Fotobuch von Saal Digital

Als Hobby-Fotograf möchte man natürlich hin und wieder seine Fotos nicht nur auf dem Computer oder im Fernseher betrachten, sondern auch einmal “echte” Fotos anschauen. Also solche, die man wirklich in der Hand halten kann. Die Älteren unter uns werden sich erinnern. ;)

Dazu habe ich so manches ausprobiert: ein Epson Stylus Photo R200, der zwar richtig eingerichtet eine recht ordentliche Qualität bringt, dessen Tinte aber ständig eintrocknet, wenn man mal eine Weile nichts damit druckt; ein HP Photosmart A626 Fotodrucker, der auch eine gute Qualität liefert, aber höchstens im Format 13×18 und die Tinte ist auch nicht gerade preisgünstig; Fotoabzüge beim örtlichen dm, mit denen ich eigentlich ziemlich zufrieden bin, für die man aber immer mit einer Speicherkarte bewaffnet zum Laden fahren muss und schließlich diverse Fotobuch-Ersteller, die irgendwie immer irgendwo einen Haken hatten – schnell, preiswert UND hohe Qualität war bisher nicht möglich. Alles, was gut war, war ziemlich teuer und gelegentlich auch noch langsam und wenig flexibel.

DAS hat sich nun allerdings geändert!

Vor einem Monat etwa, wurde ich durch diesen Blog-Artikel eines guten Freundes auf Saal Digital aufmerksam. Nun, da ich ohnehin etwas suchte, um die “ersten Jahre” unserer Kinder einmal gebündelt fotografisch zu dokumentieren, ergab sich die Gelegenheit. Ich lud mir die Software für die Saal-Fotoartikel herunter und installierte sie. (Ich kann jetzt bereits ergänzen, dass ich inzwischen jede andere Fotobuch-Software deinstalliert habe!)

Ich finde die Saal-Software sehr gut bedienbar und effektiv. Sie führt den Anfänger leicht verständlich durch den Prozess und lässt dem Fortgeschrittenen dennoch ausreichend viel Spielraum (manchmal haben mich ein paar Automatismen gestört, aber man hat schnell heraus, wie man sie vermeidet). Sie läuft zudem stabil und schnell. Das war schon einmal ein sehr guter Start.
Hier ein paar Bilder dazu:


Doch die Software alleine macht natürlich noch kein gutes Fotobuch. Also war ich gespannt auf die Druck- und Versandschnelligkeit sowie die Qualität von Print und Bindung.

Nun, zur Geschwindigkeit lässt sich sagen, dass Saal bisher alles in den Schatten gestellt hat, was ich bisher ausprobiert habe!
Am Sonntagnachmittag habe ich das Fotobuch erstellt und hochgeladen (was übrigens sehr zügig von Statten geht, es müssen also leistungsfähige Server dort bereit stehen), am Montagvormittag hatte ich die Versandmeldung im E-Mail-Postkasten und am Dienstagnachmittag lieferte DHL das Fotobuch. Wow! Schneller geht nicht!

Geliefert wird das Buch sehr sicher verpackt:

Und die Qualität? In einem Wort: beeindruckend. Ich hatte weitgehend unbearbeitete Fotos ausgewählt und die automatische Optimierung aktiviert, um einmal zu testen, wie die Printer damit umgehen. Die Bilder sind perfekt bearbeitet. Die Schärfe ist optimal, Kontrast, Helligkeit und Tonwerte so wie sie sein sollen. Und der Weißabgleich ebenso. Eine Kerzenlichtstimmung bleibt eine. Hervorragend. Wer möchte, kann natürlich diese Korrektur-Automatik ausstellen und sich seine Fotos so drucken lassen, wie er sie selbst bearbeitet hat. (Kurz vor dem Abschicken der Fotobuchdatei fragt die Software nochmals nach, ob man die Bilder wirklich korrigieren lassen möchte. Sehr gut!)

Der Druck ist erstklassig. Keinerlei Rasterung ist sichtbar, keinerlei Artefakte; es sind einfach wunderbare Fotos. Natürlich habe ich darauf geachtet, dass die Auslösung stets hoch genug für die Druckgröße ist – die Software unterstützt einen übrigens stets dabei – denn wer das nicht beachtet, darf dem Druckdienstleister dies auch nicht vorwerfen. Das Papier ist wertig und fühlt sich sehr gut an.

