Mal wieder Film…

Nachdem ich ja bereits vor einiger Zeit hier angekündigt hatte, wie sehr ich mich darauf freute, wieder einmal ein paar S/W-Negative zu entwickeln, habe ich es letztes Wochenende endlich geschafft, mir dafür ein wenig Zeit freizuräumen.

AGFA APX100 in Kodak D-76 (stock, 3. Film, 22°, knapp 11 min), fixiert in Tetenal Superfix Plus. Das hat mal wieder einen Riesenspaß gemacht und dafür, dass die Filmrolle bereits vor etwa 4 Jahren belichtet (!) wurde, sind die Ergebnisse richtig gut geworden.

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Heute habe ich dann sofort bei „Spürsinn – der analoge Fotoladen“ (http://www.spuer-sinn.net) (ein sehr empfehlenswerter Laden!) ein paar Rollen AGFA APX100 und APX400 sowie eine Rolle Kodak TMAX400 (wollte ich schon immer mal ausprobieren) bestellt. Auf dass die Verschlüsse meiner schönen Filmkameras mal wieder etwas Bewegung kriegen. 😉

Die Schönheit der Retina

Nein, ich meine nicht die Retina in unseren Augen (obgleich ich die Augen eines Menschen zu den faszinierendsten Körperteilen zähle). Ich meine auch nicht das neue Display von Apple (auch wenn ich zugeben muss, dass mich das Retina-Display des iPads meiner Frau schon schwer beeindruckt!). Ich meine vielmehr die alten Kameras der Retina-Serie von Kodak.

Diese Kameras waren ursprünglich eine Art von Leica-Ersatz für Fotografen, die beides waren, preis- und qualitätsbewusst,  und die bereit waren, für einen deutlich niedrigeren Preis auf das eine oder andere „Schmankerl“ aber nicht auf Qualität zu verzichten. Kodak Retina Kameras wurden in den 1940ern und 1950ern in großen Mengen gebaut und verkauft – ein untrügliches Zeichen für eine gelungene Produktstrategie.

Für uns heute ist dies insofern von Belang, als dass die Kameras recht gut auf dem Gebrauchtmarkt zu finden sind. Hier schlägt dann mein Herz auch wieder höher. Es ist einfach eine wunderschöne Sache, mit Geduld und Zuversicht auf Fotobörsen sowie in Internetforen und Online-Auktionen herumzustöbern, um solch eine gut erhaltene und funktionierende schöne Kamera für einen Preis zu finden, der einem eben nicht die Tränen vor die Retina treibt. 😉

RetinaIaSchon vor ein paar Jahren fand ich – eher per Zufall, da ich nach etwas völlig anderem gesucht hatte – auf einer Börse in Solms eine Kodak Retina Ia, sozusagen das Standardmodell, für einen günstigen Preis. Der Verkäufer bot sie als defekt an. Das war sie aber nicht und da ich keine Veranlassung sah, den Verkäufer darauf hinzuweisen, freute ich mich über ein Schnäppchen. (Ja, man kann mir nun moralische Verwerflichkeit oder Unehrlichkeit vorwerfen, aber ich finde, dass wenn jemand als Verkäufer auftritt, er sich schon über die Sachen, die er verkauft, informieren sollte. Außerdem sprechen wir hier von einer „Verlusthöhe“, der dem Verkäufer nun wirklich nicht weh getan hat.)

Wie auch immer, meine Retina Ia funktioniert jedenfalls auch heute noch.

Matt Denton hat hier ein paar Informationen zu dieser Kamera zusammengestellt, Chris Sherlock stellt sie hier kurz vor und sogar der berühmt-berüchtigte Ken Rockwell (gehasst und geliebt) hat sich dieser Kamera angenommen. Auch auf der Seite lomography hat die Retina Ia einen Platz gefunden.

Die kleine Kodak bietet weder einen Belichtungsmesser, noch irgendeinen Weg, die passende Entfernung zu bestimmen. Man muss also entweder auf externe Geräte zurückgreifen (was auch sehr großen Spaß macht) oder eben lernen zu schätzen („guesstimate„, wie es so schön kreativ heißt ;)). Was sie aber hat, ist ein versenkbares Objektiv, was sie in zusammengeklapptem Zustand sehr kompakt macht. Dieser Idee folgen übrigens alle Retina-(Mess-)Sucherkameras. Die Retina Ia nutzt eine kleinen Balgen, um den Auszug lichtdicht zu machen – ein wunderschönes kleines Detail.

So sehr mir die kleine Ia auch ans Herz gewachsen ist, manchmal hätte ich doch gerne zumindest einen Entfernungsmesser und vor allem ein etwas lichtstärkeres Objektiv gehabt. Ich hielt also die Augen nach einer Retina IIIC (mit großem „C“ für „große Sucherfenster“) auf. Leider muss man hinsichtlich der Gebrauchtpreise für eben dieses Modell meine Aussage von oben wieder etwas relativieren. Die IIIC wird man in gutem Zustand kaum mehr als Schnäppchen finden.

