Eine Kamera-Tasche im “Zeitungs-Design”…

Kamerataschen sind inzwischen nicht mehr nur zweckmäßig, sondern sowohl haptisch als auch optisch oft ein Genuss. Hier hatte ich ja bereits einmal eine Tasche beschrieben, auf die das zutrifft. Leider sind solche Exemplare in der Regel ziemlich teuer, was nicht nur am ausgeklügelten Entwurf, sondern auch am besonderen Material liegt – und daran, dass sie häufig in Handarbeit gefertigt werden.

Seit Ende der Woche habe ich nun eine Tasche zuhause liegen, die ein außergewöhnliches Design mit hoher Zweckmäßigkeit, angenehmer Haptik und zusätzlich noch der Gewissheit um eine Herstellung in Handarbeit verbindet und das zu einem überaus bezahlbaren Preis!

Vor etwa einem Monat hatte ich hier im Blog über meine neue Entdeckung eines Kameragurtes mit einem besonderen Aussehen berichtet, dem Kamera-Gurt im “Zeitungs-Design” von Lieschenradieschen. PresseNun, das klingt zunächst einmal nicht nach einem Hersteller von Foto-Zubehör, ist es auch nicht – zumindest nicht hauptsächlich. Hinter dem Namen “Lieschenradieschen” steckt Luise, eine junge Studentin aus Baden-Würtemberg, die ihr Hobby etwas “ausgeweitet” hat. Luise ist überaus geschickt mit der Nähmaschine und stellt allerlei Produkte in Manufaktur-Qualität her. Es mag noch immer nicht ersichtlich sein, was dies nun mit einer neuen Kameratasche zu tun hat, aber ich denke, wir nähern uns gedanklich schon an.

Bei Lieschenradieschen gibt es nämlich nicht nur Kamera-Gurte, sondern auch Kamera-Taschen und zwar in recht ausgefallenen Designs. Als ich dann mit Luise in (einen überaus netten) Kontakt getreten bin, versprach sie mir, eine Kamera-Tasche passend zu meinem “Zeitungs”-Gurt zu schneidern, in schwarz und mit der Deckklappe mit Zeitungs-Motiv. Wow! Eine Einzelbestellung nach Kundenwunsch. Wo gibt es denn sowas noch?

Und nun ist sie hier, also die Tasche, nicht die Luise. ;)

TascheZeitung02

Und ich muss sagen, die Tasche ist ebenso fein und sauber genäht wie der Gurt auch. Aber der Reihe nach…

Die Tasche ist 28 x 19,5 x 15 cm groß und bietet TascheZeitung11genug Platz für eine Kamera und drei bis vier Objektive, ohne aber beim Tragen zu ausladend zu wirken. Sie ist aus robustem Möbelstoff und bunt-bedruckten Baumwollstoffen. Der Boden ist aus festem Kunstleder und somit wasserfest und abwaschbar. Abstellknöpfe sind keine vorhanden. Die Tasche ist zusätzlich mit einer Einlage verstärkt, sodass sie auch ohne die herausnehmbare, gepolsterte Innentasche in Form bleibt und anderweitig verwendet werden kann. Dieser gut schützende Kameraeinsatz verfügt über vier variable, durch Klettband haftende Unterteilungen, die ganz beliebig angeordnet werden können.TascheZeitung09 Er wird oben verschlossen und durch einen Tunnelzug zugezogen, was das innen liegende Equipment zusätzlich schützt. Man darf zwar nicht von einer echten Wetterfestigkeit ausgehen, aber im Nieselregen würde ich mir keine großen Sorgen machen.

TascheZeitung08Der Gurt ist verstellbar und lässt sich auf eine Maximallänge von 125 cm erweitern, was für einen Menschen meiner Größe (“einsachtzig”) ausreicht. Ich habe mich anfangs ein wenig gefragt, ob der Gurt fest genug an der Tasche angenäht ist, denn er wird nicht – wie bei manch anderer HeavyDuty-Tasche um den Boden der Tasche herumgeführt, aber ich denke, dass die Mehrfachnaht durchaus genügend Sicherheit bietet. Man schleppt in dieser Tasche ja auch keine 10 kg an Equipment herum.

Auf der Taschenrückseite befindet sich ein Reißverschlussfach, das für flacheres Zubehör und persönliche Dinge Platz bietet. Ein 7-Zoll-Tablet passt hinein. Seitlich finden sich zusätzliche Einstecktaschen, in denen Filmrollen, Ersatzakkus, Speicherkarten-Boxen oder sogar ein kleines Objektiv mitgenommen werden können.

