“Willkommen im Meer”

Unbedingt kaufen! Unbedingt lesen! Unbedingt weiterempfehlen!

http://www.amazon.de/Willkommen-im-Meer-Kai-Eric-Fitzner/dp/1505428777/

Das Buch ist klug, witzig und tiefsinnig zugleich.

Der Autor (Kai-Eric Fitzner) ist ein Studienfreund von mir und es geht ihm im Moment gesundheitlich wirklich nicht gut. Jedes Buch, das verkauft wird, unterstützt seine Familie.

Inzwischen hat es – durch eine außergewöhnliche Social-Media-Kampagne von Kais Freunden – das Buch auf die Nummer 1 der Bestsellerliste von Amazon geschafft! Ich wette, dass all die Verlage, die Kai damals abgeschmettert haben, sich nun schwarz ärgern. Hoffentlich!

Ich habe Kais Buch 2011 gelesen und auf Amazon eine Rezension veröffentlicht:

Seit langem habe ich mich nicht mehr so unterhalten gefühlt beim Lesen eines Romans.

Gerne würde ich mich mit dem Autor darüber unterhalten. Einzelne Charaktere finde ich umwerfend gut (“Mutter”), andere etwas in literarischer Freiheit überzeichnet (Meinhardt – ein “telling name?”).

Wenn der Text hin und wieder in eindimensionale, beinahe platte Phasen abzuschlittern droht, so kommt unmittelbar eine Wende und es entsteht daraus eine profunde Anregung für den Fortgang der Geschichte und die eigenen Gedanken. Das finde ich großartig!

Überhaupt hat mich die Lektüre des Buches mehrfach, so häufig wie selten ein Buch dieses Umfangs, zum Nachdenken angeregt. Es stecken sehr viele weise Aussagen darin.

Nicht nur die Hauptaussage, die mit der Überraschung für Tim zusammenhängt, bietet sich für intensive Diskussionen an (Was wäre, wenn keine so mächtige weil reiche Schwiegermutter hinter ihm stünde? Wäre er dann nicht tatsächlich in den von ihm so verabscheuten Sachzwängen gefangen? Soll es Mut machen? etc.), nein, auch die vielen kleinen Philosophien, die sich im Text verstecken, sind äußerst anregend.

Es hat mir auf jeden Fall enorm viel Spaß gemacht, das Buch zu lesen und ich bin sicher, es ist in der Lage, den Leser zu verändern. Ich jedenfalls habe wieder angefangen über meine Situaton nachzudenken und mich selbst dabei ertappt, mich solchen Sachzwängen nur allzu leicht hinzugeben und sie zu akzeptieren. Ob ich etwas zu ändern vermag, kann ich nicht sagen, doch alleine wieder einmal darüber nachzudenken und sich dieser Situation bewusst zu werden, ist schon viel wert, nicht wahr?

Es lohnt sich wirklich!

Perfektes Timing!

Vor gut einer Woche berichtete ich davon, dass mein MF-Set nun bald komplett sei – und (in den Kommentaren) davon, dass der Verkäufer des MIR-26 mir die falsche Version des Objektivs geliefert hat (da sehe ich schon einen EBAY-Fall, denn bisher hat er nicht auf meine Nachrichten geantwortet). Mitte der letzten Woche habe ich dann eine Alternativ-Lösung gefunden, die mir bisher immer zu teuer war: das Zeiss Flektogon 4/50 (das an der Pentax 645 in etwa einem 28er am Kleinbild entspricht).

Heute bereits ist es  – und damit perfekt für das morgige “Analog-Revival-Treffen” getimed – bei mir angekommen. Respekt! Das ging flott. Das Flektogon ist zudem in einem sehr guten Zustand. Klasse!

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Jetzt ist mein 6×4.5-Set wirklich komplett!

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Neben dem ausgezeichneten “Universal-Portrait-Zoom” Pentax-A 4.5/80-160 und der lichtstarken Normalbrennweite Vega-12B 2.8/90 rundet nun das Carl Zeiss Jena Flektogon 4.0/50 das Set im Weitwinkelbereich ab. (Dir Frontlinse ist echt ein Monster! 86mm!!)

