„Korea-Connection“

Das hätte ich noch vor ein, zwei Jahren nicht gedacht. Inzwischen hat sich bei mir eine ganze Garde an Samyang (Walimex) Objektiven angesammelt: Walimex 3.5/8 CS Fisheye, Samyang 2.0/12 (NCS) CS, Samyang 2.8/14 ED AS IF UMC und Samyang 2.0/16 ED AS UMC CS. (Das gute 1.4/85 brauche ich nicht, da ich ein besseres Nikkor-H 1.8/85 habe und die ebenfalls spannenden 2.8/10 und 1.4/24 habe ich „noch“ nicht.)

So sehen die Objektive, für Fuji X (original oder adaptiert) einsatzbereit aus:

samyanggarde1

Und so zum fertig zum Transport:

samyanggarde2

Man sieht, dass aufgrund der abnehmbaren Streulichtblende das 16er im Transport nicht größer ist als das 14er (welches allerdings Kleinbildtauglichkeit hat). Und ein 14er ist dann, wenn man ein 12er und ein 16er hat, kaum mehr sinnvoll, weshalb es wohl demnächst verkauft wird. Das Fisheye bleibt erst einmal. Oft nutze ich es nicht, aber für den Fall der Fälle…

Neue Perspektiven…

Im März dieses Jahres schrieb ich, dass ein „Vollformat“-Sensor vor allem dann Sinn macht, wenn man einen weiten Bildwinkel mit einer stärkeren Freistellung kombinieren möchte und dass ich, um an einer Fuji X die Wirkung meines ehemaliges Sigma 1.8/24 an der EOS 5D zu erreichen, ein 1.2/16 bräuchte. Nun, solch ein Objektiv gibt es noch immer nicht. Fuji hat zwar ein hochinteressantes 1.4/16 angekündigt, doch leider lässt sich Fuji nach solch einer Ankündigung immer ziemlich viel Zeit und wenn es zunächst heißt, ein Objektiv käme im Frühling 2015, so kann es leicht bis in den Herbst dauern, bis es tatsächlich auf dem Markt ist.
Immerhin gibt es aber durch Samyang Alternativen. Sowohl zum Fuji 4/10-24 als nun auch zum angekündigten 1.4/16: das neue Samyang 2.0/16 CS. OK, es ist kein echtes Äquivalent zu einem 1.8/24 am Kleinbild, kommt aber als (umgerechnet) 2.8/24 recht ordentlich nahe ran.

Da ich schon gerne die Möglichkeit haben wollte, einen Weitwinkel-Eindruck mit einem Freistellungspotential zu verknüpfen, konnte ich nicht anders. Seit zwei Tagen ist es in meiner Sammlung!

s16a
Samyang 2.0/16 ED AS UMC CS an der Fuji X-T1

Es ist schon ein ganz schön großer Brocken und geradeso noch handlich an der kleinen Fuji. Gekauft habe ich es mir mit Nikon-Bajonett, um es auch an meinen anderen Systemkameras nutzen zu können.

s16b
… und an der Nikon D7000

s16c

 

Die Haptik ist angenehm und entspricht der des Samyang 2.0/12, ist also etwas besser als beim 2.8/14 oder beim 3.5/8 Fisheye. Lediglich die mitgelieferte Streulichtblende ist sehr dünn und fühlt sich daher etwas „lapprig“ an, doch das ist „Jammern auf hohem Niveau“.

Und die Leistung?

Nun, noch kann ich nicht allzuviel schreiben, doch die ersten Eindrücke sind absolut beachtlich!

Yes! Weitwinkelfreisteller!!
Yes! Weitwinkelfreisteller!!

Und auch sonst scheint es sich ziemlich gut darstellen zu wollen:

s16e
Bitte klicken Sie auf das Bild, um es größer zu sehen…

 

Ein 100%-Crop daraus:

s16ecrop

Man muss beachten, dass ich dieses Stadtbild ganz bewusst bei Offenblende (= f/2.0!) (und auch noch durch eine Fensterscheibe hindurch) aufgenommen habe. Sowas ist eigentlich Unsinn, doch ich wollte mal sehen, was die Linse bei widrigen Umständen so bringt. Das ist ein Kompromiss, den ich gerne bereit bin einzugehen. 😉

Und es macht wirklich Lust auf mehr!!