Die Taschenklappe wird durch zwei Metalldruckknöpfe verschlossen. TascheZeitung10Dafür gäbe es womöglich noch bessere Lösungen. Ich mag ja diese besonderen Verschlusse der Dothebag Mono sehr. Doch die sind vermutlich um einiges teurer und schwieriger zu bekommen. Die verwendeten Druckknöpfe gehören aber zu den Praktischeren ihrer Art, denn sich lassen sich mit genau dem richtigen Kraftaufwand öffnen und schließen, so dass sie einerseits einhändiges geöffnet werden können, andererseits ein versehentliches Öffnen nicht befürchtet werden muss. Gut!

Das Besondere an der Tasche ist und bleibt aber ihr außergewöhnliches Design:

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Diese Kombination aus Gurt und Tasche hat was, oder?

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Und hier wird wohl kaum jemand eine Fotoausrüstung in der Tasche vermuten – auch ein für viele wichtiger Aspekt!
Nun noch ein paar weitere Eindrücke:

Ich bin ja eh ein wenig “kamerataschenverrückt”, aber ich muss sagen: ich glaube, ich habe mich ein wenig verliebt. ;)

Wenn ich aus heutiger Sicher urteilen sollte, würde ich der Tasche ein

sehr empfehlenswert

geben. Gerade für die kompakteren Systemkameras ist sie sehr gut geeignet. Doch auch eine Nikon Df passt hinein, da die Tasche dick und hoch genug ist. Wenn ich am 09. Mai zum Leica-Hessenpark-Treffen fahre, wird die Tasche auch mal einem echten Praxis-Test unterzogen. Dann werde ich wieder berichten. :)

Foto-Website entdeckt…

Nun ja, ich schrieb ja bereits, dass ich im Moment kaum Zeit für mein Hobby finde, doch hier und da in einer kleinen Pause, ein wenig im Web “herumsurfen”, das geht ja immer.

Auf einem meiner letzten “Streifzüge” auf der Suche nach interessanten Foto-Blogs stieß ich auf die Seiten von Mark Kujath. Nicht nur, dass ich seine Fotos sehr ansprechend finde, nein, auch seine Philosophie gefällt mir, viele seiner Vorlieben und Interessen kann ich teilen. Nur gelegentlich scheinen wir unterschiedlicher Meinung zu sein.

Er nutzt digitale wie analoge Systeme – sehr sympathisch! – und legt immer wieder Gründe für seine Begeisterung für analoges Fotografieren dar:

Klasse finde ich auch, dass er Equipment mag, obwohl es objektiv mehr Nach- als Vorteile hat: Warum ich die FujiFilm X-Pro 1 trotzdem liebe…

Die Seiten sind jedenfalls einen Besuch wert! (Und sie haben Einzug erhalten in meine Blogroll.)

P.S.: Übrigens scheinen mehr und mehr Fotografen die Fotografie auf Film wieder zu entdecken und diese auch zu genießen – so wie hier auf PetaPixel! (OK, einige der dort genannten Gründe sind, nun ja, wenig überzeugend. ;) )

Der Mittelformat-Weg … also, meiner. ;)

Meine Beziehung zum Mittelformat war bisher ja eher so wie zu einem Documenta-Künstler, anerkennend aber mehr oder weniger distanziert, sozusagen aus der Ferne bewundernd.
Irgendwie hat es mich ja schon immer gereizt, mit dem “größeren” Format zu fotografieren. Großformat war aber wirklich zu weit weg und sowohl zu teuer als auch zu aufwändig. Dank eines Foto-Kumpels durfte ich zwar einmal die tolle “Erfahrung Großformat” machen, doch gleichzeitig erkennen, dass das wohl nicht meine Welt ist. Mittelformat allerdings bietet die Möglichkeit, ein deutlich größeres Aufnahmeformat als “Kleinbild” zu nutzen und dennoch mit handlichen Kameras umzugehen. Mein Traum des “digitalen Mittelformates” wird – auch wenn die Kameras inzwischen weniger kosten – aufgrund der auch heute noch aufgerufenen Preise wohl immer ein solcher bleiben. Ich wüsste auch nicht, ob es wirklich zu rechtfertigen wäre, wenn ich für eine Kamera, die ich nun wirklich nicht “brauche” sondern höchsten gerne “hätte”, einige Tausend Euro ausgeben würde. Das wäre sogar für mich zu verrückt.

