Hohe ISO-Einstellungen bei APS-Kameras

Kameras mit APS-Sensor stehen ja noch immer im Ruf, vor allem bei hohen ISO-Einstellungen keine gute Leistung mehr zu bringen und deutlich von Kameras mit Kleinbild-Sensor deklassiert zu werden. Nun, das mag auch heute noch grundsätzlich richtig sein, doch es kommt nicht wirklich darauf an, um wie viel besser ein noch besseres Modell ist, sondern darauf, ob die Leistung des eigenen Modells ausreicht.
Da ich Analogien gerne mag, bemühe ich mal wieder eine: Ein Formel-1-Fahrzeug deklassiert einen 911er Porsche deutlich, und dennoch ist der 911er mit Sicherheit schnell genug für jegliche “normale” Nutzung. Ganz ähnlich verhält es sich mit Kameras. Es spielt keine Rolle mehr, ob ein Kleinbild-Sensor noch weniger rauscht als der APS-Sensor in der eigenen Kamera, sobald diese APS-Kamera für die eigene Fotografie gut genug ist. Ja, ich finde es auch klasse, meine Nikon Df völlig problemlos bei ISO 10.000 oder noch höher nutzen zu können, doch bis ISO 6400 kann ich meine neueren APS-Kameras auch sehr gut nutzen. Alle, die früher (oder noch heute) auf Film fotografier(t)en, bitte ich sich nun einmal zu erinnern, wie Filme bei ISO 1600 aussahen/aussehen und wie eingeschränkt man da doch war/ist. Und hier reden wir von der vierfachen Empfindlichkeit!

OK, nun mal eine kleine, völlig unwissenschaftliche ISO-Reihe mit folgendem Motiv im Wohnzimmer meines Elternhauses:

motiv

Einmal mit der Nikon D7000 (100% Crops):

Und einmal mit der Fuji X-T1 (100% Crops):

Es ging mir nicht um die optimalen Einstellungen oder um den perfekt gefundenen Fokuspunkt. Mir ging es darum, deutlich zumachen, dass mit beiden Kameras ISO 6400 absolut nutzbar ist, mit ein wenig höherer Toleranz sogar noch ISO 12800!

Die Fuji scheint sogar noch etwas “sauberer” zu sein, allerdings darf man nicht übersehen, dass die Fuji ein wenig bei den ISO-Angaben “schummelt”: Die Aufnahmen wurden mit Blende f/4 gemacht, so dass es eigentlich bei den jeweiligen ISO-Einstellungen zu gleichen oder zumindest zu sehr ähnlichen Belichtungszeiten hätte kommen müssen. Die Fuji aber belichtete konstant etwa mit der doppelten Belichtungszeit, also 1/40 Sek. statt 1/80 Sek. Die Bilder in der Fuji waren zwar durchweg etwas heller belichtet, aber nicht um eine ganze Blendenstufe. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die Fuji die ISO-Stufen in etwa um 1/3 Stufe zu optimistisch angibt. ISO 3200 bei der Fuji entspricht in etwa ISO 2500 bei der Nikon.

Aber selbst dies spielt keine Rolle. Wenn man so problemlos bei ISO 6400 fotografieren kann, dann verliert zumindest ein Argument der “Vollformat”-Dogmatiker seine Wirksamkeit: hohe ISOs gehen auch mit hochwertigen, modernen APS-Kameras!

Eine Retro-Digitale von vor 12 Jahren?

Man könnte meinen, der Retro-Boom bei Digitalkameras habe erst vor etwa zwei, drei Jahren begonnen. Auch, wenn man wohl ab jener Zeit erst von einem “Boom” reden konnte, so gab es dennoch bereits vorher Kameras, die sich vor allem im Äußeren aber auch in der Bedienung an “klassische Kameras” anlehnten.