Ich kann hier im Blog diese Qualität wirklich nicht darstellen, dennoch möchte ich ein kleines Bild zeigen:

buch

Die Bindung ist für ein Fotobuch ideal. Man sieht immer das gesamte Foto, ohne dass die Bereiche in der Mitte zur Bindung hin abgeschattet werden und dennoch erscheint es mir stabil genug. Ein randloser Druck ist ebenfalls möglich, so dass man auch ein Bild über beide Seiten hinweg layouten kann. Ich werde dies irgendwann einmal für ein Panorama-Projekt nutzen, dass mir schon lange im Kopf herumschwirrt.

bindung

Bei Saal-Digital ist man zudem sehr freundlich und pflegt offenbar einen sehr angenehmen Umgang mit den Kunden. Ich hatte mich bedankt für die reibungslose und sehr schnelle Abwicklung und bekam eine sehr nette Mail zurück, in der mir für meine Rückmeldung gedankt wurde. Wenn das auch im Reklamationsfall so ist, dann kann man da wirklich den Hut ziehen.

Sicherlich ist ein Fotobuch dieser Qualität mit 80 Seiten im Hardcover (etwa in DIN A4-Größe) nicht für einen absoluten Schnäppchenpreis zu haben, aber einen Seitenpreis von etwa 80 Cent halte ich da für überaus angemessen.

Mein Fazit? Ich kann das Fotobuch von Saal Digital uneingeschränkt empfehlen.

Ich zumindest weiß, wo ich künftig meine Fotobücher drucken lasse.

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[Ergänzen möchte ich, dass ich nicht geschäftlich mit Saal Digital verbandelt bin.]

 

 

Wie? Jetzt doch? Mittelformat?

Nein, nicht wirklich. Ich habe ja schon vor kurzem in diesem Artikel erwähnt, dass ich mich von meiner Mittelformat-Ausrüstung getrennt habe, vor allem weil mir die Entwicklung zu teuer ist. Nun, das ist nur etwa 3/4 der Wahrheit (die “halbe Wahrheit” wäre auch gelogen). Denn ich habe noch immer zwei alte Mittelformat-Kameras in der Vitrine stehen: eine Dehel 6×4,5 und eine Reflekta Junior (6×6). Sie stehen in der Analog-Vitrine vor allem, weil ihr Verkaufspreis kaum zum Erwerb neuer Schmuckstücke beitragen würde aber auch, weil sie in der Vitrine einfach schön aussehen. Heute möchte ich ein wenig über die Reflekta Junior reden…

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Wenn man anfängt, über diese Kamera zu recherchieren, gerät man flugs in die Wirren der zahlreichen Kamerawerke, Kombinate und VEBs aus dem Osten der Republik. Die Reflekta Junior wurde hergestellt im VEB Kamerawerk Tharandt. KWT ging später in die Welta-Kamera-Werke, so dass man auch Reflekta Junior Modelle findet, die von Welta hergestellt wurden (vor allem die Version II).

Meine Junior wurde Ende der 40er Jahre gebaut und es ist schon ein wenig erstaunlich, dass sie noch wie am ersten Tag funktioniert. Sicher, man muss dabei berücksichtigen, dass so viel ja gar nicht kaputt gehen kann, doch der Fokusmechanismus bewegt sich noch gut, die Blende lässt sich leichtgängig verstellen und der Verschluss scheint auch noch mit korrekten Zeiten zu laufen. Viel mehr an Mechanik gibt es nicht.

Die Linsen sind recht klar und der Spiegel, obgleich er von seiner Brillanz nach so vielen Jahren natürlich verloren hat, ist noch relativ gut nutzbar.

Aber nun, bevor ich in Details gehe, zunächst ein paar Eindrücke von der Kamera:

Die Reflekta Junior ist eine echte zweiäugige Reflexkamera (TLR), d.h. man schaut auf eine Mattscheibe, die ein Bild zeigt, welches vom oberen Objektiv über einen feststehenden Spiegel eben dorthin projiziert wird. Das untere Objektiv wirft sein Bild direkt durch die einstellbare Blende auf den Film, sobald der Verschluss geöffnet wird. So sieht der Fotograf ohne Unterbrechung durch eine Abdunklung durch den Spiegelschlag wie in einer SLR stets das Bild. Dieses Prinzip ist am ehesten wohl durch die Rolleiflex bekannt. (In neuester Inkarnation ist diese Kamera auch heute noch erhältlich.)

Natürlich kann eine Reflekta Junior nicht mit der Qualität einer Rolleiflex mithalten, auch wenn sie das gleiche Format belichtet. Dennoch macht eine Kamera wie die “Junior” Spaß und sie hat mit Sicherheit für so manch schöne Erinnerung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gesorgt.