Analoges Mittelformat, auf Rollfilm also, kostet aber nicht mehr die Welt. Natürlich ist es noch immer teurer als Kleinbild, sowohl die Ausrüstung als auch die Filme, es bewegt sich aber alles in einem, nun nennen wir es “hobby-kompatiblen” Bereich.

Interessanterweise folgte meine Einstellung zum Mittelformat mehr oder weniger der Bewegung einer Achterbahn. Meine ersten Mittelformat-Erfahrungen sammelte ich vor einigen Jahren mit einer ADOX Golf 63:

Damit habe ich ein paar Rollfilme belichtet und damit war ich auch ziemlich zufrieden:

SchlossRotenburg_Adox6x6_980

Es folgten ein paar Versuche mit diversen Kameras…

Dehel – Demaria Fréres 1941 (6×4.5) mit einem Demaria 4.5/75 Objektiv
Eine sehr alte und ziemlich klapprige Angelegenheit.


AGFA Box 50 (6×9) (Meniskus 11/100)
Ich wage es hier nicht von einer “Abbildungsleistung” zu sprechen.

Die wunderschöne Yashica-24 (6×6) mit einem Yashinon 3.5/80 Aufnahmeobjektiv, deren Verschluss leider recht schnell nachdem ich sie hatte kaputt ging. Schade, denn die hätte das Zeug dazu gehabt, mich für MF zu begeistern.

Reflekta Junior (6×6) (E.Ludwig Meritar 3.5/7.5 cm)
Zu dieser Kamera habe ich hier und hier schon was geschrieben.

Zwischendurch durfte ich die Lomo Belair eines Foto-Freundes testen. Eine schöne Kamera, aber warm wurde ich mit ihr nicht. Und die relativ neu zugagangene Photax III Blindé habe ich bisher noch gar nicht richtig ausprobiert. Auch meine Lomo Lubitel 166+ ist doch eher eine sub-optimale Lösung und sogar für mich, der in hohem Maße kompromissbereit ist, zu kompromissbehaftet.

Irgendwie legte ich also immer wieder ausgedehnte Mittelformat-Pausen hin, entweder weil die Kameras mich nicht so richtig gewinnen konnten, weil mir die Filmentwicklung zu teuer war, weil ich nicht so ewig lange darauf warten wollte oder weil ich mich erst wieder in der S/W-Entwicklung reinfuchsen musste.

Das war ja bis vor kurzem mein letztes Projekt: die Selbstentwicklung der mit Voigtländer Bessa aufgenommenen Fotos. Das hat Spaß gemacht, in mir aber erneut nicht wirklich den Drang geweckt, auf Mittelformat zu fotografieren.

Oder vielleicht doch!
Zwar nicht aufgrund einer überlegenen Bildqualität, denn die habe ich mit meinen MF-Kameras bisher nicht erlebt – was auch kein Wunder ist, denn es waren ja immer ziemlich preisgünstige Modelle; nein, gerade weil in mir der Gedanke reifte, dass da doch “noch was sein” müsse. “Richtiges” Mittelformat wollte ich ausprobieren. Die regelmäßigen Blogbesucher wissen es schon: die Pentax 645 kam ins Haus.

Jetzt ist schon die dritte Rolle des Kodak Portra 160 in der Pentax und die ersten beiden Rollen sind in der Entwicklung. Ich bin gespannt, ob ich den Mittelformat-Weg nun zu Ende gegangen bin. Und nein, ich erwarte nicht unbedingt eine bessere Leistung, bessere Bilder als mit beispielsweise meiner Nikon Df oder meiner Fuji X-T1. Ich erhoffe mir aber “andere” Bilder. Eine Analogie mag dies vielleicht erklären: Mit der Fuji X-T1 zu fotografieren ist wie in einem top-modernen und super ausgestatteten japanischen Mittelklasseauto zu fahren. Es ist alles da, was man braucht und mehr. Es ist in hohem Maße zuverlässig und kann einfach so ziemlich alles. Mit der Pentax 645 zu fotografieren ist hingegen eher wie eine Fahrt in einem klassischen Land Rover: sie ist groß und schwer, es zieht und es röhrt beim Fahren. Allerdings spielt da auch eine gehörige Portion “Coolness” mit. ;)

Film revival…

Die Arbeit hat mich zur Zeit – auch am Wochenende – fest im Griff, daher heute nur ein paar Links zu einem für mich hochspannenden Thema…

Man konnte es ja schon seit einiger Zeit beobachten: die “analoge” Fotografie auf Film (eigentlich sollte man “Photographie” schreiben) kommt zurück.