Während die meisten Digitalkameras kurz nach der Jahrtausendwende (Hört sich das nicht inzwischen schon so an wie ein Begriff aus dem Geschichtsiunterricht?) sehr modern designed waren, wie etwa eine Fuji 4900Z…

4900b

… so konnte man dennoch einige wenige Hersteller finden, die zumindest ihren Kameras aus dem damaligen “Oberklasse”-Bereich einen eher klassischen Look mitgaben. Vermutlich dachte man, dass die Zielgruppe ein konservativeres Design bevorzugen würde – nur so ein Gedanke.

Eine bereits damals frisch entstandenen Kooperation zwischen Leica und Panasonic (vorher hatte Leica recht eng mit Fujifilm zusammen gearbeitet) führte im Herbst 2002 zur Markteinführung genau solch einer Kamera. Wie zahlreiche Folgemodelle teilten sich Modelle von Leica und Panasonic das Innenleben, nutzten aber Variationen der Außenhaut. Der “Digilux 1″ von Leica entsprach die Lumix LC5 von Panasonic. Während bei den meisten Zwillingspärchen das Leica-Modell in meinen Augen etwas eleganter wirkte, gefiel mir bei diesem Paar die Lumix deutlich besser. Und daher habe ich mir die LC5 auch vor einigen Jahren – damals eigentlich schon als “veraltetes” Modell – gekauft. Die Panasonic Lumix LC5 wurde nicht nur inklusive Ledertasche und Sonnenblendschutz für das Display geliefert, nein sie sieht auch in der Tat ein wenig aus wie eine Messsucherkamera:

LC5_1

 

Die LC5 ist auch nach heutigen Standards wunderschön. Von den Leistungen kann dies natürlich, nach 12 Jahren an Entwicklung im digitalen Fotosektor, nicht mehr behauptet werden. ;)

Mit ihrem 4 Megapixel-Sensor “zieht sie keinen Hering mehr vom Teller”, wie ein Bekannter es formulieren würde. Ausschnittsvergrößerungen sollte man besser vermeiden. Und selbst eine komplett genutzte Datei macht nur bis etwa 13x18cm oder vielleicht noch DIN A4 eine gute Figur. Doch Moment! Braucht man denn wirklich häufig größere Prints? Ich eigentlich kaum.

OK, es ist schon richtig, dass die 4 MPix der LC5 nicht einmal die besten 4 MPix sind, die man zu ihrer Zeit in Digitalkameras finden konnte. Eine Canon G3 lässt die LC5 was die Bildqualität betrifft wahrlich im Regen stehen, doch wenn es nicht in erster Linie auf eine möglichst hohe Bildqualität ankommt, sondern vielmehr darauf, mal wieder richtig Spaß am entschleunigten Fotografieren zu haben, dann sollte man die Lumix LC5 absolut einmal ausprobieren; denn sie entschleunigt wirklich.

Das Fotografieren mit ihr erinnert ein wenig an das Fotografieren mit einer analogen AF-Sucherkamera. Der Zoom reagiert eher träge, so dass man am liebsten das lichtstarke Leica-Objektiv (f/2.0 bei 33mm und f/2.5 in Teleeinstellung!) als “simulierte Festbrennweite” ;) verwendet. Die Auslöseverzögerung ist für damalige Verhältnisse sogar recht kurz, doch man hat – vor allem weil man ja ständig unbewusst mit modernen Kameras vergleicht – immer den Eindruck, die LC5 lässt sich bei allem, was sie tut einen Ticken mehr Zeit. Gerade das finde ich manchmal richtig angenehm.

Bitte nicht falsch verstehen! Ich bin froh, dass meine neuen Kameras überaus schnell reagieren. In vielen Situationen würde mich eine Kamera von 2002 überaus viele Nerven kosten, doch ich rede hier wirklich von einer “entschleunigten” Fotografie, die ich sehr gerne mag. Ein Prä-AI-Nikkor an der Df genutzt entschleunigt auch – keine Frage. Es macht aber enorm viel Spaß, mit solch einer “alten” Lumix ein wenig durch die Stadt zu ziehen und mal zu sehen, was damit heute noch möglich ist. Zumal sie einfach gut aussieht. Im wirklichen Leben noch besser als auf den Fotos!