(Jetzt brauche ich noch einen Novoflex-Adapter und gut ist. ;))

Cullmann Amsterdam Maxima 335

„“Die Arzttasche für den Fotografen.“

Man kann machen, was man will, die perfekte Fototasche wird man nicht finden. Es kann sein, dass man eine Tasche gefunden hat, die für eine Weile richtig gut passt: sie sieht gut aus, lässt sich bequem tragen und es passt alles, was man so mitnehmen möchte, hinein.

Doch spätestens, wenn man ein oder zwei neue Sachen dazu kauft, ist die Tasche schon wieder zu klein – oder man trennt sich von einigen Dingen und fragt sich, wozu man noch eine so große Tasche benötigt.

So bin auch ich ständig auf der Suche nach der optimalen Fototasche. Was habe ich nicht alles schon ausprobiert; von kleinen, mittelgroßen und extrem großen Rücksäcken, über diverse Fotokoffer bis hin zu kleinen, mittelgroßen und extrem großen Fototaschen. Und immer wieder war eine Tasche nur zeitweilig optimal. Dummerweise kommt so eben auch eine beachtliche Anzahl an Taschen zusammen, die dann meist herumstehen und nur hin und wieder Verwendung finden. OK, in letzter Zeit habe ich mich auf zwei Kalahari-Taschen (K41i und K12), eine schicke kleine Ledertasche (aus Asien), einen Kata-Rucksack (3N1-30) sowie meine neueste Errungenschaft, der Cullmann Amsterdam 335 konzentriert – alles anderen LowePro, Kalahari, Samsonite usw. – Taschen liegen in den Archiv-Regalen.

Hier möchte ich nun die Amsterdam 335 vorstellen.

Amsterdam335a

 

Sie wird gerne als „Arzttasche für Fotografen“ bezeichnet, weil sie sich wie eine der typischen Arzttaschen öffnet. Zwei Spangengelenke klappen weit auseinander und ermöglichen einen sehr leichten Zugriff auf das gesamte Equipment. Man muss also nicht erst hin und her räumen oder zwei Teile herausnehmen, bevor man an ein bestimmtes Objektiv kommt. Das ist äußerst praktisch. Die Tasche steht stabil und auf einem breiten Boden wodurch ein Umkippen eigentlich unmöglich wird. Der Reisverschluss ist durch eine Lippe abgedeckt, was eine hohe Abdichtung z.B. gegen Regen verspricht. Außen sind auf der einen Seite zwei Klapptaschen, in die man flaches Zubehör stecken kann und auf der anderen Seite eine breite Lasche angebracht, durch die man die Zugschiene eines Trolleys schieben, auf dass die Amsterdam 335 auf ebendiesem befestigt werden kann.

Innen bietet die Maxima 335 ziemlich viel Platz, so dass auch eine Ausrüstung hineinpasst, die aus zwei Kameras, Blitz und 6 Objektiven besteht. Kleine Seitentaschen innen nahmen Speicherkarten, Filter und ähnliches auf. Die Klettverbindungen der Unterteilungen sind OK. Ich habe schon fester greifende gesehen, aber sie bereiten keine Probleme.

Die 335 hat einen recht breiten Gurt mit einem Schulterpolster und ist, wenn nur wenig gefüllt ist, sehr gut zu tragen. Der Tragekomfort verschlechtert sich aber, wenn sie voll ist. Dann verwringt sie sich bedingt durch den diagonal laufenden Gurt. Dies erschwert wiederum das Öffnen. Ohnehin ist der Reisverschluss ein wenig hakelig, so dass ein einhändiges Öffnen nur selten gelingt. Dies kann unter Umständen schon für manchen Fotografen zum Ausschlusskriterium werden.

Wie sieht mein Fazit aus? Ich finde die Amsterdam ist eine exzellente „Lagertasche“. Man packt alles hinein, was man z.B. im Urlaub mitnehmen möchte und packt vor dort, passend für den jeweiligen Tag in eine kleine Tasche um. Sie ist auch perfekt als Auto-Fototasche, die auf dem Beifahrersitz steht und durch die große Öffnung exzellenten Zugriff ermöglicht. Ich würde sie allerdings nicht so gerne den ganzen Tag herumtragen und für die schnelle Reaktion bei umgehängter Tasche gibt es auch bessere Modelle.

