Die Weitwinkel-Odyssee…

… oder: Wenn man stur seinen Prinzipien folgt, dann dauert es eben etwas länger. 😉

Ich habe ein Prinzip: „Es gibt preisliche Obergrenzen, die ich für Fotozeugs akzeptiere.

Meine persönlichen Grenzen liegen in einem Bereich, der für viele schon sehr, sehr hoch klingt, für andere aber wenig nachvollziehbar in seiner grundlegenden Existenz ist. Beide Kritiken an meiner Entscheidung sind absolut nachvollziehbar und werden von mir sehr ernst genommen, denn sie kommen unter anderem von sehr, sehr guten Freunden.

Meine Schmerzgrenze, die ich nicht überschreite (und das gilt sowohl für neue als auch für gebrauchte Produkte) liegt für Kameras bei €1200,- und für Objektive bei €500,-. Ich sagte einmal zu einem Fotofreund, dass ich nie mehr für ein Objektiv ausgeben wolle als ich mit einem Schein bezahlen könnte. Und solange es keine €1000,–Scheine gibt… 😉

Für viele klingt das schon nach sehr viel Geld. Das ist es auch. Doch wenn ich andere Hobbys hätte, wären das eher kleine Summen. Fragen Sie einmal einen Paraglider oder einen Motorradfahrer. Es ist zudem so, dass ich oft (eigentlich immer) „ältere“ Sachen verkaufe, um mir von dem Erlös etwas Neues kaufen zu können. So wird ein und dieselbe Summe „umgewälzt“ –  durch gelegentlich kleine Finanzspritzen aufgefrischt.

Aber warum schreibe ich das? Nun, es gibt die absolut nachvollziehbare Frage: „Warum kaufst du dir nicht einfach von vorneherein des Beste, auch wenn es einmalig dann eben deutlich teurer ist?“ Darauf muss ich dann zum einen mit dem oben genannten Grundsatz antworten, dass ich mir kein Objektiv für €1000,- kaufen möchte, zum anderen spielen zwei weitere Gründe eine Rolle:

1. Ich habe mehrere Systeme in Benutzung und durch die Beschränkung auf €500,- pro Objektiv ist es mir möglich, Objektive in ähnlichen Brennweitenbereichen für mehrere Systeme zu besitzen.

2. Ich „spiele“ gerne und probiere überaus gerne mit unterschiedlichen Kameras und Objektiven herum. Das könnte ich mir schlichtweg nicht leisten, wenn ich mir die teuersten Objektive (und dafür aber nur wenige) kaufen würde.

Andere Fotografen sehen das genau andersherum und ich kann das sehr gut verstehen. Doch da gibt es eben unterschiedliche Präferenzen.

Ganz akut stand ich wieder einmal vor genau solch einer Entscheidung. Ich habe hier im Blog ja schon des öfteren über Weitwinkel-Objektive geschrieben (z.B. “Going ultrawide”) und mir auch bereits Gedanken über extreme Weitwinkel an den X-Fujis gemacht:  Schöne Neue Weitwinkelwelt. In diesem Artikel beschrieb ich wie ich mich gegen das exzellente Fuji 10-24 und für eine Alternativlösung entschieden habe, verbunden allerdings mit erkauften Nachteilen: entweder ist solch eine Alternative sehr groß und schwer (wie z.B das Sigma 12-24) oder nicht besonders lichtstark (wie z.B. das Voigtländer 4.5/15).

Seit kurzer Zeit ist aber ein Objektiv auf dem Markt, auf das schon so mancher gewartet hat: das Samyang 2.0/12 CS – ein sehr lichtstarkes und dennoch sehr kompaktes Superweitwinkel-Objektiv für spiegellose APS-Systemkameras.

XT1S12

Es hat – wie alle Samyang-Objektive – keinen Autofokus, was mich aber bei dem exzellenten Peaking der Fuji und bei solch einem Weitwinkel rein gar nicht stört. Im Gegenteil, es kann dadurch kleiner, leichter und preisgünstiger sein.

Der direkte Vergleich mit andere starken Weitwinkel-Objektiven macht deutlich, in welch überzeugender Weise es Samyang versteht, Kompaktheit mit Lichtstärke zu vereinbaren:

sizeS12
(v.l.n.r.) Voigtländer Super-Wide Heliar 4.5/15 (M39), Samyang 2.0/12 CS (X), Samyang 2.8/14 (PK-X-Adapt.), Sigma 12-24 (AF, PK)

Ob nun auch die als unmöglich geltende Quadratur des „Objektiv“-Kreises gelingt, zur Lichtstärke (f/2.0!), Kompaktheit und recht günstigem Preis (unter €400,-)  zusätzlich eine hohe Abbildungsleistung zu integrieren, und ob meine WW-Odyssee damit beendet ist, das soll ein demnächst folgender Bericht klären.

 

Ein Retro-Gurt für den Retrofreak (Barton1972)

Wie das eben so geht. Man sitzt spät am Abend noch am PC und „surft“ ein wenig auf Blogs und Gear-Seiten herum und stolpert zufällig auf eine Seite, auf die man nie und nimmer von selbst gekommen wäre: Barton1972.

Dort gibt es nicht nur schöne Kamerataschen, sondern auch Kameragurte – und das ist ja genau „mein Ding“. Gibt es einen schöneren Weg, seine Kamera zu tragen, als sie an einen Echtleder-Gurt über die Schulter zu hängen? Der Geruch von Leder ist sehr angenehm und das Anfassgefühl (ich mag dieses Wort!) einmalig.

Nun, bei Barton1972 haben sie eine „Re-Pro“-Reihe aufgelegt, eine limitierte Edition klassischer Modelle und genau dort fand ich ihn, den „Composer„. Dunkelbraun („buffalo brown“), mit wunderschöner Struktur und mit einem Preis von US$ 45,- in einem akzeptablen Rahmen. Da musste ich nicht lange überlegen. Bestellt habe ich ihn am 09. Juni und sofort per „BezahlFreund“ bezahlt. 😉

Heute, nur 11 Tage (nicht 11 Werktage, nein, 11 Tage!) später war er schon da, per Einschreiben. Große Klasse. Wenn man bedenkt, wie lange man zum Teil auf Sendungen aus Asien warten muss. Mein Kompliment!

Der „Composer“ wird geliefert in einer neutralen aber stabilen Pappschachtel, auf der einzig der Firmenaufdruck zu sehen ist. So kann man auch mit einfachsten Mitteln stilvoll sein.

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Darin findet man einen kleinen, schwarzen Beutel, der sich anfühlt wie aus Seide gemacht.

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Und darin befindet sich dann der eigentliche Gurt:

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Beim Herausnehmen strömt einem der tolle Ledergeruch entgegen (und nicht der Geruch von Chemikalien wie bei manch anderem Hersteller).

Der Gurt ist wunderbar verarbeitet und hat zahlreiche clevere Detaillösungen, wie z.B. eine Art Schutzhutze für die Verstellschnalle. Das Leder ist wunderbar weich und fasst sich toll an. Mein erster Eindruck ist echte Begeisterung.

Und an der X-T1 (für die der Composer gedacht war) macht er sich sehr gut, nicht wahr?

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Jetzt bin ich gespannt, wie er sich im (beinahe) täglichen Gebrauch macht und in use bewährt. Werde berichten…