Wenn der Blendschutz zugeklappt ist, hat man nochmals stärker den Eindruck, mit einer analogen Kamera unterwegs zu sein. Von daher lässt sich festhalten, dass die Lumix LC5 eine der ersten, wenn nicht sogar die erste Retrokamera war, die man auf dem deutschen Markt kaufen konnte.

Bilder, die ich mit der Kamera gemacht habe, folgen demnächst in einem separaten Artikel.

 

Fujifilm Instax 210

Instax210

 

Es lässt sich vortrefflich darüber streiten, ob eine Sofortbildkamera heute noch zeitgemäß ist, hat man doch mit einer Digitalkamera auch sofort ein Bild – allerdings hält man es nicht in den Händen. Und wenn man unterwegs ist hat man auch nicht immer einen Fotodrucker dabei.

Natürlich kann und soll solch eine Kamera kein Ersatz für eine “richtige” (im Sinne von universell nutzbare) Kamera sein. Sie kann aber zum Beispiel in Gesellschaft für den einen oder anderen Spaßmoment sorgen – man darf nur nicht so lange über die Kosten pro Bild nachdenken.

Zweimal schon (2010 und 2014) wurde ich mit dem Instax-System auf der Photokina von netten Hostessen mit einem Freund zusammen fotografiert. Das aber stets mit dem “Instax Mini”-System, bei dem die Bilder etwa in Visitenkartengröße ausgegegen werden. Das war witzig, aber echt ein bisschen zu klein. Dennoch hat mich der Gedanke an eine Sofortbildkamera nie ganz losgelassen, gerade weil man ein absolutes Unikat erstellt. Das finde ich spannend.

Wenn man, wie ich in den letzten Tagen krankgeschrieben, viel Zeit vor dem PC verbringt, kommt man auf die blödesten Ideen und eine davon war, einmal zu schauen, was es denn sonst noch im Bereich “instant photo” gibt. Klar, es gibt “Impossible Project” in Wien und ich habe auch noch einige Polaroid-Kameras, doch die Filme, die dort angeboten werden, tun nun wirklich in der Geldbörse weh.
Nach einer Weile fand ich dann das “Instax Wide”-System mit Fotos, die in sogar noch etwas größer sind als die typischen Polaroids und eben nicht quadratisch, sondern rechteckig. Das fand ich sehr angenehm. Und so dauerte es nicht lange, bis ich herausfand, dass die Fujifilm Instax 210 im Moment in einem Sonderangebot zu haben ist. “Gut”, dachte ich mir, “das soll dann wohl so sein.”

Und ich muss sagen, sie macht einen Heidenspaß! Man muss zwar seine Ansprüche an Gestaltungsmöglichkeiten und Bildqualität deutlich zurückschrauben, doch immerhin sind die Bilder besser als z.B. mit dem 600er System von Polaroid, besser belichtet und reproduzierbarer, nicht ganz so überraschend jedesmal auf’s Neue.

Die Kinder jedenfalls finden es Spitze, nach den “Klick” in kürzester Zeit ein Foto in den Händen zu halten!

Was man sich aber klar machen muss ist, dass die Instax 210 ein ziemlicher “Trümmer” ist. Sie passt eher in die Kategorie “Mittelformatkamera”.
Hier einmal zum Größenvergleich mit einem AA-Akku und einem Kleinbildfilm dargestellt:

instax210verg

 

Das Teil ist größer als eine Semipro-DSLR!
Aber, wenn man man genau drüber nachdenkt, ist das auch kein Wunder, denn es werden ja direkt Bilder im Format 6,2×9,9cm belichtet, also noch ein Fitzelchen mehr als Mittelformat 6×9.