ReflektaJuniorODie Junior ist ausgestattet mit einem E. Ludwig Meritar 3.5/7.5 cm, das schon eine recht beachtliche Lichtstärke für eine Mittelformatkamera bietet. Über die Blendensteuerung kann man bis auf f/22 abblenden. An einem silbernen Ring um die Objektivbasis herum lässt sich die Belichtungzeit wählen. Es stehen 1/100s, 1/50s, 1/25s sowie “B” (= der Verschluss bleibt so lange offen bis man den Auslöser wieder loslässt) und “T” (= der Verschluss bleibt so lange offen bis man den Auslöser erneut drückt) zur Verfügung.
Überhaupt wird so ziemlich alles an der Kamera in diesem Bereich der Vorderseite gesteuert, denn auch die Fokussierung geschieht dort über einen Hebel, der in einem Viertelkreis von 1m bis unendlich wandert. Oben links (von vorne gesehen) befindet sich der Auslöser sowie der Anschluss für ein Auslösekabel.

Mehr gibt es nicht. Außer man zählt noch den Filmspulknopf auf der von hinten gesehen rechten Kameraseite zu den Bedienelementen.

Spannend finde ich die Rückseite, wo man nicht nur ein abdunkelbares Filmzählfenster findet, sondern auch eine Schärfentiefetabelle für das Meritar-Objektiv – eine ziemlich praktische Sache, wenn es mal schnell gehen soll. Auf diese Art und Weise kann hyperfokal gearbeitet werden, was bei den damals üblichen kleinen Abzügen meist ausreichte.

Es ist schon ein nette, kleine Kamera. Aktuell ist ein Kodak Portra 160 (einer meiner Lieblingsfarbfilme) geladen. Mal sehen, wann ich dazu komme, ein paar Fotos zu machen – und vor allem, wo ich diesen Film dann entwickeln lasse…

 

(Für Tipps bin ich dankbar!)

Solmser Foto-Börse 2014

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Heute war er wieder soweit: die Herbst-Börse in Solms öffnete ihre Pforten. Gewohnt professionell organisiert von den Leica-Experten Lars Netopil und David Pitzer konnte man diesmal aber erkennen, dass weniger Aussteller und – zumindest auch bis etwa halb eins – weniger Besucher dort waren.
Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht, woran das wohl gelegen hat. War der Termin am Samstag vor dem ersten Advent nicht optimal, weil vielerorts die Weihnachtsmärkte öffnen? Hat das Interesse an Leica-Produkten, die einen Schwerpunkt in Solms bilden, nachgelassen? Vielleicht auch, weil ein großer Teil der Leica-Anhänger immer älter wird? Ist es zu einer generellen Sättigung im Gebrauchtmarkt gekommen? Ich denke vor allem, dass durch die allseits und jederzeit verfügbaren Internet-Auktionen das Interesse an Fotobörsen leider nachgelassen hat. “Leider” deshalb, weil es einfach sehr angenehm ist, mit dem Verkäufer direkt über ein Objekt der Begierde reden zu können und es auch selbst vor dem Kauf in der Hand zu haben.

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Diesmal waren die Preise recht hoch angesetzt (was für Solms auch eher typisch ist), allerdings – und das war eher neu – waren die Händler kaum bereit zu handeln. Das liegt, denke ich, daran, dass jeder der Händler zunächst einmal darauf bedacht war, die Kosten des Tages (Anfahrt, Tischmiete usw.) einzunehmen, bevor er etwas nachgiebiger in der Verhandlung sein konnte. Kurz nach 12 Uhr (also gut eine Stunde nach Einlass) hörte ich zwei Händler reden: “Und, wie läuft’s?” “Hach, nicht gut. Ich habe gerade mal EINE Kamera verkauft.” “Ja, bei mir auch, nur EIN Objektiv bisher.” Es ist gut möglich, dass man an solch einem Tag kurz vor dem Ende noch das eine oder andere Schnäppchen machen kann, falls ein Verkäufer bis dahin noch immer kaum etwas verkauft hat. Aber sicher mag es auch Tische gegeben haben, über die vieles den Besitzer gewechselt hat. Zu wünschen wäre es den Händlern. Zumal ich einige inzwischen gut kenne und hoffe, dass sie auch weiterhin zu den Börsen kommen.