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Das Vega und das Zeiss sind Pentacon SIX Objektive, die ich sogar an meine DSLRs und Systemkamera adaptieren kann, den passenden Adapter hatte ich bereits. (Für das Pentax-Zoom ist mir der Adapter zu teuer.)

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Obwohl wir morgen ja auf S/W-Kleinbild-Film fotografieren und die Rollen anschließend direkt entwickeln wollen, kommt das Set mit. Niemand der Fotofreunde, die ich morgen treffe, hat je auf Mittelformat fotografiert. Das wird für sie sicher spannend!

Manchmal läuft es schneller als man es erwartet. (Zumal gerade der Paketdienst geklingelt und den DIN A3-Drucker geliefert hat, den wir frühestens für Montag erwartet haben. ;) )

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Hier gibt’s ein paar Infos zu den Pentacon SIX Objektiven…

Der Zauber des Imperfekten…

… die Ästhetik des Fehlers.

Ich erwische mich immer öfter dabei, ein Bild, das auf der Suche nach Perfektion gemacht wurde, eher langweilig zu finden. Fotos, die strikt (und man mag sagen unflexibel) den altbekannten “Regeln” folgen, wirken zwar harmonisch aber oft auch zu glatt gebügelt. Sie haben selten Kanten, an denen ich mich stoßen kann, die mich aber länger in der Betrachtung verweilen lassen.
Das soll nicht heißen, dass ich Fotos, die von Kompositionsfehlern nur so strotzen bevorzuge oder dass jedes Bild bei mir unscharf sein muss. Absolut nicht! Doch wenn ein Foto sehr ausdrucksstark ist, stört mich eine leichte Unschärfe nicht.

Hier ist das Verwischen ein maßgeblicher Bestandteil der Bildwirkung.

Hier ist das Verwischen ein maßgeblicher Bestandteil der Bildwirkung.

Ebenso wenig muss ein Gesicht auf einem Portrait immer im Goldenen Schnitt liegen, nein, es kann auch zentral passen.

Aufgrund der besonderen Dynamik des Ausdrucks hier war es für mich geradezu unabdingbar, das Gesicht zentral zu positionieren.

Aufgrund der besonderen Dynamik des Ausdrucks hier war es für mich geradezu unabdingbar, das Gesicht zentral zu positionieren.

Gleiches gilt natürlich nicht nur für Portraits:

Das Riesenrad ist ja total mittig. Ja, und? Warum denn auch nicht?

Das Riesenrad ist ja total mittig. Ja, und? Warum denn auch nicht?

Muss denn das eigentlich zu erwartenden Hauptsujet immer scharf angebildet sein? Nein, keineswegs, denn nicht die Personen sind der Kernpunkt dieses Bildes sondern die Bank.

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Und eine korrekte Belichtung des Sujets kann durch eine hochkontrastiges Spiel von Licht und Schatten ersetzt werden:

Die Personen sind eigentlich zu dunkel, aber mit war hier das Gegenlicht und der Schattenwurf viel wichtiger.

Die Personen sind eigentlich zu dunkel, aber mir war hier das Gegenlicht und der Schattenwurf viel wichtiger.

Manchmal ist gerade der Aspekt eines Fotos, den andere bemängeln würden, für mich der interessanteste.
Nichts für Ungut, aber der 10.000ste perfekt nach den Regeln belichtete und komponierte Sonnenuntergang ruft bei mir nur ein gelangweiltes Gähnen hervor und das 50.000 Blümchen aus dem eigenen Garten – sei es auch noch so hübsch – lässt mich ganz schnell weiterblättern, -scrollen oder -klicken.

Lobsien, Olk und Münchberg schreiben in ihrer Abhandlung “Vollkommenheit: ästhetische Perfektion in Antike, Mittelalter und früher Neuzeit” (2010): “[Es] ist der formale Imperativ nicht die Annäherung an Perfektion, sondern das Prinzip der varietas, die Mischung von […] Durchgeistigtem und Grobem, von niederem und hohem Stil […] Es entspricht dieser Option für die Imperfektion des Irdischen […]” (S. 115)*

Ein kleiner Teil, der rauh, grob oder regelbrechend daherkommt und sich ins Bild einschleicht, weckt Interesse und Aufmerksamkeit beim Betrachter. Auf Fotos kann das auch eine Vignettierung sein oder ein Filmkorn. Beides ist in der Lage den Eindruck von Authentizität zu erhöhen. Ich entwickle meine S/W-Filme eigentlich nie in Richtung FineArt, sondern immer kontraststark und mit deutlichem Korn (also etwas länger und in etwas wärmeren Entwickler als gemeinhin empfohlen).