Wenn die Kamera angeschaltet wird, fährt das Objektiv aus und das Ganze wird nochmal mächtiger:

Instax210schr

 

Und hier einmal im Vergleich aus/an:

Instax210ausInstax210an

 

Auf diesem Bild erkennt man auch die Bedienelemente der Kamera.

  • Das erste unter dem Blitz ist das Status-Dislay, auf dem die Einstellungen durch Pfeile und die Anzahl der verbleibenden Fotos angezeigt wird.
  • darunter, in rot, der An-Aus-Knopf
  • darunter dann der Knopf zum umstellen der Fixfokus-Einstellungen (Nahbereich, Fernbereich)
  • darunter die minimalistische Belichtungssteuerung (2/3 Blenden heller, normal, 2/3 Blenden dunkler)
  • und schließlich den Anschalter für den Aufhellblitz (komplett ausschalten lässt sich der Blitz nicht).

Auf der rechten Seite der Kamera findet man den Auslöser (siehe Bild oben).

Die Filme, die zwar nicht billig aber deutlich preisgünstiger sind als die Polaroid-Filme, sind alle ISO800, und das muss auch so sein, denn das Objektiv mit 95mm Brennweite (also eine leicht weitwinklige Normallinse) bietet nur Blende f/14. Dafür funktioniert aber auch der Fixfokus.

Energie zieht die Kamera aus 4 AA-Batterien oder AA-Standard-Akkus.

Ach ja, sehr nett ist ein mitgelieferter, anklickbarer Spiegel für “Selfies”. Genau sowas zeigt schon an, welche Zielgruppe man mit der Instax 210 wohl finden möchte.

Im Grunde heißt es: mitnehmen, draufhalten, Foto schenken, gemeinsam daran freuen…

Hier findet man weitere Informationen.

Was fehlte noch? Ach ja…

Mal sehen… Ich habe mehrere digitale Kompaktkameras, eine digitale Messsucherkamera, mehrere DSLRs und mehrere digitale, spiegellose Systemkameras. Digital ist “voll”. Ich habe zudem einige analoge KB-Kompaktkameras, einige analoge KB-Messsucherkameras und mehrere analoge KB-SLRs. “Kleinbild” ist auch “voll”. Vom Mittelformat habe ich mich vor einiger Zeit wieder getrennt und da möchte ich auch nicht so schnell wieder hin – hab ich zwar gemocht, ist mir zu viel Aufwand: ein neuer Scanner müsste her, eine MF-Entwicklerdose usw…

Was fehlt also noch?

Na klar! Sofortbild!

OK, hier liegen zwar noch ein paar alte Polaroid-Kameras (von meinem Vater) herum und mindestens eine davon funktioniert auch noch, doch die Filme von “Impossible” sind zwar echt beachtenswert aber auch im gleichen Maße teuer.
Etwas Neues musste her.
Von den letzten beiden Photokinas kannte ich das Instax-System von Fuji. Doch die witzigen “Mini”-Kameras produzieren visitenkartengroße Fotos; die sind sogar mir zu klein, als dass ich sie noch “klasse” finden könnte. Doch halt! Es gibt ja auch das “Wide”-System. Schnell geschaut und gesehen, dass die Fujifilm Instax 210 gerade im Angebot ist und … was will ich noch viel schreiben?

Instax210

 

Seit heute wohnt also auch eine Instax 210 bei mir und hat direkt Freundschaft mit vier 10er-Filmen geschlossen.

Ein Bericht dazu folgt… Aber sie ist schon irgendwie “cool”. (Und jetzt fehlt nun wirklich nichts mehr.)

Ist die Ausrüstung wichtig?

Diese in zahllosen Foren und auf unzähligen Foto-Stammtischen geführte Diskussion nervt viele. Das kann man irgendwie ja auch verstehen. Die einen sind überzeugt, dass immer der Fotograf das Bild macht. Die anderen entgegen, dass sie gar nicht wissen, wo im Kopf des Fotografen das Fotopapier liegt ;) und sehen sich gezwungen, ihre ausgedehnte Sammlung zu rechtfertigen.