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Das “Besser-Kennenlernen” einiger, guter Händler ist übrigens eine Methode, doch noch zu fairen Preisen ein gesuchtes Objekt zu finden. Wenn der Händler weiß, dass der Kunde immer wieder kommen wird, was der Kunde auch macht, wenn er sich vom Händler fair behandelt fühlt, dann profitieren beide Seiten davon. So habe ich dann doch noch ein Nikkor AF 1.8/50 in ausgezeichnetem Zustand für einen fairen Preis bekommen. Und so hat mir mein “Lieblingshändler” (bei dem ich diesmal leider nichts gekauft habe) vom Kauf eines Objektivs abgeraten: “Nein, lass das besser stehen. Das ist zwar ganz gut, aber wenn du schon das 12-24 hast, dann wird dir dieses hier nichts bringen.” Das ist doch toll, oder? Ich weiß und er weiß, dass ich das nächste Mal wieder an seinen Tisch gehe – und dann vielleicht ja etwas finde.

Schön ist auch, dass man immer wieder die gleichen Leute antrifft, “Fotokumpels”, zu denen man nach einiger Zeit sogar so etwas wie Freundschaften aufgebaut hat. Man teilt ja den gleichen Wahnsinn! ;)

Panasonic Lumix LC5

In dem kürzlich veröffentlichten Artikel zur frühen Retrokamera Lumix LC5 versprach ich, ein paar Fotos nachzuliefern, die mit der Kamera gemacht wurden. Dieses Versprechen soll hier erfüllt werden. :)

Marburg, heute am Nachmittag, Blick aus meinem Büro an der Uni:

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Ein wenig später, Blick etwas mehr nach Westen:

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Nochmals etwas später, Blick am Unigebäude vorbei auf die Lahn:

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Und schließlich der Blick auf die Altstadt (Oberstadt):

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Man sieht, wenn es nicht so sehr auf eine extreme Größe ankommt, kann man mit der LC5 recht ordentliche Fotos machen.

 

Hohe ISO-Einstellungen bei APS-Kameras

Kameras mit APS-Sensor stehen ja noch immer im Ruf, vor allem bei hohen ISO-Einstellungen keine gute Leistung mehr zu bringen und deutlich von Kameras mit Kleinbild-Sensor deklassiert zu werden. Nun, das mag auch heute noch grundsätzlich richtig sein, doch es kommt nicht wirklich darauf an, um wie viel besser ein noch besseres Modell ist, sondern darauf, ob die Leistung des eigenen Modells ausreicht.
Da ich Analogien gerne mag, bemühe ich mal wieder eine: Ein Formel-1-Fahrzeug deklassiert einen 911er Porsche deutlich, und dennoch ist der 911er mit Sicherheit schnell genug für jegliche “normale” Nutzung. Ganz ähnlich verhält es sich mit Kameras. Es spielt keine Rolle mehr, ob ein Kleinbild-Sensor noch weniger rauscht als der APS-Sensor in der eigenen Kamera, sobald diese APS-Kamera für die eigene Fotografie gut genug ist. Ja, ich finde es auch klasse, meine Nikon Df völlig problemlos bei ISO 10.000 oder noch höher nutzen zu können, doch bis ISO 6400 kann ich meine neueren APS-Kameras auch sehr gut nutzen. Alle, die früher (oder noch heute) auf Film fotografier(t)en, bitte ich sich nun einmal zu erinnern, wie Filme bei ISO 1600 aussahen/aussehen und wie eingeschränkt man da doch war/ist. Und hier reden wir von der vierfachen Empfindlichkeit!

OK, nun mal eine kleine, völlig unwissenschaftliche ISO-Reihe mit folgendem Motiv im Wohnzimmer meines Elternhauses:

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Einmal mit der Nikon D7000 (100% Crops):

Und einmal mit der Fuji X-T1 (100% Crops):

Es ging mir nicht um die optimalen Einstellungen oder um den perfekt gefundenen Fokuspunkt. Mir ging es darum, deutlich zumachen, dass mit beiden Kameras ISO 6400 absolut nutzbar ist, mit ein wenig höherer Toleranz sogar noch ISO 12800!

Die Fuji scheint sogar noch etwas “sauberer” zu sein, allerdings darf man nicht übersehen, dass die Fuji ein wenig bei den ISO-Angaben “schummelt”: Die Aufnahmen wurden mit Blende f/4 gemacht, so dass es eigentlich bei den jeweiligen ISO-Einstellungen zu gleichen oder zumindest zu sehr ähnlichen Belichtungszeiten hätte kommen müssen. Die Fuji aber belichtete konstant etwa mit der doppelten Belichtungszeit, also 1/40 Sek. statt 1/80 Sek. Die Bilder in der Fuji waren zwar durchweg etwas heller belichtet, aber nicht um eine ganze Blendenstufe. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die Fuji die ISO-Stufen in etwa um 1/3 Stufe zu optimistisch angibt. ISO 3200 bei der Fuji entspricht in etwa ISO 2500 bei der Nikon.