Dieses Foto (es ist nur ein starker Ausschnitt) meiner Frau finde ich großartig, obwohl es in diesem Crop objektiv für ein Portrait ein zu starkes Korn zeigt. Ihr zauberhaftes Lächeln wird davon aber nicht beeinträchtigt.

Niki

Das Korn erzählt vielmehr für mich von der Situation, in der ich das Foto gemacht habe – ein völlig spontaner “Schappschuss” in unserem Esszimmer, im Halbdunkeln durch die Rollos von der hell scheinenden Sonne draußen abgeschattet. Die Kinder spielten im Garten und wir scherzten und alberten herum, als ich sie lachen sah und schnell die Kamera nach oben riss, um das Foto zu machen.

Wie hier im Blog bereits beschrieben, bin ich Amateur im eigentlichen Sinne. Ich fotografiere, weil es mir unglaublich viel Spaß macht. Ich muss keine Fotos machen, die meinem Auftraggeber zusagen, sondern kann die machen, die mir gefallen. Da sehe ich mich in einer überaus luxuriösen Lage. Doch auch Profis, die selbstbewusst genug sind, hier und da die Dinge so durchzuziehen, wie sie es möchten, begeben sich gelegentlich genau dort hin: so wie Paul Ripke bei der WM – für mich eines der besten Fotobücher der letzten Jahre. Man sieht den Bildern an, dass Ripke diese Momente ebenso magisch fand wie wohl alle deutschen Fußballfans und sein Tun dort einfach nur genossen hat! **

Sicherlich wagt man sich, wenn man solch einen Weg, den Pfad des “es-muss-mir-gefallen” geht, in unsicheres Terrain. Man setzt sich offener der Kritik anderer aus als man es tut, wenn man sich an “die Regeln” hält. Doch schon Umberto Eco, den ich sehr verehre, schreibt in seinem Buch “Die Geschichte der Schönheit” (2004):

“Das, was schön ist, wird durch die Art und Weise definiert, in der wir es erfahren, und man analysiert das Bewußtsein [sic!] desjenigen, der ein Geschmacksurteil äußert. Die Diskussion über das Schöne verschiebt sich von der Suche nach Regeln zu seiner Hervorbringung […] zur Betrachtung der Wirkungen, die es hervorruft […]” (S. 275)

Seit dem 18. Jahrhundert gilt, gemäß Eco, dass die “Rechte des Subjekts die Erfahrung des Schönen völlig zu definieren beginnen” (ebd.). So sehe ich das auch für meine Fotografie.

Regeln sind eine nützliche Sache, wenn man anfängt, sich mit gestalterischen Elementen zu befassen. Es sollte aber der Zeitpunkt kommen, an dem man – die Regeln kennend – sich bewusst von ihnen entfernt, um durch eine kleine Imperfektion dem “Auge was zu kucken” zu geben (wie es Freund von mir neulich so treffend formulierte).
Nicht ohne Grund finden viele Fotografen gelegentlich den Weg zurück zum analogen Bild, nicht ohne Grund lebt die Lomographie wieder auf, nicht ohne Grund sind Retro-Apps bei Handy-Fotos so beliebt. An der Goethe-Uni Frankfurt läuft dazu derzeit sogar ein Dissertations-Projekt: “Zur Ästhetik des Imperfekten. Analoge Artefakte, digitale Simulakren und  die Re/Auratisierung des Virtuellen“.

“So denn”, mag man ausrufen: “macht euch ans Werk!”
Zücken Sie die Kameras, ganz gleich ob analog oder digital und zeichnen Sie die Wirklichkeit auf so wie Sie sie sehen und nicht, wie andere es Ihnen sagen. Dabei wünsche ich viel Mut und ganz viel Spaß!