Ich fühle mich im Moment so, dass ich nichts (mehr) rechtfertigen muss. Zum einen geht es niemand etwas an, was ich mir von meinem Geld kaufe und zum anderen bringt eine Rechtfertigung meist ohnehin nichts. Außerdem war ich lange nicht so zufrieden mit meiner Ausrüstung wie zur Zeit. “Stilpirat” Steffen Böttcher hat es mal als “satt” bezeichnet – das Gefühl, eigentlich mehr zu haben als man braucht und nicht mehr alles mitschleppen zu wollen, sich aber dennoch nicht davon trennen können. So fühle ich mich auch, mit dem Unterschied, dass mir dieses “satt sein” besser gefällt als offensichtlich dem Stilpirat. ;) Ich finde es toll, für beinahe jede erdenklich Situation das passende Equipment zu haben – und mit vielem einfach nur mal “spielen” zu können. (Ich muss ja davon auch nicht leben.)

Was also die im Titel gestellte Frage betrifft, so möchte ich sie mit einem “ja” beantworten. Das soll aber nicht heißen – und das wird  dann oft in Diskussion bewusst falsch verstanden – dass ausschließlich das Equipment wichtig ist. Forendiskussionen neigen ja gelegentlich immer mal wieder zum Dogmatismus (eines meiner Lieblingsthemen) und lassen darin schon gewisse Ähnlichkeiten zu sonntagmorgentlichen Stammtischgesprächen erkennen – auf wiedererkennbar erschreckendem Niveau.

Oft liest man von den Fotografen, welche die Ausrüstung als wenig wichtig betrachten, folgende Anekdote:

Eines Tages ging ein berühmter Fotograf in ein Sterne-Restaurant, genoss das Mahl und sprach anschließend mit dem Koch. Als dieser den Fotografen erkannte sagte er: “Sie machen so wunderbare Fotos, Sie müssen ja eine sehr gute Kamera haben.” Der Fotograf entgegnete: “Sie kochen so ein wundervolles Essen, Sie müssen ja sehr gute Töpfe haben.”

Soweit so gut.
Diese Geschichte wird aber meist nicht zu Ende gedacht. Natürlich hat der Koch sehr gute Töpfe! Und sehr gute Pfannen. Und sehr gute Messer. Ohne exzellentes Werkzeug würde sich ein Top-Koch wohl kaum in die Küche stellen. Diese Utensilien helfen ihm dabei, sehr gute Gerichte zu zaubern, die er so nicht hinbekäme, wenn die Messer nicht richtig schneiden und die Pfannen nicht gleichmäßig heiß werden würden. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass jemand, der nicht kochen kann, auch mit den besten Töpfen kein gutes Essen machen könnte.

Genau so ist es beim Fotografieren. Selbstverständlich ist die Ausrüstung wichtig! Haben Sie schon einmal versucht, ein Bild mit der Bildwirkung eines starken Weitwinkels zu machen, wenn Ihr Objektiv bei 28mm anfängt? Haben Sie schon einmal versucht, ein formatfüllendes Abbild eines Tieres aufzunehmen ohne Teleobjektiv? Haben Sie schon einmal versucht, eine samtige Freistellung eines Portraits zu erreichen mit einem 3.5-5.6/28-80 Zoom?
Andererseits bringt es nichts, einem untalentierten Fotoanfänger gleich eine Profi-Kamera mit einem extrem lichtstarken 50er oder einem Superweitwinkel in die Hand zu drücken. Das wird nichts werden.

Ein sehr guter Koch braucht außer seinen Fähigkeiten die geeigneten sehr guten Werkzeuge.
Ersetzen Sie nun “Koch” bitte durch “Fotograf” und es passt ebenso.