Aber selbst dies spielt keine Rolle. Wenn man so problemlos bei ISO 6400 fotografieren kann, dann verliert zumindest ein Argument der “Vollformat”-Dogmatiker seine Wirksamkeit: hohe ISOs gehen auch mit hochwertigen, modernen APS-Kameras!

Eine Retro-Digitale von vor 12 Jahren?

Man könnte meinen, der Retro-Boom bei Digitalkameras habe erst vor etwa zwei, drei Jahren begonnen. Auch, wenn man wohl ab jener Zeit erst von einem “Boom” reden konnte, so gab es dennoch bereits vorher Kameras, die sich vor allem im Äußeren aber auch in der Bedienung an “klassische Kameras” anlehnten.

Während die meisten Digitalkameras kurz nach der Jahrtausendwende (Hört sich das nicht inzwischen schon so an wie ein Begriff aus dem Geschichtsunterricht?) sehr modern designed waren, wie etwa eine Fuji 4900Z…

4900b

… so konnte man dennoch einige wenige Hersteller finden, die zumindest ihren Kameras aus dem damaligen “Oberklasse”-Bereich einen eher klassischen Look mitgaben. Vermutlich dachte man, dass die Zielgruppe ein konservativeres Design bevorzugen würde – nur so ein Gedanke.

Eine bereits damals frisch entstandenen Kooperation zwischen Leica und Panasonic (vorher hatte Leica recht eng mit Fujifilm zusammen gearbeitet) führte im Herbst 2002 zur Markteinführung genau solch einer Kamera. Wie zahlreiche Folgemodelle teilten sich Modelle von Leica und Panasonic das Innenleben, nutzten aber Variationen der Außenhaut. Der “Digilux 1″ von Leica entsprach die Lumix LC5 von Panasonic. Während bei den meisten Zwillingspärchen das Leica-Modell in meinen Augen etwas eleganter wirkte, gefiel mir bei diesem Paar die Lumix deutlich besser. Und daher habe ich mir die LC5 auch vor einigen Jahren – damals eigentlich schon als “veraltetes” Modell – gekauft. Die Panasonic Lumix LC5 wurde nicht nur inklusive Ledertasche und Sonnenblendschutz für das Display geliefert, nein sie sieht auch in der Tat ein wenig aus wie eine Messsucherkamera:

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Die LC5 ist auch nach heutigen Standards wunderschön. Von den Leistungen kann dies natürlich, nach 12 Jahren an Entwicklung im digitalen Fotosektor, nicht mehr behauptet werden. ;)

Mit ihrem 4 Megapixel-Sensor “zieht sie keinen Hering mehr vom Teller”, wie ein Bekannter es formulieren würde. Ausschnittsvergrößerungen sollte man besser vermeiden. Und selbst eine komplett genutzte Datei macht nur bis etwa 13x18cm oder vielleicht noch DIN A4 eine gute Figur. Doch Moment! Braucht man denn wirklich häufig größere Prints? Ich eigentlich kaum.

OK, es ist schon richtig, dass die 4 MPix der LC5 nicht einmal die besten 4 MPix sind, die man zu ihrer Zeit in Digitalkameras finden konnte. Eine Canon G3 lässt die LC5 was die Bildqualität betrifft wahrlich im Regen stehen, doch wenn es nicht in erster Linie auf eine möglichst hohe Bildqualität ankommt, sondern vielmehr darauf, mal wieder richtig Spaß am entschleunigten Fotografieren zu haben, dann sollte man die Lumix LC5 absolut einmal ausprobieren; denn sie entschleunigt wirklich.

Das Fotografieren mit ihr erinnert ein wenig an das Fotografieren mit einer analogen AF-Sucherkamera. Der Zoom reagiert eher träge, so dass man am liebsten das lichtstarke Leica-Objektiv (f/2.0 bei 33mm und f/2.5 in Teleeinstellung!) als “simulierte Festbrennweite” ;) verwendet. Die Auslöseverzögerung ist für damalige Verhältnisse sogar recht kurz, doch man hat – vor allem weil man ja ständig unbewusst mit modernen Kameras vergleicht – immer den Eindruck, die LC5 lässt sich bei allem, was sie tut einen Ticken mehr Zeit. Gerade das finde ich manchmal richtig angenehm.

Bitte nicht falsch verstehen! Ich bin froh, dass meine neuen Kameras überaus schnell reagieren. In vielen Situationen würde mich eine Kamera von 2002 überaus viele Nerven kosten, doch ich rede hier wirklich von einer “entschleunigten” Fotografie, die ich sehr gerne mag. Ein Prä-AI-Nikkor an der Df genutzt entschleunigt auch – keine Frage. Es macht aber enorm viel Spaß, mit solch einer “alten” Lumix ein wenig durch die Stadt zu ziehen und mal zu sehen, was damit heute noch möglich ist. Zumal sie einfach gut aussieht. Im wirklichen Leben noch besser als auf den Fotos!