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* Lobsien,Olk und Münchberg beziehen das zwar auf die Werke von Baccaccio und Dante, mir scheint das aber auch für die Ästhetik der Bildsprache treffend.

** Auch Ben Bernschneider zieht “sein Ding” durch.

P.S.: Beim “Weltenschummler” habe ich einen sehr netten Artikel gefunden, der sich auch mit diesem Thema beschäftigt.

Mittelformat im Hessenpark

Na, wenn das kein “retro” ist. ;)

Gestern kamen ein paar Leica-Freunde zu ihrem alljährlichen Treffen im Hessenpark zusammen. Das hat inzwischen eine über 10jährige Tradition und ich war natürlich auch dabei. Im Leica-Forum wird darüber berichtet. Die Zeit vertreibt man sich dabei mit Fotos machen, Kameras und Objektive “begrabbeln”, Kaffeetrinken und vor allem damit, sich überaus nett zu unterhalten.

Collage

Einige meiner Fotos, die mit der Nikon Df oder der Leica M8 entstanden sind.

Das Angenehme an diesen Treffen ist auch, dass obwohl alle irgendwo Leica-Fans sind, viele auch gerne mit anderen Kameras fotografieren und daher keine anderen Marken ausschließen. Es sind eben keine Dogmatiker, sondern Menschen, die gerne Fotos machen und zwar mit Apparaten, die ihnen Spaß bereiten.

Also nutzte ich die seltene Gelegenheit eines freien Tages (es war übrigens mein erster freier Tag nach 27 Arbeits-Tagen in Folge!), um die Pentax 645 mal an die frische Luft zu bringen. Und um das Ganze auch zu einem kompletten Erlebnis zu machen, fotografierte ich auf einem S/W-Film, einem (leicht abgelaufenen) Rollei R3, den ich selbst entwickeln und einscannen konnte.

Hier nun einige der Fotos aus der 15er-Rolle.

Belichtet auf ISO 320 in der Pentax 645 mit dem Pentax-A 4.5/80-160 bzw. dem Vega-12B 2.8/90, entwickelt in Kodak D-76 (stock, 11 min bei 22°C und minütlicher Agitation), fixiert in Tetenal Superfix Plus, “quick’n’dirty” Scan mit dem Epson 3200 und Tonwertanpassung per Photoshop CC.

Diese Bilder sind keineswegs “besser” als diejenigen, die ich mit meinen Digitalkameras mache, aber es ist schon ein tolles Gefühl, komplett alleine für diese Bilder verantwortlich zu sein. :)

Manchmal findet man…

… irgendwo im Internet eine Seite, auf der sich jemand mit dem gleichen Hobby über alles möglich auslässt. Womöglich geht es anderen mit RetroCamera.de so. An dieser Stelle möchte ich aber die Website von Lewis Collard vorstellen. Dort werden zahlreiche Artikel über allerlei Bereiche der Fotografie geboten. Nicht immer stimme ich mit ihm überein, aber oft regen seine Text an, über eine Sache nachzudenken.

Auf “Cameras and other things” listet er diverse Artikel auf, die er über unterschiedliche Kameras geschrieben hat. Gefunden habe ich seine Seite übrigens über seinen Text zur Kiev-88.
Collard berücksichtig auch die älteren DSLRs, die in den Augen mancher Fotografen geradezu “obsolet” erscheinen: Nikon D1 und ein Vergleich von vier älteren und daher günstigen Nikon-DSLRs.
Er listet auf, welches System sich wie gut mit M42-Objektiven verträgt und äußerst sich zu Tipps und Ratschlägen von Foto-Internetseiten, wobei er zahlreiche “Foto-Mythen” anspricht.
Ebenso erklärt er ausführlich was es mit der Schärfentiefe auf sich hat und womit sie zusammen hängt.

Seine Seiten sind einen Besuch wert!

P.S.: Von Collard’s Seiten aus habe ich diese nette Liste von 10 typischen Anfängerfehlern gefunden. ;)

MF-Set bald komplett…

Wenn man ein neues System ausprobiert, hat man ja zunächst einmal ein oder vielleicht zwei Objektive. Gefallen einem Kamera und Linsen, dann erweitert man normalerweise das Set um die Brennweiten, die einem noch nützlich erscheinen.