Doch diese Analogie greift noch weiter!
Ohne gute Zutaten wird kaum ein leckeres Essen gelingen – ohne gute Sujets wird kaum ein gutes Foto gelingen.
Ohne Gewürze bleibt das Essen fade – ohne passendes Licht ein Foto ebenso.
Und die Präsentation auf dem Teller entspricht der Bildbearbeitung: es geht auch ohne, doch es sieht einfach besser aus.

Sie sehen, es gehört mehr zu einem begeisternden Foto als der Fotograf. Es gibt einfach mehrere essentielle Bestandteile des Rezeptes.
Diesen alten, abgehalfterten Spruch “Nur der Fotograf macht das Bild” sollte man so langsam einmal abheften – oder zeigen Sie mir bitte einmal den Profi, der mit einer billigen Kompaktknipse zum Termin fährt. Nein, das sind keine Gearheads, die sich an Statussymbolen berauschen. Diese Menschen nutzen das, was ihnen in ihrem Job am besten hilft! Und sei es nur, dass diese bestimmte Kamera ihnen das beste “Gefühl” beim Arbeiten gibt. (Gerade dies hört man oft von Leica-Fans, die damit ihre Leidenschaft gegenüber kopfschüttelnden Gesprächspartnern begründen.)

Meine womöglich ungewohnt deutliche Aussage bedeutet allerdings nicht, dass eine bestimmte Marke den Ausschlag gibt! Ich gehöre nämlich nicht zu denen, die überzeugt sind, dass Profi-Equipment nur von Nikon oder Canon, oder in bestimmten Bereichen von Leica kommen kann. Ich kenne so einige Könner, die mit Fuji, Sony, Pentax oder Olympus fotografieren und in professionellen Studio-Szenarien tauchen nochmal ganz andere Marken auf.

Jegliche Reduzierung des fotografischen Ergebnisses auf eine Zutat (sei es nun der Fotograf oder das Equipment) bedeutet eine beschränkte Sichtweise, derer wir uns eigentlich bereits entledigt haben sollten. Danke.

Zu diesem Thema empfehle ich auch diesen Artikel von “The Luminous Landscape“.

Großmama und Enkelin (Teil 2)

Falls Sie diesen Blog schon etwas länger besuchen, erinnern Sie sich vielleicht an diesen Artikel (>> “Großmama und Enkelin“), in dem ich Bilder von der Fuji X-T1 und ihrer Vor-Vor-Vorgängerin, der Fujica ST701, zeigte. Nun, wer wenn nicht ein Retrocamera-Fan kann sich wohl für sowas begeistern?

Daher nun, hier und heute, der zweite Teil:

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Und erneut können sich die beiden die wunderbaren alten Objektive teilen. :)

(Aufgenommen wurde das Bild übrigens mit einer Cousine, der Nikon D7000.) ;)

Und hier sind noch ein paar andere “Großmama und Enkelin”-Fotos:

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Retro? Retro!

Wie der Name dieses Blogs ja schon anzeigt, bin ich ein echter Fan von RetroCameras (sowohl von wirklich alten Schätzen als auch von neuen, die so aussehen wie die alten.)
Ich hatte bisher analoge SLR- und Messsucherkameras (also die “echten”) und aus dem digitalen Bereich eine Messucherkamera (M8), spiegellose Kameras, die wie eine Messsucherkamera aussehen (X-E1, X-E2) und eine spiegellose Kamera, die wie eine klassische SLR aussieht (X-T1). Was noch fehlte, war eine DSLR, die wie ein klassische SLR aussieht. Leider gibt es davon nicht wirklich viele. Doch seit heute ist sie bei mir: die Kamera, die mein Set nun komplett macht …
die Nikon Df.

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Eine umwerfend schöne Kamera mit einem Wahnsinns-Sensor! Und das Beste daran ist, dass ich nun endlich meine wunderbaren alten (non-AI) Nikkore wieder an einer Nikon nutzen kann (da wo sie hingehören).

Ich freue mich darauf, die Df in den nächsten Wochen kennen zu lernen.

