„Zelenograd-Connection“ (Sony A7, Teil 2)

Sojus neruschimy…“ – russisches Altglas an der A7.

OK, im Moment ist die westliche Welt nicht allzu gut auf Russland zu sprechen, was ich auch verstehen kann, wenn Zar … Verzeihung … Präsident Putin es für eine gute Idee hält, die Souveränität eines anderes Staates, im aktuellen Fall der Ukraine, einfach mal so zu ignorieren. Nun denn, dies ist kein politischer Blog und außerdem hat das hier an der A7 vorgestellte Objektiv nur sehr indirekt mit dem heutigen Russland zu tun. Es wurde in der damaligen Sovietunion gebaut, in einer Zeit, in der das Verhältnis zwischen Ost und West ähnlich kalt war, wie es das nun wieder zu werden droht.
Hach, es ist aber auch schwer, schreibenderweise nicht in diese Grube abzurutschen!

Kurzum, es geht um das Jupiter-3 1.5/50 , gebaut in der Zagorksy Mechanische und Optische Fabrik, kurz ZOMZ, in Selenograd, einem Verwaltungsgebiet von Moskau, der als das „russische Silicon Valley“ galt.

Das Jupiter-3 besteht optisch aus 7 Elementen in 3 Gruppen und gilt als Kopie des Zeiss Sonnar 1.5/50, zumindest basiert es auf dieser Rechnung. Es ist ein Objektiv für Messsucherkameras und hat ein M39-Schraubgewinde für die russischen Leica-Nachbauten von Zorki oder FED.

Bis vor einigen Jahren konnte man dieses Objektiv, trotz der hohen Lichtstärke, für unter €50,- in Internet-Auktionen ersteigern. Diese Zeiten sind vorbei. Zahlreiche Internet-Foren und die lobenden Berichte darin habe die Preise derart in die Höhe getrieben, dass man heute für ein gut erhaltenes und voll funktionierendes Exemplar gut das Dreifache bezahlen muss.

Das  im Namen bedeutet, dass meine Version eine Linsenvergütung (=coating) hat, was den Kontrast erhöht und die Neigung zur Schleiern im Bild mindert.

Aufgrund des kurzen Auflagemaßes eines Messsucherobjektivs lässt sich diese Linse nicht an einer DSLR betreiben und so kam die Zeit seiner Wiederauferstehung erst als die spiegellosen Systemkameras (in erster Linie µ4/3 und NEX) auf den Markt drangen. Bisher musste man dabei aber einen 1.5x oder 2x Crop in Kauf nehmen. Nun, mit der Sony A7 wird das Jupiter wieder so genutzt, wie es gedacht war, als 50er. (OK, mit einer Leica M9 ist das auch schon gegangen, doch zu einem ganz anderen Preis.)

Das chrom-silberne Objektiv macht sich recht gut an der Sony:J3A7up

Die Streulichtblende ist nicht original, tut dem Objektiv aber wirklich gut! Der verwendete Adapter hat ein zusätzliches Helicoid, mit dem man den für Messsucher-Objektive typische recht langen Mindestfokusabstand von 1m deutlich unterschreiten kann. Das macht auch Nahaufnahmen möglich.

Das Jupiter-3 ist kein Objektiv, das man mit einem modernen 1.4/50 vergleichen darf. Es zeigt einen ganz eigenen Charakter, mit einem sehr speziellen Bokeh (vor allem bei den Spitzlichtern) und einem „glow“, der vielen älteren Linsen von Leitz zugeschrieben wird. Dieser Effekt entsteht aus leichten Überstrahlungen vor allem an Kontrastkanten und bringt Bilder manchmal in der Tat zum „Leuchten“.

Warum denn nun solche ein eigentümliches Objektiv an der hochmodernen A7?

Nun, gerade das macht doch den Spaß aus. Inzwischen kann scharf und kontrastreich jeder. Sogar Zoom-Objektive sind, was diese Eigenschaften angeht, über die meisten Zweifel erhaben. Den ganz persönlichen Charakter eines alten Objektivs aber zu entdecken ist das, was den „Altglasfreaks“ zittrige Hände bringt und ihren Speichelfluss schlagartig erhöht. 😉

Und in der Tat, das J3 und die A7 sind ein tolles Team!

Kommen wir zu der „Persönlichkeit“ des Jupiter-3. Den „glow“ kann man auf diesem Bild recht gut sehen:

j3cams

Durch eine Beleuchtung von oben auf das silberne Dachkantenprisma der Nikon F wird er besonders ausgeprägt dargestellt. So deutlich (und damit beinahe störend) ist er nicht immer.

Bei größeren Abbildungsmaßstäben und weiter zum Bildrand hin werden im Unschärfebereich aber auch schnell CAs sichtbar. Die gehören ebenso zum J3 dazu:

j3exa15

Als lichtstarkes 50er am Kleinbild, lässt sich natürlich auch mit einer knappen Schärfentiefe spielen:

j3flow

j3fig

In diesem Bild kann man schon die ausgeprägte Darstellung der Unschärfe-Spitzlichter erahnen. Im folgenden Bild wird dies ebenfalls deutlich, genau wie erneut die knappe Schärfentiefe:

j3lei

Auch, wenn das vergütete Jupiter-3 gut mit Farbfotografie klar kommt…

Bild 2

…würde ich es vornehmlich für die S/W-Fotografie empfehlen. Mit ein wenig Nachbearbeitung am PC liefert es einfach zauberhafte Bilder:

Bitte nicht böse sein, aber ich möchte das Bild meiner Tochter nur ungern in hoher Auflösung hier zeigen.
Bitte nicht böse sein, aber ich möchte das Bild meiner Tochter nur ungern in hoher Auflösung hier zeigen.

Fazit: Die Sony A7 haucht dem Jupiter-3 neues Leben ein und das Jupiter-3 entführt die Sony in ganz fremde Welten. Die beiden ergänzen sich hervorragend. Jeder, der eine A7 hat, sollte die Augen nach einem Jupiter-3 1.5/50 offen halten!

Mehr Infos zum Objektiv? Hier gibt es reichlich…

Ein Gedanke zu “„Zelenograd-Connection“ (Sony A7, Teil 2)

  1. Pingback: Sony A7 (Eine Serie) | RetroCamera.de

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