So habe ich das auch mit der Pentax 645 gehandhabt. Zunächst einmal schauen, ob man damit klar kommt und ob einem das Fotografieren damit zusagt. Dafür hat das 4.5/80-160 mehr als ausgereicht. Das Urteil ist gefällt: Es macht mir extrem viel Spaß, damit zu fotografieren.

Da ich aber zahlreiche andere Systeme hier habe, möchte ich für ein weiteres keine mehrere hundert Euro mehr ausgeben, sondern suche – wie eigentlich immer – nach dem für mich besten Preis-Leistung-Verhältnis. Das kann man als “kompromissbereit” bezeichnen. OK, damit habe ich kein Problem, denn ich sehe in einem “Kompromiss” nichts Negatives – vor allem dann nicht, wenn man bedenkt, dass ich mit meinem Fotozeugs kein Geld verdiene. Irgendwo muss man dann doch ein wenig vernünftig bleiben. Also heißt es den Spaß mit der Ratio zu verknüpfen.

Wenn es nun um preisgünstige Objektive geht, die dennoch ordentlich verarbeitet sein und auch eine gute Leistung bringen sollen, dann beschreite ich für das Mittelformat den Weg, den ich zu Beginn meiner “manuellen Adaptierphase” für das Kleinbild gegangen bin: russische Linsen. Was dort (für’s Kleinbild) die M42er waren, sind hier (für’s Mittelformat) die Objektive für die Kiev 60 bzw. die Pentacon SIX. Das sind mehr als ordentlich abbildende Linsen in robuster Metallfassung, die man für die Hälfte oder sogar ein Drittel des Preises japanischer Objektive finden kann. Von den deutschen Modellen für die schwedischen Mittelformat-Kameras ganz zu schweigen!

Das erste Objektiv, das ich für die Pentax 645 hatte, war wie gesagt ein Pentax-A 4.5/80-160. Ein wirklich tolles Zoom! Allerdings nicht gerade kompakt und auch ziemlich schwergewichtig. Welche Brennweiten kämen da nun als Ergänzung in Betracht?

Ein Teleobjektiv. Diese Idee habe ich aber ganz schnell wieder weggewischt, denn ein 300er für die 645 ist ein richtiger Klops und wirkt im Endeffekt auch “nur” wie ein 180er am Kleinbild. Nee, muss nicht sein. Für Tele habe ich Kleinbild und APS.

Ein lichtstarkes “Normalobjektiv“. Ja, das wäre was. Irgendeine Brennweite zwischen 75 und 90mm würde passen. Dann noch mit möglichst niedriger Blendenzahl. Leider gibt es ein f/1.9 nur für Mamiya, ein f/2.0 für Norita oder Contax aber nicht für die Pentax 645. (Und wenn, wäre es mir vermutlich sowieso zu teuer.) Also fing ich an zu suchen, nach einem bezahlbaren aber guten Pentax 2.8/75 oder einem Cal Zeiss Biometar 2.8/80, da ich den Pentacon SIX-auf-Pentax 645-Adapter bereits hier hatte. Alternativ dazu kam ein Volna 2.8/80 in Betracht. Das hatte ich schonmal und das hat mir damals recht gut gefallen. Aber wie es der Zufall so will, würde es ein anderes: ein Vega-12B 2.8/90, was mir aufgrund der etwas längeren Brennweite sogar sehr zusagte.

Ein Weitwinkel. Richtig, das fehlt noch. Aber nicht mehr lange. Denn nachdem ich Auktionen beobachtete und bemerkte, dass mir sowohl das Carl Zeiss Flektogon 4.0/50 als auch das Pentax-A 2.8/45 im gesuchten Zustand immer zu teuer waren – ganz zu schweigen vom (zugegebenermaßen tollen) Pentax-A 3.5/35, welches wohl nicht für unter €400,- zu finden ist – fand ich, nach einiger Recherche die Lösung: ein MIR-26B 3.5/45. In etwa 10 bis 12 Tagen sollte es bei mir sein. (Hier ist noch ein weiterer Link, allerdings zum optisch gleichen Model für die Kiev-88.) Dann ist mein Set für mich komplett.