Mal wieder Film…

Nachdem ich ja bereits vor einiger Zeit hier angekündigt hatte, wie sehr ich mich darauf freute, wieder einmal ein paar S/W-Negative zu entwickeln, habe ich es letztes Wochenende endlich geschafft, mir dafür ein wenig Zeit freizuräumen.

AGFA APX100 in Kodak D-76 (stock, 3. Film, 22°, knapp 11 min), fixiert in Tetenal Superfix Plus. Das hat mal wieder einen Riesenspaß gemacht und dafür, dass die Filmrolle bereits vor etwa 4 Jahren belichtet (!) wurde, sind die Ergebnisse richtig gut geworden.

K_SW_APX100_018

 

Heute habe ich dann sofort bei “Spürsinn – der analoge Fotoladen” (http://www.spuer-sinn.net) (ein sehr empfehlenswerter Laden!) ein paar Rollen AGFA APX100 und APX400 sowie eine Rolle Kodak TMAX400 (wollte ich schon immer mal ausprobieren) bestellt. Auf dass die Verschlüsse meiner schönen Filmkameras mal wieder etwas Bewegung kriegen. ;)

Die Schönheit der Retina

Nein, ich meine nicht die Retina in unseren Augen (obgleich ich die Augen eines Menschen zu den faszinierendsten Körperteilen zähle). Ich meine auch nicht das neue Display von Apple (auch wenn ich zugeben muss, dass mich das Retina-Display des iPads meiner Frau schon schwer beeindruckt!). Ich meine vielmehr die alten Kameras der Retina-Serie von Kodak.

Diese Kameras waren ursprünglich eine Art von Leica-Ersatz für Fotografen, die beides waren, preis- und qualitätsbewusst,  und die bereit waren, für einen deutlich niedrigeren Preis auf das eine oder andere “Schmankerl” aber nicht auf Qualität zu verzichten. Kodak Retina Kameras wurden in den 1940ern und 1950ern in großen Mengen gebaut und verkauft – ein untrügliches Zeichen für eine gelungene Produktstrategie.

Für uns heute ist dies insofern von Belang, als dass die Kameras recht gut auf dem Gebrauchtmarkt zu finden sind. Hier schlägt dann mein Herz auch wieder höher. Es ist einfach eine wunderschöne Sache, mit Geduld und Zuversicht auf Fotobörsen sowie in Internetforen und Online-Auktionen herumzustöbern, um solch eine gut erhaltene und funktionierende schöne Kamera für einen Preis zu finden, der einem eben nicht die Tränen vor die Retina treibt. ;)

RetinaIaSchon vor ein paar Jahren fand ich – eher per Zufall, da ich nach etwas völlig anderem gesucht hatte – auf einer Börse in Solms eine Kodak Retina Ia, sozusagen das Standardmodell, für einen günstigen Preis. Der Verkäufer bot sie als defekt an. Das war sie aber nicht und da ich keine Veranlassung sah, den Verkäufer darauf hinzuweisen, freute ich mich über ein Schnäppchen. (Ja, man kann mir nun moralische Verwerflichkeit oder Unehrlichkeit vorwerfen, aber ich finde, dass wenn jemand als Verkäufer auftritt, er sich schon über die Sachen, die er verkauft, informieren sollte. Außerdem sprechen wir hier von einer “Verlusthöhe”, der dem Verkäufer nun wirklich nicht weh getan hat.)

Wie auch immer, meine Retina Ia funktioniert jedenfalls auch heute noch.

Matt Denton hat hier ein paar Informationen zu dieser Kamera zusammengestellt, Chris Sherlock stellt sie hier kurz vor und sogar der berühmt-berüchtigte Ken Rockwell (gehasst und geliebt) hat sich dieser Kamera angenommen. Auch auf der Seite lomography hat die Retina Ia einen Platz gefunden.