Artikel aus der Berliner Zeitung vom 12.03.2015

Waren vielleicht sogar die Lomographen federführend dabei? (BBC, 22.11.2012)

Es gibt wieder eine Menge Fotografen, die gerne auf Film zurückgreifen (BBC, 18.04.2015)

Mir macht es auf jeden Fall Spaß und, wie es scheint, sehen das viele genau so!

Also, holen Sie Ihre alten analogen Kameras aus der Vitrine, laden Sie einen Film und los geht’s…

Was für eine verrückte…

… aber gleichzeitig auch überaus faszinierende Idee!

Mein Zeigefinger (= Klickfinger) wippt schon ganz nervös. Aber nein – noch obsiegt die Vernunft!

Ich mag das Design (und die Bedienung) von TLR-Kameras (= zweiäugige Spiegelreflex-Kameras, meist für das Format 6×6) sehr. Auch die – wieder entdeckte – Philosophie von Sofort-Bild-Kameras übt eine eigenartige Faszination auf mich aus, siehe hier und hier. Wenn nun jemand auf die Idee käme, diese beiden Konzepte zu vereinen… aber nein, das ist ja viel zu abwegig. Wer sollte denn sowas machen?

Nun, es scheint, dass heutzutage nichts mehr wirklich zu verrückt ist, als das es nicht doch jemand probiert:

(C) by MiNT Instant Inspiration

(C) by MiNT Instant Inspiration

Für die Firma MiNT hat ein junger Ingenieur, der nicht so recht wusste, was er mit der Rolleiflex, die sein Vater ihm geschenkt hatte, anfangen sollte, nun tatsächlich solch ein “Hybridwesen” konstruiert und bis zur Marktreife (Ende Mai) getrieben: Die IstantFlex TL70.

Ich muss gestehen, diese Kamera fasziniert mich total. Leider fasziniert mich das Preisschild nicht ganz so sehr, aber wenn mal in der Hobby-Budget-Kasse wieder etwas weniger Ebbe ist, dann kann es gut sein, dass… Aber gut, genug davon. ;)

Hier erfahren Sie über dieses Projekt und dessen Hintergrund. Alleine schon aufgrund der Geschichte könnte ich schwach werden. Was muss das für ein lässiges Gefühl sein, mit solch einer TLR zu fotografieren und dann durch einen Druck auf den kleinen Knopf hinten das Sofortbild rausfahren zu lassen! Nochmal eine “Coolness”-Stufe höher als bei meiner Instax 210.

Die TL70 bietet eine, für Sofortbildkameras überaus ungewöhnliche, verstellbare Blende (ab f/5.6!), eine Belichtungskorrektur und das alles in einem echt hübschen Gehäuse – sehr “retro”. Hah! Da ist noch ein Grund!

Wieviele clevere Gedanken in das Projekt geflossen sind zeigt auch das “Easteregg”: die Blende hat eine “Bokeh-Einstellung”, die in verschiedenen Kameras unterschiedliche Formen zeigt – hoch individuell und damit genau den Nerv der Zeit treffend.

Ich ziehe meinen Hut für den Mut, solche einen Weg zu gehen. Bin gespannt, was daraus wird…

Meine “Dicke”…

Ein liebevoll gemeinter Kosename für die Pentax 645, die seit kurzem bei mir wohnt.

P645_1

Die Pentax 645 ist – wie die Bezeichnung schon vermuten lässt – eine Mittelformat-Kamera, die Rollfilm im Format 6×4,5cm belichtet. Rollfilm? ist das nicht der Anachronismus per se? Ja, schon möglich. Aber wer sagt denn, dass ein Anachronismus keinen Spaß bringt oder gar verboten ist?

Nachdem DHL fast eine Woche (!) gebraucht hat, um mir das Paket (aus Bayreuth) zu liefern – auch eine Art Anachronismus, wenn ein Paket im 21. Jahrhundert sechs oder sieben Tage braucht –  kam es natürlich an, als wir ein paar Tage unterwegs waren. Dank unserer tollen Nachbarschaft, konnte es aber angenommen werden und so konnte ich es nach unserer Rückkehr freudig in Empfang nehmen.