Um dies besser nachvollziehen zu können, lassen Sie uns auf die Äquivalent-Parameter für’s Kleinbild schauen:
Das Set aus MIR, Vega und Pentax entspricht in etwa einem 2.0/28, einem 1.7/55 und einem 2.8/50-100. Damit lässt sich schon was anfangen und es ist immer noch relativ transportabel. Wie bereits geschrieben, liegt mein Schwerpunkt mit der Pentax 645 im Bereich “Portrait”. Vor diesem Hintergrund liest sich das Set für mich wie eine ziemlich optimale Besetzung.

Sobald alles hier ist, zeige ich die neue kleine Ausrüstungs-Familie auch mal auf einem Bild. ;) Ich freue mich drauf!

P.S.: Und morgen geht’s in den Hessenpark zum Leica-Treffen. Doch da nehme ich die Pentax ebenfalls mit, auch wenn das bedeutet, dass ich sie den Tag lang herumschleppen muss. Will mal ausprobiert werden.

Flop & Top!

Wie ich ja bereits mehrfach in meiner mitteilungsfreudigen Art hier geschrieben habe, bin ich in letzter Zeit gerne in Sachen “Mittelformat” unterwegs. Heute nun konnte ich – nach beinahe 2 Wochen – die ersten entwickelten Filmrollen abholen und habe die ersten Ergebnisse zweier Kameras zu sehen bekommen: die der Lomo Lubitel 166 + und die der Pentax 645.

(Ich habe die Filme – Portra 160 – über dm entwickeln lassen. Das hat deren Partnerlabor recht ordentlich gemacht, man muss eben nur eine Menge Geduld mitbringen.)

Nun, wie es zu erwarten war, ist ein deutlicher Unterschied zu erkennen. Die Lubitel 166+ ist ein echter “Flop“. Es sei denn, man nutzt sie zur “Lomographie” oder so; am besten mit abgelaufenem Film, denn bei dieser Bildqualität macht das auch keinen Unterschied mehr.
Um zwei oder drei Blenden abgeblendet sehen die Ergebnisse ja noch annähernd brauchbar aus – allerdings nicht, wenn man genau hinschaut, denn zu den Ecken ist wird es unfassbar schlecht:

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Bei Offenblende ist es nur noch eine “Effekt”-Kamera:

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Sowas habe ich bisher nur bei Spaß-Linsen gesehen. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass dies die normale Abbildungsleistung einer Lubitel 166 ist.
Es kann natürlich sein, dass mein Exemplar einen Fehler hat – bei dem überaus dreisten (um nicht zu sagen “unverschämten”) Verkäufer, bei dem ich die Kamera gekauft habe, kann ich mir das gut vorstellen. Auf jeden Fall ist mit meiner Lubitel 166 nicht an auch nur halbwegs ernsthafte Fotografie zu denken. Nun ja. Wieder was gelernt.

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Die Ergebnisse, die mir die Pentax 645 mit dem Pentax-A 4.5/80-160 dagegen lieferte, haben mich mehr als nur trösten können. Ich bin sogar total begeistert!

Die Bilder sind korrekt belichtet. Das musste ja schließlich auch einmal getestet werden. Was mich aber völlig fasziniert ist der Charakter dieser Fotos. Auf dem Schärfepunkt sind sie “knackscharf” und außerhalb verläuft die Schärfe sachte und überaus angenehm in ein cremig-samtiges Bokeh. Wow!

Angeschafft habe ich die 645 ja in erster Linie als Portrait-Kamera (das heute hinzu gekommene Vega-12B 2.8/90 Objektiv bietet sich das als sehr gute Ergänzung zum beeindruckenden Zoom an!) und dafür scheint diese Kombination geradezu prädestiniert zu sein. Man möge mir verzeihen, dass ich die Portraits meiner Kinder nicht in hoher Auflösung hier zeige, aber es deutet sich auch schon bei diesen kleinen Bildern an, warum ich so erfreut bin:

Neg_645_009 Neg_645_010 Neg_645_011

Und das sind nur “quick’n’dirty“-Scans. Da ist noch so einiges herauszuholen. Sogar die einfachen 10×15-Abzüge, die ich mitbestellt habe, sind ganz wunderbar.