Aber, da ich ja solche eine Kamera nicht innerhalb von einer bestimmten Zeit haben muss, konnte ich mir genau diese Zeit nehmen, um immer mal wieder ein wenig danach zu stöbern und auch ein klein wenig über den Tellerrand zu schauen – immerhin gab es noch andere Modelle. Über ein paar Jahre tat sich nichts. Doch kürzlich fand ich ein Angebot in einer Online-Auktion, das mich aufhorchen lies. Es ging um eine Retina IIIc (mit kleinem „c“) aber – und das hatte mein Interesse geweckt –  mit einem Schneider-Kreuznach Xenon 2.0/50 Objektiv. Hui, das wäre doch was! Da die Kamera als technisch funktionsfähig und von einem Händler (also mit Rückgaberecht) angeboten wurde, war es kein allzu hohes Risiko. Und in der Tat, die Kamera funktioniert wie beschrieben, der Zustand ist wirklich hervorragend für solch ein doch schon recht altes Gerät.

RetinaIIIc

Rick Schuster beschreibt in seinem interessanten und lesenswerten Blog, dass das Modell IIIc keineswegs zu den Massenmarkt-Kodaks gehörte, sondern in direkter Konkurrenz zu den Leicas das damaligen Zeit stand. Ein Verkaufspreis von US$ 150,- im Jahr 1956 (was laut Schuster in etwa dem Wert von US$ 1200,- heute entspricht) verdeutlicht dies. Auch diese Diskussion (die leider im Verlauf ziemlich abdriftet) im deutschsprachigen APHOG-Forum zeigt, dass es so einige Fans der IIIc gibt. Der bereits weiter oben genannte Chris Sherlock zeigt Unterschiede der Modellvarianten hier auf und Mike Butkus stellt  die Handbücher online zur Verfügung: hier und hier.  (Für mich ist es an dieser Stelle mal wieder Zeit darauf hinzuweisen, dass sich Mike Butkus über eine Zuwendung für seine freiwillige Arbeit sicher freuen würde!)

Der ebenfalls oben schon genannte Ken „Infamous“ Rockwell nutzte übrigens eine Kodak Retina IIIc für seinen Vergleich zwischen „digital“ und „film“. Auch wenn ich seine Argumentation dort nicht wirklich unterstütze, so sagt das doch einiges über die Qualität der Kamera und vor allem des Objektivs aus.

Der erste Film jedenfalls ist geladen und ich freue mich darauf, mit meiner neuen alten Retina IIIc zu fotografieren. Wenn die ersten Ergebnisse vorliegen – das kann ja, wie Sie wissen – immer etwas dauern, werde ich sie hier natürlich auch zeigen…

 

(Die Fotos in diesem Artikel sind übrigens mit meinem Sony Xperia Z gemacht worden.)

Systemkamerafreak auf Facebook

Liebe Mitlesende,

ich habe heute die Facebook-Seite Systemkamerafreak von meinem guten Freund Jörg Langer übernommen.

Es sind natürlich große Fußstapfen, in die ich da trete, ist Jörg doch nicht nur ein Kamera- sondern auch ein Social Media-Experte. Doch ich werde mich bemühen, seinem hohen Niveau gerecht zu werden. (Und außerdem ist der Weg zu ihm heutzutage ja nicht weit. ;))

Ich wünsche allen RetroKamera- und Systemkamerfreak-Folgern weiterhin viel Spaß!

C. Schouler

 

Mysteriöse Überraschung … und die Reaktion…

… eines Retrokamera-Freaks. 😉

Kürzlich erreichte mich ein Paket, von dem ich nicht wusste, dass es an mich unterwegs war. Sowas passiert mir äußerst selten, wo ich doch mindestens stündlich den Sendungsverlauf von Paketen an mich online überprüfe und mich dann so herrlich über diesen nicht immer funktionierenden Service echauffieren kann. 😉

Nun ja, in jenem mysteriösen Paket war eine mindestens ebenso mysteriöse aber wunderschöne Kamera:
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Das Gehäuse ist von einer Contessa Nettel, der Compur-Verschluss von Kodak und das Objektiv ein Schneider-Kreuznach Xenar 4.5/135. In den 20er Jahren des 20 Jahrhunderts stellte solch eine Kombination eine ziemlich hochklassige Kamera dar.

Wunderbar ist auch, dass der Verschluss noch funktionert, die Blende sauber schließt (und öffnet) und der Balgen dicht ist. Solch eine Kamera nur in die Vitrine zu stellen, wäre eine überaus bedauerliche Entscheidung. Dummerweise fotografiert diese Kamera nicht auf Rollfilm, sondern auf  ein Großformat-Negativ. Fokussiert wird über eine Mattscheibe, die mitsamt klappbarem Lichttuch nach oben herausgeschoben werden kann und so Platz macht für die Negativkassette. Die Mattscheibe dieser Kamera ist allerdings beinahe blind und daher kaum noch zu gebrauchen und eine passende Einschubkassette habe ich auch nicht – dafür aber hin und wieder witzige Ideen.