Rømø – ein kleiner Reisebericht

Huch! Diesmal kein Artikel über Kamerazeugs? Nein, diesmal gibt es einen kleinen Reisebericht mit ein paar Tipps zu unserer Lieblingsinsel Rømø in Dänemark.

Quelle: Google Maps
Quelle: Google Maps

Rømø ist eine Insel unmittelbar nördlich von Sylt und somit die südlichste Nordseeinsel Dänemarks. Man erreicht sie in etwa eineinhalb Stunden von der deutsch-dänischen Grenze. Eine Straße auf einem Damm verbindet die Insel mit dem Festland, so dass man nicht per Fähre übersetzen muss. Man kann allerdings auch mit der Fähre von List auf Sylt nach Havneby gelangen.

Havneby hat einen kleinen Hafen, der außer als Fährhafen auch als Fischereihafen dient. Für fangfrischen Fisch ist also stets gesorgt. Wobei wir direkt beim ersten Tipp wären: Holms Røgeri & Restaurant. Wer Fisch mag, der wird hier glücklich. Ganz gleich, ob man den Fisch und die Meeresfrüchte in der „Butik“ kauft und zuhause isst oder ob man im Restaurant nebenan sitzt, der Fisch ist einfach vorzüglich!

Drei leckere Gerichte bei Holms.
Drei leckere Gerichte bei Holms.

Natürlich muss man auch irgendwo wohnen. Und dafür kann ich nur die dänischen Ferienhäuser empfehlen. Sie sind wunderhübsch, meist groß und sehr gut ausgestattet. Sowohl „Sonne und Strand“ („Sol og Strand“) als auch Dansommer kann ich als Agenturen sehr empfehlen.  (Unsere beiden Lieblingshäuser behalte ich aber für mich. ;))

 

Unternehmungen:

Lakolk-Strand

Der Strandabschnitt bei Lakolk in der Mitte der Insel an der Nordsee ist sozusagen der „Schwimmstrand“ von Rømø. Dort ist das Wasser relativ nahe am Strand tief genug, um Baden zu gehen. Man kann  mit dem Auto auf dem festen Sand recht nahe ans Wasser fahren. Es ist in der Hochsaison dort allerdings ziemlich voll, auch weil der Campingplatz von Lakolk unmittelbar hinter den Dünen liegt. In Lakolk befindet sich auch eine Art Einkaufszeile aus diversen Geschäften, Cafés und Imbissständen.

Eine tolle Sache ist die Möglichkeit sich bei Rømø Lys eigene Kerzen zu ziehen. Die fertigen Produkte werden dann nach Gewicht bezahlt. So lässt sich auch ein Regentag interessant gestalten.

 

Sønderstrand

sonderstr

 

Im Gegensatz zum Strand bei Lakolk ist der Sønderstrand (=“Südstrand“) meist sehr leer. Dort hat man einen großen Bereich für sich und so seine Ruhe, kann tun und lassen, was man möchte, stört niemanden und wird nicht gestört (Familien, Sonnenanbeter und FKK-Freunde genießen den Strand wohl auch aufgrund des vielen Platzes völlig unaufgeregt).

Für Schwimmer eignet sich der Sønderstrand allerdings nicht, da das Meer hier extrem flach ist und man wirklich weit hineingehen muss, um das Wasser zumindest bis zu den Knien zu haben. Selbst bei Flut bleibt an den Dünen noch ausreichend Platz, um sein Auto dort zu parken. Es sei denn, ein Sturm hat das Wasser von Südwesten her an den Strand gedrückt. Dann sollte man das Auto in Sicherheit gebracht haben. Aus diesem Grund ist das Campen dort auch untersagt.

Nach einer sturmgefluteten Nacht...
Nach einer sturmgefluteten Nacht…

Am Sønderstrand tummeln sich auch Kitebuggy-Fahrer und Strandsegler, die aber in der Regel das Areal um die Zufahrt herum nutzen und sich rücksichtsvoll gegenüber den anderen Gästen verhalten. Man sieht dort in windigen Zeiten auch zahlreiche Drachen, die den Himmel mit bunten Tupfen dekorieren.