Die Pentax 645 und das 80-160 haben sich – ganz im Gegenteil zur Lubitel – ein dickes “TOP” verdient!

Ebenfalls heute angekommen sind zwei Rollen Fuji Superia X-TRA 400 und zwei Rollen Rollei R3 Schwarz-Weiß-Film, die ich erneut im Spürsinn-Shop bestellt hatte (und die erneut extrem schnell geliefert wurden!). Diese Filme und meine beiden Kodak Porta 160 Rollen, die noch im Kühlschrank liegen, werden ausschließlich die Pentax von innen sehen.

(Die Lubitel bleibt in der Vitrine.) ;)

Och, schade!

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Diesen Film habe ich vor einigen Jahren in einer sehr, sehr alten Kamera gefunden, bereits belichtet und ohne dass ich auch nur den leisesten Schimmer hatte, was darauf sein könnte. Die Kamera – ich weiß schon gar nicht mehr welche es war *- hatte ich glaube ich irgendwann einmal auf einem Flohmarkt  über ein großes Online-Auktionshaus erstanden.

(* Ich weiß es wieder. Der Film war in der Reflekta Junior.)

Heute nun, einen “freien” Samstagvormittag muss man ja sinnvoll nutzen,orwo3 habe ich mich, nach ein wenig Recherche, an die Entwicklung gewagt. Es ist gar nicht leicht, die Entwicklungs-Parameter zu bestimmen, wenn man es mit einem derart alten Film zu tun hat. Ich bin sicher, dass die Aufnahmen auf diesem Film vor Jahrzehnten gemacht wurden. Ich habe zudem keinerlei Kenntnis darüber, was mit der Kamera – und daher auch mit dem Film, der ja über die Dekaden hinweg in der Kamera schlummerte – angestellt wurde.

Die Chance, dass da überhaupt noch etwas herauszuholen war, war doch ziemlich gering. Aber einen spannenden Versuch war es wert. Also, ran an die Spule und ab damit in den Entwickler…

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Ich entschloss mich, ein wenig Zeit bei der Entwicklung hinzuzugeben. Lieber ein leicht überentwickelter Film als ihm ein zu kurzes Bad im D-76 zu gönnen. Empfohlen wurden für ISO 80 7 bis 8 Minuten. Bei so lange gelagerten Filmen geht man aber von einer stark abnehmenden Empfindlichkeit aus. Also entschloss ich mich für:

  • gut 5 Minuten Vorwässerung
  • Kodak D-76 (stock) bei 21°C
  • 09:45 bei minütlicher Agitation
  • Stoppbad
  • anschließend 10 Minuten in Tetenal Superfix Plus fixiert
  • Wässerung

Das erste, was ich nach dem Wässern sah war, dass jemand – womöglich sogar mehrfach – die Kamera geöffnet haben muss, während der Film schon/noch drin lag. Nur die ersten beiden Bilder zeigten überhaupt noch etwas, was entfernt an ein Foto erinnert. Der Rest war nur noch völlig schwarz. Doch schon auf dem zweiten Foto war wirklich nichts mehr zu erkennen. Es könnte ein Mensch sein, der auf einer Wiese oder auf einem Feld steht – oder aber ein Leuchtturm. Schade.

Nur auf dem allerersten Bild kann man noch halbwegs erahnen, was dort eigentlich abgebildet werden sollte: eine Gruppe von Menschen, die anscheinend auf einer Bank sitzen sowie eine hockende Person auf deren rechter Seite daneben:

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Leider haben die vielen Jahre dann doch dazu geführt, dass das “gespeicherte Licht” nicht mehr von der chemischen Emulsion gehalten werden konnte. Sehr bedauerlich. Es wäre doch überaus spannend gewesen, diese alten Bilder zu sehen!

Dass sowas auch besser ausgehen kann, zeigt das Rescued Film Project, zu dem ich an dieser Stelle sehr gerne verlinke.

Mittelformat nun auch gescannt…

Seit ein paar Tagen steht ein Scanner hier, der auch Mittelformat-Negative scannen kann. Klasse!
Eigentlich wollte ich mir solch einen Scanner nicht kaufen, denn ich rechne ja nicht damit, dass ich wirklich viel MF-Fotos einscannen werde und für die wenigen, die es wert sind, gibt es professionelle Scanmöglichkeiten.