Man mag sich nun fragen, warum ich mich denn ausgerechnet für eine Pentax 645 (ohne Autofokus) mit einem 4.5/80-160 Zoom entschieden habe. Nun, speziell danach gesucht habe ich nicht. Einzig eine (ziemlich) professionelle Mittelformatkamera wollte ich gerne noch haben, nach den Erfahrungen mit alten Balgenkameras, alten TLRs und einer Lubitel 166. Da ich keinerlei MF-System hier hatte, konnte ich markenoffen suchen. Ich wollte keine russische Mittelformatkamera im Stile einer Kiev 88, denn zuverlässig sollte sie schon sein. Und mit einer chinesischen Seagull hätte ich mich nur einen unwesentlichen Schritt von der Lubitel entfernt.

Spaß gemacht hätten mir sicher auch die tollen Messucherkameras von Fuji, doch die sind noch immer ziemlich teuer. Denn, der erfahrene Blogbesucher ahnt es schon, knausrig wie ich bin, sollte die MF-Kamera auch noch preiswert sein – nicht billig, aber bezahlbar. “Professionell” und “preisgünstig”, das sind eigentlich zwei Adjektive, die sich gegenseitig ausschließen. Wenn man aber Geduld mitbringt, dann lässt sich auch solch ein Oxymoron finden. Wobei man nicht erwarten darf, eine solche Kamera für wenig Geld zu bekommen. Ein fairer Preis ist bei einem guten Verkäufer aber drin. Und solch einen guten Verkäufer habe ich nach längerer Suche gefunden. :)

An sich hätte mir eine Pentax 645 mit einem 75er-Objektiv absolut gereicht, doch wenn man Angebote durchforstet, muss man hier und da auch bereit sein, Kompromisse einzugehen – wobei ich jetzt im Nachhinein, bei dem Pentax-A 4.5/80-160 (äquivalent zum Kleinbild entspricht es in etwa einem 50 bis 100mm Objektiv) auf keinen Fall von “Kompromiss” reden möchte. Ja, es ist groß und ja, es ist schwer. Doch wenn ich “klein und leicht” haben will, dann greife ich ohnehin kaum zu einer Mittelformatkamera.
Und ich hatte auch nicht vor, Landschafts- oder Architekturaufnahmen damit zu machen, sondern in erster Linie Portraits und portraitähnliche Fotos, die eben diesen besonderen “Mittelformatlook” zeigen, denn ich so faszinierend finde.

Der erste Film ist jedenfalls geladen und die ersten 6 Fotos sind “im Kasten”. Man fotografiert automatisch behutsamer und durchdachter als mit einer Digitalkamera, soviel kann ich schonmal bestätigen. ;)

Sobald der Film belichtet und entwickelt ist, werde ich wieder berichten und Fotos zeigen.

Hier nun noch ein paar Daten zur Pentax 645:

Veröffentlicht im Jahr 1984 (und mit dem zeittypischen Design) bietet die 645 (ohne Buchstaben) eine Bildfrequenz von 1,5 Fotos pro Sekunde, was für eine MF-Kamera schon beachtenswert ist. Es muss manuell fokussiert werden, denn ein AF fehlt. Die Belichtungsmessung erfolgt über eine mittenbetonte TTL-Integralmessung und es stehen Belichtungszeiten von 15s bis 1/1000s, sowie eine Belichtungsanpassung zur Verfügung. Die Pentax 645 kann sowohl mit 120er als auch mit 220er Rollfilm geladen werden, wofür zwei unterschiedliche Rückteile genutzt werden. Ein Filmwechsel ist nur mit voll belichtetem Film (und nicht zwischendurch) möglich. Schön ist, dass sämtliche Elektrik mit 6 normalen AA-Batterien betrieben wird.
Die Kamera wiegt beachtliche 1,3 kg (das Zoom nochmal knapp ein Kilo). Man muss sich also gut überlegen, ob man dieses Set einen ganzen Tag umherwuchten möchte. ;)

Wer schon einmal mit einer manuell zu fokussierenden Spiegelreflexkamera fotografiert hat, der wird sich sehr schnell mit der Bedienung der Pentax zurecht finden. Darüber hinaus wird er erfreut sein über das wunderbar große Sucherbild, das ein manuelles Scharfstellen überaus leicht möglich macht. Die Kamera lässt sich schnell auf die unterschiedlichen Modi einstellen und so zügig bedienen. Schwer ist sie, aber keinesfalls “schwerfällig”.

Mir schwebt da so einiges vor, dass ich mal als Vergleich anstellen könnte. Das Pentax-A 4.5/80-160 an der Pentax 645 und das Tokina AT-X 2.8/60-120 an der Nikon Df zum Beispiel. Die Parameter klingen jedenfalls recht ähnlich.