Die kleine Kodak bietet weder einen Belichtungsmesser, noch irgendeinen Weg, die passende Entfernung zu bestimmen. Man muss also entweder auf externe Geräte zurückgreifen (was auch sehr großen Spaß macht) oder eben lernen zu schätzen (“guesstimate“, wie es so schön kreativ heißt ;)). Was sie aber hat, ist ein versenkbares Objektiv, was sie in zusammengeklapptem Zustand sehr kompakt macht. Dieser Idee folgen übrigens alle Retina-(Mess-)Sucherkameras. Die Retina Ia nutzt eine kleinen Balgen, um den Auszug lichtdicht zu machen – ein wunderschönes kleines Detail.

So sehr mir die kleine Ia auch ans Herz gewachsen ist, manchmal hätte ich doch gerne zumindest einen Entfernungsmesser und vor allem ein etwas lichtstärkeres Objektiv gehabt. Ich hielt also die Augen nach einer Retina IIIC (mit großem “C” für “große Sucherfenster”) auf. Leider muss man hinsichtlich der Gebrauchtpreise für eben dieses Modell meine Aussage von oben wieder etwas relativieren. Die IIIC wird man in gutem Zustand kaum mehr als Schnäppchen finden.

Aber, da ich ja solche eine Kamera nicht innerhalb von einer bestimmten Zeit haben muss, konnte ich mir genau diese Zeit nehmen, um immer mal wieder ein wenig danach zu stöbern und auch ein klein wenig über den Tellerrand zu schauen – immerhin gab es noch andere Modelle. Über ein paar Jahre tat sich nichts. Doch kürzlich fand ich ein Angebot in einer Online-Auktion, das mich aufhorchen lies. Es ging um eine Retina IIIc (mit kleinem “c”) aber – und das hatte mein Interesse geweckt –  mit einem Schneider-Kreuznach Xenon 2.0/50 Objektiv. Hui, das wäre doch was! Da die Kamera als technisch funktionsfähig und von einem Händler (also mit Rückgaberecht) angeboten wurde, war es kein allzu hohes Risiko. Und in der Tat, die Kamera funktioniert wie beschrieben, der Zustand ist wirklich hervorragend für solch ein doch schon recht altes Gerät.

RetinaIIIc

Rick Schuster beschreibt in seinem interessanten und lesenswerten Blog, dass das Modell IIIc keineswegs zu den Massenmarkt-Kodaks gehörte, sondern in direkter Konkurrenz zu den Leicas das damaligen Zeit stand. Ein Verkaufspreis von US$ 150,- im Jahr 1956 (was laut Schuster in etwa dem Wert von US$ 1200,- heute entspricht) verdeutlicht dies. Auch diese Diskussion (die leider im Verlauf ziemlich abdriftet) im deutschsprachigen APHOG-Forum zeigt, dass es so einige Fans der IIIc gibt. Der bereits weiter oben genannte Chris Sherlock zeigt Unterschiede der Modellvarianten hier auf und Mike Butkus stellt  die Handbücher online zur Verfügung: hier und hier.  (Für mich ist es an dieser Stelle mal wieder Zeit darauf hinzuweisen, dass sich Mike Butkus über eine Zuwendung für seine freiwillige Arbeit sicher freuen würde!)

Der ebenfalls oben schon genannte Ken “Infamous” Rockwell nutzte übrigens eine Kodak Retina IIIc für seinen Vergleich zwischen “digital” und “film”. Auch wenn ich seine Argumentation dort nicht wirklich unterstütze, so sagt das doch einiges über die Qualität der Kamera und vor allem des Objektivs aus.

Der erste Film jedenfalls ist geladen und ich freue mich darauf, mit meiner neuen alten Retina IIIc zu fotografieren. Wenn die ersten Ergebnisse vorliegen – das kann ja, wie Sie wissen – immer etwas dauern, werde ich sie hier natürlich auch zeigen…

 

(Die Fotos in diesem Artikel sind übrigens mit meinem Sony Xperia Z gemacht worden.)