Spiegel, obgleich er von seiner Brillanz nach so vielen Jahren natürlich verloren hat, ist noch relativ gut nutzbar.

Aber nun, bevor ich in Details gehe, zunächst ein paar Eindrücke von der Kamera:

Die Reflekta Junior ist eine echte zweiäugige Reflexkamera (TLR), d.h. man schaut auf eine Mattscheibe, die ein Bild zeigt, welches vom oberen Objektiv über einen feststehenden Spiegel eben dorthin projiziert wird. Das untere Objektiv wirft sein Bild direkt durch die einstellbare Blende auf den Film, sobald der Verschluss geöffnet wird. So sieht der Fotograf ohne Unterbrechung durch eine Abdunklung durch den Spiegelschlag wie in einer SLR stets das Bild. Dieses Prinzip ist am ehesten wohl durch die Rolleiflex bekannt. (In neuester Inkarnation ist diese Kamera auch heute noch erhältlich.)

Natürlich kann eine Reflekta Junior nicht mit der Qualität einer Rolleiflex mithalten, auch wenn sie das gleiche Format belichtet. Dennoch macht eine Kamera wie die „Junior“ Spaß und sie hat mit Sicherheit für so manch schöne Erinnerung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gesorgt.

ReflektaJuniorODie Junior ist ausgestattet mit einem E. Ludwig Meritar 3.5/7.5 cm, das schon eine recht beachtliche Lichtstärke für eine Mittelformatkamera bietet. Über die Blendensteuerung kann man bis auf f/22 abblenden. An einem silbernen Ring um die Objektivbasis herum lässt sich die Belichtungzeit wählen. Es stehen 1/100s, 1/50s, 1/25s sowie „B“ (= der Verschluss bleibt so lange offen bis man den Auslöser wieder loslässt) und „T“ (= der Verschluss bleibt so lange offen bis man den Auslöser erneut drückt) zur Verfügung.
Überhaupt wird so ziemlich alles an der Kamera in diesem Bereich der Vorderseite gesteuert, denn auch die Fokussierung geschieht dort über einen Hebel, der in einem Viertelkreis von 1m bis unendlich wandert. Oben links (von vorne gesehen) befindet sich der Auslöser sowie der Anschluss für ein Auslösekabel.

Mehr gibt es nicht. Außer man zählt noch den Filmspulknopf auf der von hinten gesehen rechten Kameraseite zu den Bedienelementen.

Spannend finde ich die Rückseite, wo man nicht nur ein abdunkelbares Filmzählfenster findet, sondern auch eine Schärfentiefetabelle für das Meritar-Objektiv – eine ziemlich praktische Sache, wenn es mal schnell gehen soll. Auf diese Art und Weise kann hyperfokal gearbeitet werden, was bei den damals üblichen kleinen Abzügen meist ausreichte.

Es ist schon ein nette, kleine Kamera. Aktuell ist ein Kodak Portra 160 (einer meiner Lieblingsfarbfilme) geladen. Mal sehen, wann ich dazu komme, ein paar Fotos zu machen – und vor allem, wo ich diesen Film dann entwickeln lasse…

 

(Für Tipps bin ich dankbar!)

3 Gedanken zu “Wie? Jetzt doch? Mittelformat?

  1. Pingback: 100%… | RetroCamera.de

  2. Pingback: Der “Parker-Kleinbild-Adapter” | RetroCamera.de

  3. Pingback: Der Mittelformat-Weg … also, meiner. ;) | RetroCamera.de

Hinterlassen Sie einen Kommentar (bitte höflich bleiben)...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s