Ob ich mir auch einen Pentax645-NikonF-Adapter hole? ;)

Nun ja, leider beginnt jetzt, Mitte April, wieder eine sehr arbeitsreiche Phase für mich, in der ich nur wenig Zeit für mein Hobby finden werde. Aber das Jahr ist ja noch jung und der Jahresurlaub kommt noch. :)

P.S.: Die Fotos wurden übrigens mit einem Pentax-M 2.8/100 an der Fuji X-T1 gemacht.

“Semi-Pros” der 70er

Heute möchte ich zwei Kameras vergleichen, die noch nicht allzu lange in meiner Sammlung sind, an denen ich mich aber jedesmal erfreue, wenn ich einen Film in sie einlege oder sie einfach nur in die Hand nehme.

NikkormatFT2_FujicaST801web

Es handelt sich um die Fujica ST801 und die Nikkormat FT2. Beides sind Kameras der 70er-Jahre und beide sind sie anzusiedeln in der gehobenen Amateur-Klasse. Die Fujica kostete neu mit dem (hier abgebildeten) 1.8/55 in den USA etwa US$ 380,-. Die Nikkormat war vermutlich sogar etwas teurer.

Für mich kommen sie einer optimalen, manuellen Spiegelreflex sehr nahe, da sie rein mechanisch funktionieren – die Batterien also nur für die Belichtungsmessung benötigen. Sie sind aber so “modern”, dass sie dafür schon die “neueren” 1,5V-Batterien verwenden – und nicht etwa die alten, schwer erhältlichen und umweltschädlichen Quecksilberzellen!

Zudem sind sie äußerst robust konstruiert und gebaut. Die Bedienung ist eingängig und sehr leicht verständlich. Es ist ein wahrer Genuss, mit ihnen zu fotografieren. Die Fujica bietet ein typisches Zeitenrad auf der Oberseite des Gehäuses, bei der Nikkormat stellt man die Belichtungszeit an einem Ring hinter dem Objektivbajonet ein. Das ist vielleicht anfangs etwas ungewohnt, doch ebenso schnell und sicher wie bei der “klassischen” Bedienung.

Lassen Sie uns einmal ein wenig vergleichen:

Camera Nikkormat FT2 Fujica ST801
Anschluss Nikon F (ohne AI) M42 (Gewinde)
Verschluss B, 1 – 1/1000s B, 2 -1/2000s
Gewicht 880 gr 635 gr
Größe 148mm x 96mm x 54mm 133mm x 91mm x 51mm
Belichtungsmessung TTL CdS, Offenblende
Selektiv (center-weighted)
TTL, Offenblende (mit Fuji-Obj.)
Integral (average)

In einem Text zur FT2 habe ich gelesen, sie sei “sowas wie die D700 der damaligen Zeit” (also eine durchaus professionell zu nutzende Kamera unterhalb der Profi-Modelle). Das gefällt mir. Und das trifft auf beide zu.

Welche Probleme sind zu erwarten? Nicht viele.
Die Fuji hat eine besondere Eigenart: sie nutzt bei den Fujinon-M42-Objektiven eine Offenblendmessung, die dazu führen kann, das Fremdmarken-Objektive nicht mit Blendenautomatik genutzt werden können. Ich habe aber gerade heute erst mit einem Soligor 2.5-3.5/35-70 fotografiert. Das funktionierte hervorragend.
Die Nikon hat noch keine AI-Funktionalität, d.h. man muss darauf achten, die F-Objektive korrekt anzusetzen. Eine Belichtungsmessung ist nur möglich, wenn das Nikkor-Objektiv die kleinen “Hasenöhrchen” für den Blendenhebel hat. Fotografieren (zur Not eben ohne Belichtungsmessung) kann man aber mit fast allen Objektiven mit Nikon-Bajonett. Die Zeiten und die Blende (ebenso wie den Fokus) muss man bei beiden Kameras ohne hin manuell einstellen.

Das ist Fotografieren in Reinform. Und das macht einen Riesenspaß!

Diese Kameras sind nun etwa 40 Jahre alt und es erstaunt mich, wie gut und zuverlässig sie noch immer “schnuggeln”.* Wenn die Filme voll sind und von der Entwicklung zurück – ich habe diesmal Farbnegativfilme geladen – dann zeige ich auch ein paar Fotos.