Doch als mir ein neuwertiger EPSON 3200 Photo für einen überaus günstigen Preis angeboten wurde (für den Gegenwert von zwei Kisten Bier), konnte ich dann doch nicht widerstehen.

Jetzt habe ich aus einem älteren aber noch immer flotten Notebook und dem 3200 eine kleinen Scan-Station gebaut, die weder auf- noch abgebaut werden muss und immer zur Verfügung steht.

Noch habe ich die Negative der ersten Rollen ja nicht zurück, doch ich habe schonmal ein wenig damit gespielt:

Die Bilder, die mit dem Kleinbild-Adapter entstanden sind, zeigen das nun auch durch die Belichtung in den Perforationsbereichen:

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Und das hier gezeigte 6×9-Bild aus der alten Voigtländer, das von einer Leuchtscheibe abfotografiert wurde:

6x9famzeigt eingescannt deutlich mehr Details, Graustufen und Feinheiten:

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Und das, obwohl noch bei weitem nicht das Maximum herausgeholt wurde.

Dieser Kauf war eine sehr gute Entscheidung!

“Epic Fail” ?

Nöö, das jetzt nicht. Aber ein “fail” war’s.

Ich freue mich über meine Erfolge. Ich stehe zu meinen Verrücktheiten. Und ich wertschätze meine Fehlleistungen.
Als Lehrer ist mir bewusst, dass man aus seinen Fehlern in erster Linie lernen kann – und genau das ist mir jetzt passiert.

Nachdem ich die Pentax 645 hier hatte, konnte ich es kaum erwarten, den ersten Film einzulegen. Die Portra-160-Rollen waren schon kurz vorher angekommen und so stand dem nichts mehr im Wege. Natürlich hatte ich mich im Internet ein wenig über die Bedienung der 645 kundig gemacht, doch selbstsicher, wie ich meist bin, dachte ich mir: “Was soll da schon schief gehen? Ich weiß, wie man etliche verschiedene Kameras bedient. Dann wird das auch mit der 645 klappen.”

So tat ich die Warnung in einem Forum, man müsse aufpassen, den Film richtig einzulegen und beinahe jeder würde das beim erstem Mal falsch machen, als Hinweis für Anfänger ab. Was sollte daran schon so schwierig sein?

Seltsam war für mich jedoch, dass ich, als ich den zweiten Film einlegte, irgendwie den Eindruck hatte, das anders zu machen als bei der ersten Rolle. Hmmm…

Nun, Sie können es sicher erahnen: Die erste Rolle konnte ich gestern fertig entwickelt abholen, seltsamerweise ohne die eigentlich üblichen Abzüge. Als ich die Filmtasche öffnete sah ich einen Zettel mit einem Hinweis aus dem Labor: “Film ist unbelichtet”. Ooops!

Da wusste ich sofort, warum ich dieses eigenartige Gefühl beim Filmwechsel hatte. Ich hatte doch tatsächlich genau den Fehler gemacht, vor dem gewarnt wurde: Ich hatte den Film falsch herum geführt und so die ganze Zeit über auf der Rückseite der Rolle “belichtet”. Da bei einem 120er Rollfilm die Rückseite durch eine abziehbare Schwarzschicht geschützt ist – sonst könnte man damit nicht mit den alten Kameras mit Filmfenster fotografieren – war natürlich nichts, absolut nichts auf dem Film. (Bei einem 220er Film gibt es diesen Schutz übrigens nicht. Dafür sind kaum noch 220er zu finden.)

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Tja, “dumm gelaufen” sagt man da wohl. Die Rolle ist futsch und die Entwicklung wurde umsonst bezahlt (war mit € 0,95 aber nicht wirklich teuer ;) ). Doch ich verbuche das unter “Lehrgeld bezahlen”. Viel bedauerlicher ist, dass die schönen Motive aus Marburg nie aufgenommen wurden.

Schön zu wissen ist hingegen, dass die zweite Rolle noch nicht abholbereit ist, weil dort noch die Abzüge anstehen. Das dauert dann immer so um die 2 bis 3 Tage länger, bedeutet aber auch, dass dann dort aber wenigstens etwas drauf ist. ;)