„Pixel-Peeping“ … ernsthaft?

Ja, ich gebe es zu, als ich von der Panasonic Lumix FZ20 damals auf die Canon EOS 350D „aufgestiegen“ bin, habe ich mir alle Fotos bei 100% angeschaut, weil ich von der „Verbesserung“ so begeistert war. Ich habe mein gesamtes persönliches Umfeld – vor allem aber mein geliebte Frau – genervt: „Schau mal hier! Das ist ja der Wahnsinn!“ (Bitte entschuldige, Schatz.)

Als ich dann die EOS 5D bekam habe ich ich mir vor allem die ISO 1600-Fotos bei 100% angeschaut. „Wow, da ist ja fast kein Rauschen zu sehen„. In meiner wilden Adaptiererei-Phase, in der ich versuchte alles an alles zu bringen – also jedes denkbare Objektiv an jede mögliche Kamera, bisweilen sogar mit Umbauten (!) – habe ich auch wieder Fotos bei 100% angeschaut, diesmal vor allem in den Ecken. Manch ein manuelles Objektiv konnte überzeugen, andere waren eher „grottig“.

Jetzt bin ich aber über solch ein „Pixel-Peeping“ hinaus. (Sollte jetzt nicht überheblich klingen!) Dabei geholfen hat mir die inzwischen enorme Leistung der neuen Kameras. Wenn man nach einem 5-MPix-Minisensor zum ersten Mal mit einem APS-Sensor fotografiert, ergötzt man sich einfach an der um ein Vielfaches besseren Bildqualität. Doch die Diskussionen, die in den Foren heute zu verfolgen sind, lassen mich oft nur noch kopfschüttelnd vor dem PC sitzen. Da wird heftig gestritten, ob nun die Canon 5D Mk II oder die 5D Mk III bei ISO 6400 besser ist, ob seit dem Erscheinen der Nikon D810 die D800 völlig obsolet geworden ist oder ob die D800E immer noch besser ist.
Wenn man dann nachfragt, für was die Kameras denn genutzt werden, findet man häufig heraus, dass sie bei recht wohlhabenden Amateuren für Urlaubsfotos Verwendung finden. Abzüge über 20×30 werden so gut wie nie gemacht und das Stativ liegt in der Regel zu Hause. Leute, geht’s noch?

Bitte nicht falsch verstehen: es gibt sicherlich Profis und Semi-Profis, bei denen es auf jeden Pixel, bei möglichst hoher ISO-Zahl und Schärfe bis in die Ecken ankommt. Da verstehe ich ein Art „Pixel-Peeping“ durchaus. Diese Menschen leben von ihren Fotos.

Aber für den Großteil der in vielen Foren (es gibt positive Ausnahmen!) aktiven Fotografen wäre es, und da lehne ich mich mutig aus dem Fenster, völlig egal, ob sie mit einer Nikon D610, D800, D810 oder D700 fotografieren. Ganz im Ernst, bei gleichem Objektiv und einem Abzug in 40x60cm bin ich sicher, dass die Diskutanten keinen Unterschied feststellen würden.

Wer sich seitenweise darüber streitet, ob die D810 oder D800E bei ISO 6400 bessere Fotos macht, der würde sich auch darüber streiten, welcher Ferrari bei niedrigerer Motordrehzahl Tempo 280 erreicht. Ähnlich sinnvoll ist solch ein Streit.

Ich möchte niemanden untersagen, sich über sowas zu unterhalten – könnte ich auch gar nicht – aber vielleicht sollte man zwischendurch mal daran denken, die „Bälle etwas flacher“ zu halten. Besser wäre es ohnehin, öfters mal raus zu gehen und Fotos zu machen, von den eigenen Kindern, von Städten, Landschaften, Schiffen, Eisenbahnen …  was auch immer. Und dabei ist es ziemlich egal, welche der modernen Kameras oder klassischen Filmkameras man nutzt. Die sind eigentlich alle gut genug.

So, und nun ganz im Sinne von Peter Lustig aus Löwenzahn: „Abschalten!“ 😉

2 Gedanken zu “„Pixel-Peeping“ … ernsthaft?

  1. Ewald

    Für diese Einsicht habe ich auch ein paar Kameras benötigt. Bei der X-E1 fühle ich mich seit der Kodak P880 wegen der vielen „Direktzugriffsknöpfe“ wieder zu Hause. Ich kämpfe bezüglich des Super Weitwinkels auch noch mit mir und bin so hier gelandet.
    Danke für die tollen Beiträge! . . . und weiter so.

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