Der Sønderstrand ist unser Lieblingsstrand und großartig, wenn man mit den Kindern spielen oder in Ruhe am Strand ein gutes Buch lesen will. Und auch bei Sonnenuntergang ist er überaus reizvoll:

StrandFBTt

 

Reiten auf Röm / Play- and Horsepark

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten auf Rømø, seine Zeit zu gestalten, ohne am Strand zu liegen – ich bin auch kein klassischer Strandurlauber, der 2 Wochen in der Sonne liegt, das ist mir viel zu langweilig. Eine Stelle, die man sich unbedingt ansehen sollte, ist der „Play- and Horsepark“. Dort gibt es nicht nur Unterhaltung für Kinder, sondern auch das Isländercenter. Dort kann man diverse Reittouren unterschiedlicher Anspruchsgrade buchen. Ein großes Vergnügen für alle Pferdebegeisterten.

kidsreiten

 

Alle, die nichts mit Pferden am Hut haben, können sich in Kongsmark Fahrräder leihen und auf zwei (oder vier) Rädern die Insel erkunden. Ein Naturcenter in der Mitte der Insel informiert auf einem Spaziergang über Flora und Fauna.

Jeder Nordseeurlauber weiß aber, dass man sich nicht immer auf zwei Wochen Sonnenschein verlassen kann. Doch in Dänemark gibt es mehr als genug Angebote, die helfen, sich auch bei Regen an den Urlaubstagen zu erfreuen. Rømø eignet sich durchaus als Ausgangsort für einen Tag im Legoland. Man fährt etwa 1 1/2 Stunden mit dem Auto auf Landstraßen, was durch die Geschwindigkeitsbegrenzung beinahe zwangsweise eine recht gemütliche Sache ist.

Wenn man über den Damm zurück auf’s Festland fährt, kommt man sehr schnell nach Skærbæk, einer kleinen Stadt, in der man einen etwas größeren Supermarkt findet, als es die „Kobmanns“ auf Rømø sind. Der örtliche „Brugsen“ bietet auch kulinarisch eine große Auswahl. Etwa 20 km von Skærbæk befindet sich Ribe, eine Stadt mit sehr schönem historischen Stadtkern. Doch bleiben wir einmal in…

Skærbæk

Denn zwei Freizeitangebote dieses Städtchens muss man besonders hervorheben: den Fritidscenter und den Oldtidspark Hjemstedt. Der Freizeitcenter bietet eine mannigfaltige Auswahl an Ablenkungen und Betätigungen, mit denen man auch mehrere Regentage nacheinander sinnvoll und unterhaltsam gestalten kann: ein schönes Hallenbad, Malkurse, Sportmöglichkeiten usw. sorgen für Abwechslung und von Rømø aus ist man in einer 1/4 Stunde dort.

Ebenso lange fährt man in den Oldtidspark Hjemstedt, der definitiv einen Besuch wert ist – vor allem in der Hauptsaison. In diesem Eisenzeitpark kann man sich darüber informieren, wie die Menschen in Dänemark von etwa 2500 bis 1500 Jahren gelebt haben. Während der Hauptsaison leben dort auch Familien so wie damals. Es besteht die Möglichkeit, für die, die sich so etwas vorstellen können, selbst einmal eine Woche auf diese Art zu verleben. Man beobachtet Korbmacher und Schmiede bei der Arbeit – alles historisch stimmig. Für Kinder wird ein tolles Programm geboten, vom Bogenschießen über archäologische Grabungen mit Zertifikat bis hin zum Malen eines eigenen Schildes. Gelegentlich sind Römer oder Germanen zu Besuch, die verschiedene Aktivitäten vorführen.

 Fähre nach Sylt

Schließlich bietet sich auf Rømø auch ein Tagesausflug nach Sylt an. Die Fähre von Havneby nach List fährt etwa 45 Minuten und man kann zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto übersetzen. Ein Tag auf Sylt lohnt sich immer. List, Kampen, Westerland … die kleinen Städtchen auf dieser schönen Insel bieten eine gerne mitzunehmende Abwechslung.