Bis dahin bleibt mir nur die Empfehlung: Wer eine dieser Kameras in gutem, funktionsfähigem Zustand erstehen kann (das ist meist für unter €70,- möglich!), der sollte zugreifen. Viel falsch machen kann man nicht.

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* mittelhessisch für “funktionieren”

“200”

Nanu?! Was soll das denn für ein Titel sein?

Nun, es ist der 200ste Artikel hier im Blog. Ein kleines Jubiläum. Und das möchte ich mit einem Text feiern, der sich mit einem sehr schönen Nachmittag beschäftigt. Gestern hatte ich die Gelegenheit, einen halben Tag mit einem – beinahe hätte ich geschrieben “alten” – Freund verbringen zu können. Ein Mensch, mit dem ich bis vor ein paar Jahren viel Zeit verbracht habe, weil wir die Begeisterung für Technik und Fotografie teilten. Ich kann die Stunden nicht zählen, die wir an Wochenenden bis spät in die Nacht über alles mögliche philosophierten.
Leider (für mich) sind er und seine Familie nach Süddeutschland gezogen und wie das so ist, wenn mehr als 6 Stunden Fahrt zwischen einem liegen, man verliert den Kontakt bis auf gelegentliche Mails und Facebook-Nachrichten.

Ab und an, aber zu selten, ist er mal in unserer Gegend. So eben auch gestern. Und da er und ich parallel ein wenig Zeit abknapsen konnten, haben wir tatsächlich die Gelegenheit genutzt AndiklAndikl2und sind auf eine kleine Fototour gegangen. Es ist immer wieder wunderbar zu beobachten: wenn man nach mehreren Jahren einen guten Freund wieder trifft, dann unterhält man sich als habe man erst letzte Woche erst zusammen gesessen. Es war sofort wieder “so wie früher”. Gelle, Andi? :)

(Oh je, das klingt ja als rede ich von der Vorkriegszeit. Aber Sie wissen sicherlich, was ich meine.)

Toll ist auch, das wir (inzwischen) beide mit Nikon fotografieren und wir so gegenseitig auch mal Objektive tauschen können.

Ich habe das – und jetzt kriege ich die Kurve zu meinem Fotoblog – natürlich genutzt und sein Nikkor 4/16-35 an meine Df geflanscht – ein überaus spannendes Objektiv.

1635a
1635b

1635c
Die Verarbeitung ist Nikon-typisch exzellent. Es ist zwar relativ groß – vor allem lang – für solch ein Weitwinkel-Zoom, aber die Abbildungsleistung entschädigt für alles.

Das Bild mit den Ästen ist ein 100%-Crop aus dem Foto links daneben.

Und hier noch ein weiteres Bild, einmal in einer etwas höheren Auflösung:

(Klicke für großes Bild.)

(Klicke für großes Bild.)

Ich muss schon sagen: dieses Objektiv macht Spaß! (Und nein, ich werde mein Sigma 2.8-4/17-35 NICHT durch das Nikkor ersetzen. Ich bin nämlich mit dem Sigma auch sehr zufrieden.)

Wieder einmal bleibt die Erkenntnis: sowas sollte man öfters machen!

6×9 in der Selbstentwicklung … eine Premiere!

Vor einigen Jahren schenkte ich meinen Vater eine Voigtländer Bessa, Baujahr 1936, seinem Geburtsjahr. Leider konnten wir sie nie mehr gemeinsam ausprobieren, denn kurz danach ging es meinem Vater zunehmend schlechter. Etwa ein Jahr nachdem er verstorben war, nahm ich diese Kamera mit zu einen Kurzbesuch bei meinen Schwiegereltern im Norden. Das war im Januar 2015 und wir waren für einen Tag in Eckernförde.

Ich wollte unbedingt Fotos damit machen und das mit meinen Kindern nachholen, was ich mit meinem Vater leider versäumt hatte.

VoigtlanderBessa

Die 1935er Bessa belichtet mit einem 75mm-Voigtar-Anastigmat-Objektiv mit maximaler Öffnung von f/7.7 auf 6x9cm (genau 56 x 89 mm). Auf einen 120er Film bekommt man im günstigsten Fall 8 Aufnahmen. Ihr Verschluss bietet die Zeiten 1/25, 1/50, 1/100, “B” und “T” (beides Langzeitsteuerungen). 75mm Brennweite sind für das 6×9-Format ein Weitwinkel, am Kleinbild etwa vergleichbar mit einer Brennweite zwischen 28 und 35mm. (Das Anastigmat bildet etwa einen Winkel von 70° ab.)