Wenn der Blendschutz zugeklappt ist, hat man nochmals stärker den Eindruck, mit einer analogen Kamera unterwegs zu sein. Von daher lässt sich festhalten, dass die Lumix LC5 eine der ersten, wenn nicht sogar die erste Retrokamera war, die man auf dem deutschen Markt kaufen konnte.

Bilder, die ich mit der Kamera gemacht habe, folgen demnächst in einem separaten Artikel.

 

Fujifilm Instax 210

Instax210

 

Es lässt sich vortrefflich darüber streiten, ob eine Sofortbildkamera heute noch zeitgemäß ist, hat man doch mit einer Digitalkamera auch sofort ein Bild – allerdings hält man es nicht in den Händen. Und wenn man unterwegs ist hat man auch nicht immer einen Fotodrucker dabei.

Natürlich kann und soll solch eine Kamera kein Ersatz für eine “richtige” (im Sinne von universell nutzbare) Kamera sein. Sie kann aber zum Beispiel in Gesellschaft für den einen oder anderen Spaßmoment sorgen – man darf nur nicht so lange über die Kosten pro Bild nachdenken.

Zweimal schon (2010 und 2014) wurde ich mit dem Instax-System auf der Photokina von netten Hostessen mit einem Freund zusammen fotografiert. Das aber stets mit dem “Instax Mini”-System, bei dem die Bilder etwa in Visitenkartengröße ausgegegen werden. Das war witzig, aber echt ein bisschen zu klein. Dennoch hat mich der Gedanke an eine Sofortbildkamera nie ganz losgelassen, gerade weil man ein absolutes Unikat erstellt. Das finde ich spannend.

Wenn man, wie ich in den letzten Tagen krankgeschrieben, viel Zeit vor dem PC verbringt, kommt man auf die blödesten Ideen und eine davon war, einmal zu schauen, was es denn sonst noch im Bereich “instant photo” gibt. Klar, es gibt “Impossible Project” in Wien und ich habe auch noch einige Polaroid-Kameras, doch die Filme, die dort angeboten werden, tun nun wirklich in der Geldbörse weh.
Nach einer Weile fand ich dann das “Instax Wide”-System mit Fotos, die in sogar noch etwas größer sind als die typischen Polaroids und eben nicht quadratisch, sondern rechteckig. Das fand ich sehr angenehm. Und so dauerte es nicht lange, bis ich herausfand, dass die Fujifilm Instax 210 im Moment in einem Sonderangebot zu haben ist. “Gut”, dachte ich mir, “das soll dann wohl so sein.”

Und ich muss sagen, sie macht einen Heidenspaß! Man muss zwar seine Ansprüche an Gestaltungsmöglichkeiten und Bildqualität deutlich zurückschrauben, doch immerhin sind die Bilder besser als z.B. mit dem 600er System von Polaroid, besser belichtet und reproduzierbarer, nicht ganz so überraschend jedesmal auf’s Neue.

Die Kinder jedenfalls finden es Spitze, nach den “Klick” in kürzester Zeit ein Foto in den Händen zu halten!

Was man sich aber klar machen muss ist, dass die Instax 210 ein ziemlicher “Trümmer” ist. Sie passt eher in die Kategorie “Mittelformatkamera”.
Hier einmal zum Größenvergleich mit einem AA-Akku und einem Kleinbildfilm dargestellt:

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Das Teil ist größer als eine Semipro-DSLR!
Aber, wenn man man genau drüber nachdenkt, ist das auch kein Wunder, denn es werden ja direkt Bilder im Format 6,2×9,9cm belichtet, also noch ein Fitzelchen mehr als Mittelformat 6×9.

Wenn die Kamera angeschaltet wird, fährt das Objektiv aus und das Ganze wird nochmal mächtiger:

Instax210schr

 

Und hier einmal im Vergleich aus/an:

Instax210ausInstax210an

 

Auf diesem Bild erkennt man auch die Bedienelemente der Kamera.

  • Das erste unter dem Blitz ist das Status-Dislay, auf dem die Einstellungen durch Pfeile und die Anzahl der verbleibenden Fotos angezeigt wird.
  • darunter, in rot, der An-Aus-Knopf
  • darunter dann der Knopf zum umstellen der Fixfokus-Einstellungen (Nahbereich, Fernbereich)
  • darunter die minimalistische Belichtungssteuerung (2/3 Blenden heller, normal, 2/3 Blenden dunkler)
  • und schließlich den Anschalter für den Aufhellblitz (komplett ausschalten lässt sich der Blitz nicht).