Kurzum, ein Urlaub auf Rømø ist überaus empfehlenswert. Wir waren (vor unseren Kindern) drei Mal und mit unseren Kindern ebenfalls drei Mal dort – und sicher nicht zum letzten Mal.

Die Dänen sind freundlich, relaxed und sehr kinderlieb. Die Insel und ihre Umgebung bietet zahlreiche Möglichkeiten, den Urlaub spannend, interessant und abwechslungsreich zu gestalten. Und die Luft an der Nordsee tut einfach gut!

WattFB_M

 

Ein, zwei, drei, vier Systeme – oder noch mehr?

Wenn man sich ein paar Jahre mit Fotozeugs beschäftigt, dann kann es vorkommen, dass man mehrere unterschiedliche Systeme ausprobiert hat. Es gibt Fotografen, die bleiben stets einem System (z.B. Canon EOS) treu. Dann gibt es welche, die irgendwann einmal wechseln (z.B. von Canon EOS  zu Nikon, von Nikon zu Fuji oder von Pentax zu Sony). Meist wird dann das „alte Geraffel“ verkauft, wenn das neue System angeschafft wird.

Manche Fotografen aber – und zu denen muss ich mich (leider) zählen, trennen sich nur selten von einem „alten“ System, sondern nutzen dann zwei, drei, später vier oder fünf, bisweilen sogar mehr parallel – manche davon intensiver als andere.

Nachdem ich vor ein paar Jahren schon einmal eine „Ausdünnung“ meines Equipments hinter mich gebracht hatte, steht nun wohl wieder eine ins Haus, denn ich habe hier folgende Systeme: Fuji X, Leica M, Pentax K, Nikon F, Canon EOS, Panasonic µ4/3, Nikon 1, M42, Olympus OM. Sony NEX, Fuji S und Sigma SD waren bisher diejenigen, die ich komplett abgestoßen habe.

Das sind dann sogar für einen „Sammler“ (O-Ton Jörg Langer) wie mich zu viele. Es fällt mir zugegebenermaßen schwer, mich von einem System zu trennen. Fuji X und Leica M sind absolut tabu und Nikon F steht mir im Moment auch sehr nah. Die Systeme, von denen ich mich vermutlich trennen werde sind Pentax K und Canon EOS, da die µ4/3-Kamera meine Frau sehr gerne nutzt und die Nikon 1 ein wunderbar kompaktes Set bildet.

Mensch, das sind vielleicht Luxusprobleme!

Das „Pentazhong Nocticon“…

‚Nabend!
Wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, sehe ich in vielem, über das in den bekannten Foren intensiv diskutiert wird, eine Art „Hype“, der durch eben diese Foren befeuert wird. Es gibt ein paar Ausnahmen. (So finde ich, dass z.B. im „digicamclub.de“ kein Hype gepflegt wird, sondern sich ziemlich sachlich über Kameras und Objektive ausgetauscht wird.)
Wie auch immer. Einer dieser Hypes ist das Fotografieren mit hochgeöffneten Objektiven. Alles, was eine maximale Blendenöffnung von mehr als f/1.4 hat, wird von Offenblendfans nicht mehr ernst genommen. Es muss schon ein f/1.2-Objektiv sein – wenn möglich noch „schneller“.

Schade ist nun, dass durch solch ein „Hype-Geplänkel“ bisweilen verloren gehen kann, dass es in der Tat sinnvolle Anwendungen für bestimmte fotografische Parameter gibt. Moderne Digitalkameras leisten bei ISO-Werten von über 6400 derart viel*, dass eine hochgeöffnete Blende nicht mehr für die „available light„-Fotografie benötigt wird – wohl aber für gestalterische Zwecke sinnvoll, ja sogar unabdingbar ist. Eine der Faustregeln, die jedem halbwegs erfahrenen Fotografen vertraut ist, ist die Beziehung von Blendenzahl und Schärfentiefe: je weiter eine Blende geöffnet ist, desto geringer ist die Schärfentiefe und desto stärker ist die Freistellung eines Motivs vor dem Hintergrund. Das gilt für jede Sensorgröße (allerdings spiele diese auch eine Rolle). Das bedeutet also, wenn ich ein Motiv freistellen möchte, kann ich eine hochgeöffnete Blende dafür nutzen. Dumm ist nur, dass ein Objektiv umso schwieriger und aufwändiger zu entwerfen und bauen ist, je weiter es öffnet. Die Kosten steigen exponentiell. Ein f/1.4-Objektiv ist daher deutlich teurer als ein f/1.8 und ein f/1.2 ist nochmals um einiges teurer als das f/1.4. Vom Leica Noctilux-M 0.95/50 wollen wir lieber gar nicht erst reden.
Wer aber diesen speziellen Effekt erreichen und nutzen möchte, der muss in den sauren Apfel beißen.