„Warum mache ich aus dieser Kamera nicht eine Digitalkamera?“, dachte ich mir und da man die Mattscheibe herausschieben kann, könnte dies absolut non-destruktiv geschehen. Ich schnitt aus einer in der Dicke passenden, schwarzen Pappe ein Rechteck der richtigen Größe aus und dort hinein – in gerader Verlängerung der Objektivmittelachse – ein Loch. Hinter dieses Loch klebte ich dann eine c-mount-µ4/3-Adapter. Von hinten sieht das nun so aus:

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An das nach hinten offene Bajonett kann man nun eine kompakte µ4/3-Kamera klicken:

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Wenn man nun die zusätzliche Distanz zum Aufnahmemedium (der Sensor liegt ja nicht auf der gleichen Ebene wie die Mattscheibe bzw. der Film liegen würde) durch ein Zusammenschieben des Balgens kompensiert, erreicht man damit sogar eine Unendlichkeits-Einstellung.

Da das Objektiv eine Brennweite von 135mm hat, entspricht es am µ4/3-Sensor einem 270mm-Objektiv. (Ja, das ist in der Tat so. Es ist unerheblich, für welches Format es ursprünglich gerechnet wurde und ob es für dieses eigentliche Format ein „Normalobjektiv“ ist). Man fotografiert an der kleinen Lumix also mit einem recht ordentlichen Tele. Aber, sofern man es vom Stativ aus nutzt, funktioniert es.

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Der Kontrast ist natürlich eher schwach ausgeprägt. Das lässt sich aber per EBV gut ausgleichen. Die Kernschärfe ist gut, auch wenn so manche Aberration zu erkennen ist. Hier ein paar Bildbeispiele vom Wochenende:

Der Kirchturm im Dorf, in dem ich aufgewachsen bin.
Der Kirchturm im Dorf, in dem ich aufgewachsen bin.

 

Am Leitz-Park in Wetzlar.
Am Leitz-Park in Wetzlar.

 

Am Leitz-Park in Wetzlar.
Am Leitz-Park in Wetzlar.

 

Am Leitz-Park in Wetzlar.
Am Leitz-Park in Wetzlar.

Ich bin gespannt drauf, damit einmal ein paar Portraits zu machen.

Natürlich ist diese Konstruktion nichts für den „schnellen Schuss“, es ist aber ein hervorragender Konversationsstarter. Kaum hat man diese Kamera aufgebaut, kommen auch schon die ersten Interessenten und fragen, was das denn sei und wie das denn funktioniere. So erhält die Fotografiererei einen sozialen Aspekt. Und was, wenn nicht nette Gespräche, bereichern einen Tag?

In diesem Sinne, noch einen schönen Sonntagabend!

Meopta Meostigmat 1.0/50 … das „Nonoctilux“

Ja, es ist ein 50er-Objektiv mit einer Lichtstärke von f/1.0!
Nein, es ist kein „Noctilux“, ganz und gar nicht.
Und ja, es macht dennoch viel Spaß. 😉

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Die Meostigmat-Objektive sind eigentlich Projektionsobjektive, meist für 16mm-Projektoren. Diese Objektive haben für Fotografen mit technischem Talent (oder für welche mit begabten Freunden) zwei Vorteile: 1. ihr Auflagemaß ist groß genug, um einen Umbau für Fotokameras anzugehen und 2. sie decken einen relativ großen Bildkreis ab. An APS-Sensoren sind sie recht gut nutzbar, doch dazu später mehr.

Da ich wohl nicht in der Lage wäre, solch ein Objektiv erfolgreich umzubauen, aber das Glück habe in Henry Feddersen, dem Besitzer des DCC und einem der wohl besten Linsenbastler Deutschlands, einen Freund zu haben, der solche Umbauten fertig kriegt – und diese auch noch dokumentiert – kann ich nun auch solch eine „1.0er“-Linse mein eigen nennen – und zwar eine, die nun durch ein spezielles, ebenfalls von Henry entwickeltes Tubussystem an Fuji X nutzbar ist. Henry, das ist mal wieder eine Glanzleistung!

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Das ganze funktioniert hervorragend!

Natürlich reden wir hier nicht von einem für die Fotografie optimiertem und auf APS oder gar Kleinbild gerechneten Objektiv, sondern von einer „Effektlinse“, die eine ganz besondere Bildwirkung erzielt. Die Ecken entsprechen – und zwar nicht nur durch die äußerst geringe Schärfentiefe, sondern auch durch die zum Rand hin zunehmenden Aberrationen – nicht der gewohnten Abbildungsqualität, aber gerade dies kann und muss man nutzen.

Eine kleine Reihe zum Thema „End of Summer“…

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Die Kernschärfe ist beachtlich und mit ein wenig Übung lassen sich damit auch ganz außergewöhnliche Portraits fotografieren.

Wie gesagt, man darf diese Objektiv nicht mit den üblichen Maßstäben messen, es ist eher so etwas wie die moderne „Petzval-Linse“, nur deutlich preisgünstiger. 😉

Ich freue mich jedenfalls auf weitere Experimente damit!

P.S.: Und bald kann ich auch ein Meopta 1.4/70 am Tubus nutzen. 😉