Auf der rechten Seite der Kamera findet man den Auslöser (siehe Bild oben).

Die Filme, die zwar nicht billig aber deutlich preisgünstiger sind als die Polaroid-Filme, sind alle ISO800, und das muss auch so sein, denn das Objektiv mit 95mm Brennweite (also eine leicht weitwinklige Normallinse) bietet nur Blende f/14. Dafür funktioniert aber auch der Fixfokus.

Energie zieht die Kamera aus 4 AA-Batterien oder AA-Standard-Akkus.

Ach ja, sehr nett ist ein mitgelieferter, anklickbarer Spiegel für “Selfies”. Genau sowas zeigt schon an, welche Zielgruppe man mit der Instax 210 wohl finden möchte.

Im Grunde heißt es: mitnehmen, draufhalten, Foto schenken, gemeinsam daran freuen…

Hier findet man weitere Informationen.

Was fehlte noch? Ach ja…

Mal sehen… Ich habe mehrere digitale Kompaktkameras, eine digitale Messsucherkamera, mehrere DSLRs und mehrere digitale, spiegellose Systemkameras. Digital ist “voll”. Ich habe zudem einige analoge KB-Kompaktkameras, einige analoge KB-Messsucherkameras und mehrere analoge KB-SLRs. “Kleinbild” ist auch “voll”. Vom Mittelformat habe ich mich vor einiger Zeit wieder getrennt und da möchte ich auch nicht so schnell wieder hin – hab ich zwar gemocht, ist mir zu viel Aufwand: ein neuer Scanner müsste her, eine MF-Entwicklerdose usw…

Was fehlt also noch?

Na klar! Sofortbild!

OK, hier liegen zwar noch ein paar alte Polaroid-Kameras (von meinem Vater) herum und mindestens eine davon funktioniert auch noch, doch die Filme von “Impossible” sind zwar echt beachtenswert aber auch im gleichen Maße teuer.
Etwas Neues musste her.
Von den letzten beiden Photokinas kannte ich das Instax-System von Fuji. Doch die witzigen “Mini”-Kameras produzieren visitenkartengroße Fotos; die sind sogar mir zu klein, als dass ich sie noch “klasse” finden könnte. Doch halt! Es gibt ja auch das “Wide”-System. Schnell geschaut und gesehen, dass die Fujifilm Instax 210 gerade im Angebot ist und … was will ich noch viel schreiben?

Instax210

 

Seit heute wohnt also auch eine Instax 210 bei mir und hat direkt Freundschaft mit vier 10er-Filmen geschlossen.

Ein Bericht dazu folgt… Aber sie ist schon irgendwie “cool”. (Und jetzt fehlt nun wirklich nichts mehr.)

Ist die Ausrüstung wichtig?

Diese in zahllosen Foren und auf unzähligen Foto-Stammtischen geführte Diskussion nervt viele. Das kann man irgendwie ja auch verstehen. Die einen sind überzeugt, dass immer der Fotograf das Bild macht. Die anderen entgegen, dass sie gar nicht wissen, wo im Kopf des Fotografen das Fotopapier liegt ;) und sehen sich gezwungen, ihre ausgedehnte Sammlung zu rechtfertigen.

Ich fühle mich im Moment so, dass ich nichts (mehr) rechtfertigen muss. Zum einen geht es niemand etwas an, was ich mir von meinem Geld kaufe und zum anderen bringt eine Rechtfertigung meist ohnehin nichts. Außerdem war ich lange nicht so zufrieden mit meiner Ausrüstung wie zur Zeit. “Stilpirat” Steffen Böttcher hat es mal als “satt” bezeichnet – das Gefühl, eigentlich mehr zu haben als man braucht und nicht mehr alles mitschleppen zu wollen, sich aber dennoch nicht davon trennen können. So fühle ich mich auch, mit dem Unterschied, dass mir dieses “satt sein” besser gefällt als offensichtlich dem Stilpirat. ;) Ich finde es toll, für beinahe jede erdenklich Situation das passende Equipment zu haben – und mit vielem einfach nur mal “spielen” zu können. (Ich muss ja davon auch nicht leben.)