Es gibt auch – und an dieser Stelle sind wir wieder bei der „Adaptiererei“ – ältere manuelle Objektive mit Blende f/1.2. Diese zeigen aber häufig bei Offenblende deutliche Abbildungsfehler, weil eine komplette Korrektur einfach zu aufwändig gewesen wäre. Man muss also eine Beeinträchtigung der Abbildungsleistung in Kauf nehmen. „Mein“ 1.2er, das Nikkor-S.C 1.2/55 ist bei f/1.2 auch keineswegs fehlerfrei. Ich kann aber mit den Einschränkungen leben, dafür nutze ich immerhin Blende f/1.2!

Was bedeutet das nun? Extrem lichtstark + exzellente IQ bei Offenblende + günstiger Preis = nicht möglich.
Man muss entweder mit Abbildungsfehlern leben, auf die hohe Lichtstärke verzichten oder tief in die Tasche greifen.

Ein Objektiv, dass zeigt, was möglich ist, ist das Fuji XR 1.2/56. Es ist hochöffnend, schon bei Offenblende exzellent und mit rund €1000,- noch halbwegs bezahlbar. Das ist aber nur möglich, weil es „nur“ den APS-Bildkreis abdeckt. Schon das Canon EF 1.2/50 L, welches bei Offenblende nicht an die Leistung des 56er Fuji heranreicht, kostet das 1 1/2fache.

Ich habe nun eine Weile dem Engelchen und dem Teufelchen auf meinen Schultern zugehört und hin und her überlegt, ob das Fuji 1.2/56 eine sinnvolle Ergänzung in meinem Objektivset wäre. Irgendwie hätte ich es ja schon gerne. Doch würde ich ein Portraittele intensiv genug nutzen, um die Ausgabe zu rechtfertigen? Gewonnen hat das Engelchen und ich habe mich gegen einen Kauf entschieden – auch, weil ich einige sehr gute 1.4er und eben das 1.2er Nikkor bereits habe.

Während meine „internen Auseinandersetzung“ – da hätte so mancher Autor einen regelrechten „stream of consciousness“ draus machen können – habe ich mich daran erinnert, dass ich ein kleines Ausrüstungsteil, das in genau diese Richtung geht, noch gar nicht so richtig getestet habe. Zum Glück habe ich Urlaub und so stand einem Test nichts mehr im Weg.

Es handelt sich um den „LensTurbo“ von Zhongyi, der wiederum eine Art Klon des bekannteren und deutlich teureren SpeedBooster von Metabones ist. Das sind sog. „Focal Length Reducer“, deren optisches Linsensystem es möglich macht, das für das Kleinbild gerenderte Bild eines Kleinbild-Objektivs auf einen APS-Sensor zu „komprimieren“. Damit entfällt der „Crop-Faktor“ (beinahe). Ein 50mm-Kleinbild-Objektiv wirkt auch auf APS (in etwa) wie ein 50mm-Objektiv – etwa 10% muss man dazu rechnen, so dass man den Bildwinkel eines 55mm-Objektives erhält. Es findet also eine Reduzierung der Brennweite statt. Das 50mm-Kleinbildobjektiv wird zum 35mm-Objektiv (für den APS-Bildkreis) umgerechnet und wirkt durch den Crop-Faktor des APS-Sensors wieder wie ein 50er. Hier ist recht gut beschrieben, wie diese Wunderdinger funktionieren.
Das wirklich Verblüffende ist, so die Marketingsaussagen der Hersteller, dass auch die Abbildungsfehler reduziert werden und zudem eine Blende an Lichtstärke gewonnen wird. Das mit den Abbildungsfehlern ist m.E. nur theoretischer Natur, denn immerhin tritt ein weiteres Linsensystem in den Strahlengang, so dass die theoretisch-rechnerische Verbesserung schnell wieder aufgehoben werden kann, wenn die Linsen im Adapter nicht in Top-Qualität gefertigt sind. Aber Physik ist Physik und so war nicht nur die Brennweitenverkürzung (diesmal in echt!) sondern auch der Lichtstärkegewinn Grund genug, mich auf das „Abenteuer LensTurbo“ einzulassen.