Es taugt also weniger für eine Portrait-Sitzung mit Kopf in Großaufnahme, sondern ist eher ein Landschaftsobjektiv – was nicht heißen soll, dass man damit keine Protraits aufnehmen kann, man muss sie eben so gestalten, wie man eine Person mit einem 35mm-Objektiv am Kleinbild fotografieren würde, meist also mit Einbeziehung der unmittelbaren Umgebung.

Die Entfernungseinstellung richtet sich übrigens nicht nur nach Meterzahlen und “unendlich”, sondern auch nach Zonen wie “Portrait”, “Gruppe” oder “Landschaft”.

Natürlich hatte ich danach mal wieder keine Zeit, die Negative zu entwickeln. Bis heute. Nachdem ich von heute Morgen bis heute Nachmittag 14 (!) Klassenarbeiten (Jahrgang 10) korrigiert hatte – die typische Beschäftigung eines Lehrers in den “Osterferien” – musste ich mir etwas gönnen. Also machte ich mich ans Werk.

Sie können mir glauben, es war aufregend, zu sehen, ob die Kamera, die ich meinem Vater geschenkt hatte, auch noch funktioniert. Und ebenso aufregend war es, bloß nichts bei der Negativentwicklung falsch zu machen, denn ich wollte die Fotos ja nicht unwiderruflich zerstören.

Als Film hatte ich damals einen Kodak TMAX 400 geladen (der sogar schon ein wenig überlagert war, allerdings im Kühlschrank) und als Entwickler nutzte ich den Kodak D-76. Geholfen hat mir eine kleine App, die ich sehr empfehlen kann! der Massive Dev Chart Timer.

VoigtlanderBessa2VoigtlanderBessa1

Was soll ich sagen? Es ging gut! Nach der Wässerung konnte ich die Fotos auf dem Filmstreifen zum ersten Mal sehen. Meine Kinder, die im Gästebad dabei standen, fanden diesen Moment auch toll. Negative im Format 6×9 sind groß, sehr groß! Sicher, jemand, der bereits im Großformat fotografiert hat, mag das belächeln, doch im Vergleich zum Kleinbild bietet sich beinahe die 5,8fache Bildfläche!

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Ich habe hier einmal eines der 6×9-Negative neben ein Kleinbild-Negativ auf einen Diabetrachter gelegt. Das zeigt den eindrucksvollen Unterschied.

Ein Nachteil ist, dass man dafür einen Scanner benötigt, der auch Mittelformat-6×9 scannen kann. Den habe ich (noch) nicht. Also musste ich mir einen anderen, unkonventionellen Weg suchen, die Negative zu digitalisieren.

Ich habe sie kurzerhand einfach vom Braun Diabetrachter durchleuchten lassen und abfotografiert. Eine qualitativ denkbar schlechte Art und Weise, ein Negativ in den PC zu bringen, doch es musste schnell gehen und sollte zeigen, ob es überhaupt etwas geworden ist.

So sieht ein Bild dann in Photoshop umgekehrt aus:

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Je nach Display, das Sie verwenden, ist dies etwas die doppelte Größe des Originalnegativs.

Und die Bilder aus dem Norden? Bitte sehr…

6x9a

Die Marina von Eckernförde.

6x9b

Strand von Eckernförde, Blick in Richtung Hafen.

6x9c

Meine Kinder im Januar am Eckernförder Strand.

Mit dem kleinen klappbaren “Brilliant”-Sucher ist die Komposition nicht immer leicht, vor allem im Hochformat:

Der Leuchtturm sollte eigentlich komplett auf's Bild.

Der Leuchtturm sollte eigentlich komplett auf’s Bild.

Und Personen lassen sich in der Tat fotografieren (auch wenn die Belichtung hier sehr schwierig zu bestimmen war, und das Bild dementsprechend flau wurde):

Meine Familie mit leckeren Fischbrötchen auf einem Hafenfest in Eckernförde.

Meine Familie mit leckeren Fischbrötchen auf einem Hafenfest in Eckernförde.

Dafür, dass diese Fotos mit einer beinahe 80 Jahre alten Kamera ohne Belichtungsmesser und mit sehr eingeschränkten Belichtungszeiten (siehe oben) auf abgelaufenem ISO400-Film entstanden sind, bin ich wirklich zufrieden.

Jetzt weiß ich, dass ich auch Rollfilme selbst entwickeln kann. Ich bin bereit für den nächsten Schritt…