Was also die im Titel gestellte Frage betrifft, so möchte ich sie mit einem “ja” beantworten. Das soll aber nicht heißen – und das wird  dann oft in Diskussion bewusst falsch verstanden – dass ausschließlich das Equipment wichtig ist. Forendiskussionen neigen ja gelegentlich immer mal wieder zum Dogmatismus (eines meiner Lieblingsthemen) und lassen darin schon gewisse Ähnlichkeiten zu sonntagmorgentlichen Stammtischgesprächen erkennen – auf wiedererkennbar erschreckendem Niveau.

Oft liest man von den Fotografen, welche die Ausrüstung als wenig wichtig betrachten, folgende Anekdote:

Eines Tages ging ein berühmter Fotograf in ein Sterne-Restaurant, genoss das Mahl und sprach anschließend mit dem Koch. Als dieser den Fotografen erkannte sagte er: “Sie machen so wunderbare Fotos, Sie müssen ja eine sehr gute Kamera haben.” Der Fotograf entgegnete: “Sie kochen so ein wundervolles Essen, Sie müssen ja sehr gute Töpfe haben.”

Soweit so gut.
Diese Geschichte wird aber meist nicht zu Ende gedacht. Natürlich hat der Koch sehr gute Töpfe! Und sehr gute Pfannen. Und sehr gute Messer. Ohne exzellentes Werkzeug würde sich ein Top-Koch wohl kaum in die Küche stellen. Diese Utensilien helfen ihm dabei, sehr gute Gerichte zu zaubern, die er so nicht hinbekäme, wenn die Messer nicht richtig schneiden und die Pfannen nicht gleichmäßig heiß werden würden. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass jemand, der nicht kochen kann, auch mit den besten Töpfen kein gutes Essen machen könnte.

Genau so ist es beim Fotografieren. Selbstverständlich ist die Ausrüstung wichtig! Haben Sie schon einmal versucht, ein Bild mit der Bildwirkung eines starken Weitwinkels zu machen, wenn Ihr Objektiv bei 28mm anfängt? Haben Sie schon einmal versucht, ein formatfüllendes Abbild eines Tieres aufzunehmen ohne Teleobjektiv? Haben Sie schon einmal versucht, eine samtige Freistellung eines Portraits zu erreichen mit einem 3.5-5.6/28-80 Zoom?
Andererseits bringt es nichts, einem untalentierten Fotoanfänger gleich eine Profi-Kamera mit einem extrem lichtstarken 50er oder einem Superweitwinkel in die Hand zu drücken. Das wird nichts werden.

Ein sehr guter Koch braucht außer seinen Fähigkeiten die geeigneten sehr guten Werkzeuge.
Ersetzen Sie nun “Koch” bitte durch “Fotograf” und es passt ebenso.

Doch diese Analogie greift noch weiter!
Ohne gute Zutaten wird kaum ein leckeres Essen gelingen – ohne gute Sujets wird kaum ein gutes Foto gelingen.
Ohne Gewürze bleibt das Essen fade – ohne passendes Licht ein Foto ebenso.
Und die Präsentation auf dem Teller entspricht der Bildbearbeitung: es geht auch ohne, doch es sieht einfach besser aus.

Sie sehen, es gehört mehr zu einem begeisternden Foto als der Fotograf. Es gibt einfach mehrere essentielle Bestandteile des Rezeptes.
Diesen alten, abgehalfterten Spruch “Nur der Fotograf macht das Bild” sollte man so langsam einmal abheften – oder zeigen Sie mir bitte einmal den Profi, der mit einer billigen Kompaktknipse zum Termin fährt. Nein, das sind keine Gearheads, die sich an Statussymbolen berauschen. Diese Menschen nutzen das, was ihnen in ihrem Job am besten hilft! Und sei es nur, dass diese bestimmte Kamera ihnen das beste “Gefühl” beim Arbeiten gibt. (Gerade dies hört man oft von Leica-Fans, die damit ihre Leidenschaft gegenüber kopfschüttelnden Gesprächspartnern begründen.)

Meine womöglich ungewohnt deutliche Aussage bedeutet allerdings nicht, dass eine bestimmte Marke den Ausschlag gibt! Ich gehöre nämlich nicht zu denen, die überzeugt sind, dass Profi-Equipment nur von Nikon oder Canon, oder in bestimmten Bereichen von Leica kommen kann. Ich kenne so einige Könner, die mit Fuji, Sony, Pentax oder Olympus fotografieren und in professionellen Studio-Szenarien tauchen nochmal ganz andere Marken auf.

Jegliche Reduzierung des fotografischen Ergebnisses auf eine Zutat (sei es nun der Fotograf oder das Equipment) bedeutet eine beschränkte Sichtweise, derer wir uns eigentlich bereits entledigt haben sollten. Danke.

Zu diesem Thema empfehle ich auch diesen Artikel von “The Luminous Landscape“.