Da zu der Zeit als ich den Zhongyi kaufen wollte für das Fuji-X System nur ein LensTurbo für Pentax-K-Objektive lieferbar war – und mir das als Pentax-Sympathisant auch gut in den Kram passte – bestellte ich also den FL-Reducer. Man kann fast alle Objektive mit Pentax-K-Bajonett daran nutzen. Ein 14mm wirkt wieder wie ein extremes Weitwinkel (etwa wie ein 15er). Allerdings muss man, je weitwinkliger das eigentliche Objektiv ist, umso stärker Abblenden, um noch eine ausreichend gute Eckleistung zu erhalten.

Da wir aber eingangs über „Freistellungs-Künstler“ gesprochen hatten, war nun für mich viel interessanter, ob sich der LensTurbo auch als „Noctilux-Ersatz“ eignet. Also flanschte ich ein SMC Pentax-A 1.4/50 an den Reducer. Diejenigen, die es kennen, wissen, dass es ein mehr als nur brauchbares Objektiv ist. Denn zaubern – also aus einem Flaschenboden ein Spitzenobjektiv machen – das kann kein noch so guter LensTurbo.

LTXT1

 

Wenn der Hersteller recht behält, so bietet das Objektiv an der X-T1 den Bildwinkel eines 55m-Objektivs am Kleinbild und zwar mit der Lichtstärke und der Freistellungskraft einer Blende f/1.0. Das ist also mein „Pentazhong Nocticon“. 😉

Hier nun der Vergleich zwischen dem Fuji XR 1.4/35 und dem Pentax-A 1.4/50 am LensTurbo:

14_14

 

Was kann man erkennen?

1. Der Bildwinkel der Pentax-LensTurbo-Combo ist etwas enger als der des Fuji. Da das Fuji in etwa einem 52mm-Objektiv entspricht, könnte die Combo durchaus im Bereich von 56mm liegen.

2. Die Freistellung ist mit der Combo in der Tat stärker als mit dem Fuji. Da kommt eine Blende f/1.0 durchaus hin, wie auch folgende Bilder zeigen:

14_20

14_28

Die Freistellung des Fuij bei Blende f/1.4 entspricht eher dem Pentax bei f/2.0 (vielleicht sogar f/2.8) am LensTurbo.

3. Die Belichtungszeit war mit der Combo deutlich kürzer. Auch dies deutet bei gleichbleibender ISO-Einstellung auf eine höhere Lichtstärke hin. Dies schwankte aber von „halb so lange“ bis „30% kürzer“ – was mit der Belichtungsmessung der Kamera zu tun hat.

Fazit? Der LensTurbo funktioniert! Man erhält einen weiteren Abbildungswinkel, eine höhere Lichtstärke und ein größeres Freistellungspotential. Wenn es die Combo Pentax 1.4/50 + LensTurbo als ein Objektiv für APS gebe, dann wäre es vermutlich ein „1.0/38“. Das ersetzt natürlich weder ein Fuji XR 1.2/56 noch ein Noctilux, aber immerhin. Wenn man bedenkt, dass man diese Combo zusammen für unter €300,- bekommen kann, bietet sie ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis.

 

____________________________

* Von solch einer Bildqualität konnte ich damals als ich auf Film fotografiert habe nur träumen. Wenn ich an die Fotos denke, die ich mit einem auf ISO 3200 gepushten Fuji 1600 gemacht habe… Kein Vergleich zu heute!